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Gesundheit sozial benachteiligter Kinder und Jugendlicher

Stand: September 2013

Soziale Benachteiligung und schlechte Gesundheitschancen bei Kindern und Jugendlichen bedeuten:

  • Gesundheitsprobleme so­wie psychische und soziale Auf­fäl­lig­keit­en tre­ten be­reits im frühen Kindesalter auf (RKI, 2008).

Aus­wir­kungen auf die
Früh­kind­liche
Entwick­lung

  • Eingeschränkte Möglichkeiten, personale Ressourcen (wie z.B. eine hohe Selbstwirksamkeitserwartung oder Gesundheitskompetenz) zu entwickeln sowie auf soziale und familiäre Ressourcen zurückzugreifen (RKI, 2010).

Ent­wick­lung von
Res­sourcen

  • Einschränkungen der sozialen Teilhabe (Ber­tels­mann Stif­tung, 2010)
  • Höheres Risiko, psychische und Verhaltensauffälligkeiten zu entwickeln: Beispielsweise wird ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitäts-Störung) deutlich häufiger bei Kindern mit niedrigem sozialem Status als bei Kindern mit hohem sozialem Status diagnostiziert (2,8 zu 0,9%). Noch deutlicher ist dies beim Verdacht auf ADHS (10,4 % zu 2,9 %) (RKI, 2008) und beim Verdacht auf eine Essstörung (Jungen: 19,9 % zu 9,0; Mädchen: 35,7 % zu 22,6 %) (RKI, 2010).

Aus­wir­kung­en auf die psychische Ge­sund­heit

  • Seltenere Inanspruchnahme von ärztlichen Leistungen (Kurth, 2008)

In­an­spruch­nah­me
ärzt­lich­er
Leis­tung­en

  • Höheres Risiko, an Übergewicht und Adipositas (starkes Übergewicht) zu leiden: Für die Altersgruppe der 14- bis 17-Jährigen beträgt der Anteil von Jugendlichen aus sozial benachteiligten Familien mit Adipositas 14 % und ist damit fast dreimal so hoch wie bei Jugendlichen mit hohem Sozialstatus (RKI, 2008; Kurth, 2008).

Ri­si­ko, an Über­ge­wicht und Adi­po­si­tas zu
lei­den

  • Höhere Wahrscheinlichkeit, unter umweltbezogenen Belastungen aufzuwachsen: Beispielsweise sind Kinder und Jugendliche mit niedrigem sozioökonomischem Status viermal so häufig einer häuslichen Rauchbelastung durch Passivrauchen ausgesetzt wie Kinder und Jugendliche mit hohem sozioökonomischen Status (25,4 % zu 6,2 %). Hinzu kommt, dass besonders Familien mit niedrigem sozialem Status (27,8 %) an stark befahrenen Haupt- und Durchgangsstraßen wohnen und damit erheblichen Lärmbelastungen ausgesetzt sind. Bei Familien mit mittlerem oder hohem sozialen Status trifft das nur auf 12,8 % zu. (RKI & BZgA, 2008)

Wohn- und Um­welt­be­din­gun­gen

  • Höheres Risiko, im Straßenverkehr zu verunfallen: Der Anteil der Kinder und Jugendlichen, die im Straßenverkehr verunfallt sind, beläuft sich bei Heranwachsenden mit niedrigem Sozialstatus auf 11% und bei Heranwachsenden mit hohem Status auf 5% (RKI, 2010).

Unfälle im Stra­ßen-
ver­kehr

  • Geringere Chancen, einen guten Bildungsabschluss zu erwerben (Bertelsmann Stiftung, 2012)

Bildungs-
ab­schluss

  • Freizeitverhalten von Kin­dern vor dem Schuleintritt: Seltenere Teil­nah­me an außerhäuslichen Aktivitäten (BMAS, 2013).

Handlungsansätze: Was ist zu tun?

Um der gesundheitlichen Ungleichheit bei Kindern und Jugendlichen zu begegnen, stellen Maßnahmen der soziallagenbezogenen Gesundheitsförderung eine entscheidende Strategie dar.

Es gibt bereits zahlreiche Ansätze, den Folgen sozialer Ungleichheit entgegen zu treten, z.B. im Rah­men der Kinder- und Jugendhilfe, Jugendsozialarbeit und in den letzten Jahren verstärkt durch Unterstützungsangebote im Rahmen der Frühen Hilfen. Aber auch der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz ab dem 3. Lebensjahr, Entwicklungen in den Bildungsprogrammen der Länder und Schul­re­for­men sowie Programme wie z.B. Soziale Stadt oder IN FORM bieten die Möglichkeit, die Ge­sund­heit der Kinder und Jugendlichen in schwieriger sozialer Lage zu verbessern.

Auf­ga­be der gesundheitsförderung ist es, sich stärker mit den be­reits bestehenden Ansätzen und Anbietern zu vernetzen und da­zu zu mo­ti­vie­ren, das The­ma „Ge­sund­heit“ in die Aktivitäten zu in­te­grie­ren. Die zentralen Herangehensweisen, um nachhaltige Wirk­sam­keit von Angeboten sicherzustellen, sind die Ressourcenorientierung und die Par­ti­zi­pa­ti­on so­wie die Verankerung in Lebenswelten („Settings“). Eine große An­zahl von Beispielen guter Pra­xis (» „Good Practice“, www.gesundheitliche-chancengleichheit.de/good-practice) zeigt in vielfältiger Wei­se, wie dies ge­lin­gen kann. Ge­sund­heits­för­de­rung sollte als ei­ne Querschnittsaufgabe gemeinsames Ziel fachlichen Handelns sein. Der 13. Kinder- und Jugendbericht ist hierfür ein zentraler An­knüp­fungs­punkt (BMFSFJ, 2009).

Handlungsansätze zur Verbesserung der gesundheitlichen Chan­cen­gleich­heit von Kin­dern und Ju­gend­li­chen sollten im Sinne integrierter kommunaler Stra­te­gien („Präventionskette“) An­ge­bo­te ent­lang des Lebenslaufs mit­ei­nan­der verzahnen und so ein tragfähiges Netz unterstützender Maß­nah­men in Kom­mu­nen we­ben. Je frü­her die An­ge­bo­te ein­set­zen, des­to eher sind sie in der La­ge, Res­sour­cen zu stär­ken, Risiken zu mi­ni­mie­ren und neue Per­spek­ti­ven aufzuzeigen. Dabei ist es wich­tig, für jede Lebensphase und deren spezielle Herausforderungen spezifische An­ge­bo­te zu ent­wi­ckeln und die Übergänge zwi­schen den Lebensphasen in den Blick zu neh­men. Der vierte Armuts- und Reichtumsbericht der Bun­des­re­gie­rung hebt die positive Ge­stal­tung der Übergänge als "entscheidende Weichenstellung (...) für die erfolgreiche Teil­ha­be ins­be­son­de­re am Bildungs- und Erwerbssystem und am gesellschaftlichen Leben" (BMAS, 2013, S.12) hervor.

Mit Hilfe der Erfahrungen aus den Good Practice-Projekten hat der Kooperationsverbund allgemeine, aber auch auf die jeweiligen Lebensphasen und Übergänge ab­ge­stim­mte Hand­lungs­emp­fehlungen und Umsetzungsstrategien zur Verbesserung der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in schwieriger sozialer Lage gebündelt. Die vom beratenden Arbeitskreis des Kooperationsverbundes entwickelten zwölf Good Practice-Kriterien die­nen dabei als Qualitätswegweiser, um Angebote auf die Bedürfnisse der Zielgruppe ab­zu­stimmen. Die Handlungsempfehlungen werden im Rahmen des kommunalen Part­ner­pro­zess "Gesund Aufwachsen für alle!"  umgesetzt.

Literatur

  • Bertelsmann Stiftung (Hrsg.). (2012). Folgen unzureichender Bildung für die Gesundheit. Gütersloh: Bertelsmann Stiftung. Verfügbar hier.
  • Bertelsmann Stiftung (Hrsg.). (2010). Soziale Gerechtigkeit in der OECD - Wo steht Deutschland? Sustainable Governance Indicators 2011. Gütersloh: Bertelsmann Stiftung. Verfügbar hier.
  • Bundesministerium für Arbeit und Soziales (Hrsg.). (2013). Lebenslagen in Deutschland. Der Vierte Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung. Bonn. Verfügbar hier.
  • Bundesministerium für Gesundheit (BMG) (Hrsg.).(2010). Nationales Gesundheitsziel. Gesund aufwachsen: Lebenskompetenz, Bewegung, Ernährung. Berlin: BMG. Verfügbar hier.
  • Bundesministerium für Gesundheit (Hrsg.). (2008). Strategie der Bundesregierung zur Förderung der Kindergesundheit. Berlin: BMG. Verfügbar hier.
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) (Hrsg.). (2011). Kriterien guter Praxis in der Gesundheitsförderung bei sozial Benachteiligten [5. Auflage]. Köln: BZgA. Verfügbar hier.
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) (Hrsg.). (2011). Leitbegriffe der Gesundheitsförderung und Prävention: Glossar zu Konzepten, Strategien und Methoden. Werbach-Gamburg: Verlag für Gesundheitsförderung. Verfügbar hier.
  • Kurth, B.-M. (2008). Gibt es eine gesundheitliche Benachteiligung von Kindern? Ergebnisse der KiGGS-Gesundheit und Sicherheit - von der Wissenschaft zum Verbraucher. In Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e. V. (Hrsg.), BLL-Jahrestagung 2008. (S. 22-35). Verfügbar hier.
  • Nationales Zentrum Frühe Hilfen (NZFH) (Hrsg.). (2011). Materialien zu Frühen Hilfen - Kosten und Nutzen Früher Hilfen. Köln: NZFH.
  • Richter, M., Hurrelmann, K., Klocke, A., Melzer, W. & Ravens-Sieberer U. (Hrsg.). (2008). Gesundheit, Ungleichheit und jugendliche Lebenswelten. Ergebnisse der zweiten internationalen Vergleichsstudie im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation. Weinheim und München: Juventa-Verlag.
  • Robert Koch-Institut (RKI) (Hrsg.). (2008). Lebensphasenspezifische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Berlin: RKI. Verfügbar hier.
  • Robert Koch-Institut (RKI)& Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Hrsg.).(2008). Erkennen - Bewerten - Handeln: Zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Berlin: RKI. Verfügbar hier.
  • Robert Koch-Institut (RKI) (2010): Armut und Gesundheit. GBE kompakt 5/2010. Berlin: RKI. Verfügbar hier.
  • Schneider, Dr. U., Stilling, G. & Woltering, C. (2012). Arme Kinder, arme Eltern: Familien in Hartz IV. Verfügbar hier.
  • Robert-Koch-Institut (2010). (Hrsg.). Gesundheitliche Ungleichheit bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Berlin: RKI. Verfügbar hier.
  • Statistisches Bundesamt (Hrsg.). (2011). 15,6 % der Bevölkerung im Jahr 2009 armutsgefährdet. Pressemitteilung Nr. 406 vom 03.11. 2011. Verfügbar hier.
  • Statistisches Bundesamt (Hrsg.). (2011). Armutsgefährdungsquote. Verfügbar hier.
  • Weltgesundheitsorganisation (Hrsg.). (2004). Soziale Determinanten von Gesundheit: Die Fakten [2. Auflage]. Verfügbar hier.
  • United Nation Children`s Fund (UNICEF) (Hrsg.). (2012). Measuring child poverty. Verfügbar hier.
Logo der Bundeszentrale für gesundheitlicheAufklärung
Logo der Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung, Gesundheit Berlin-Brandenburg e.V.

Handreichung Kin­der­ge­sund­heit

Was soziale Benachteiligung und schlechte Gesundheitschancen bei Kindern und Jugendlichen bedeuten und wie dem begegnet werden kann, hat das vorliegende Papier zusammengefasst (PDF-Datei, 2,3 MB).

Ansprechpartner

Pia Neumeier, Ihre Ansprechpartnerin zur Gesundheitsförderung bei Kindern und Jugendlichen, erreichen Sie hier.

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Der Kooperationsverbund wurde 2003 auf Initiative der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) gegründet
und wird maßgeblich durch die BZgA getragen. Ihm gehören aktuell 74 Partnerorganisationen an.
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