Wir setzen auf dieser Website Cookies ein. Diese dienen dazu, Ihnen Servicefunktionen anbieten zu können sowie zu Statistik- und Analysezwecken (Web-Tracking). Weitere Informationen dazu und die Widerspruchsmöglichkeit zum Web-Tracking finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Servicenavigation

Sprung zur Hauptnavigation

Hauptnavigation

Sprung zum Seiteninhalt

  1. Über den Verbund
    1. Hintergründe, Daten & Materialien
    2. Struktur des Verbundes
    3. Geschäftsstelle
    4. Kooperationstreffen
  2. Wir in den Ländern
    1. Baden-Württem­berg
    2. Bayern
    3. Berlin
    4. Branden­burg
    5. Bremen
    6. Hamburg
    7. Hessen
    8. Mecklen­burg-Vor­pom­mern
    9. Nieder­sachsen
    10. Nord­rhein-West­falen
    11. Rhein­land-Pfalz
    12. Saar­land
    13. Sachsen
    14. Sachsen-Anhalt
    15. Schleswig-Holstein
    16. Thü­ringen
  3. Praxisdatenbank
  4. Qualitätsentwicklung
    1. Good Practice
    2. Qualität im Setting
  5. Partnerprozess
    1. Ziel: Integrierte kommunale Strategien
    2. Hintergrund
    3. Das Vorhaben
    4. Mitmachen
    5. inforo - das Portal für Fachkräfte
    6. Materialien
    7. AUF DEN PUNKT.
  6. Veranstaltungen
    1. Termine
    2. Satellit Armut und Gesundheit
  7. Service
    1. Artikel und Meldungen
    2. News­letter
    3. Videos
    4. Handreichungen
    5. Materialien
    6. Fragen & Antworten
    7. Wettbewerbe
    8. Links
    9. Presse
    10. RSS-Feeds

Seiteninhalt

Sprung zur Fusszeile

Angebotsdarstellung

Good Practice

Veröffentlichung: 2007

Stillförderprogramm für sozial Benachteiligte / sozial-medizinische Elternberatung

Kurzbeschreibung mit Zielen und Maßnahmen

Nach dem heutigen Erkenntnisstand ist Muttermilch die optimale Ernährung für Säuglinge. Stillen sorgt für eine enge Bindung zwischen Mutter und Kind. Eine gesunde psychosoziale Entwicklung und Bindungsfähigkeit des Kindes wird damit gefördert. Unumstritten sind auch die Vorteile des Stillens für die Mutter; der Rückbildungsprozess wird bei der Mutter beschleunigt. Das Stillen hat zudem einen positiven Einfluss auf deren Psyche. Primärprävention für Mutter und Kind beginnt mit dem Stillen.

Stillen gehört zum übergreifenden Thema der Frauen- und Kindergesundheit von pro familia und findet damit Platz im Beratungsangebot. Die regionale Beratungsstelle pro familia in Fürstenwalde befindet sich in einem sozialen Brennpunkt der Stadt und widmet sich mit ihrem Stillförderprogramm jungen schwangeren Frauen und ihren Angehörigen aus sozial schwachen Strukturen. Viele der sehr jungen bzw. minderjährigen Hilfesuchenden stehen vor zahlreichen existenziellen Herausforderungen. Sie suchen die Beratungsstelle von pro familia mit unterschiedlichen Bedürfnissen auf. Dazu gehören neben Fragen zur finanziellen Hilfe und zu rechtlichen Aspekten auch Fragen zur Früherkennung, Entbindung und zum Gesundheits- und Ernährungsverhalten. Darüber hinaus haben die Frauen und ihre Angehörigen Beratungsbedarf in Bezug auf die Betreuung nach der Geburt bzw. den Umgang mit dem Kind. Die Beratungsstelle pro familia bietet diesen jungen Frauen und ihren Angehörigen eine Anlaufstelle.

Ein wesentliches Kernstück des Programms von pro familia ist das Kursangebot. In zwei verschiedenen Kursen wird das Ziel verfolgt, die persönlichen Probleme der Klienten und Klientinnen gemeinsam anzugehen, Wissen zu vermitteln und die individuellen Bedürfnisse der Teilnehmer und Teilnehmerinnen in den Mittelpunkt zu rücken. Dabei wird nach Maßnahmen und Möglichkeiten gesucht, um die Betroffenen in ihrer Lebenssituation zu entlasten und soziale Kontakte aufzubauen. Ein Netzwerk weiterer Kooperationspartner unterstützt die Arbeit von pro familia. So werden u. a. Kurseinheiten durch das Deutsche Rote Kreuz (DRK) oder Ärztinnen des ÖGD gestaltet.

Im Jahr 2005 wurden insgesamt 276 Frauen regelmäßig im Rahmen des „Stillförderprogramms“ betreut mit dem Ergebnis, die Stillmotivation bzw. Bereitschaft der Frauen zum Stillen zu erhöhen und damit verbunden die Stillzeit zu verlängern. Die Frauen haben sich während des Stillförderprogramms bewusst mit dem Stillen als erste Maßnahme der Gesundheitsförderung auseinandergesetzt. Sie reagierten sensibel und offen auf Themen der Gesundheit und reflektierten das eigene Gesundheitsverhalten. Dies führte u. a. zu einer Veränderung der Rauch- und Ernährungsgewohnheiten.


Kontakt

Frau Ines Scholz
Karl-Liebknecht-Str. 21
15517 Fürstenwalde (Brandenburg)

Telefon: 03361 / 349917

E-Mail: fuerstenwalde@profamilia.de

Website: http://www.profamilia.de


Projektträger

PRO FAMILIA Beratungsstelle Fürstenwalde im Gesundheitszentrum Nord
Karl-Liebknecht-Str. 21
15517 Fürstenwalde


Hintergrund
Die Beratungsstelle pro familia in Fürstenwalde befindet sich in einem Gesundheitszentrum mit Kinderärztinnen und -ärzten, Gynäkologinnen und Gynäkologen sowie anderen Fachabteilungen. Das Gesundheitszentrum liegt in einem sozialen Brennpunkt im Norden der Stadt. In diesem Neubaugebiet „Fürstenwalde Nord“ lebt auf einer Fläche von ca. 47 Hektar mit rund 6860 Einwohnern etwa ein Fünftel der Bevölkerung der Stadt. Der Anteil an Sozialgeldempfängern und -empfängerinnen liegt in Fürstenwalde Nord bei 9,5% und ist damit doppelt so hoch wie in der gesamten Stadt (4,3 %). Fürstenwalde Nord ist ein Stadtteil mit vielen jungen Menschen. Betrachtet man die soziale Lage dieser Bevölkerungsgruppe, so sind ca. 20 % der jungen Erwachsenen bis 27 Jahre von staatlicher Unterstützung abhängig. Der Stadtteil ist weiterhin gekennzeichnet durch einen hohen Anteil an Spätaussiedlern und -aussiedlerinnen. Mit ca. 10 % leben im Gesamtvergleich zum Land Brandenburg überdurchschnittlich viele Ausländer und Ausländerinnen dort. Fürstenwalde Nord ist zudem das Gebiet mit der höchsten Anzahl an geleisteten Hilfen zur Erziehung (Familien- und Einzelfallhilfe nach Kinder- und Jugendhilfegesetz) im ganzen Landkreis Oder-Spree. Die fehlende soziale Durchmischung und eine ausgeprägt hohe Jugendarbeitslosigkeit führen in Verbindung mit unzureichender Infrastruktur (fehlende Raumangebote für Gemeinwesenarbeit, soziale Arbeit oder Beschäftigungsarbeit) zur weiteren Verhärtung der Problemlagen. Vor diesem Hintergrund weist das Neubauviertel eine hohe Fluktuation mit einem nach sich ziehenden Imageverlust auf. Dies wiederum bringt eine fehlende Eigenverantwortlichkeit und persönliche Identifizierung mit dem Stadtteil sowie ein schwächer werdendes nachbarschaftliches bzw. soziales Netz mit sich.

pro familia wird überwiegend von sehr jungen bzw. minderjährigen Schwangeren aufgesucht, die oftmals ohne Ausbildung und Einkommen sind. Aber auch Schwangere aus anderen Kulturkreisen (zum Beispiel Aussiedlerinnen, Frauen mit arabischer Herkunft), Alleinerziehende, Angehörige der schwangeren Frauen sowie die werdenden Väter gehören zur Zielgruppe.

Der oben genannte Personenkreis ist besonderen Risikofaktoren während der Schwangerschaft und nach der Geburt ausgesetzt. Dazu gehören im Wesentlichen ein erhöhter Alkohol- und Tabakkonsum sowie ein gestörtes Essverhalten. Viele Schwangere haben Probleme, Risikofaktoren wie Alkohol- und Tabakkonsum einzustellen oder zumindest zu minimieren. Erschwert wird die Verhaltensänderung dadurch, dass ihr unmittelbares Umfeld einschließlich der werdenden Väter durch fehlende Vorbildfunktion das negative Verhalten unterstützt. Schwangeren mit Essstörungen fällt es schwer, eine Gewichtszunahme zuzulassen. Schwangerschafts- und zukunftsbezogene Ängste stehen bei der Zielgruppe im Vordergrund. Trotz des schwierigen biografischen Hintergrundes zeigen sich die werdenden Mütter aufgrund ihrer Schwangerschaft jedoch häufig erstmals sensibel und offen für gesundheitsbezogene Themen und Informationen. Aufgrund des eigenen Wunsches nach einem gesunden Kind sind sie bemüht, gesundheitlich bedenkliche Verhaltensweisen zu reflektieren, einzuschränken bzw. einzustellen und gesundheitsförderliche Themen näher zu betrachten. Dazu gehört auch das Stillen – ein Thema, das zu Beginn oft abgelehnt, im Laufe der Zeit aber als notwenig anerkannt wird.

Vor dem Hintergrund, dass die Anzahl der Hilfe suchenden jungen Frauen mit schwieriger Ausgangslage zunahm, entwickelte pro familia das Stillförderprogramm, das im Laufe der Zeit durch weitere Themen rund um die Gesundheit von Mutter, Kind und Familie ergänzt wurde. Gestärkt wurde der Gedanke dadurch, dass die Klientel die Bereitschaft zeigte, etwas für die eigene Gesundheit zu tun. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von pro familia reflektierten, dass die klassischen Einzelgespräche im Rahmen der Schwangerenberatung die Bedürfnisse der werdenden Mütter nicht im gewünschten Maße abdecken konnten. So entstand die Idee, neben der Einzelberatung ein umfassenderes Kursprojekt zu initiieren, das die Belange der schwangeren Frauen mit ihren Partnern bzw. Angehörigen auffängt und thematisiert. Ähnlich wie bei der täglichen Beratungsarbeit werden mit dem Kursangebot Aspekte der Sozialarbeit und der Gesundheitsförderung verknüpft. So betrachtet pro familia auch die Einbettung der werdenden Mütter in ihr soziales Umfeld. Wichtig ist hier u. a. die Thematisierung der finanziellen Unterstützung durch verschiedene Institutionen. Aber auch Gesundheitsthemen wie eine gesunde Ernährung, der Verzicht auf das Rauchen und regelmäßige Früherkennungsuntersuchungen sind Beispiele für eine Ergänzung des Programms und werden in einem sozialen Kontext diskutiert: Was kann beispielsweise getan werden, wenn der Partner oder die Familie das Rauchen nicht einstellt und dadurch die Gesundheit von Mutter und Kind gefährdet? Wie kann die Ernährung bedarfsgerecht gestaltet bzw. die Ernährungssituation in der Familie thematisiert werden?

Die Einzelberatung wird heute als Einstieg in das „Stillförderprogramm“ betrachtet. Dabei spielen das erste Ankommen und der Aufbau von Vertrauen eine zentrale Rolle. Junge Frauen empfinden das Erstgespräch über ihre Lebenslage oftmals als schwierig oder gar entblößend. Demnach ist das Ziel eines jeden Erstgespräches, die Vertrauensgrundlage und damit die Grundvoraussetzung für eine weitere Zusammenarbeit zu schaffen. Darüber hinaus werden den schwangeren Frauen bzw. werdenden Eltern zwei Kursprogramme angeboten (siehe folgender Abschnitt „Vorgehen“). Das „Stillförderprogramm“ beginnt in der Schwangerschaft und begleitet die jungen Familien über die Geburt hinaus während des ersten Lebensjahres des Kindes.
Vorgehen
Die Schwangerenberatung bei pro familia in Fürstenwalde wird von schwangeren Frauen zunächst aus dem einfachen Beweggrund aufgesucht, die persönliche Lebenslage zu besprechen bzw. nach Möglichkeiten finanzieller Förderungen zu fragen. Weitere Kernthemen des Erstgespräches sind das Schwangerschaftserleben, das Gesundheitsverhalten (im Besonderen Ernährung, Drogenkonsum), das soziale und familiäre Umfeld sowie die Arbeits- bzw. Ausbildungssituationen der werdenden Mütter. Zudem wird gemeinsam abgewogen, welche weiteren medizinischen, psychologischen und/oder sozialen Maßnahmen ggf. notwendig bzw. sinnvoll wären. Bei Bedarf wird in zusätzlichen Einzelgesprächen der Kontakt zur Ausbildungsstätte gesucht. Hier findet die Zusammenarbeit hauptsächlich mit den Sozialarbeiterinnen oder Sozialarbeitern der jeweiligen Ausbildungsstätte statt. Darüber hinaus bietet pro familia den Frauen bzw. Familien die Möglichkeit an, am „Stillförderprogramm“ (SFP) teilzunehmen.

Das SFP setzt sich aus zwei Kursteilen zusammen: Kursteil A und Kursteil B. Der A-Kurs dient zur Vorbereitung auf die Elternschaft sowie das Stillen und dauert acht Wochen à zwei Stunden pro Woche. Es handelt sich hierbei um ein geschlossenes Angebot für zehn bis zwölf Schwangere. pro familia fördert die Möglichkeit, dass eine Bezugsperson der Schwangeren am Kurs teilnehmen kann. Dies kann neben dem Kindsvater die Mutter, Freundin oder auch eine Sozialarbeiterin sein. Jede der acht Kurseinheiten steht unter einem bestimmten Thema. Über dieses Thema wird seitens pro familia informiert und mit den Teilnehmenden diskutiert. Die Themen sind dabei nicht von vornherein festgelegt. Vielmehr einigen sich die Teilnehmenden im Vorfeld auf wichtige Schwerpunkte. Diese Handhabung lässt Spielraum für die Bedürfnisse der Zielgruppe und fördert die Diskussion über aktuelle bzw. brisante Themen. Zu diesen gehören u. a.: Entwicklungslinien des Babys, vorgeburtliche Diagnostik, Gesundheitsverhalten während und nach der Schwangerschaft, rund um das Stillen, Sexualität, Frühgeburt, Säuglingskrankheiten etc. Zu jedem Thema werden Informationsmaterialien zur Verfügung gestellt.

Der B-Kurs dient den Müttern bzw. Familien als Babytreff. Begleitet durch pro familia treffen sie sich insgesamt sechs- bis achtmal für zwei Stunden. Die Teilnahme am Angebot dauert bis zur Vollendung des ersten Lebensjahres des Kindes. Auch hier steht jedes Treffen unter einem bestimmten Motto. Gemeinsam wird besprochen, welche Themen näher betrachtet werden sollen. Hier geht es oftmals um die Stillsituation, aber auch um kinder- und zahnärztliche Früherkennungsuntersuchungen, die emotionale Situation der jungen Familien und Möglichkeiten der Unterstützung durch Angehörige. In diesem Kurs werden entstandene Freundschaften der Familien untereinander gefestigt. Es entstehen soziale Beziehungen, die auf eine gegenseitige Unterstützung bauen. Auch in diesem Kurs werden zu jedem Thema Handzettel und Broschüren verteilt.

Mit den Kursen wird das Ziel angestrebt, dass möglichst viele Kursteilnehmerinnen ihre Säuglinge stillen. Hier muss natürlich im Vorfeld geklärt werden, ob die gesundheitlichen Bedingungen für das Stillen gegeben sind. Aber auch die Verbesserung der gesundheitlichen Gesamtsituation der Schwangeren bzw. der jungen Familie sowie die Vernetzung der Eltern untereinander zur gegenseitigen Unterstützung gehören zur Zielsetzung.
Good Practice in
Empowerment

Das Projekt zielt zunächst darauf ab, werdende Mütter für ihre Lebenslage zu sensibilisieren und ihren Kenntnisstand zu erhöhen. Trotz vieler Schwierigkeiten bezüglich ihrer Situation können sie ihren Teil zu einer gesunden Schwangerschaft und der Gesundheit ihres ungeborenen Kindes beitragen. An dieser Stelle kommen Informationen und Wissensvermittlung in den Kursprogrammen zum Tragen. Durch Berücksichtigung von Themenwünschen der Teilnehmer und Teilnehmerinnen findet stets eine Orientierung an deren Bedürfnissen statt. Als roter Faden zieht sich das individuelle Gesundheitsverhalten durch alle Kurseinheiten. Dabei wird beispielsweise weniger mit Verboten und Regeln gearbeitet als vielmehr mit der Thematisierung bestimmter Risikofaktoren. Es geht nicht darum, das Rauchen zu verbieten, sondern vielmehr darum, das Thema Rauchen anzupacken und über die negativen Folgen zu informieren. Frauen, die das Rauchen nicht einstellen können, werden nicht mit Sanktionen bestraft, sondern dazu ermutigt, in kleinen Schritten ihr Risikoverhalten zu bewältigen.

Die Wissensvermittlung ist auch ein entscheidendes Kriterium bei der Aufklärung über das Stillen. Große Erfolge werden hier erzielt, wenn der Partner am Angebot mit teilnimmt. Gerade junge Paare definieren sich oft über die sexuelle Beziehung zueinander. Stillen steht dem als Hindernis gegenüber bzw. wird oft aus sexuellen Gründen von vornherein abgelehnt. Hier werden junge Frauen bestärkt, ihren eigenen Bedürfnissen sowie denen des Säuglings nachzukommen, ohne den persönlich definierten „Wert“ als Frau zu verlieren.

Der A-Kurs zielt mit seinem Anliegen auf eine verstärkte Sensibilisierung der Teilnehmerinnen für die eigenen Bedürfnisse und Ressourcen. Es werden Übungen zur An- und Entspannung erlernt. Mit bestimmten Techniken erfahren die Teilnehmerinnen einen Bezug zum eigenen Körper und lernen, ihren Körper mit vielen seiner Signale wahrzunehmen. Der B-Kurs strebt – neben der Verhaltensprävention – nach einem Aufbau sozialer Strukturen und Netzwerke und zielt darauf ab, die soziale Bindung der Familien und Mütter untereinander zu fördern und zu festigen.

Bei der Umsetzung des „Stillförderprogramms“ setzt pro familia auf die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen. Dazu zählen neben engagierten Gynäkologinnen und Ärztinnen des Gesundheitsamtes beispielsweise auch Vertreter und Vertreterinnen des DRK, die zu bestimmten Themen referieren und aufklären. Kursabende mit dem DRK als Kooperationspartner thematisieren Unfallprävention bei Säuglingen und Kleinkindern. Themen in Kooperation mit dem örtlichen Gesundheitsamt sind beispielsweise die Ernährung im Säuglings- und Kleinkindalter sowie die Zahngesundheit und Kariesprophylaxe. Die Kinder- und Jugendamtsärztin spricht mit den Familien über die Entwicklungsschritte im Säuglings- und Kleinkindalter sowie über Früherkennungsuntersuchungen und Impfungen. Die Zusammenarbeit mit den Kooperationspartnern richtet sich nach den aktuellen Themen der Kurse und orientiert sich damit an den Interessen und Wünschen der Zielgruppe. Der Kooperationsverbund ist im stetigen Aufbau. Die Kooperationspartner bieten den Teilnehmenden über das Programm hinaus Kontakt- und Beratungsmöglichkeit an.

Einen besonderen Stellenwert hat der Besuch der Ärztinnen. Die Teilnehmenden können in einem für sie angenehmen Umfeld ohne Wartezeiten und das „Vorzeigen der Chipkarte“ unbeschwert Fragen stellen. Sie begrüßen die Tatsache, dass die Diskussionsrunden mit den Ärztinnen ohne spürbaren Zeitdruck stattfinden.

Nachhaltigkeit

Das „Stillförderprogramm“ ist in die Strukturen von pro familia eingebettet und wird regelmäßig angeboten. Dadurch ist die Kontinuität des Programms gewährleistet. Das Programm besteht seit 1996. Während zu Beginn das Stillen bzw. die Stillförderung den Kern des Angebots bildete, wird dieses heute durch weitere wichtige Themen der Gesundheitsförderung ergänzt.

Das Programm bietet den Teilnehmenden nach dem Erstgespräch zur Abklärung des Bedarfes ein konkretes, längerfristiges Angebot, in dem sie sich mit der eigenen Gesundheit sowie der des Kindes auseinandersetzen können. Die teilnehmenden Frauen und Familien werden durch die regelmäßigen Kontakte gestärkt, wichtige Impulse hinsichtlich eines gesundheitsförderlichen Verhaltens werden durch die Begleitung über ein Jahr gesetzt. Darüber hinaus fördert das Programm die Bildung langfristiger sozialer Kontakte und Familiennetzwerke. Auf diese Weise bricht der soziale Halt nach Abschluss des Programms nicht weg, sondern wird durch die Teilnehmenden selbstständig weitergetragen.

Im Jahr 2005 kamen insgesamt 458 schwangere Frauen zum Erstgespräch mit einem Beratungsumfang von drei bis vier Sitzungen. Davon nahmen hinterher 184 Frauen am anschließenden Kursprogramm und weitere 92 schwangere Frauen an der Einzelberatung teil. So wurden insgesamt 276 Frauen während der Schwangerschaft regelmäßig betreut. Positiv ist zu erwähnen, dass alle 276 Schwangeren nach der Geburt ihre Kinder gestillt haben. Der positive Effekt bei den Frauen, die hinterher zur Einzel- und Gruppenberatung kamen, war die Bereitschaft zum Stillen.

Durch die Kontakte mit den Ärztinnen werden Berührungsängste abgelegt. Die Mütter bzw. Familien empfinden die Treffen mit den Ärztinnen als sehr bereichernd, gerade weil die Gespräche auf „gleicher Augenhöhe“ stattfinden. Die Treffen dienen den Ärztinnen auch dazu, die Kinder näher anzuschauen. Bei Bedarf empfehlen sie einen Besuch in der regulären Sprechstunde. Die Zusammenarbeit mit den Ärztinnen in den Kursen dient aber nicht als Ersatz für die regelmäßigen Arztbesuche, sondern als Ergänzung. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen erhalten zudem von den Ärztinnen des Gesundheitsamtes das Angebot, bei Fragen rund um die eigene Gesundheit bzw. die des Kindes zu ihnen ins Gesundheitsamt zu kommen. Das gibt den Frauen bzw. Familien eine große Sicherheit im Umgang mit weiteren Arztbesuchen.

Die positiven Folgen sind, dass nach Aussagen der Ärztinnen nahezu 90% aller Kursteilnehmerinnen die regelmäßigen Reihenuntersuchungen wahrnehmen. Das macht deutlich, dass Berührungsängste nachhaltig abgebaut werden können, wenn man den betroffenen Frauen und ihren Familien mit Achtung und Zeit begegnet bzw. auf ihre Bedürfnisse eingeht. Die kooperierenden Ärztinnen betreiben niedrigschwellige Sozialarbeit, die sich langfristig auszahlt. Über ähnlich positive Resultate kann die Zahnärztin berichten. Sie betreut die Kursteilnehmer beim Babytreffen rund um das Thema Zahngesundheit und bringt für jedes Kind Zahnbürsten und Zahngel mit. Die ersten Voraussetzungen für eine regelmäßige Zahnpflege sind damit gegeben. Viele der Kleinkinder betreut sie mittlerweile bei zahnärztlichen Untersuchungen in der Kita. Hier macht sie die Beobachtung, dass sich die frühe Auseinandersetzung der Familien mit dem ersten Zähneputzen der Kinder positiv auf das kontinuierliche Putzverhalten der Kinder auswirkt. Diese Rückmeldungen sollen künftig durch ein einfaches Evaluationsverfahren belegt werden.

Integriertes Handlungskonzept/Vernetzung

Eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg des Projekts ist die Zusammenarbeit mit dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) und dem örtlichen Gesundheitsamt.

Im Kursteil A als Vorbereitung auf die Elternzeit veranstaltet eine Ausbilderin des DRK einen Infoabend. Auf Wunsch der Teilnehmenden werden hier Themen verschiedener Notfallsituationen im Säuglings- und Kleinkindalter besprochen. Vor dem Hintergrund, dass die werdenden Eltern viele Ängste hinsichtlich verschiedenster Gefahren formulieren, erhalten sie von der Referentin einfache Handlungsempfehlungen für Notsituationen, praktische Tipps und Lesematerial. Die Themen des DRK-Abends werden im Vorfeld mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern besprochen und abgestimmt.

Der Kursteil B wird anteilig durch eine Kinderärztin und eine Zahnärztin des örtlichen Gesundheitsdienstes begleitet. Die Kinderärztin besucht die Gruppe zweimal – zu Beginn des Kurses und zum Ende des ersten Lebensjahres der Kinder. Die Zahnärztin kommt einmal gegen Ende des vierten/fünften Lebensmonats der Kinder in den Kurs.

Mit den Ärztinnen des örtlichen Gesundheitsamtes wurden gemeinsame Ziele der Zusammenarbeit besprochen und abgestimmt. Dazu gehört,
- Mütter nach Möglichkeit zum Stillen zu bewegen bzw. die Stillzeit zu verlängern,
- die Schwellenangst der Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer bezüglich des Gesundheitsamtes abzubauen,
- Eltern für die Wahrnehmung der Früherkennungsuntersuchungen zu sensibilisieren,
- Raum und Zeit für Fragen und Bedürfnisse zu geben.

Die Erfahrungen der Kinderärztin aus der Arbeit in einem sozialpädagogischen Zentrum zahlen sich in der Zusammenarbeit mit pro familia aus. Die Kinderärztin findet schnell einen Zugang zu den Kursteilnehmern und -teilnehmerinnen. Es ist im Vorfeld bekannt, an welchen Tagen die Ärztin in den Kurs kommt. An diesen Tagen ist auch die Zahl der Väter und weiterer Familienmitglieder besonders hoch. Die Kinderärztin leistet Sozialarbeit und baut durch die Art ihres Kursaufbaus Barrieren ab. Sie wird mit Fragen aus unterschiedlichen Bereichen konfrontiert. Darauf angemessen und mit einfachen Worten zu reagieren zeichnet ihre Arbeit aus. Wichtige Merkmale sind weiterhin eine ruhige Atmosphäre, Zeit und Raum für Gespräche und der Blick auf jedes einzelne Kind in der Gruppe.

Die Kursstunde der Zahnärztin läuft unter ähnlichen Gesichtspunkten ab. Es gibt viel Raum und Zeit für die Fragen rund um die Zahnentwicklung, die ersten Schritte zur Zahnpflege und eine gesunde Ernährung.

Positiv an der Kooperation mit den Ärztinnen des örtlichen Gesundheitsamtes ist auch die weiterführende Betreuung der Kinder in der Kita. Diese Rahmenbedingungen bieten den Ärztinnen die Möglichkeit, wieder in den Kontakt zu den Eltern zu treten und mögliche nachhaltige Erfolge ihrer früheren Interventionen zu erkennen und zu verfestigen.

Ausschlaggebend für die Zusammenarbeit mit den ausgewählten Kooperationspartnerinnen war die Tatsache, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei pro familia hinsichtlich des Informationsbedarfs zu medizinischen Fragen an ihre Grenzen gestoßen waren. Auch die Intensität der Zusammenarbeit wurde erhöht. Während es anfangs nur einen Besuch der Kinderärztin gab, kommt sie heute in zwei Kurseinheiten, denn wie sich gezeigt hat, liegen zu Beginn des Kurses gänzlich andere Fragen an als am Ende.


Laufzeit des Angebotes

Beginn: 1995

Abschluss: kein Ende geplant


Welche Personengruppe(n) in schwieriger sozialer Lage wollen Sie mit Ihrem Angebot erreichen?

Menschen in schwieriger sozialer Lage sind ein wichtiger Teil der Zielgruppe, auch wenn sich das Angebot in erster Linie an alle richtet.

  • Personen mit niedriger Schulbildung (z.B. Personen ohne qualifizierten Schulabschluss)
  • Personen mit niedrigem beruflichen Status (z.B. ungelernte Arbeiter/-innen)
  • Schwangere in schwieriger sozialer Lage
  • Alleinerziehende in schwieriger sozialer Lage
  • Migrant/-innen in schwieriger sozialer Lage

Multiplikatorinnen und Multiplikatoren
Familienkinderkrankenschwester
Jugendzahnärztin
Ausbilderin beim DRK
Schwerpunkte des Angebotes
  • Ernährung
  • Sexualität (Sexualaufklärung und -pädagogik); sexuelle Identität (Lesben, Schwule, Bisexuelle sowie trans- und intergeschlechtliche Menschen)
  • Stressbewältigung
  • Elternschaft / Schwangerschaft
  • Aktionsbündnisse

Stand

11.03.2015

… zurück zur Übersicht

Logo der Bundeszentrale für gesundheitlicheAufklärung
Logo der Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung, Gesundheit Berlin-Brandenburg e.V.

Projektträger

Logo

PRO FAMILIA Beratungsstelle Fürstenwalde im Gesundheitszentrum Nord

Projektlaufzeit

Beginn: 1995

Abschluss: kein Ende geplant

Kontakt

Frau Ines Scholz
Karl-Liebknecht-Str. 21
15517 Fürstenwalde (Brandenburg)

E-Mail

Website

Fusszeile

Sprung zum Seitenbeginn

Der Kooperationsverbund wurde 2003 auf Initiative der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) gegründet
und wird maßgeblich durch die BZgA getragen. Ihm gehören aktuell 71 Partnerorganisationen an.
BZgA / Maarweg 149-161 / 50825 Köln-Ehrenfeld / Tel +49 221 8992-0 / Fax +49 221 8992-300
Die BZgA ist eine Fachbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit.