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Angebotsdarstellung

Good Practice

Veröffentlichung: 2008

Gesund Kurs halten in Lurup

Kurzbeschreibung mit Zielen und Maßnahmen

Das Projekt „Gesund Kurs halten in Lurup“, einem heterogenen Hamburger Stadtteil mit hohem Entwicklungsbedarf und schlechter sozialer Lage, soll frühere Aktivitäten zur Gesundheitsförderung verstetigen. Im Fokus stehen Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, die mit Kindern, Jugendlichen und deren Familien arbeiten. Dafür wurden eine in das Stadtteilnetzwerk integrierte Geschäftsstelle für Gesundheitsförderung etabliert und Mittel zur niedrigschwelligen Projektförderung akquiriert. In mehreren mit Haltung und Methoden des „Planning for Real“ moderierten quartiers- und stadteilbezogenen „Runden Tischen“ ermitteln die Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in einem breit angelegten Prozess Bedarfe sowie Potenziale und entwickeln settingübergreifende stadtteilbezogene Kooperationsprojekte mit einem abgestimmten Konzept zur Gesundheitsförderung. Ziel des Projektes ist es, eine einladende, ressourcenorientierte Kultur der Zusammenarbeit und damit eine gesundheitsfördernde Grundhaltung im Stadtteil herauszubilden.
Folgeprojekt: Seit 2008 Geschäftsstelle für Gesundheitsförderung Lurup


Kontakt

Frau Sabine Tengeler
Brachvogelweg 15
22547 Hamburg (Hamburg)

Telefon: 040 280 55 553

E-Mail: gesundheit@unser-lurup.de

Website: http://www.unser-lurup.de


Projektträger

BÖV 38 e.V. Begegnung Bewegung Beteiligung in Lurup
Böverstland 38
22547 Hamburg


Hintergrund
Der Stadtteil Lurup liegt im Bezirk Altona an der nordwestlichen Grenze Hamburgs. Auf einer Fläche von 6,4 Quadratkilometer befinden sich sowohl Einfamilienhäuser, Siedlungsbauten der 1930er- bis 1950er- Jahre als auch 14-geschossige soziale Wohnungsbauten der 1970er-Jahre. Der Anteil der Sozialwohnungen in Lurup liegt mit 26,3 Prozent deutlich über dem landesweiten Durchschnitt von 14 Prozent. Die Bevölkerungszahlen zeigen, dass ein stetiger Anstieg zu verzeichnen ist, wobei von den 33.459 Einwohnern in Lurup (Statistikamt Nord, 2006) ein Drittel in den Quartieren Flüsseviertel und Lüdersring/Lüttkamp leben (Difu, 2007). Circa 20 Prozent der Bevölkerung ist in diesem Stadtteil minderjährig oder älter als 65 Jahre. Der Anteil der Bewohnerinnen und Bewohner mit Migrationshintergrund liegt - bezogen auf ganz Lurup - bei 15,3 Prozent (Statistikamt Nord, 2006). Der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund ist in ganz Hamburg bei knapp 26 Prozent anzusiedeln (Statistikamt Nord, 2008). Der Anteil in den einzelnen Quartieren innerhalb Lurups wie zum Beispiel in dem Gebiet Lüdersring/Lüttkamp ist mit 23 Prozent jedoch deutlich höher als im gesamten Stadtteil Lurup (TU Hamburg-Harburg, 2002). Es leben überdurchschnittlich viele Familien in diesem Gebiet, von denen fast jede dritte Familie aus mehr als drei Mitgliedern besteht und mindestens in jeder vierten Familie die Kinder nur mit einem Elternteil aufwachsen. Viele Bewohnerinnen und Bewohner Lurups beziehen Transferleistungen (Statistikamt Nord, 2006). Der Anteil der 15- bis 65-jährigen Arbeitslosen ist mit 8,4 Prozent in Lurup überdurchschnittlich hoch. Die Quote der Arbeitslosen nach SGB II liegt mit 6,1 Prozent über dem landesweiten Durchschnitt von 5,7 Prozent (Statistikamt Nord, 2007). Insbesondere jüngere Arbeitslose im Alter von 15 bis 25 Jahren beziehen häufig Leistungen nach dem SGB II. Hier liegt die Quote mit 4,3 Prozent deutlich über dem Durchschnitt von Hamburg (2,9 Prozent). Dies gilt auch für den Anteil der Leistungsempfängerinnen und -empfänger nach SGB II (16,8 Prozent, Landesdurchschnitt: 11,9 Prozent) (Statistikamt Nord, 2006).

Daten der Gesundheitsberichterstattung der Hamburger Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz von 2007 weisen auf folgende Potenziale und Handlungsbedarfe im Bereich Gesundheit hin: Die Impfsituation der Kinder in Lurup ist im Vergleich zu Hamburg Stadt als zufriedenstellend einzustufen. Die Teilnahme an den Vorsorgeuntersuchungen hingegen liegt mit 64,5 Prozent deutlich unter dem landesweiten Durchschnitt von 72,1 Prozent (Saier, 2007). Der Anteil übergewichtiger Kinder liegt in Lurup je nach Geschlecht zwischen zwei und drei Prozent über dem Hamburger Durchschnitt (Saier, 2007). Als prioritäre Handlungsfelder werden die Förderung eines gesunden Ernährungs- und Bewegungsverhaltens, aber auch das Aufgreifen der Themen Sucht, psychische Gesundheit, die therapeutische und psychologische Betreuung und Beratung sowie Vernetzung und Koordinierung genannt.

In der Zeit von 1999 bis 2006 waren die Luruper Quartiere Lüdersring/Lüttkamp und das Flüsseviertel Teil des Bund-Länder-Programms „Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf – Soziale Stadt“. Um das Erreichte zu verstetigen und das Thema Gesundheitsförderung in Lurup stärker auszubauen, wurde im Anschluss das Projekt „Gesund Kurs halten in Lurup“ initiiert. Träger des Projektes ist der im Stadtteil verankerte Verein BÖV 38 e.V. Im Mittelpunkt des Konzeptes steht die Förderung der Gesundheit der Luruper Kinder, Jugendlichen, jungen Erwachsenen und Familien, und zwar nicht nur in den beiden genannten Quartieren, sondern im gesamten Stadtteil Lurup. Das Projekt „Gesund Kurs halten“ knüpft an bereits vorhandene Strukturen an und stellt einen wichtigen Baustein des Entwicklungsprozesses in Lurup nach Auslaufen der Quartiersentwicklung im Rahmen der Sozialen Stadt dar.
Vorgehen
Das Projekt „Gesund Kurs halten in Lurup - Wie geht es weiter nach der aktiven Stadtteilentwicklung? Ein moderierter Verstetigungsprozess“ verfolgt das Ziel, zusammen mit den Multiplikatorinnen und Multiplikatoren der Einrichtungen, aber auch mit engagierten Bewohnerinnen und Bewohnern Lurups den Bedarf an gesundheitsfördernden Initiativen und die vorhandenen Ressourcen der Quartiere Flüsseviertel und Lüdersring/Lüttkamp sowie anderer Gebiete Lurups zu ermitteln und auszubauen. Auf dieser Grundlage sollte innerhalb der Projektlaufzeit von einem Jahr eine Strategie der Gesundheitsförderung entwickelt werden. Innerhalb des Projektes lassen sich verschiedene Beteiligungsstrukturen und Bausteine identifizieren: die Geschäftsstelle für Gesundheitsförderung (Runde Tische Gesundheitsförderung), das Luruper Forum (Information und Austausch), das Stadtteilhaus und die Zeitschrift Lurup im Blick.

Grundlegender Bestandteil des Projektes ist die im Jahr 2007 im Stadtteilhaus eingerichtete „Geschäftsstelle für Gesundheitsförderung“. Hier finden Akteure Projektberatung und -begleitung im Bereich Gesundheitsförderung sowie Unterstützung bei der Konzepterstellung und Finanzierung. Die Geschäftsstelle wird von einer Pädagogin (mit Zusatzqualifikationen in Psychomotorik/Bewegungspädagogik, kommunaler Gestaltung und Stadtteilökonomie sowie Moderation aktivierender Beteiligungsverfahren) und einer Gemeinwesenökonomin/Stadtteilmanagerin (mit Kompetenzen in Dokumentation und redaktioneller Gestaltung der Stadtteilzeitung „Lurup im Blick“) geführt. Zum Tätigkeitsfeld der Geschäftsstelle gehört darüber hinaus das Initiieren und Moderieren der Runden Tische Gesundheitsförderung sowie der Kontaktaufbau und die Kontaktpflege zu Ämtern, Behörden und Krankenkassen. Die Koordinatorinnen der Geschäftsstelle verfügen über Erfahrungen in der Gestaltung von partizipativen Prozessen und Wissen über vorhandene oder geplante Projekte und sind im Stadtteil bekannt und anerkannt.

Die Geschäftsstelle für Gesundheitsförderung wurde im Büro des Trägervereins, Böv 38 e.V. Begegnung, Bewegung, Beteiligung in Lurup, im Stadtteilhaus Lurup eingerichtet und ist heute ein zentraler Punkt, in dem verschiedene Aktivitäten zusammenlaufen. Ebenfalls in diesem Gebäude befinden sich das Stadtteilbüro, die Geschäftsführung des Stadtteilbeirates Luruper Forum und weitere Einrichtungen und Initiativen für die Luruper Bürgerinnen und Bürger, darunter ein Lese-Kulturcafé, ein Stadtteilhaus-Café, eine Leihbücherei, eine Bewegungshalle und eine „Schreibstube“, die Stadtteilbewohnerinnen und -bewohnern niedrigschwellig Unterstützung beim Schreiben von Anträgen, Bewerbungen, Patientenverfügungen, Vorsorgevollmachten und anderem anbietet. So entstehen zahlreiche Synergien, die einen intensiven Austausch in Lurup ermöglichen.
Die Anschubfinanzierung für die Geschäftsstelle erfolgte zunächst von April 2007 bis März 2008 durch die Hamburgische Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung (HAG); bis April 2009 schließt sich eine Finanzierung durch die Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz an. Im Fokus der weiteren Arbeit stehen die Bedarfe Lurups, die die bezirkliche Gesundheitsberichterstattung ermittelt hat.

Für 2008/09 gelang es der Geschäftsstelle in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Institut für Urbanistik (Difu) eine finanzielle Unterstützung im Bereich der Gesundheitsförderung durch die Techniker Krankenkasse (TK) und den Bundes- und Landesverband der Betriebskrankenkassen (BKK) zu akquirieren. Darüber hinaus unterstützt die Behörde für Stadtteilentwicklung und Umwelt die Luruper Fördergebiete im Rahmen der Nachsorge der Aktiven Stadtteilentwicklung mit einem Verfügungsfonds von 10.000 Euro im Jahr und finanziert die Räume des Stadtteilbüros sowie Redaktion, Layout und Druck der Zeitung „Lurup im Blick“. Über die Förderung von Stadtteilprojekten aus dem Verfügungsfonds entscheiden die 40 bis 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Stadtteilbeirats Luruper Forum, das monatlich tagt. Das Luruper Forum ist ein offenes Gremium, in dem Bewohnerinnen und Bewohner, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Einrichtungen, Unternehmen, Verwaltung, Vereinen und Initiativen, Parteien und Fraktionen sich gegenseitig informieren, Wünsche, Anregungen, Ideen und Erfahrungen austauschen und sich über Bedarfe, Ressourcen, Projekte und Maßnahmen für den Stadtteil verständigen. Auch über das Projekt „Gesund Kurs halten“ wird regelmäßig im Forum informiert. Darüber hinaus stimmt das Forum über die dort erarbeiteten Gesundheitsförderungsprojekte ab. „Gesund Kurs halten“ trägt so dazu bei, dass das Thema Gesundheitsförderung im Luruper Forum präsent ist und profitiert umgekehrt von den Erfahrungen und Anregungen der Forumsteilnehmerinnen und -teilnehmer.

Ein wesentlicher Bestandteil des Projektes sind die moderierten „Runden Tische Gesundheitsförderung“, an denen alle Interessierten teilnehmen können. Ausdrücklich eingeladen werden die Mitglieder des Luruper Forums, alle Schulen, Kindertagesstätten und Jugendeinrichtungen im Stadtteil, das Kinder- und Familienzentrum, der Bürgerverein, Sportvereine und Vereine im Bereich Kinder, Jugend und Familie, der Trägerverein des Lehrschwimmbeckens, die Psychosoziale Kontaktstelle, örtliche Initiativen, das Wohnungsunternehmen SAGA-GWG, die Gesellschaft ProQuartier, Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Verwaltung aus dem Gesundheits- und Jugendbereich, Vertreter und Vertreterinnen von Parteien und Fraktionen, die Ärzteschaft, Apotheken und Therapeutinnen und Therapeuten und Therapeutinnen. Die Runden Tische tagen quartiersbezogen für die Gebiete Flüsseviertel und Lüdersring/Lüttkamp sowie für den gesamten Stadtteil Lurup. Ziel ist die Entwicklung von Projekten und eines Verstetigungskonzeptes für die Gesundheitsförderung im Stadtteil.

Die Runden Tische werden mit Methoden des „Planning for Real“ so gestaltet, dass die Ressourcen, Interessen und Erfahrungen der Teilnehmenden im Mittelpunkt stehen und sie mit ihren Potenzialen einbezogen werden können. Mit Hilfe dieser Methoden werden Handlungsbedarfe und -felder sowie Ressourcen für gemeinwesenorientierte, stadtteilbezogene, gesundheitsfördernde Maßnahmen ermittelt und kooperative Projekte, Strategien und ein Umsetzungskonzept für ein gesundheitsförderndes Lurup entwickelt. Es werden Mittel zur Realisierung akquiriert und ein regelmäßiger Austausch über Bedarfe und Qualitätssicherungsentwicklungen in der fortlaufenden Arbeit ermöglicht.

Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben sich auf die prioritären Handlungsfelder Ernährung, Bewegung, Suchtprävention, seelische Gesundheit und Stadtteilkooperation/Vernetzung geeinigt. Obwohl sich innerhalb Lurups bereits viele engagierte Ehrenamtliche aktiv beteiligen, sollen weiterhin neue Kooperationspartnerschaften gewonnen werden. Dies geschieht durch persönliche Ansprache sowie durch Veröffentlichungen von Terminen und Einladungen in der Stadtteilzeitung „Lurup im Blick“. In der Öffentlichkeitsarbeit und bei der Dokumentation der Ergebnisse der Runden Tische profitiert das Projekt „Gesund Kurs halten“ von der Zusammenarbeit mit der Stadtteilzeitung, die über die Nachsorge der aktiven Stadtteilentwicklung finanziert wird und über die Arbeit des Luruper Forums, über Aktionen, Projekte, Maßnahmen und Entwicklungen im Stadtteil informiert. Dies gibt den Akteuren im Stadtteil ein Gesicht und erhöht den Identifikationsgrad der Bewohnerinnen und Bewohner mit dem Stadtteil.
Good Practice in
Nachhaltigkeit

Gemeinsam mit dem Forschungsprojekt des Difu „Mehr als gewohnt. Stadtteile machen sich stark für Gesundheitsförderung“ konnte die Geschäftsstelle sowohl beim BKK Bundesverband und Landesverband Nord als auch bei der Techniker Krankenkasse (TK) Mittel zur Finanzierung von im Stadtteil entwickelten und selbst organisierten Projekten zur Gesundheitsförderung einwerben. Die BKK Verbände stellen im Jahr 2008 für quartiersbezogene Kooperationsprojekte 20.000 Euro zur Verfügung (BÖV 38 e. V. Begegnung, Bewegung, Beteiligung in Lurup/Geschäftsstelle für Gesundheitsförderung Lurup 2008, 7). Mit der TK erarbeitet die Geschäftsstelle für Gesundheitsförderung zurzeit den Rahmenvertrag für den „TK Verfügungsfonds Gesundes Lurup“. Aus diesem Fonds sollen 2008 und 2009 für insgesamt 20.000 Euro Mikro-Kooperationsprojekte zur stadtteilbezogenen Gesundheitsförderung gefördert werden. In Abstimmung mit der TK wird das Luruper Forum über die Anträge entscheiden (ebenda). Mit den „Stadtteilfonds“ der beteiligten Krankenkassen können schnell und unbürokratisch Projektfinanzierungen im Bereich der Gesundheitsförderung bereitgestellt werden. Diese können je nach Bedarf mit dem Verfügungsfonds der Aktiven Stadtteilentwicklung und mit flexibel einsetzbaren Fördertöpfen des Wohnungsunternehmens SAGA-GWG (Gemeinnützige Siedlungs-Aktiengesellschaft Altona) kombiniert werden. Die gezielte Mittelbündelung und die Möglichkeit, kurzfristig auf die lokalen Bedarfe innerhalb Lurups reagieren zu können, kann als innovative Stärke des Konzeptes betrachtet werden. Die mögliche Mikroprojektförderung im Stadtteil soll die lokale Verantwortung erhöhen und Partizipation in den Fokus der Gesundheitsförderung stellen (Bär, 2008).

Auch die Nachhaltigkeit des Projektes beruht auf der besonderen Qualität der Netzwerkarbeit in Lurup. In den letzten Jahren wurden mehr als 30 Mitarbeiter und Miatrbeiterinnen von Einrichtungen und Bewohner und Bewohnerinnen zu „CommunityField“-Multiplikatoren und Multiplikatorinnen fortgebildet.

Aufgrund der Strukturen in Lurup, wozu insbesondere das Luruper Forum, der Verfügungsfonds und das Stadtteilhaus zählen, hat sich das Thema Gesundheitsförderung in den letzten Jahren fest etabliert. Die Nachhaltigkeit wurde durch die Förderprogramme „Aktive Stadtteilentwicklung“ und „Soziale Stadt“ unterstützt. In den vergangenen Jahren wurden bereits zahlreiche Projekte durchgeführt, wie zum Beispiel „Gesunde soziale Stadt“, „Moving Kids“, „Spielraum Stadt“, „Moby Dick“, „Schule Langbargheide – ein Kompetenzzentrum für Gesundheitsförderung im Quartier“ oder die Psychomotorik-Weiterbildung für Multiplikatoren und Multiplikatorinnen. Die Geschäftsstelle für Gesundheitsförderung arbeitet darüber hinaus in einer Projektgruppe mit der Fachbehörde und den Fachämtern zusammen, auch um Möglichkeiten einer dauerhaften finanziellen Absicherung der stadtteilbezogenen Gesundheitsförderung zu erkunden. In den Bereichen Innovation und Nachhaltigkeit wagt das Luruper Projekt zusammenfassend betrachtet einen Balanceakt von Bewahren und Verändern, von Kreativität und Zuverlässigkeit sowie Risikobereitschaft und Qualitätsgewährleistung (BZgA, 2007).

Partizipation

Das Projekt „Gesund Kurs halten in Lurup“ zeichnet sich insbesondere durch eine hohe Beteiligung von unterschiedlichen Akteuren auf verschiedenen Ebenen aus. Auf der Basis dieser Bereitschaft der Beteiligten, aktiv an Veränderungsprozessen mitzuwirken und sich einzubringen, kommen verschiedene Beteiligungsverfahren bei der Planung und Durchführung von Umstrukturierungen sowie Neuerungen innerhalb des Stadtteils zum Einsatz. In diesem Kontext legt das Projekt „Gesund Kurs halten“ Wert darauf, dass die Mitwirkenden ihre Fähigkeiten einbringen können.

Die Geschäftsstelle Gesundheitsförderung arbeitet mit den Methoden „Community Field“ und „Planning for Real“, die über Mittel der Sozialen Stadt finanziert werden. Die Fortbildung „CommunityField – Multiplikatoren im Gemeinwesen“ ist eine Qualifizierung für Initiativgruppen und engagierte Einzelne, Initiatoren und Schlüsselpersonen sowie Professionelle mit dem Ziel, Multiplikatorinnen und Multiplikatoren auszubilden. Der Schwerpunkt liegt auf der Förderung individueller Eigenschaften und Kompetenzen, die der Entwicklung des Gemeinwesens dienen und helfen, andere Multiplikatorinnen und Multiplikatoren zu werben und einzubeziehen. Die Erfolgsfaktoren einer hohen Partizipation liegen hierbei in der systematischen Einbindung und Qualifizierung von Personen aus professionellen wie auch nicht professionellen Reihen (Böhme, 2007). Des Weiteren sollen die teilnehmenden Personen in die Lage versetzt werden, nachhaltig und vernetzend zu wirken, Prozesse im Stadtteil zu verstehen und zu begleiten („zu hüten“) sowie Gruppen zu leiten. Die Teilnehmenden erwerben die Kompetenz, einen qualitativen Verständigungs- und Begegnungsprozess im Stadtteil zu etablieren, um zu einer gemeinsamen Haltung von Akzeptanz von Vielfalt beitragen zu können. Darüber hinaus stellen die Multiplikatorinnen und Multiplikatoren eine wesentliche Säule einer konsequent auf Nachhaltigkeit und Empowerment ausgerichteten Gemeinwesenarbeit dar, was ein zentrales Element innerhalb der Partizipationsprozesse in Lurup ausmacht. Gleichzeitig sind Haltung und Methoden des CommunityField grundlegend für die Moderation der Runden Tische und bei Entwicklung und Begleitung von gesundheitsfördernden Projekten.

Eine weitere Beteiligungsform in Lurup, die eine wichtige methodische Grundlage für die direkte Arbeit in Projekten darstellt, ist das „Planning for Real“, ein gemeinwesenorientiertes und mobilisierendes Planungsverfahren zur Verbesserung der Lebensqualität von Regionen. Innerhalb dieses Partizipationsansatzes werden durch eine niedrigschwellige Arbeitsweise Bürgerinnen und Bürger, Initiativen, Unternehmen und öffentliche Einrichtungen aus Lurup miteinander vernetzt und zur aktiven Beteiligung und Mitarbeit angeregt. Die Idee von „Hütern“ und „Hüterinnen“, die eine bestimmte gesundheitsfördernde und gemeindebezogene Haltung verkörpern, steht auch hier im Fokus. Die „Planning for Real“-Methode wird bei den „Runden Tischen Gesundheitsförderung“ angewandt, um Teilnehmenden aus unterschiedlichen Lebensbereichen und Settings eine gleichberechtigte Zusammenarbeit zu ermöglichen und das Wissen sowie die Potenziale aller Beteiligten effektiv einzubeziehen. „Planning for Real“ ermöglicht es, eine große Teilnehmerzahl sinnvoll zu beteiligen und gleichzeitig den Austausch, Aufbau und die Vertiefung von Beziehungen rund um die Arbeit an gesundheitsfördernden Themen zu fördern.

Der Fokus „Beteiligung“ konnte sich mit der „CommunityField“- und der „Planning for Real“-Methode innerhalb der siebenjährigen Laufzeit der Modellförderung über Aktive Stadtteilförderung/Soziale Stadt zu einer fundierten Partizipationskultur in Lurup entwickeln. Dies spiegelt sich unter anderem in der hohen Bereitschaft der Bewohnerinnen und Bewohner sowie der Akteure, die das Thema Gesundheitsförderung im Stadtteil leben, kommunizieren und umsetzen, wider. Im Kontext der vergangenen Förderung wurden beispielsweise die Grünanlage Franzosenkoppel neu gestaltet und das Zentrum Lüdersring in Lurup aufgewertet und weiterentwickelt.

Settingansatz

Die Aktivitäten und Maßnahmen des Projektes innerhalb Lurups integrieren Initiativen, die sowohl auf das Gesundheitshandeln von Personen als auch auf strukturelle Änderungen abzielen und sich am Settingansatz der WHO orientieren (Brandes, 2007).

Das Setting „Stadtteil“ wird im Rahmen dieses Projektes als ein umfassender Begriff verstanden, der sowohl alle im Stadtteil Lurup involvierten Einzelsettings wie zum Beispiel Kindertagesstätten, Schulen und Betriebe umfasst als auch die Prozesse zwischen diesen Einrichtungen und Institutionen sowie den Bürgerinnen und Bürgern beschreibt. Hiermit wird der Gedanke verfolgt, die handelnden Akteure auf die im Quartier oder Stadtteil bestehenden gesundheitsfördernden Bedarfe zu orientieren, die innerhalb der einzelnen Settings nicht erfasst und befriedigt werden können, und auf unterschiedliche Möglichkeiten der Vernetzung aufmerksam zu machen. Der Blick soll auf das „Gesamte“ gelenkt werden, denn nur durch eine vernetzte und kooperative Zusammenarbeit sowohl auf professioneller als auch laienbezogener Ebene kann das Ziel einer Verringerung der gesundheitlichen Ungleichheiten sowie einer Verbesserung des Gesundheitszustandes der Menschen in Lurup langfristig erreicht werden.

Die methodischen Instrumente der Settingarbeit lassen sich im Ansatz des „CommunityFields“ und in der Methodik des „Planning for Real“ aufzeigen. Nach „CommunityField“ bildet das Projektteam Bürgerinnen und Bürger zu systemisch orientierten Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aus, um so die Arbeit innerhalb des Stadtteils prozesshaft zu begleiten und nachhaltig zu festigen. Mit der aktiven Einbindung und Mitgestaltung der Bevölkerung sowie im Stadtteil etablierter Institutionen werden gesundheitsfördernde Potenziale geweckt und sinnvoll umgesetzt. „Gesund Kurs halten“ vertritt damit eine spezielle Grundhaltung, die Akzeptanz und Wertschätzung, Entwicklungsoffenheit, eine Ressourcen- und Potenzialorientierung sowie Respekt vor Eigensinn als auch Eigenständigkeit zwischen den verschiedenen Akteuren im Stadtteil herstellt und etabliert. Die „Planning for Real“-Methode nutzt darüber hinaus ebenfalls den systemische Ansatz zur Erarbeitung von Themen und Projekten, mit Hilfe derer eine aktive Mitarbeit angeregt sowie eine strukturierte Vorgehensweise zum Beispiel an den „Runden Tischen Gesundheitsförderung“ geschaffen wird.

In Lurup werden alle Prozesse, Projekte und Akteure als große Einheit betrachtet. In diesem Rahmen lassen sich zwei spezifische Ebenen identifizieren; zum einen eine Zusammenarbeit auf zwischenmenschlicher, personaler Basis. Diese personenorientierte Vernetzung ist enorm tragfähig, so dass sie auch nach dem Ende von Projekten weiter besteht. Sie ist daher - dies ist die zweite Ebene - die ideale Basis, gesundheitsfördernde Handlungsstrategien oder andere Projekte im Stadtteil zu etablieren. Hier wird eine „Verknüpfungsstrategie auf Stadteilebene“ praktiziert. In diesem Sinne werden die Potenziale und Ressourcen der Bürgerinnen und Bürger sowie der ansässigen Institutionen und professionellen Akteure genutzt, um Projekte zu initiieren und zu verknüpfen. Die Geschäftsstelle für Gesundheitsförderung sowie andere Multiplikatorinnen und Multiplikatoren schaffen einen Bezugsrahmen, in dem Bewohnerinnen und Bewohner Erfahrungen sowie Wissen aus ihrem Lebensumfeld und in dem professionelle Akteure über ihr Setting hinausgehendes Wissen über gesundheitsfördernde Bedarfe und Potenziale einbringen können. Damit lassen sich auf den Lebensraum Quartier oder Stadtteil zugeschnittene Projekte und Maßnahmen gestalten. Darüber hinaus werden Laien auf bestimmten Gebieten professionalisiert, um gesundheitsfördernde Strukturen in Lurup weiter voranzubringen, einen Erfahrungsaustausch zu ermöglichen, entwickelte Ideen in die gesamte Bevölkerung zurückzuspiegeln und so die Nachhaltigkeit des Themas Gesundheitsförderung im Stadtteil zu sichern.


Literatur
Behörde für Arbeit, Gesundheit und Soziales (BSG), Amt für Gesundheit und Verbraucherschutz, Referat für Prävention, Gesundheitsförderung und Gesundheitsberichterstattung (Hrsg.) (2001). Stadtdiagnose 2, Zweiter Gesundheitsbericht für Hamburg.
URL: http://fhh.hamburg.de/stadt/Aktuell/behoerden/bsg/gesundheit/gesundheitsberichterstattung/zz-stammdaten/downloads/stadtdiagnose2-lang,property=source.pdf (25.04.2008).

Bär, G. (2008): Verfügungsfonds und Mikrofinanzierungen als Instrumente der gesundheitsfördernden Stadtteilentwicklungen. Impu!se, 58, 22-23.

Böhme, C. (2007). Gesundheitsförderung in Stadtteilen mit besonderem Entwicklungsbedarf. Soziale Stadt, 20, 2-9.

BÖV 38 e.V. Begegnung, Bewegung, Beteiligung in Lurup/Geschäftstelle für Gesundheitsförderung Lurup (2008). Gesund Kurs halten in Lurup. April 2007-März 2008. Abschlussbericht. Hamburg.

Brandes, S. (2007). Good Practice: Qualitätsentwicklung in der soziallagenbezogenen Gesundheitsförderung. Soziale Stadt, 20, 10-13.

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) (Hrsg.) (2007). Kriterien guter Praxis in der Gesundheitsförderung bei sozial Benachteiligten. Ansatz – Beispiele – weiterführende Informationen. Köln: BZgA.

Deutsches Institut für Urbanistik (Difu) (2007). Vorort-Analyse Gesundheit Hamburg Altona-Lurup. Präsentation im Rahmen der Fallstudienbegleitung im BMBF-Forschungsprojekt „Mehr als gewohnt. Stadtteile machen sich stark für Gesundheitsförderung.

Groeger-Roth, F. (2007). Setting „Stadtteil“ – Schlüsselfaktor für Erfolg und Nachhaltigkeit bei der Förderung gesundheitlicher Chancengleichheit. Soziale Stadt, 20, 20-21.

Saier, U. (2007): Kindergesundheit in Hamburg. Bestandsaufnahme der Gesundheit und der gesundheitlichen Versorgung von Kindern in Hamburg. Hamburg: Freie und Hansestadt Hamburg, Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz (BSG).

Statistisches Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein. Deutsch (Deutschland). URL: http://www.statistik-nord.de/index.php?id=457 (28.04.2008).

TU Hamburg-Harburg (Hrsg.) (2002). Endbericht der „Programmbegleitung vor Ort“ des Modellgebiets Hamburg-Altona-Lurup im Rahmen des Bund-Länder-Programms Soziale Stadt. URL: http://edoc.difu.de/orlis/DF7045.pdf (27.05.2008).
Laufzeit des Angebotes

Beginn: April 2007

Abschluss: März 2008


Welche Personengruppe(n) in schwieriger sozialer Lage wollen Sie mit Ihrem Angebot erreichen?

Menschen in schwieriger sozialer Lage sind ein wichtiger Teil der Zielgruppe, auch wenn sich das Angebot in erster Linie an alle richtet.

  • Personen mit sehr niedrigem Einkommen (z.B. Personen im Niedriglohnsektor, Personen mit niedrigen Rentenbezügen)
  • Alleinerziehende in schwieriger sozialer Lage
  • Migrant/-innen in schwieriger sozialer Lage

Multiplikatorinnen und Multiplikatoren
Mitarbeiter/innen von Schulen, Kitas, Vereinen, Ehrenamtlich im Stadtteil Engagierte, Wohnungswirtschaft
Schwerpunkte des Angebotes
  • Bewegungs- und Mobilitätsförderung
  • Ernährung
  • Psychische Gesundheit
  • Gewaltprävention
  • Kommunale Strategie / Netzwerkarbeit

Qualitätsentwicklung

Es ist bereits ein Ergebnisbericht vorhanden.

Titel des Berichts bzw. Kurzbeschreibung: Abschlussbericht „Gesund Kurs halten in Lurup“

Quelle der Veröffentlichung/URL: www.unser-lurup.de; unter: Aktive Stadtteilentwicklung / Downloads

Die Qualitätsentwicklung und Ergebnissicherung sind nicht in ein Qualitätsmanagementsystem eingebunden.


Stand

24.05.2018

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Projektträger

BÖV 38 e.V. Begegnung Bewegung Beteiligung in Lurup

Projektlaufzeit

Beginn: April 2007

Abschluss: März 2008

Kontakt

Frau Sabine Tengeler
Brachvogelweg 15
22547 Hamburg (Hamburg)

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