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Angebotsdarstellung

Good Practice

Veröffentlichung: 2007

Sicher und gesund in der Kita - Sigiki

Kurzbeschreibung mit Zielen und Maßnahmen

Unfälle stellen die häufigste Todesursache von Kindern bis 14 Jahren dar. Im Jahr 2005 verletzten sich insgesamt 1,6 Millionen Kinder, das sind laut Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Mehr Sicherheit für Kinder e.V. (BAG 2005) rund 4400 pro Tag. Hiervon könnten nach Einschätzung von Expertinnen und Experten rund 60 % durch vorbeugende Maßnahmen vermieden werden (ebd.), eine amerikanische Studie spricht sogar von 95 % (Chukwudi Onwuachi-Saunders et al. 1999).

Die Unfallkasse Berlin hat gemeinsam mit der MUT Gesellschaft für Gesundheit mbH, einem gemeinnützigen Unternehmen der Ärztekammer Berlin, das Projekt „SiGiKi – Sicher und gesund in der Kita“ entwickelt, um die kindliche Umwelt sicherer und kindgerechter zu gestalten und die Kinder zu befähigen, alltägliche Gefahren besser einschätzen zu lernen und mit ihnen umzugehen.

Das Projekt wendete sich an Erzieherinnen und Erzieher von Kindern zwischen vier bis sechs Jahren mit dem Ziel, diese als Multiplikatorinnen bzw. Multiplikatoren im Bereich Kindersicherheit auszubilden. An zwei Fortbildungstagen erhielten die Teilnehmenden alle wichtigen Informationen zu den verschiedenen Themen der Unfallprävention sowie vielfältige Anregungen für die Umsetzung von Maßnahmen in ihren Einrichtungen. Alle Informationen sind in zwei Ordnern zusammengefasst, die anschaulich und praktikabel gestaltet sind, sodass sie eine gute Unterstützung bei der Planung und Durchführung von Aktivitäten bieten.

Die große Nachfrage von Kindertagesstätten und Horten, aber auch die Rückmeldungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zeigen, dass das Konzept bei Erzieherinnen bzw. Erziehern, Eltern und Kindern gleichermaßen gut ankam und die Kinder eindrucksvolle Lernerfolge zeigten. SiGiKi wurde inzwischen mit 1500 Teilnehmerinnen bzw. Teilnehmern durchgeführt; es konnten über 890 Einrichtungen aus allen Berliner Bezirken, vielfach mit niedrigem Sozialindex, sowie 27 Eltern-Kind-Gruppen erreicht werden.


Kontakt

Frau Annette Kuhlig
Unfallkasse Berlin
Culemeyerstraße 2
12277 Berlin (Berlin)

Telefon: 030 / 76241371

E-Mail: a.kuhlig@unfallkasse-berlin.de

Website: http://www.unfallkasse-berlin.de


Projektträger

Unfallkasse Berlin
Culemeyerstraße 2
12277 Berlin


Hintergrund
Kinderunfälle sind ein prioritäres Gesundheitsproblem, denn sie stellen die häufigste Todesursache im Kindesalter dar. Besonders folgenschwer sind Unfälle durch Ertrinken/Ersticken, gefolgt von Verbrennungen/Verbrühungen und Stürzen aus der Höhe. Die meisten Unfälle ereignen sich in Kindertagesstätten und Schulen (43 %), wobei es sich vorwiegend um Stürze im Außengelände mit meist geringeren Folgen handelt. An zweiter Stelle stehen Unfälle im Heim- und Freizeitbereich (40 %), gefolgt von Unfällen im Straßenverkehr (17 %) (Elsässer und Diepgen 2000). Besonders gefährdet sind Kinder aus sozial benachteiligten Familien: Eine Studie zu „Verbrennungen, Vergiftungen und Stürze“ ergab, dass die Zahl der Kinderunfälle, die in diesen Bereichen geschehen, mit einem niedrigen Bildungsniveau, Armut und einer abweichenden familiären Situation korrelieren (Glik et al. 1993). Eine andere Untersuchung aus Brandenburg zeigte, dass Kinder aus sozial benachteiligten Familien doppelt so häufig von Verkehrs- und Verbrühungsunfällen betroffen waren wie Kinder aus höheren sozialen Schichten (Böhm und Kuhn 2000). Der Zusammenhang zwischen sozialer Lage und Unfallrisiko ist insofern von besonderer Bedeutung, da immer mehr Kinder, insbesondere Kinder unter sieben Jahren, von Armut betroffen sind (Senatsverwaltung für Gesundheit, Soziales und Verbraucherschutz 2004).

Dass Kinderunfälle geschehen, liegt einerseits in Defiziten der kindlichen Entwicklung begründet: Der zunehmende Bewegungsmangel von Kindern führt zu sensomotorischen Entwicklungsdefiziten, was neben gesundheitlichen Beeinträchtigungen auch die Gefahr erhöht, zu verunfallen. Zudem fehlt es vielen Kindern an Möglichkeiten, ihr Können und ihre Grenzen auszutesten und Sicherheit im Umgang mit Alltagssituationen zu entwickeln. Andererseits bestehen in der Umwelt der Kinder verschiedene Gefahrenquellen, die zu Unfällen führen können, wie zum Beispiel unfallträchtige Spielgeräte, brennende Kerzen oder der Kontakt mit Tieren.

Die Anzahl verunfallter Kinder zu verringern ist das Anliegen des Projekts SiGiKi. Dabei konzentriert sich das Projekt auf Unfälle in Kindereinrichtungen und den Heim- und Freizeitbereich. Kindertagesstätten eignen sich besonders gut für gesundheitsförderliche Maßnahmen, da sich die Kinder in einem Alter befinden, in dem der allgemeine Gesundheitszustand noch relativ gut ist und wichtige Basiskompetenzen sowie Verhaltensweisen herausgebildet werden, die u. a. auch für den späteren Gesundheitszustand entscheidend sind.

Ein weiterer wichtiger Aspekt, der für das Setting Kita spricht, ist, dass in Berlin ca. 97 % aller Kinder eine Kindertagesstätte besuchen – ausländische Kinder annähernd ebenso häufig wie deutsche Kinder (Statistisches Bundesamt 2000), sodass Kinder mit Migrationshintergrund sowie Kinder aus allen sozialen Schichten erreicht werden können. Auch besteht in diesem Alter noch ein relativ guter Kontakt zu den Eltern, wenn diese ihre Kinder in die Einrichtung bringen bzw. abholen.

Die Interventionen selbst richten sich auf die Bereiche „Erziehung und Aufklärung“, „technische Maßnahmen“, „Kontrolle und Überwachung“ sowie „Gesetze und Rechtsprechung“ (BAG 2005). Wie internationale Studien ergaben, kann vor allem durch eine Kombination aus verhaltens- und verhältnispräventiven Interventionen die Anzahl der Kinderunfälle gesenkt werden (vgl. Towner et al. 2001). SiGiKi hebt sich von anderen Projekten, die im Rahmen allgemeiner bewegungsförderlicher Maßnahmen zur Unfallprävention beitragen, dadurch ab, dass seine Aktivitäten darüber hinausgehen und sich ganz explizit an Themen der Kindersicherheit richten.

Das Konzept von SiGiKi beruht sowohl auf epidemiologischen Daten und den sich daraus ergebenen Präventionsschwerpunkten als auch auf den praktischen Erfahrungen aus einer vorangegangenen Modellphase „Unfallverhütung und Sicherheitserziehung für Kita-Kinder“: In den Jahren 1999/2000 wurden bereits zehn Veranstaltungen von der Unfallkasse Berlin und der MUT in 26 Kitas mit Kindern im Alter zwischen vier und sechs Jahren durchgeführt. Schwerpunkt war die Weiterbildung von Erzieherinnen und Erziehern, um Themen der Kindersicherheit in den Kita-Alltag zu integrieren. Ebenso wurden Eltern angesprochen, um hinsichtlich einer kindersicheren Gestaltung des Heim- und Freizeitbereichs beratend Einfluss zu nehmen. Der gesamte Prozess sowie die verwendeten Materialien wurden über Fragebogen evaluiert. Auf der Basis der Auswertungsergebnisse sowie der vielen Anregungen, die in der Modellphase gesammelt wurden, entstand das Konzept für eine Multiplikatorenschulung, die seit 2006 in ganz Berlin für Erzieherinnen und Erzieher angeboten wird und deren Ziel es ist, das Thema Kindersicherheit zu verbreiten.
Vorgehen
Um Kindertagesstätten für das Projekt zu gewinnen, wendet sich SiGiKi an die Träger von Einrichtungen. Diese suchen sich ihrerseits interessierte Kitas aus der Trägerschaft und organisieren die Fortbildungen für die dort tätigen Erzieherinnen und Erzieher.

Das Projekt selbst besteht aus zwei zentralen Bestandteilen. Erster Bestandteil ist eine Materialiensammlung für die Erzieherinnen und Erzieher, die alles beinhaltet, was eine gute Sicherheitsförderung in der Kita ausmachen sollte. Die Materialiensammlung besteht aus zwei Ordnern, die übersichtlich und ansprechend gestaltet sind:

Im ersten Ordner geht es um die Sicherheitsförderung für Kinder. Er enthält theoretische und praktische Informationen zu Themen der Unfallprävention sowohl in der Einrichtung als auch im Außengelände. Von den Unfallgefahren durch Stürze bis hin zu Vergiftungen werden alle Themen kindgerecht aufgearbeitet und unterschiedliche methodische Möglichkeiten der Vermittlung vorgeschlagen. Ob in spielerischer Form oder als Geschichte verpackt, können die Erzieherinnen und Erzieher sich ihre Methode selbst auswählen. Ziel ist es, dass die Kinder einerseits mehr über Gefahrenquellen in ihrer Umgebung erfahren, diese erkennen und den Umgang mit ihnen erlernen und andererseits ihre Körperwahrnehmung schulen. Anhand zahlreicher Wahrnehmungs-, Bewegungs-, Aktions- und Rollenspiele sowie Beschäftigungsangeboten erhalten sie Gelegenheit, mit allen Sinnen zu spüren, was mit ihrem Körper machbar ist und wo ihre Grenzen liegen.

So beschäftigt sich ein Themenkomplex beispielsweise mit dem Umgang mit Tieren, da dieser für Kinder sehr wichtig ist. Im Vordergrund stehen Hunde, es werden aber auch Gefahren durch Insekten (Wespen) und Wildtiere angesprochen. Die Kinder sollen die Lebensgewohnheiten und Besonderheiten der verschiedenen Tiere kennenlernen, um gefahrlos mit ihnen umzugehen. Es wird auf das Problem offener Getränkedosen und -flaschen, in denen sich Wespen befinden können, ebenso hingewiesen wie auf die richtige Verhaltensweise beim Füttern von Wildtieren. Damit beim Umgang mit Hunden nichts passiert, erhalten die Kinder Informationen über deren Körpersprache und üben in Rollenspielen, wie sie sich zum Beispiel beim Fressen verhalten sollten oder sich fremden Hunden nähern können. Bei einem Ausflug ins Tierheim können die Kinder von den Tierpflegerinnen und -pflegern den sicheren Umgang mit Hunden lernen.

Der zweite Ordner widmet sich ausschließlich dem Bereich der Wahrnehmungs- und Bewegungsförderung. Die Erzieherinnen und Erzieher können zwischen Begrüßungs-, Einstiegs-, Haupt-, Pausen- oder Ausklangspielen auswählen. Jedes Spiel ist einfach erklärt und enthält eine Auflistung der benötigten Materialien. Zur leichteren Anwendung im Alltag können alle Spielanleitungen einzeln aus dem Ordner entnommen werden.

Im Anhang beider Ordner befindet sich eine Arbeitshilfe, die den Erzieherinnen und Erziehern bei der Planung und Umsetzung einer Maßnahme Orientierung und Unterstützung bietet.

Dass SiGiKi einen Beitrag zur Verbesserung der Sicherheit leistet, zeigen die Erfahrungsberichte des Erziehungspersonals sowie der Eltern, wonach die Kinder viele Gefahrenquellen erkennen und ihre Eltern auf solche hinweisen bzw. in potenziellen Gefahrensituationen die eingeübten Verhaltensweisen zeigen.
Zweiter Bestandteil ist die Ausbildung von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren. An zwei Seminartagen erhält das Erziehungspersonal alle wichtigen Informationen zum Thema Kindersicherheit sowie zur Anwendung der Ordner und der praktischen Umsetzung von Maßnahmen in ihren Einrichtungen. Abschließend werden die Seminare evaluiert. In Form von quantitativen Fragen können die Erzieherinnen und Erzieher ihre Einschätzung zum Seminar, den Ordnern und dem Nutzen für die tägliche Praxis geben. Erfahrungen, Anregungen und Verbesserungsvorschläge werden anhand offener Fragestellungen erfasst.

Auch hier zeigen die Ergebnisse, dass die Seminare bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern gut ankommen und die vermittelten Inhalte in den Einrichtungen umgesetzt werden.
Good Practice in
Multiplikatorenkonzept

SiGiKi strebt die Realisierung des Multiplikatorenkonzepts auf verschiedenen Ebenen an. Zunächst geht es dem Projekt um die Ausbildung von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren. Zielgruppe sind in erster Linie Erzieherinnen und Erzieher, aber auch Tagesmütter, Bewegungspädagoginnen und -pädagogen oder Fachberaterinnen bzw. Fachberater.

Die Ausbildung erfolgt an zwei Seminartagen. Am ersten Veranstaltungstag erhält das Erziehungspersonal eine Einführung in die Unfallprävention im Kindesalter und kann sich über Sicherheitsaspekte in der Kita austauschen. Anschließend werden die beiden Ordner inhaltlich vorgestellt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bekommen einen Überblick über die verschiedenen Themen der Kindersicherheit und können die entsprechenden Übungen und Spiele gleich vor Ort ausprobieren. Die Materialien sind so aufbereitet, dass die Erzieherinnen und Erzieher die vorgeschlagenen Maßnahmen individuell gestalten und entsprechend dem Bedarf ihrer Einrichtung anpassen können. Um eine nachhaltige Wirkung zu erzielen, erhalten sie Anregungen, wie sich die Übungen und Spiele in den Kita-Alltag integrieren lassen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt für das Projekt und die Arbeit von Erzieherinnen und Erziehern ist die Einbeziehung der Eltern, um auch den Heim- und Freizeitbereich sicherer zu gestalten. Das Erziehungspersonal erfährt, welche Materialien von den verschiedenen Einrichtungen angeboten werden – wie zum Beispiel ein Elternratgeber zur Unfallverhütung im Kindesalter der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung oder eine Broschüre der BAG zu Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Kinderunfällen. Zudem findet ein Austausch über effektive Methoden der Arbeit mit Eltern statt.

Nach einer sechswöchigen Phase, in der die Erzieherinnen und Erzieher die Gelegenheit haben, das Erlernte in ihren Einrichtungen umzusetzen, dient der zweite Seminartag dazu, die Inhalte weiter zu vertiefen, Erfahrungen auszutauschen und aufgetretene Schwierigkeiten zu diskutieren.

Seit 2006 nahmen 590 Personen an den Schulungen teil. Die Fragebogenrückmeldungen zeigten, dass die Fortbildungsveranstaltungen selbst, aber auch die Ordner mit den vielen Informationen zum Thema Kindersicherheit sowie die zahlreichen Anregungen und Tipps für die tägliche Praxis bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern sehr großen Anklang fanden. Wenngleich viele Themen bekannt waren, fanden die Erzieherinnen und Erzieher es doch wichtig und hilfreich, ihr Wissen aufzufrischen bzw. zu erweitern.

Die Auswertungsergebnisse zeigten, dass 61 % der Teilnehmenden den Gesamteindruck des Seminars mit „sehr gut“ und 35 % mit „gut“ bewerteten. Die Seminarinhalte fanden 64 % „sehr gut“ und 35 % „gut.“ Der Nutzen für die berufliche Tätigkeit wurde von mehr als der Hälfte (53 %) als „sehr gut“ und knapp der Hälfte (46 %) als „gut“ angesehen.

Die qualitative Auswertung zeigte, dass den Teilnehmenden besonders gut die Praxisnähe, das Material zum Mitnehmen (informativ, umfangreich, gut strukturiert und praktisch verwendbar), das ausgewogene Verhältnis von Theorie und Praxis im Seminar, die verschiedenen Spiele mit den vielseitigen Anregungen für den Kindergartenalltag, die bereits in den Seminaren erprobt werden konnten, sowie der fruchtbare Austausch unter den Kolleginnen und Kollegen gefallen hat. Kritische Anmerkungen gab es lediglich im Bereich der theoretischen Wissensvermittlung, die trotz der Lockerungsspiele als sehr kompakt empfunden wurde.

Die Erfahrungsberichte zeigten, dass die teilnehmenden Personen die Inhalte auf vielfältigste Weise in ihren Einrichtungen umsetzten: Manche führten eigene kleine Veranstaltungsreihen zu bestimmten Themen der Kindersicherheit durch, andere integrierten einzelne Themen in bereits bestehende Beschäftigungsangebote. Einige der Teilnehmenden nutzten ihre Dienstbesprechungen, um auch den Kolleginnen und Kollegen die Materialien und Inhalte der Seminare vorzustellen. Für die Eltern wurden Informationsmaterialien zum Projekt und zu einzelnen Themen der Kindersicherheit ausgelegt sowie Elternaushänge und -briefe verfasst.

Neben der Ausbildung von Multiplikatoren und Multiplikatorinnen ist es ein Anliegen von SiGiKi, das Projekt im Berliner Raum sowie in Deutschland und Europa bekannt zu machen. Um auch auf dieser Ebene Multiplikatoren bzw. Multiplikatorinnen und Schüler bzw. Schülerinnen zu gewinnen, beteiligt sich SiGiKi in Berlin am Arbeitskreis „Prävention von Kinderunfällen“ und nutzt verschiedene regionale Veranstaltungen wie zum Beispiel den Kongress „Armut und Gesundheit“ oder den Kindersicherheitstag der Bundesarbeitsgemeinschaft Kindersicherheit zur Informationsvermittlung. Ferner werden die Fachschulen für Erzieherinnen und Erzieher oder die Plan- und Leitstellen für Gesundheit des Berliner Senats angesprochen. Für die Verbreitung des Projekts über Berlin hinaus hat sich SiGiKi dem Bundesverband der Unfallkassen vorgestellt und präsentiert das Projekt auf bundes- und europaweiten Fachveranstaltungen sowie auf der Internetseite von ENETOSH, dem europäischen Netzwerk zu Gesundheits- und Sicherheitsthemen.

Nachhaltigkeit

Um die Sicherheit von Kindern zu verbessern, ist das Projekt neue Wege gegangen. Bislang richteten sich Interventionen und Fortbildungsmaßnahmen zur Prävention von Kinderunfällen vorwiegend auf ein bestimmtes Thema aus dem Bereich Unfallprävention oder auf mehrere ausgewählte Aspekte der Kindersicherheit – wie zum Beispiel die Prävention von Kinderunfällen durch psychomotorische Bewegungserziehung, die Verbesserung der Verkehrssicherheit, Erste-Hilfe-Maßnahmen oder auf Aspekte des Arbeits- und Gesundheitsschutzes in Kitas. Die Themen wurden in Form von Broschüren, Veranstaltungen oder Fortbildungen an die Kinder, Erzieherinnen bzw. Erzieher und Eltern weitervermittelt.

Das Projekt SiGiKi hat erstmalig alle relevanten Themen der Kindersicherheit in einer Materialiensammlung zusammengestellt und zu einem Gesamtkonzept zusammengefügt. Die in SiGiKi vorgestellten Informationen, Materialien und Methoden richten sich gezielt auf die Vermeidung von Kinderunfällen und wurden für die Anwendung im Alltag von Kindertagesstätten aufbereitet. Das Projekt bleibt dabei nicht bei der Vermittlung von Informationen stehen, sondern bildet Erzieherinnen und Erzieher als Multiplikatorinnen bzw. Multiplikatoren aus, um Maßnahmen zur Förderung der Kindersicherheit direkt in den Tagesablauf zu integrieren.

Die Maßnahmen zielen auf eine Verbesserung der Bewegung und der Körperwahrnehmung sowie die Stärkung der Kompetenz der Kinder im Erkennen und dem Umgang mit Gefahrenquellen. Neben verhaltenspräventiven Maßnahmen erhalten die Erzieherinnen und Erzieher zudem Anregungen, wie sie ihre Einrichtung kindersicher gestalten können.

Obwohl sich SiGiKi vornehmlich an Erzieherinnen und Erzieher von Kindern im Alter von vier bis sechs Jahren richtet, ist das Konzept bei einer altersentsprechenden Anpassung der Themeninhalte und Methoden auch für ältere Kinder im Hort oder in der Schule anwendbar. Eine Übertragung des Konzepts auf andere Handlungsfelder der Gesundheitsförderung in Kindertagesstätten wird grundsätzlich als möglich erachtet.

Niedrigschwellige Arbeitsweise

Das Projekt SiGiKi wendet sich direkt an die Träger von Kindertagesstätten, um Erzieherinnen und Erzieher für die Schulung als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren zu gewinnen. Die Schulungen werden von den Trägern organisiert und vor Ort durchgeführt, sodass der Aufwand für die Kita selbst gering gehalten wird. Der Schulungszeitpunkt wird mit den Erzieherinnen und Erziehern individuell vereinbart, längere Wartezeiten für das Fortbildungsseminar entstehen in der Regel nicht. Sowohl das Schulungsangebot als auch die Materialiensammlung sind kostenfrei5.

Ebenso niedrigschwellig gestalten sich die Schulungen selbst und die Anwendung der Materialien in den Einrichtungen: Die Erzieherinnen und Erzieher erhalten bereits am ersten Seminartag Gelegenheit, die Spiele, Übungen und Methoden zu erproben. Im Kita-Alltag kann das Erziehungspersonal dann individuell entscheiden, welche der Themen es umsetzen will, wann der geeignete Zeitpunkt hierfür ist bzw. wie es den Ordner einsetzen möchte. Um die Planung und Umsetzung von Maßnahmen zu erleichtern, wurden entsprechende Arbeitshilfen entwickelt. Sofern bei der Anwendung im Kita-Alltag Probleme auftreten, können diese am zweiten Seminartag besprochen werden; gemeinsam mit der Mitarbeiterin von SIGIKI wird nach individuellen Lösungen gesucht.

Die in der Materialiensammlung vorgestellten Spiele erfordern keine speziellen Räumlichkeiten und können daher in jeder Einrichtung angewendet werden. Sie sind so konzipiert, dass sie von Kindern aus allen sozialen Schichten ausgeführt werden können. Durch die Integration der Maßnahmen in den Kita-Alltag gelingt es, dass alle Kinder gleichermaßen von den Interventionen profitieren.


Literatur
BAG (2005): Prävention von Kinderunfällen – von den gesundheitspolitischen Herausforderungen zur Aktion vor Ort. Bundesarbeitsgemeinschaft „Mehr Sicherheit für Kinder“.

Böhm, A., Kuhn, J. (2000): Soziale Ungleichheit und Gesundheit bei Kindern. Soziale Arbeit 9, S. 343– 346.

Elsässer, G., Diepgen, T. L. (2000): Kinderunfälle und Konsequenzen für die Unfallprävention. (Stand 02.05.2007).

Glik, D. C., Greaves, P. E., Kronfeld, J. J., Jackson, K. L. (1993): Safety hazards in households with young children. J. Pediat. Psychol. 18, pp. 115–131.

Onwuachi-Saunders, C. et al. (1999): Child death reviews: a gold mine for injury prevention and control. Injury Prevention 5, pp. 276–279.

Senatsverwaltung für Gesundheit, Soziales und Verbraucherschutz (Hrsg.) (2004): Sozialstrukturatlas 2003. Senatsverwaltung für Gesundheit, Soziales und Verbraucherschutz, Berlin.

Statistisches Bundesamt (2000): Mikrozensus. www.destatis.de

Towner, E., Dowswell, T., Mackereth, C., Jarvis, S. (2001): What works in prevention unintentional injuries in children and young adolescents? An updated systematic review. Health Development Agency. University of Newcastle upon Tyne.

Unfallkasse Berlin (2005): SiGiKi-Ordner 1.
Laufzeit des Angebotes

Beginn: 2006

Abschluss: Dezember 2012


Schwerpunkte des Angebotes
  • Bewegungs- und Mobilitätsförderung
  • Unfall-/ Sturzprävention
  • Stärkung der individuellen Bewältigungsressourcen (z.B. Life skills, Resilienz)

Qualitätsentwicklung

Es ist bereits ein Ergebnisbericht vorhanden.

Titel des Berichts bzw. Kurzbeschreibung: Projektbericht 2006

Die Qualitätsentwicklung und Ergebnissicherung sind nicht in ein Qualitätsmanagementsystem eingebunden.


Stand

11.03.2015

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Projektträger

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Unfallkasse Berlin

Projektlaufzeit

Beginn: 2006

Abschluss: Dezember 2012

Kontakt

Frau Annette Kuhlig
Unfallkasse Berlin
Culemeyerstraße 2
12277 Berlin (Berlin)

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