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27.05.2010

Migration und Gesundheit im Fokus des Deutschen Ethikrates

Schlagwörter: Migration

Die zweite Jahrestagung des Deutschen Ethikrates am 20. Mai 2010 in Berlin widmete sich dem Thema „Migration und Gesundheit. Kulturelle Vielfalt als Herausforderung für die medizinische Versorgung“. Die Referentinnen und Referenten der Tagung beschäftigten sich aus dem Blickwinkel verschiedener Disziplinen mit interkulturellen Aspekten der gesundheitlichen Versorgung und gaben Einblicke in medizinische Handlungsfelder.

Themen waren etwa rechtliche Probleme im Arzt-Patienten-Verhältnis sowie die Gesundheit von Migrantinnen und Migranten aus sozialethischer und politischer Perspektive. Erörtert wurde dabei auch, inwieweit spezielle Regelungen für Migrantinnen und Migranten ohne Aufenthaltserlaubnis etabliert werden sollten.

Daneben ging es in den Diskussionen um die Frage, wie eine kultursensible Medizin und Medizinethik aussehen sollte, welche Konsequenzen sich daraus für die Verbesserung der medizinischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Migrationshintergrund ergeben. Denn das Verständnis von Gesundheit und Krankheit sei kulturell unterschiedlich geprägt. Dies habe Auswirkungen auf Therapieentscheidungen und Gesundheitsverhalten. Es sei jedoch zu berücksichtigen, dass das Verhältnis von Migration und Gesundheit nicht allein durch migrationsspezifische, sondern auch sozioökonomische und bildungsbezogene Faktoren beeinflusst wird. Dabei wurde deutlich, dass aufgrund der großen Heterogenität der Gruppe der Menschen mit Migrationshintergrund stereotype Vorstellungen nicht greifen. Ein differenzierter Umgang mit diesem Phänomen ermögliche, den Menschen in seiner Individualität wahrzunehmen und nicht auf seine Migrationsbiografie zu reduzieren.

Vor dem Hintergrund des Spannungsverhältnisses von Solidarität und Eigenverantwortung wurden strukturelle Veränderungen eingefordert. So bestehe einerseits die Pflicht zur Selbstsorge, andererseits eine Bringschuld des Versorgungssystems. Dazu gehöre auch, den Einsatz von professionellen Dolmetscherinnen und Dolmetschern in Kliniken und Arztpraxen zu verstärken, um sprachliche Barrieren abzubauen. Zu den Kosten solcher Dolmetschleistungen erklärte Maria Böhmer, Bundesbeauftragte für Migration, Flüchtlinge und Integration: „Ich meine, es muss verankert sein bei den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung insgesamt, sodass hier Hilfe nicht scheitert an mangelnden Verständigungsmöglichkeiten.“

Weitere Informationen, darunter die Präsentationen und Audiomitschnitte der Veranstaltung, sind unter www.ethikrat.org abrufbar.

In der Praxisdatenbank des Kooperationsverbundes finden Sie einen bundesweiten Überblick über bestehende Angebote und Projekte der Gesundheitsförderung bei sozial Benachteiligten. Über 350 der eingetragenen Angebote richten sich an Migrantinnen und Migranten, davon 23 Projekte Guter Praxis.

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Der Kooperationsverbund wurde 2003 auf Initiative der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) gegründet
und wird maßgeblich durch die BZgA getragen. Ihm gehören aktuell 55 Partnerorganisationen an.
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