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Integrierte kommunale Strategien

als Beitrag zur Verbesserung gesundheitlicher Chancengleichheit für Kinder und Jugendliche

Stand: September 2013

Was sind kommunale Gesundheitsstrategien?

Kommunale, lebensphasenübergreifende Gesundheitsstrategien (auch „Präventionsketten“ ge­nannt) sollen die Voraussetzungen für ein mög­lichst langes und gesundes Leben für al­le Menschen der Kom­mu­ne verbessern, un­ab­hän­gig von der jeweiligen sozialen La­ge. Die Gesundheits­stra­te­gien schaffen den Rahmen, um die auf kommunaler Ebe­ne verfügbaren Unter­stütz­ungs­angebote öffentlicher und privater Träger zusammenzuführen und sie über Al­ters­grup­pen und Lebens­phasen hinweg auf­ei­nan­der abzustimmen. Ziel ist, die verfügbaren Mit­tel wirkungsvoller einzusetzen und wichtige Voraussetzungen für gesunde Le­bens­be­din­gung­en un­ab­hän­gig von der sozialen La­ge zu schaffen.

Definition

Der Auf­bau kommunaler Gesundheitsstrategien ist ein noch junges Handlungsfeld der Ge­sund­heits­för­de­rung und Prä­ven­ti­on, deren Um­set­zung weit über den Gesundheitsbereich hinaus weist. In ihrer Be­schrei­bung der Aktivitäten in der Stadt Monheim am Rhein nen­nen Holz et al. (2011) als wichtige Eigenschaften von „Prä­ven­ti­onsketten“:

Eigenschaften kommunaler Gesundsheitsstrategien

  • Hilfesysteme wer­den mit der Ab­sicht neu strukturiert, um „al­len sozialen Grup­pen positive Lebens- und Teilhabebedingungen zu er­öff­nen“.
  • Öffentliche und gesellschaftliche Akteure tra­gen ge­mein­sam zur Bil­dung der Präventionskette bei. Dies funktioniert nur, wenn al­le den ge­mein­samen, kooperativen Handlungsansatz mittra­gen.
  • Die Leis­tung­en und An­ge­bo­te die­ser Akteure wer­den im Rahmen der Präventionskette auf­ei­nan­der abgestimmt und koordiniert mit dem Ziel, „ei­ne durchgängige und lückenlose För­de­rung und Un­ter­stüt­zung zu ge­stal­ten“.

Die abgestimmte Ge­stal­tung von Unterstützungsangeboten ist über den gesamten Lebensverlauf vorstellbar, ist aber der­zeit meist auf die Ko­or­di­nie­rung der An­ge­bo­te im Kinder- und Jugendalter ausgerichtet. Grund ist so­wohl die besondere Be­deu­tung die­ser Lebensphase für Ge­sund­heit im weiteren Lebensverlauf als auch die Tat­sa­che, dass für Kinder, Ju­gend­li­che und deren Eltern be­reits ei­ne Vielzahl von Unterstützungsangeboten be­ste­hen, die oft unabgestimmt ne­ben­ei­nan­der herlaufen und großes Potenzial ber­gen.

Prävention im Lebenslauf

Warum kommunale Gesundheitsstrategien?

Die Chan­cen, in guter Ge­sund­heit aufzuwachsen, sind eng mit der so­zi­alen La­ge verknüpft. Kinder und Ju­gend­li­che, die un­ter schwierigen so­zi­alen Be­din­gung­en auf­wach­sen, tra­gen ein höheres Ri­si­ko im Lebensverlauf ernst­haft zu er­kran­ken und haben ei­ne niedrigere Le­bens­er­war­tung als so­zi­al bes­ser Gestellte. Umfangreiche Da­ten und Informationen hierzu fin­den sich in der Ge­sund­heitsberichterstattung des Bundes (KiGGS), von Ländern und Kom­mu­nen so­wie in internationalen Stu­di­en (vgl. Factsheet „Ge­sund­heit so­zi­al benachteiligter Kinder und Ju­gend­li­cher“).

Gesundheit und soziale Lage

Gegen diese, in den Le­bens­be­din­gung­en der Kinder und Ju­gend­li­chen angelegten Gesundheitsrisiken ist das medizinische Versorgungs­system re­la­tiv macht­los: Es wird in der Re­gel erst aktiv, wenn die ge­sund­heit­liche Be­ein­träch­ti­gung be­reits eingetreten ist. Prä­ven­ti­on und Ge­sund­heits­för­de­rung zie­len da­rauf ab, ge­sund­heit­liche Be­las­tung­en zu vermindern und die Mög­lich­keit­en zur Be­wäl­ti­gung die­ser Be­las­tung­en zu stär­ken - be­vor ge­sund­heit­liche Be­ein­träch­ti­gung­en ein­tre­ten.

Belastungen senken, Ressourcen stärkem

Die Kom­mu­nen halten umfangreiche An­ge­bo­te be­reit, um Kinder, Ju­gend­li­che und ih­re Eltern in schwieriger sozialer La­ge zu un­ter­stüt­zen. Die Beratungs- und Begleitungsangebote der Jugendämter, die An­ge­bo­te der Gesundheitsämter mit ih­ren Kinder- und Jugend­ge­sund­heits­diensten und Zahnmedizinischen Diensten oder auch die Un­ter­stüt­zung im Rahmen von Schulsozialarbeit sind hierfür Beispiele. Oft wer­den diese Un­ter­stüt­zungsangebote im kommunalen Auf­trag durch freie Träger erbracht. Den Kom­mu­nen kommt in jedem Fall ei­ne Schlüs­sel­po­si­ti­on bei der Ko­or­di­nie­rung die­ser An­ge­bo­te zu.

Kommunale Unterstützungsangebote

Ob Kinder und Ju­gend­li­che ge­sund auf­wach­sen kön­nen, ist ab­hän­gig von vielen Einflussfaktoren, den sogenannten „De­ter­mi­nan­ten für Ge­sund­heit“. Neben den unveränderlichen persönlichen Faktoren wie Ge­schlecht, Al­ter und genetischer Aus­stat­tung sind vor allem Einfluss­faktoren aus der unmittelbaren Um­welt (Fa­mi­lie, Nach­bar­schaft, Schule, Woh­nung und Wohnumfeld) und den politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rah­men­be­din­gung­en be­deut­sam (z.B. Beschäftigungslage, soziales Unterstützungssystem und Bildungs­system). Das „Regenbogen-Modell“ von Dahlgren und Whitehead stellt diese Einflussfaktoren an­schau­lich dar:

Determinanten für Gesundheit

Dahlgren & Whitehead 1991 Fonds Gesundes Österreich

Die meisten die­ser Einflussfaktoren lie­gen au­ßer­halb des Gesund­heits­systems, sind aber für ein gesundes Aufwachsen von großer Be­deu­tung.

Ganz in diesem Verständnis beschreibt die Sach­ver­ständigen­kommission des 13. Kinder- und Jugendberichtes der Bun­des­re­gie­rung (2009) das Aufwachsen von Kin­dern und Ju­gend­li­chen „als ein transaktionales, interaktives Geschehen (…), das in ständigem Aus­tausch mit der Um­welt steht, und beeinflusst von gesellschaftlichen Rah­men­be­din­gung­en stattfindet“. (BMFSJ 2009: 80)

13. Kinder- und Jugendbericht

Besonders be­deut­sam sind Übergänge im Lebensverlauf. Im Kindes- und Jugendalter ist dies bei­spiels­wei­se die Pha­se rund um die Ge­burt, der Ein­tritt in die Schule oder der Über­gang in die Be­rufs­aus­bil­dung. Aus er­folg­reich bewältigten Übergängen ge­hen Kinder mit ei­nem gestärkten Selbst­wert­ge­fühl hervor, was zur Ent­wick­lung gesundheitlicher Res­sour­cen beiträgt. Werden Übergänge vorwiegend als Be­las­tung oder Über­for­de­rung er­fah­ren, kann dies zu ei­nem Ri­si­ko­fak­tor für die Ge­sund­heit mit Langzeitfolgen füh­ren. Biografische Übergänge aktiv zu be­glei­ten, ist des­halb ei­ne zentrale Auf­ga­be für Ge­sund­heits­för­de­rung und Prä­ven­ti­on im Kindes- und Jugendalter.

Bedeutung biografischer Übergänge

Um in der Kom­mu­ne Be­din­gung­en zu schaffen, die diese unter­schied­lichen Einfluss­faktoren auf die Ge­sund­heit der Kinder und Ju­gend­li­chen und die un­ver­meidlichen bio­grafischen Über­gänge positiv ge­stal­ten und Unterstützungs­angebote ma­chen, sollten die verschiedenen kom­mu­nalen Ein­rich­tung­en und Akteure aus unter­schiedlichen Handlungs­feldern ih­re An­ge­bo­te und Aktivitäten auf­ei­nan­der ab­stim­men.

Notwendigkeit sektorenübergreifender Kooperation

Die Not­wen­dig­keit zur sektorenübergreifenden Zu­sam­men­ar­beit wird bei­spiels­wei­se auch im Jugend- oder im Bildungssektor als wichtige Voraussetzung für erfolgreiche Ar­beit erkannt und u.a. in den gesetzlichen Vorgaben be­tont. Besonders re­le­vant sind intersektorale Kooperationen in den aktuellen Ansätzen zur Stär­kung des Kin­der­schutzes. So sieht die An­fang 2012 in Kraft getretene Neu­fas­sung des Kin­der­schutzgesetzes die Ein­rich­tung regionaler Netzwerkstrukturen zum Kin­der­schutz vor, die von den Jugendämtern koordiniert wer­den sollen. Diese Netzwerke sollen u.a. Gesundheitsämter, Sozialämter, gemeinsame Servicestellen, Schulen, Polizei- und Ordnungsbehörden, Agenturen für Ar­beit um­fas­sen - al­so Ein­rich­tung­en, deren Handlungsfelder oft nur am Ran­de mit dem The­ma Kin­der­schutz befasst sind.

Kooperation in anderen Handlungsfeldern

Auch der 13. Kinder- und Jugendbericht der Bun­des­re­gie­rung be­tont die Not­wen­dig­keit, dass Gesundheits- und Jugendbereich ih­re Ar­beit wech­sel­sei­tig öff­nen und sie stärker auf­ei­nan­der beziehen. Diese Zu­sam­men­ar­beit sollte aus Sicht der Be­richt­er­stat­ter/in­nen vor allem die so­zi­ale und ge­sund­heit­liche Si­tu­a­ti­on von „Kin­dern, Ju­gend­li­chen und jun­gen Er­wach­se­nen in Armuts- und so­zi­al benachteiligenden Lebens- und Problemlagen verbessern“. (BMFSJ 2009: 30) Der Be­richt fordert in seiner zehnten Leit­li­nie die verstärkte interprofessionelle Vernetzung, da­mit auf kommunaler Ebe­ne „bedarfsgerechte, passgenaue Förderkonzepte ge­mein­sam gestaltet und realisiert wer­den kön­nen“. (ebd.: 251)

13. Kinder- und Jugendbericht

Im Kindes- und Jugendalter kön­nen verschiedene Lebensphasen un­ter­schie­den wer­den:

  • Schwangerschaft, Geburt und frühe Kindheit (junge Familien)
  • Kleinkind- und Vorschulalter (Krippe, Kita)
  • Grundschulalter
  • Jugendliche (Sekundarschulalter)
  • Jugendliche (Berufsausbildung und Einstieg in das Berufsleben)

Lebensphasen und Übergänge

Über die Er­fah­rung­en mit dem Auf­bau kommunaler Gesundheitsstrategien ist bislang noch we­nig be­kannt. Der Partnerprozess „Gesundheit für al­le“ bietet Kom­mu­nen die Mög­lich­keit, ih­re Stra­te­gien, Aktivitäten und Materialien be­kannt zu ma­chen, auszutauschen und zur Dis­kus­si­on zu stel­len (www.gesundheitliche-chancengleichheit.de/partnerprozess). So entsteht mit der Zeit ein Netz­werk engagierter Kom­mu­nen und Einzelakteure, die sich ge­gen­sei­tig bei der Ent­wick­lung und Um­set­zung kommunaler Gesundheitsstrategien un­ter­stüt­zen. Als Leitmodelle wer­den oft die Ge­mein­den Dormagen (vgl. Hilgers et al. o.J.) und Monheim (vgl. Holz et al. 2011) ge­nannt.

Beispiele für Präventionsketten

Die Er­fah­rung­en aus Dormagen zei­gen, dass der Auf­bau einer Präventionskette sich für die Kom­mu­ne lohnt: Die koordinierten und niedrigschwelligen frühen Un­ter­stüt­zungsangebote wer­den häufi ger in An­spruch genommen, wäh­rend gleich­zei­tig die An­zahl der für die Kom­mu­ne be­son­ders teuren Unterbringungen von Kin­dern und Ju­gend­li­chen deut­lich zu­rück geht.

Die kommunale Verantwortung beim Auf­bau integrierter Ge­sund­heitsstrategien entbindet die Entscheidungsträger im Bund und in den Ländern so­wie die wei­teren Akteure auf diesen Ebe­nen nicht von der Verantwortung, geeignete Rahmenbedingungen für ein gesundes Aufwachsen auch in schwieriger sozialer La­ge zu un­ter­stüt­zen. Die Aktivitäten z.B. des maß­geb­lich durch die Bun­des­zen­tra­le für ge­sund­heit­liche Auf­klä­rung (BZgA) geförderten Ko­o­pe­ra­ti­ons­ver­bun­des „Ge­sund­heit­liche Chan­cen­gleich­heit“ auf Bun­des­ebe­ne, der Landesvereinigungen für Ge­sund­heit, der durch Landesministerien und gesetzliche Kran­ken­kas­sen finanzierten Koordinierungs- und Vernetzungsstellen (Regionale Kno­ten) in den Ländern so­wie die verschiedenen Landesprogramme (z.B. „Kein Kind zu­rück las­sen“ in NRW) sollten wei­ter entwickelt und be­son­ders auf die Un­ter­stüt­zung der kommunalen Ansätze ausgerichtet wer­den.

Verantwortung von Bund und Ländern

Literatur

  • BMSFJ (Bundeministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend) (Hrg.) 2009 Bericht über die Lebenssituation junger Menschen und die Leistungen der Kider- und Jugendhilfe in Deutschland, 13. Kinder und Jugendbericht, Bundestags-Druksache 16/1860 vom 30.04.2009. Berlin.
  • Whitehead, Margaret; Dhalgren, Göran 1991: What can we do about inequalities in health? in: Lancet 338,159-1063.
  • Hilgers, Heinz; Sandvoss, Uwe; Jasper, Christin M.o.J.: Das Dormagner Modell: Was es beinhaltet und was man von ihm lernen kann, in: Wolfram, Markus und Osner, Andres: Handbuch Kommunalpolitik. Berlin: Raabe.
  • Holz, Gerda; Schöttle, Michael; Berg, Annette 2011: Fachliche Maßstäbe zu Auf-und Ausbau von Präventionsketten in Kommuen: Strukturansatz zur Förderung des „Aufwachens im Wohlerghen für alle Kinder und Jugenliche. Essen, Fankurt.M., Monheim am Rhein.
  • WHO (Welgesundheisorgaisation) 1994: Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung, Eklärung der 1. inernationalen Konferenz zur Gesundheitsförderung in Ottwa/Kanada 1986, deutsche Übersetzug. Gamburg:Verlag für Gesundheitsförderung.
  • WHO (Weltgesundheitsorganisation) 2011: Improving Equity in Health by Addresing Social De­ter­mi­nants. Genf: WHO.

Zur Wirksamkeit (früher) Unterstützungsangebote

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Handreichung Kom­mu­na­le Strategien

Worauf es beim Aufbau einer integrierten kommunalen Strategie ankommt, welche Bedeutung diese hat und welche Erfahrungen mit dem Aufbau und der Umsetzung bereits gemacht wurden, bündelt das vorliegende Papier (PDF-Datei, 6,23 MB).

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