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Aktiv für Gesundheit und Chancengleichheit

Fachforum Gesundheitliche Chancengleichheit in allen Lebensphasen in Schwaben

  • Carina Steidle , bis Juni 2020: Landeszentrale für Gesundheit in Bayern e.V.
  • Sarah Halic , Landeszentrale für Gesundheit in Bayern e. V.
21.11.2019

Ge­sund­heit geht al­le et­was an!

Sich für ge­sund­heit­liche Chan­cen­gleich­heit einzusetzen bedeutet, die Ge­sund­heit derjenigen Menschen zu för­dern, die sich auf­grund ih­rer Le­bens­la­ge selbst nicht aus­rei­chend um ih­re Ge­sund­heit kümmern kön­nen oder bislang von Ge­sund­heits­för­de­rungs- und Prä­ven­ti­onsangeboten zu we­nig erreicht wurden. Das kön­nen bei­spiels­wei­se Personen mit niedrigem Bildungs- oder Berufsstatus, geringen finanziellen Mitteln oder Menschen in sozialer Iso­la­ti­on sein. Bei dem Fachforum in Augs­burg kamen Ak­teu­rin­nen und Akteure aus verschiedenen Bereichen der Ge­sund­heits­för­de­rung und Prä­ven­ti­on zu­sam­men. Ihr gemeinsames Anliegen ist ge­nau das: die För­de­rung der Ge­sund­heit von Menschen in schwierigen Le­bens­la­gen.

Zum Einstieg des Fachforums erhielten die Teilnehmenden interessante Einblicke in die chancen(un)gleiche gesundheitliche Lage in Bayern.
Die Referentinnen Kathrin Steinbeißer und Iris Grimm zeigten Zahlen zur gesundheitlichen Ungleichheit in Bayern auf und betonten die hohe Bedeutung der Förderung gesundheitlicher Chancengleichheit zur Verbesserung der Bevölkerungsgesundheit insgesamt (auf Populationsebene).

Außerdem informierten sie über Unterstützungsmöglichkeiten seitens der KGC und über die Möglichkeit eines Beitritts von Kommunen zum bundesweiten Partnerprozess „Gesundheit für alle“. Im Anschluss daran wurden gelungene Projekte, durch die Menschen in schwierigen Lebenslagen in ihrer Gesundheit unterstützt werden, vorgestellt.

„Frauen werden von Anfang an miteinbezogen“

Sarah Zimmerman vom Gesundheitsamt der Stadt Augsburg und Christina Rogler von der Universität Augsburg präsentierten das Projekt „Stark durch Bewegung“, welches das Ziel verfolgt, die Gesundheit von Frauen in besonderen Lebenslagen in Augsburg zu fördern. Für die beiden Referentinnen steht fest: „ein besserer Zugang zu Bewegungsangeboten muss geschaffen werden!“ und dies ist mit „Stark durch Bewegung“ vielversprechend möglich.
Das Projekt wurde 2019 initiiert, ist auf drei Jahre angelegt und wird von der Universität Augsburg wissenschaftlich begleitet. Zunächst wird es im Stadtteil Oberhausen in Augsburg umgesetzt, eine spätere Ausweitung ist geplant. Sozial benachteiligte Frauen (v. a. Arbeitslose, Alleinerziehende und Frauen mit Migrationshintergrund) sollen einen besseren Zugang zu körperlicher Aktivität erhalten. Sarah Zimmermann betonte, dass die Frauen durch das Projekt „Bewegung nicht als weitere Aufgabe sehen, sondern als Gewinn für sich erleben“.
Um nachhaltige Strukturen zu schaffen und das Projekt bestmöglich voranzubringen, wird eine intensive Zusammenarbeit mit den Multiplikatorinnen und Multiplikatoren im Stadtteil angestrebt. Die Zielgruppe ist im Laufe der Projektplanung und -umsetzung an den Entscheidungsprozessen beteiligt. Von Januar bis Juni 2019 erfolgte die Kontaktaufnahme zur Zielgruppe, zu Verantwortlichen sowie Experten der Stadt Augsburg. Im Anschluss wurden Bewegungsbedarfe erhoben. Aktuell sollen bedarfsorientierte Maßnahmen im Rahmen einer kooperativen Planung mit sogenannten „Türöffnerinnen“ entwickelt und umgesetzt werden.

„Kindern einen guten Start ins Leben ermöglichen“

Christine Abold stellte das Konzept der „Familienlotsinnen an den Augsburger Geburtskliniken“ vor. Das Projekt ist eine Kooperation zwischen dem Netzwerk „Frühe Kindheit“ der Stadt Augsburg, des Landkreises Augsburg sowie dem Frère-Roger-Kinderzentrum Augsburg. Ziel ist es, eine passgenaue Vermittlung in das multiprofessionelle, regionale Angebot der Frühen Hilfen sicherzustellen.
Seit 2011 unterstützen und beraten die Familienlotsinnen Eltern und werdende Eltern am Universitätsklinikum Augsburg und Josefinum in der Zeit um die Geburt eines Kindes. Christine Abold und ihre Kolleginnen „sind bemüht, so viele Eltern, wie möglich, zu erreichen“. Wenn eine Familie oder Mutter in eine Klinik aufgenommen wird, erhält diese Informationsmaterial rund um die Geburt und einen persönlichen Besuch auf dem Klinikzimmer durch eine Familienlotsin, welche eng mit dem Klinikpersonal zusammenarbeitet. Die Familienlotsinnen kennen das Netzwerk vor Ort sehr gut und sind somit wahrhaft regionale Netzwerkerinnen. Es können 98 % der Neugeborenen erreicht werden und es gelingt eine „Entschärfung von Stressfaktoren“ für alle. „Forschung begleitet Praxis“, betonte Christine Abold und erklärte, dass das Projekt zudem vom Nationalen Zentrum Frühe Hilfen beforscht wird.

„Kultursensible Aufklärung für Migrantinnen und Migranten“

Das Projekt „MiMi - Mit Migranten für Migranten“ wurde von Christine Bomke, Landesprojektkoordinatorin MiMi-Bayern, und den MiMi-Projektstandortkoordinatorinnen Yesim Färber aus Augsburg und Gudrun Brunner aus der Region Allgäu-Bodensee vorgestellt. Das Projekt stärkt Menschen mit Migrationshintergrund in der Eigenverantwortung für ihre Gesundheit und für Präventionsmaßnahmen. Ziel ist es, „Migrantinnen und Migranten zu unterstützen, sich im Gesundheitssystem zurecht zu finden“, äußerte Christine Bomke. Hierfür werden spezielle Mediatorinnen und Mediatoren geschult, die Menschen mit Migrationshintergrund zur Seite stehen, über gesundheitliche Themen informieren und Menschen näher miteinander in Kontakt bringen. Mittlerweile gibt es 500 Mediatorinnen und Mediatoren und mehr als 32.000 Teilnehmende in Bayern, die in 45 unterschiedlichen Sprachen kommunizieren.
Die Herausforderungen des Projekts liegen insbesondere in den Kultur- und Sprachbarrieren der Zielgruppe. Aktuelle Themen sind z. B. Altenpflege, Ernährung und Brustkrebs. Aber auch die seelische Gesundheit oder Zahngesundheit werden auf Veranstaltungen thematisiert. Die Veranstaltungen werden bei der Zielgruppe vor Ort, in Schulen, Moscheen oder Ankerzentren durchgeführt. Yesim Färber betonte den Erfolg, dass auch Männer mit Migrationshintergrund an dem Austausch interessiert seien und „auch an Wissen kommen wollen, um beispielsweise ihre Familien zu schützen“

Reger Austausch und viele Ideen in den Workshops

In den am Nachmittag stattfindenden Workshops setzten sich die Teilnehmenden mit der Frage auseinander, was in Schwaben bereits für Menschen in schwierigen Lebenslagen getan wird. Die Akteurinnen und Akteure tauschten sich über bestehende Maßnahmen und verschiedene Handlungsbedarfe in den einzelnen Regionen aus. Hieraus wurde zum einen die Bedeutung der Förderung der gesundheitlichen Chancengleichheit nochmals ins Bewusstsein gerückt und zum anderen entwickelten die Teilnehmenden Ideen für mögliche Projekte. Die Akteurinnen und Akteure knüpften in den Workshops außerdem fachbereichsübergreifende Kontakte, die auf eine vielversprechende Zusammenarbeit hoffen lassen.

Gesund von klein auf

Die Teilnehmenden des Workshops „Gesundes Aufwachsen“ von Iris Grimm und Carina Steidle machten gleich zu Beginn deutlich, dass es bereits viele Angebote für Kinder sowie Netzwerkpartnerinnen und Netzwerkpartner in ihrer Region gäbe. Die Kindersprechstunde oder die Jugendsozialarbeit an Schulen sind beispielsweise zwei erfolgreiche Maßnahmen, die mit viel Engagement auf den Weg gebracht wurden.
Allgemein benötige es jedoch vermehrt politischer Unterstützung und einen guten Austausch zwischen den Akteurinnen und Akteuren sowie eine Strukturierung von bestehenden Netzwerken.

Gesund den Aufgaben im Erwachsenenalter begegnen

Andrea Wolff und Rita Wüst leiteten den Workshop „Gesund durch den mittleren Lebensabschnitt“. Für die Teilnehmenden wurde deutlich, dass besonders im Bereich der Selbsthilfe gute Strukturen vorhanden sind, die jedoch noch besser mit den Angeboten und Zugangswegen anderer Akteurinnen und Akteure vernetzt werden könnten. Denn „es ist wichtig, dass die richtigen Angebote an die richtigen Personen kommen“, so ein Teilnehmer. Handlungsbedarf sahen die Teilnehmenden in der Einbeziehung politischer Entscheidungsträger und in der Verbesserung der Informationsweitergabe, um Personen in schwierigen Lebenslagen im „mittleren Lebensabschnitt“ noch besser erreichen zu können.

Gesund bis ins hohe Alter

Im Workshop „Gesundes Altern“ von Kathrin Steinbeißer und Friederike Butscher tauschten sich die Teilnehmenden über bestehende Maßnahmen und Handlungsbedarfe zur Gesundheitsförderung älterer Menschen in schwierigen Lebenslagen aus. Es konnten viele gute Angebote ausgemacht werden, die speziell für ältere Menschen konzipiert sind. Handlungsbedarf wurde darin gesehen, dass ältere Menschen aktiv in kommunale Angebote mit eingebunden werden und ein „Wohlseinsgefühl durch Dazugehören“ entwickeln können. Hierfür sind Informationen und eine aufklärende Arbeit wichtig. Die Teilnehmenden kamen zu dem Ergebnis, dass eine Vernetzung der Akteurinnen und Akteure als Hilfe und wichtiger Bestandteil für eine erfolgreiche Arbeit notwendig sei.

Viele Hände, schnelle Wende

Ganz besonders spannend waren die verschiedenen Blickpunkte der Teilnehmenden aus Praxis, Wissenschaft und Politik, als diese von Erfahrungen, Projekten und geeigneten Ansätzen zum Vorgehen in ihrer Region berichteten. Es wurde deutlich, dass besonders die Vernetzung, der Informationsaustausch und das Engagement für eine erfolgreiche Umsetzung von Maßnahmen notwendig ist. Da freut es umso mehr, dass bei allen Akteurinnen und Akteuren eine große Bereitschaft besteht, sich für gesundheitliche Chancengleichheit einzusetzen und Projekte in der Region zu unterstützen.

Ein vielversprechender Ausblick für die gesundheitliche Chancengleichheit in Schwaben

Die Koordinierungsstelle Gesundheitliche Chancengleichheit gab mit dem Fachforum einen gelungenen Auftakt für die weitere Zusammenarbeit mit Akteurinnen und Akteuren aus dem Gesundheitsbereich in Schwaben. Die Veranstaltung machte deutlich, dass diese Menschen mit großartigen Ideen, Engagement und Zusammenarbeit viel erreichen möchten. Die Teilnehmenden zeigten sich zuversichtlich und sind motiviert, sich weiterhin für eine Verbesserung der gesundheitlichen Chancengleichheit in Schwaben einzusetzen.

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  • 13.04.2026 - 14.04.2026

    Hannover

    Künstliche Intelligenz in der Prävention

    31. Deutsche Präventionstag

    Der 31. Deutsche Präventionstag lädt dazu ein, das Thema „Künstliche Intelligenz in der Prävention“ umfassend und zukunftsorientiert zu beleuchten. Im Fokus stehen dabei zentrale Fragen:

    • Welche Herausforderungen bringt KI im Kontext von Kriminalität und Sicherheit, aber auch im gesamtgesellschaftlichen Miteinander mit sich?
    • Welche tiefgreifenden Veränderungen gehen mit ihrem Einsatz einher – und wer ist davon in welcher Weise betroffen?

    Gleichzeitig richtet sich der Blick nach vorn:

    • Wie lässt sich KI gezielt und verantwortungsvoll für die Präventionsarbeit nutzen?

    Dabei geht es nicht nur um technologische Potenziale, sondern auch um die ethische und praktische Frage, wie ein bewusster, reflektierter Umgang mit KI in der Prävention gelingen kann.

    Weitere Informationen sowie die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier.

    Kategorie: Kongress
  • 20.04.2026 - 23.04.2026

    Wuppertal

    75. Wissenschaftlicher Kongress – Der Öffentliche Gesundheitsdienst

    ÖGD – Keiner wie wir!

    Unter dem Motto „ÖGD – Keiner wie wir!“ werden wir wieder vielfältige und interessante Themen aus Praxis und Wissenschaft gemeinsam diskutieren. 2026 wird uns unter anderem das Thema „Pakt für den ÖGD“ beschäftigen. Gleichermaßen wollen und müssen wir die Gelegenheit nutzen, uns mit den Lehren aus der Pandemie sowie der damit verbundenen Weiterentwicklung und zukünftigen Aufgabenwahrnehmung des ÖGD auseinanderzusetzen. Hierzu ist eine ganze Reihe von Themen in der Planung, an der das wissenschaftliche Programm-Komitee unter Leitung der Deutschen Gesellschaft für Öffentliches Gesundheitswesen e.V. (DGÖG) bereits mit Hochdruck zusammen mit den Fachausschüssen und Arbeitsgruppen, dem ausrichtenden Bundesland NRW sowie unserem Kooperationspartner, der Gesellschaft für Hygiene, Umweltmedizin und Präventivmedizin e.V. (GHUP), arbeitet. Der wissenschaftliche Kongressbeirat des BVÖGD hat dazu viele Themenvorschläge unterbreitet.

    Weitere Informationen finden Sie auf der Website des Kongresses.

    Kategorie: Kongress
    Veranstalter: Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes e.V.
  • Bundeskonferenz "Gesund und aktiv älter werden" 2026

    Demenzprävention im Dialog – Aufklärung verbessern, Strukturen stärken, Risiken reduzieren

    Wie können wir Demenz wirksam vorbeugen? Welche Ansätze funktionieren wirklich – und wie bringen wir sie in die Praxis? Diese hochaktuellen Fragen stehen im Mittelpunkt der 8. Bundeskonferenz „Gesund und aktiv älter werden“ des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit. Die Konferenz findet am Mittwoch, den 22. April 2026, in Köln statt. Eingeladen sind Multiplikatorinnen und Multiplikatoren sowie Fachkräfte aus Wissenschaft, Praxis und Politik, um gemeinsam die Demenzprävention in Deutschland nachhaltig zu stärken.

    Die Teilnehmenden erwartet aktuelle Erkenntnisse zu demenzpräventiven Lebensstilfaktoren im Kontext anderer nicht-übertragbarer Erkrankungen, nationale und internationale Good-Practice-Beispiele sowie Impulse zu personalisierten und multimodalen Präventionsstrategien. Darüber hinaus werden Maßnahmen der Verhältnisprävention und Möglichkeiten der Früherkennung beleuchtet. Renommierte Expertinnen und Experten geben wissenschaftliche Impulse und praxisnahe Einblicke, darunter Professorin Dr. Daniela Berg, Professor Dr. Frank Jessen und Professor Dr. René Thyrian. Die Veranstaltung bietet Raum für Austausch, Vernetzung und Diskussionen.

    Die Veranstaltung ist kostenfrei. Eine Anmeldung ist notwendig, da die Teilnahmeplätze begrenzt sind. 

    Weitere Informationen und die Anmeldung unter www.gesund-aktiv-aelter-werden.de/fachinformationen/unsere-bundeskonferenzen/aktuelle-bioeg-bundeskonferenz

    Kategorie: Konferenz
    Veranstalter: Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit

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