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Aktiv für Gesundheit und Chancengleichheit

Lebensort Vielfalt

Ein schwules Mehrgenerationenhaus

01.06.2015

Die bedarfsgerechte Aus­stat­tung von Woh­nung­en, das soziale Um­feld, An­ge­bo­te zur Teil­ha­be und der Einbezug besonderer Bedürfnisse der Be­woh­ner sind ei­ne wesentliche Voraussetzung für Wohl­be­fin­den und Ge­sund­heit. Das 2012 eröffnete, europaweit erste schwule Mehrgenerationenhaus setzt hier an: Mit facettenreichen An­ge­bo­ten bietet es den Mie­tern in Berlin-Charlottenburg ein bedarfsgerechtes Zuhause und macht gelebte Vielfalt wahr. Die meisten Woh­nung­en in diesem Haus be­woh­nen schwule Männer im Al­ter von 55 bis 85 Jahren. Diese Männer haben ei­nen Groß­teil ihres Lebens in Angst vor Diskriminierung und strafrechtlicher Verfolgung auf­grund ihrer Homosexualität le­ben müs­sen. Sie ge­nie­ßen die Tat­sa­che, dass Schwulsein im Lebensort Vielfalt selbst­ver­ständ­lich ist. Genauso wich­tig ist den schwulen Be­woh­nern aber auch, dass ei­ni­ge Woh­nung­en für Frauen und jüngere Männer re­ser­viert sind und da­her nicht das Ge­fühl entsteht, in ei­nem „Al­ten­heim“ oder „Schwulen-Reservat“ zu le­ben. Die Mie­te­rin­nen und Mie­ter le­gen Wert auf ei­ne gelebte Nach­bar­schaft und gemeinschaftliche Aktivitäten. Auf diese Wei­se hat man sich in­zwi­schen gut kennengelernt und es ist ei­ne starke Hausgemeinschaft entstanden.

Die Wohnungen: Barrierefrei und mietergerecht

Insgesamt verfügt das Haus über 24 Woh­nung­en, größ­ten­teils Zweiraumwohnungen, aber auch meh­re­re Einraum-, Dreiraum- und ei­ne Vierraumwohnungen. Der Um­bau aller Woh­nung­en wurde nach ei­ner Ent­ker­nung der oberen Stockwerke des Gebäudes ent­spre­chend der Plä­ne des Ar­chi­tek­ten Ullrich Schop bar­rie­re­frei und zum Teil roll­stuhl­ge­recht aus­ge­führt. An der Ge­stal­tung der Woh­nung­en und des Haus­kon­zep­ts waren auch viele beteiligt, die vor dem Um­bau des Ge­bäu­des an ei­ner so­ge­nan­nten Haus-AG teilnahmen, in der das Pro­jekt geplant und diskutiert wurde. So wurden ge­mäß dem Wunsch der Be­woh­ner z. B. ei­ni­ge Woh­nung­en mit ei­ner separaten, an­de­re mit ei­ner offenen Kü­che ausgestattet. Ein Teil der Bäder ist mit ei­ner bar­rie­re­freien, bo­den­gleich­en Du­sche versehen, ein an­de­rer Teil mit ei­ner Ba­de­wan­ne. Alle Woh­nung­en haben ei­nen Südbalkon. Die Wohn­ungs­mie­ten lie­gen zur­zeit bei durch­schnitt­lich 11 Eu­ro Warm­mie­te pro Qua­drat­me­ter. Die klei­neren Woh­nung­en im Lebensort Vielfalt haben ei­nen reduzierten Miet­preis und sind auch für Men­sch­en mit ge­ring­em Ein­kom­men bzw. ALG-II-Bezug  („Hartz IV“) er­schwing­lich.

Einbindung und soziale Teilhabe im Lebensraum Vielfalt

Die Beteiligung Vieler an der Konzeptentwicklung des Lebensortes Vielfalt ist ein wesentlicher Grund da­für, dass sich die Menschen hier wohlfühlen. Neben den erwähnten Woh­nung­en beherbergt das Ge­bäu­de in der Niebuhrstr 59/60 auch ein Re­stau­rant mit Veranstaltungsbetrieb - der „Wilde Os­car“ -, ei­ne betreute Wohn­ge­mein­schaft für schwule Männer mit Pflegebedarf und De­menz, ei­ne schwul-lesbische Ausleihbibliothek so­wie Büros und Beratungsräumen der Schwulenberatung Ber­lin.

Die Schwulenberatung Berlin, Vermieter des Lebensortes Vielfalt, ist die größ­te psychosoziale Versorgungseinrichtung für schwule und bisexuelle Männer. Sie bietet auch Menschen mit HIV und AIDS, Transidenten und Intersexuellen Be­ra­tung und Un­ter­stüt­zung. Die Schwulenberatung Ber­lin hat ih­re Büros im ersten Stock des Gebäudes bezogen. Sie nutzt au­ßer­dem zwei Grup­penräume im Erd­ge­schoss. Dort befindet sich auch der Empfang für Be­su­cher des Hauses.

Der Lebensort Vielfalt wurde durch die Schwu­len­be­ra­tung Ber­lin re­al­i­siert, was nicht nur die Be­schaf­fung der be­nö­tig­ten Gel­der be­in­hal­tete: Viel­mehr wa­ren auch die un­ter­schied­lich­en, sich zum Teil wi­der­sprech­en­den Be­lange der vie­len be­tei­li­gten Per­so­nen, Grup­pen, Or­ga­ni­sa­tionen - z. B. Be­woh­ne­rin­nen und Be­woh­ner, Stif­tung­en, Be­hör­den, Mit­ar­bei­ten­de, Ban­ken - zu be­rück­sich­ti­gen. Ein her­aus­for­dern­des Un­ter­fang­en, das maß­geb­lich der Ge­schäfts­füh­rer der Schwu­len­be­ra­tung Ber­lin, Mar­cel de Groot, ge­lei­stet hat. Heu­te or­ga­ni­siert die Be­ra­tungs­stel­le die ge­samte Ver­wal­tung des Le­bens­ortes Viel­falt so­wie die so­zial­pä­da­go­gische Be­glei­tung der Mie­ter in den oberen vier Eta­gen des Hauses.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Seniorenprojekts der Schwulenberatung Berlin (Netzwerk Anders Altern) fördern die Hilfsbereitschaft und das Engagement der Bewohnerschaft untereinander. So wurde z. B. für alle, die sich verstärkt um jene Nachbarinnen und Nachbarn im Haus kümmern wollen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, ein kostenloses Rollstuhl-Training organisiert. Außerdem koordiniert das Netzwerk einen ehrenamtlichen Besuchsdienst (Mobiler Salon), der schwulen Männern in ganz Berlin, aber eben auch einigen Bewohnern des Hauses, zugutekommt. Die Schwulenberatung Berlin verspricht den Mietern im Lebensort Vielfalt, dass im Falle des Eintritts von Pflegebedürftigkeit ambulante Pflege organisiert wird und die Mieter nicht in eine Pflegeeinrichtung umziehen müssen. Nur in Ausnahmefällen wird ein stationärer Aufenthalt nicht vermeidbar sein.

Wohngemeinschaft für schwule Männer mit Pflegebedarf und Demenz

In der oben be­reits erwähnten Wohn­ge­mein­schaft, im zweiten Stock der Niebuhrstr. 59/60, wird 24 Stun­den täg­lich für acht Be­woh­ner Pfle­ge or­ga­ni­siert. Voraussetzung für den Ein­zug in die Wohn­ge­mein­schaft ist das Vorliegen einer Pfle­gestufe, weil die Pfle­ge im nö­ti­gen Um­fang und auf gleich bleibendem Qualitätsniveau an­sons­ten nicht re­a­li­sier­bar wä­re.

In der WG le­ben Männer mit einer dementiellen Er­kran­kung zu­sam­men mit anderen, die z. B. in Fol­ge einer HIV-Er­kran­kung oder ei­nes Schlaganfalls pfle­ge­be­dürf­tig geworden sind. Die Altersstruktur der acht Be­woh­ner liegt zwi­schen An­fang 50 und Mit­te 80. Die Be­leuch­tung des sozialen Hintergrundes ergibt ein vielfältiges Bild: Neben ei­ni­gen ganz auf sich al­lein gestellten Be­woh­nern verfügt ein anderer Teil durch­aus über ein intaktes und sehr aktives familiäres bzw. freundschaftliches Um­feld, das in den Lebensalltag der Wohn­ge­mein­schaft mög­lichst eingebunden wer­den soll.

Angebote für physisches und seelisches Wohlbefinden

Um die pfle­ge­risch­e Ver­sor­gung der Be­woh­ner zu ge­währ­lei­sten, ko­op­e­riert die Schwu­len­be­ra­tung Ber­lin mit ei­nem ex­ter­nen Pfle­ge­dienst. Ein fes­tes Pfle­ge­team ver­sor­gt die Be­woh­ner rund um die Uhr - zwei Pfle­ge­kräf­te je­weils vor- und nach­mit­tags so­wie ei­ne zur Nacht. Ge­zielt wur­den vor­wie­gend schwu­le Pfle­ger ein­ge­stellt, um die Vor­aus­setz­ung da­für zu op­ti­mie­ren, dass sich die Be­woh­ner ak­zep­tiert und ver­stan­den füh­len. Auch für den Kör­per­kon­takt, der bei der Pfle­ge ei­ne große Rol­le spielt, ist es nicht sel­ten von Vorteil, dass die Pfle­ger Männer und sel­ber schwul sind. Horst z. B., der nach ei­nem Schlag­an­fall pfle­ge­be­dürf­tig wurde, liebt es, von Sziard, den er „am liebsten heiraten“ würde, geduscht zu wer­den. Bei schwulen Pfle­gern kann au­ßer­dem ein um­fang­rei­ches Wissen über schwule Orte und Le­bens­wel­ten vor­aus­ge­setzt wer­den. Ob z. B. das „New Ac­tion“ oder das „Snaxx“ barrierefrei sind, kann der Be­woh­ner Paul eher vom Pfle­ger Die­ter als von Be­a­te er­fah­ren, auch wenn Be­a­te schon seit Er­öff­nung der WG zum Pfle­geteam gehört und die Welt schwuler Männer in­zwi­schen viel bes­ser kennt.

Ein Mit­ar­bei­ter des Netz­werk „Anders Altern“, Die­ter Schmidt, Diplom-Psy­cho­lo­ge und Coautor des vor­lie­gen­den Beitrags, ist 20 Stun­den wö­chent­lich für die Be­treu­ung der Be­woh­ner und die Ko­or­di­na­ti­on nicht­pflege­rischer Leis­tung­en zu­stän­dig. Konkret heißt das z. B., Gruppen- und Ein­zel­ge­sprä­che an­zu­bie­ten, mit den Be­woh­nern biographisch zu ar­bei­ten, Krisen­be­ra­tungen durchzuführen, Mitar­bei­tende der Be­ra­tungs­stel­le so­wie Mul­ti­pli­ka­to­rin­nen und Mul­ti­pli­ka­tor­en über das Pro­jekt zu in­for­mie­ren oder Fort­bil­dung­en zu or­ga­ni­sie­ren. Vor allem aber geht es da­rum, die Be­woh­ner zu mo­ti­vie­ren, ge­eig­ne­te Au­ßen­ak­ti­vi­tä­ten wahrzuneh­men. So neh­men drei Mie­ter der Pfle­ge-WG mitt­ler­wei­le an der im Rahmen des Netz­werks „Anders Altern“ an­ge­bo­ten­en The­a­ter­grup­pe „Ro­sa Fal­ten“ teil. Der Psy­cho­lo­ge kümmert sich aber nicht nur um ei­ne gute In­te­gra­ti­on pfle­ge­be­dürf­tiger Mie­ter, er garantiert au­ßer­dem, als Bin­de­glied zwi­schen der Schwulen­beratung und der Wohn­ge­mein­schaft bzw. dem Pfle­gedienst, ei­nen qualifi­zierten fach­lichen Aus­tausch.

Der Lebensort Vielfalt freut sich über Besuch. Wer nicht nur auf einen Kaffee im Wilden Oscar vorbei schauen, sondern sich ausführlicher informieren will, vereinbart am besten einen Termin.

Kontakt: info@schwulenberatungberlin.de

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  • 13.04.2026 - 14.04.2026

    Hannover

    Künstliche Intelligenz in der Prävention

    31. Deutsche Präventionstag

    Der 31. Deutsche Präventionstag lädt dazu ein, das Thema „Künstliche Intelligenz in der Prävention“ umfassend und zukunftsorientiert zu beleuchten. Im Fokus stehen dabei zentrale Fragen:

    • Welche Herausforderungen bringt KI im Kontext von Kriminalität und Sicherheit, aber auch im gesamtgesellschaftlichen Miteinander mit sich?
    • Welche tiefgreifenden Veränderungen gehen mit ihrem Einsatz einher – und wer ist davon in welcher Weise betroffen?

    Gleichzeitig richtet sich der Blick nach vorn:

    • Wie lässt sich KI gezielt und verantwortungsvoll für die Präventionsarbeit nutzen?

    Dabei geht es nicht nur um technologische Potenziale, sondern auch um die ethische und praktische Frage, wie ein bewusster, reflektierter Umgang mit KI in der Prävention gelingen kann.

    Weitere Informationen sowie die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier.

    Kategorie: Kongress
  • 20.04.2026 - 23.04.2026

    Wuppertal

    75. Wissenschaftlicher Kongress – Der Öffentliche Gesundheitsdienst

    ÖGD – Keiner wie wir!

    Unter dem Motto „ÖGD – Keiner wie wir!“ werden wir wieder vielfältige und interessante Themen aus Praxis und Wissenschaft gemeinsam diskutieren. 2026 wird uns unter anderem das Thema „Pakt für den ÖGD“ beschäftigen. Gleichermaßen wollen und müssen wir die Gelegenheit nutzen, uns mit den Lehren aus der Pandemie sowie der damit verbundenen Weiterentwicklung und zukünftigen Aufgabenwahrnehmung des ÖGD auseinanderzusetzen. Hierzu ist eine ganze Reihe von Themen in der Planung, an der das wissenschaftliche Programm-Komitee unter Leitung der Deutschen Gesellschaft für Öffentliches Gesundheitswesen e.V. (DGÖG) bereits mit Hochdruck zusammen mit den Fachausschüssen und Arbeitsgruppen, dem ausrichtenden Bundesland NRW sowie unserem Kooperationspartner, der Gesellschaft für Hygiene, Umweltmedizin und Präventivmedizin e.V. (GHUP), arbeitet. Der wissenschaftliche Kongressbeirat des BVÖGD hat dazu viele Themenvorschläge unterbreitet.

    Weitere Informationen finden Sie auf der Website des Kongresses.

    Kategorie: Kongress
    Veranstalter: Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes e.V.
  • Bundeskonferenz "Gesund und aktiv älter werden" 2026

    Demenzprävention im Dialog – Aufklärung verbessern, Strukturen stärken, Risiken reduzieren

    Wie können wir Demenz wirksam vorbeugen? Welche Ansätze funktionieren wirklich – und wie bringen wir sie in die Praxis? Diese hochaktuellen Fragen stehen im Mittelpunkt der 8. Bundeskonferenz „Gesund und aktiv älter werden“ des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit. Die Konferenz findet am Mittwoch, den 22. April 2026, in Köln statt. Eingeladen sind Multiplikatorinnen und Multiplikatoren sowie Fachkräfte aus Wissenschaft, Praxis und Politik, um gemeinsam die Demenzprävention in Deutschland nachhaltig zu stärken.

    Die Teilnehmenden erwartet aktuelle Erkenntnisse zu demenzpräventiven Lebensstilfaktoren im Kontext anderer nicht-übertragbarer Erkrankungen, nationale und internationale Good-Practice-Beispiele sowie Impulse zu personalisierten und multimodalen Präventionsstrategien. Darüber hinaus werden Maßnahmen der Verhältnisprävention und Möglichkeiten der Früherkennung beleuchtet. Renommierte Expertinnen und Experten geben wissenschaftliche Impulse und praxisnahe Einblicke, darunter Professorin Dr. Daniela Berg, Professor Dr. Frank Jessen und Professor Dr. René Thyrian. Die Veranstaltung bietet Raum für Austausch, Vernetzung und Diskussionen.

    Die Veranstaltung ist kostenfrei. Eine Anmeldung ist notwendig, da die Teilnahmeplätze begrenzt sind. 

    Weitere Informationen und die Anmeldung unter www.gesund-aktiv-aelter-werden.de/fachinformationen/unsere-bundeskonferenzen/aktuelle-bioeg-bundeskonferenz

    Kategorie: Konferenz
    Veranstalter: Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit

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