KlimaKiez Badstraße
Kurzbeschreibung mit Zielen und Maßnahmen
Um einen Beitrag zur Klimawandelanpassung zu leisten, wurde von 2019 bis 2024 im Badstraßenkiez, im Berliner Stadtteil Gesundbrunnen im Bezirk Mitte, durch das Quartiersmanagement und den Quartiersrat das Projekt KlimaKiez Badstraße initiiert und vom Projektträger gruppe F – gruppe F Freiraum für alle GmbH umgesetzt.
Mit dem Projekt wurde das Ziel verfolgt, die Bevölkerung für die Folgen des Klimawandels in der eigenen Wohnumgebung zu sensibilisieren und in einem partizipativen Prozess verkehrsbelastete und damit klimabelastende Orte im Kiez umzugestalten.
Ausgangspunkt dafür war die in der ersten Projektphase entwickelte „Klimastrategie für den Badstraßenkiez“ und der dazugehörige Maßnahmenkatalog mit insgesamt zwölf identifizierten Potenzialorten für diese Maßnahmen. Die Klimastrategie und eine Übersicht über Maßnahmen zur lokalen Verbesserung des Stadtklimas sind hier veröffentlicht.
Mit der Umgestaltung zweier dieser Orte – Bellermanngarten und Eulerplatz – wurde in der zweiten Projektphase an die Klimastrategie angeknüpft und erste Maßnahmen umgesetzt. Es wurden Potenziale und Defizite im Kiez ermittelt und Ideen und Lösungsansätze
für ein gesünderes Stadtklima, u.a. durch die Stärkung der grünen Infrastruktur, erarbeitet. „An beiden Orten fördert der Berliner Bezirk Mitte Begrünungsmaßnahmen auf voll versiegelten Verkehrsflächen zur gemeinschaftlichen Nutzung. Die Plätze […] dienen dem Bezirk als Testflächen für die Umnutzung von Straßenland im Sinne einer nachhaltigen Verkehrswende.” (vgl. Bundesamt für Naturschutz)
Das Projekt KlimaKiez Badstraße wurde ergebnisoffen und unter intensiver Beteiligung der Anwohnenden durchgeführt. Durch eine stetige Präsenz des Projektträgers vor Ort und zahlreiche öffentlichkeitswirksame Maßnahmen konnte über die Zeit eine vertrauensvolle Beziehung zu den Kiezbewohner*innen und zu den Institutionen im Quartier aufgebaut werden. Die Berücksichtigung ihrer Sorgen und Wünsche sowie die Förderung von Empowerment-Prozessen führten dazu, dass sich im Laufe der Zeit eine starke Gemeinschaft gebildet hat, die sich durch ein hohes bürgerschaftliches Engagement auszeichnet. Die sich engagierende Bewohnerschaft wurde in die Lage versetzt und hat zudem ein eigenes Interesse daran, sich auch nach Projektende um die beiden Orte zu kümmern. Im Ergebnis sind im ehemals
verkehrsreichen Badstraßenkiez zwei klimawirksame „Dorfplätze” [S. 64] (Robert Esau, gruppe F) entstanden, mit denen nicht nur der soziale Zusammenhalt und eine nachbarschaftliche Gemeinschaft, sondern auch die Lebensqualität der Anwohner*innen gefördert wird.
Das Projekt KlimaKiez Badstraße zeigt mit der Förderung von Partizipation und Gemeinschaft neue Wege auf, wie Klimaanpassung und lebenswerte Stadtquartiere zusammengehen können und kann damit ein Vorbild für ganz Berlin und andere europäische Städte sein.
→ Partizipation
→ Empowerment
Ziele und Zielgruppen
Das Projekt zielt auf Wissensvermittlung und Sensibilisierung der Anwohnenden zum
Thema Klimaschutz und Klimaanpassung und hat als übergeordnetes Ziel, eine „Klimastrategie für den Badstraßenkiez“ mit Sammlung, Bewertung und Priorisierung von Maßnahmen zur Verbesserung des Mikroklimas im Quartier zu erarbeiten. Die Klimastrategie
beinhaltet eine Gesamtvision für den Kiez, welche in einem Maßnahmenkatalog Handlungsempfehlungen und Konkretisierungen für Maßnahmen zur lokalen Verbesserung
des Stadtklimas sowie zur Qualifizierung des Grünanteils im Quartiersmanagement-Gebiet formuliert. Bei der Umsetzung von Maßnahmen lag der Fokus auf der Stärkung des
bürgerschaftlichen Engagements und der aktiven Beteiligung der Anwohnenden. Neben
den Anwohnenden waren auch klimapolitisch aktive Gruppen, anliegende Institutionen
und Einrichtungen, Vertreter*innen des Bezirksamtes, Wohnungsunternehmen sowie Gewerbetreibende im Quartiersmanagement-Gebiet wichtige Akteursgruppen.
Die Bewohnerschaft im Badstraßenkiez ist durch eine ausgeprägte soziale und kulturelle
Vielfalt gekennzeichnet – von armutsgefährdeten Haushalten, Familien mit Kindern, insbesondere mit Migrationshintergrund, bis hin zu engagierten Quartiersakteur*innen aus
Zivilgesellschaft, Bildung, Kultur und sozialen Einrichtungen. Im Bezirk Berlin-Mitte leben
23 % der Menschen in Haushalten mit weniger als 60 % des mittleren Einkommens und
gelten damit als armutsgefährdet – der zweithöchste Wert in Berlin (vgl. Amt für Statistik
Berlin-Brandenburg, „Sozialberichterstattung Bezirksprofil Mitte“).
Fast ein Drittel aller Kinder im Bezirk wächst in SGB II-Bedarfsgemeinschaften auf; der
Anteil der Kinder in Familien, die Bürgergeld beziehen, liegt in Mitte bei etwa 34 % (vgl.
rbb24, „Kinderarmut in Berlin“). Das Gebiet wurde 2022 unter Milieuschutz gestellt, um
die Wohnbevölkerung vor Verdrängung und negativen städtebaulichen Entwicklungen zu
schützen (vgl. Quartiersmanagement Berlin, „Milieuschutz für den Badstraßenkiez erreicht“). Die vielfältige sozio-kulturelle Zusammensetzung spiegelt sich auch im Projektengagement wider – das Quartiersmanagement setzt auf niedrigschwellige, inklusive Beteiligungsformate, die besonders sozial benachteiligte Gruppen, Menschen mit Migrationsgeschichte und Familien mit Kindern wirksam adressieren (vgl. Quartiersmanagement
Badstraße – Gebietsinformationen). (Weitere statistische Kennzahlen und räumliche Rahmenbedingungen sind im Abschnitt „Quartier auf einen Blick“ dargestellt.)
Zentrales Projektziel war die Förderung des sozialen Miteinanders und die Teilhabe von
sozial benachteiligten und von Armut betroffenen Bewohner*innen durch niedrigschwellige Angebote. Teil der Projektziele war außerdem die Initiierung erster öffentlichkeitswirksamer Pilotmaßnahmen in Form sogenannter „Klimaoasen“. Aufbauend auf den in der
ersten Projektphase erarbeiteten Potenzialorten und Maßnahmenvorschlägen wurden
zwei verkehrsbelastete Orte im Kiez – Bellermannstraße und Eulerplatz – mit den Bürger*innen gemeinschaftlich umgestaltet.
→ Zielgruppenbezug
→ Hintergrund
Dokumente zur Darstellung des Angebotes
Herr
Robert Esau
gruppe F – Freiraum für alle GmbH
Lützowstraße 102–104
10785
Berlin
(
Berlin
)
Telefon: +49 (0) 30 611 23 34 / +49 (0) 176 641 845 80
E-Mail: esau@gruppef.com