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Aktuelles

Artikel und Meldungen im Überblick

Nationale Strategie zur Stillförderung entsteht

Stephanie Lücke , Bundeszentrum für Ernährung / Netzwerk Gesund ins Leben
17.12.2020

Empfehlungen des Forschungsvorhabens Becoming Breastfeeding Friendly (BBF) und deren Umsetzung in der Nationalen Strategie zur Stillförderung

Nationale und internationale Expertinnen und Experten empfehlen, das Stillen als natürliche und bevorzugte Ernährungsform für Säuglinge zu fördern. Es ist Mittel der Primärprävention, weil es gesicherte gesundheitliche Vorteile für Mutter und Kind aufweist, die Mutter-Kind-Beziehung positiv beeinflussen und damit zur Bindungssicherheit beitragen kann. Trotz der bekannten positiven Auswirkungen des Stillens auf Mutter und Kind stagnieren die Stillquoten in Deutschland. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland im mittleren Bereich. Vor allem Frauen in belasteten Situationen stillen seltener und kürzer als Vergleichsgruppen. Eine Steigerung der Stillraten bei diesen Gruppen kann zur Erhöhung der gesundheitlichen Chancengleichheit beitragen.

Erstmals systematische Bestandsaufnahme

An dieser Stelle setzte das internationale Forschungsvorhaben Becoming Breastfeeding Friendly (BBF) an. Es wurde in Deutschland von 2017 bis 2019 auf Initiative des Bundesernährungsministeriums (BMEL) vom Netzwerk Gesund ins Leben und der Nationalen Stillkommission gemeinsam mit der Yale School of Public Health durchgeführt.

Eine Kommission aus Expertinnen und Experten aus Politik, Praxis, Wissenschaft und Medien hat Informationen zu allen relevanten Handlungsfeldern recherchiert und die Daten auf der Grundlage von 54 internationalen Bewertungskriterien analysiert. Deutschland ist gemäß der BBF-Analyse derzeit als moderat stillfreundlich zu beschreiben.

Faktenblatt: So wird Deutschland stillfreundlich!

Stärken und Schwächen der aktuellen Stillförderung

Zu den Stärken in Deutschland gehören die Gesetzgebung und Finanzierung wichtiger Maßnahmen der Stillförderung, wie das Mutterschutzgesetz oder das Elterngeld. Allerdings gibt es in Deutschland noch keine übergreifende nationale Kommunikationsstrategie zum Stillen. Es existieren diverse (Einzel-)Aktivitäten, allerdings mit geringer Medienpräsenz und ohne übergeordnete Koordination. Stellenweise berichten Medien polarisierend über das Stillen. Darüber hinaus sind stillrelevante Themen in den Ausbildungscurricula von Ärztinnen und Ärzten sowie einschlägigen Gesundheitsfachberufen teilweise in unzureichendem Ausmaß enthalten. Angebote qualifizierter und engagierter Stillberatung sind vorhanden, erreichen insbesondere belastete Familien allerdings noch nicht im gewünschten Umfang. Auch ein umfassendes Stillmonitoring ist bisher noch nicht etabliert.  

Empfehlungen zur Stillförderung

Auf Basis dieser systematischen Bestandsaufnahme leiteten die BBF-Expertinnen und -Experten acht Empfehlungen zur Stillförderung in Deutschland ab:

  1. Eine nationale Strategie zur Stillförderung in Deutschland entwickeln.
  2. Eine gemeinsame Kommunikationsstrategie für die Stillförderung entwickeln und umsetzen.
  3. Standards evidenzbasierter Stillförderung und -beratung implementieren.
  4. Stillen in Aus-, Fort- und Weiterbildung integrieren und vereinheitlichen.
  5. Durch Vernetzung aller Akteurinnen und Akteure vor Ort einen niedrigschwelligen Zugang zu evidenzbasierter Stillberatung und -unterstützung ermöglichen.
  6. Vereinbarkeit von Stillen und Beruf, Studium sowie Ausbildung fördern und hierzu adressatengerecht informieren.
  7. Regelungen und Praxis zur Vermarktung von Muttermilchersatzprodukten prüfen, dokumentieren und hierzu informieren.
  8. Ein systematisches Stillmonitoring für Deutschland etablieren.

Max Rubner-Institut koordiniert Nationale Strategie zur Stillförderung

Die Entwicklung einer Nationalen Strategie zur Stillförderung in Deutschland bildet das Herzstück der Empfehlungen. Sie umfasst auch alle anderen BBF-Empfehlungen, jetzt Strategiefelder genannt. Das BMEL hat deshalb eine zentrale Koordinierungsstelle für die Nationale Stillstrategie am Institut für Kinderernährung des Max Rubner-Instituts eingerichtet.

In einem partizipativen Prozess wird mit allen relevanten Akteuren die Stillstrategie entwickelt und deren Umsetzung koordiniert. Zu den relevanten Akteuren zählen zum einen Institutionen, Fachgesellschaften, Berufsverbände und Vereine, die einen Bezug zu einem der Strategiefelder haben, zum anderen Einzelpersonen, die aufgrund ihrer Expertise oder Erfahrung für einzelne Themenfelder von Bedeutung sind.

Netzwerk Gesund ins Leben setzt Kommunikation zur Stillförderung um

Für die Kommunikation zur Stillförderung hat das BMEL das Netzwerk Gesund ins Leben beauftragt, diese gemeinsam mit Expertinnen und Experten zu entwickeln und umzusetzen. Ziel ist es, die gesellschaftliche Akzeptanz des Stillens bevölkerungsweit zu steigern und Frauen bei ihrem Wunsch zu stillen bestmöglich zu unterstützen. Dafür wurden zwei beratende Gremien ins Leben gerufen:

  • Die Strategiegruppe berät bei der Entwicklung der Kommunikationsstrategie und begleitet die Umsetzung und Evaluierung.
  • Das Akteursnetzwerk berät bei der Ausgestaltung der Kommunikationsstrategie und der Verbreitung in verschiedene Settings der Lebenswelten von Schwangeren und jungen Familien.

Als eine Maßnahme hat das Netzwerk Gesund ins Leben die langfristige Kommunikationsoffensive „Stillen Willkommen“ gestartet. Verschiedene Aktionen sollen mehr Verständnis für stillende Frauen in der Öffentlichkeit wecken und unterstreichen, dass Stillen normal ist. Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Partnerorganisationen unterstützen die Aktion mit ihrem Statement.
Um auf das Thema aufmerksam zu machen, bietet das Netzwerk Gesund ins Leben ergänzend zu der Social-Media-Aktion #stillenwillkommen Postkarten und Poster mit dem Hashtag an. Sie rufen zu Toleranz gegenüber Stillenden auf und können hier kostenfrei zum Auslegen bestellt werden.

Stillen fördert gesundheitliche Chancengleichheit

Alle Maßnahmen tragen dazu bei, Stillen als Mittel der Primärprävention zu fördern. Je besser Frauen in belasteten Situationen erreicht werden, die seltener und kürzer stillen als Vergleichsgruppen, desto stärker tragen die Maßnahmen zur Erhöhung der gesundheitlichen Chancengleichheit bei. Ein effektives Mittel ist dabei die Stillförderung vor Ort. Durch die Vernetzung aller Akteurinnen und Akteure mit Kontakt zu (werdenden) Müttern und ihrem sozialen Umfeld soll frühzeitig ein niedrigschwelliger Zugang zu professioneller Stillberatung und -unterstützung sowie zu Selbsthilfeangeboten ermöglicht werden. Gelingen kann das, indem das Thema Stillen, wie in der Stillstrategie vorgesehen, als Querschnittsthema in bereits vorhandene kommunale und interdisziplinäre Vernetzungsstrukturen des Gesundheitswesens und der Familienunterstützung integriert wird.

Weitere Informationen

Zur Nationalen Stillstrategie:

Zur Kommunikation zur Stillförderung:

  • Website des Netzwerks Gesund ins Leben
  • Instagram-Kanal des Netzwerks Gesund ins Leben
  • Website zu #stillenwillkommen
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  • 06.11.2026

    Online via Webex

    Wie alt fühlst Du dich? Und welchen Einfluss hat das auf Deine Gesundheit?

    Die Forschung zeigt: Altersbilder begleiten uns ein Leben lang. Sie entstehen früh, beeinflussen unser Verhalten und prägen sogar, wie wir selbst älter werden. Doch wie können wir negative Altersstereotype überwinden und zu einem differenzierteren Blick auf das Alter gelangen?

    Darüber sprechen wir beim nächsten LGK-Talk „Alt sind immer die anderen?! – Wie Altersbilder unsere Gesundheit beeinflussen und wie wir unsere Vorstellungen vom Alter(n) verändern können“ mit Dr.in Antje Rauers (Friedrich-Schiller-Universität Jena), PD Dr. David Weiss (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg) und Dr.in Aline Schönenberg (Universitätsklinikum Jena). Freuen Sie sich auf spannende Erkenntnisse, neue Denkanstöße und einen frischen Blick auf das Älterwerden!

    Mehr Informationen sowie die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier. Eine Anmeldung ist bis zum 30 Oktober 2026 möglich.

    Kategorie: Gesprächsrunde
    Veranstalter: LGK Thüringen
  • Hannover

    Gemeinsam Wege aus der Gewalt

    Wenn Konflikte bei Kindern und Jugendlichen kippen

    Kinder und Jugendliche haben ein Recht darauf, gewaltfrei aufzuwachsen. Doch das Thema Gewalt bei Kindern und Jugendlichen nimmt medial immer mehr Raum ein – sei es durch aktuelle Zahlen der Kriminalstatistik oder durch Vorfälle in der Schule. Auch in Kitas werden mehr Gewaltvorfälle gemeldet. Die Formen von Gewalt sind dabei vielfältig – körperlich, psychisch und auch digital. Die Fachtagung „Gemeinsam Wege aus der Gewalt – Wenn Konflikte bei Kindern und Jugendlichen kippen“ am 12. November 2026 in Hannover geht den Ursachen der zunehmenden Gewaltentwicklung auf den Grund und nimmt dabei die komplexen Ursachen, wie psychische Belastungssituationen, sozioökonomische Herausforderungen und eigene Gewalterfahrungen, in den Blick. Was kann bereits in der Frühförderung in den Kitas angebahnt werden? Wie kann Schule mit diesen Herausforderungen umgehen? Welche langfristigen Auswirkungen haben Gewalterfahrungen auf die psychische Gesundheit? Und welche Ansätze gibt es, um digitaler Gewalt resilient zu begegnen? Die Veranstaltung findet in der Ärztekammer Niedersachsen statt.

    Weitere Informationen sowie die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier.

    Kategorie: Veranstaltung
    Veranstalter: Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen Bremen e. V.
  • Berlin

    Voneinander lernen - Bedarfsgerechte Hilfen für psychisch erkrankte Menschen in der Wohnungsnotfallhilfe

    Der Zugang zu passgenauer Unterstützung ist dadurch ausgerechnet für jene erschwert, die besonders auf niedrigschwellige, vernetzte und kontinuierliche Angebote angewiesen sind. Auf unserer Fachtagung möchten wir folgende Themen gemeinsam mit Ihnen aufgreifen:

    • Ethische Fragestellungen im Umgang mit psychisch erkrankten wohnungslosen Menschen,
    • Zusammenarbeit und Schnittstellen zwischen verschiedenen Hilfesystemen,
    • Gute Praxisbeispiele niedrigschwelliger, aufsuchender und einrichtungsintegrierter sowie zielgruppenspezifischer Angebote,
    • Die Perspektive von Erfahrungsexpert*innen,
    • Weichenstellungen für die zukünftige psychosoziale Versorgung von wohnungslosen Menschen mit psychischen Störungen.

    Sie erwarten Vorträge, Arbeitsgruppen mit Praxisbeispielen sowie Gespräche mit Expert*innen aus Medizin, Sozialer Arbeit und Selbstvertretung. Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme und darauf, gemeinsam Wege zu einer besser vernetzten psychiatrischen Versorgung wohnungsloser Menschen zu finden.

    Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier.

    Veranstalter: BAG Wohnungslosenhilfe e. V.

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