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Aktiv für Gesundheit und Chancengleichheit

Mit dem Gesunde Städte-Netzwerk zum "Gesunden Leipzig"

Ulrike Leistner , Gesundheitsamt Leipzig
27.10.2021

Aufwärmübung

Leipzig ging es bis 2007 wie wohl jeder anderen Stadt: Gesundheit wurde in der Stadtverwaltung vor allem mit den klassischen Aufgaben des Gesundheitsamtes wie Impfen, Hygienekontrollen, Schulaufnahme­untersuchungen bis hin zu kleineren Projekten oder einem Gesundheitstag assoziiert. Ein Wendepunkt kam, als die Forderung der ‚Leipzig Charta zur nachhaltigen europäischen Stadt‘ nach einer integrierten Stadtentwicklung, die neben wirtschaftlicher Prosperität auch Aspekte des sozialen Austauschs und gesunder Umwelt gleichermaßen berücksichtigen müsse, zur allgemeinen Fördervoraussetzung für Städtebaumittel wurde. Somit entstand ein gewisser kommunaler Handlungsdruck, Gesundheit über Ämtergrenzen hinweg neu zu denken. Auf diesem Weg floss das Thema Gesundheit in das erste Leipziger Stadtentwicklungskonzept (SEKO) 2009 ein und fand sich - wenn auch etwas versteckt -  in den Bereichen Umwelt, Bildung, Sport und Wirtschaft wieder. Diese ressortübergreifende Perspektiv­erweiterung war für alle Beteiligten ein Lernprozess, was sich anekdotisch auch in der Wortschöpfung „Gesundheitsprävention“ (prevenire [lat.] verhindern, vorbeugen; hier wortwörtlich somit Gesundheits­vermeidung) zeigte, die sich unbemerkt ins SEKO einschlich.

Relativ parallel dazu rückte das Thema der gesunden Stadt auch in den Fokus des Stadtrates und mündete in einen Fraktionsantrag, den Beitritt Leipzigs zum Gesunde Städte-Netzwerk (GSN) zu prüfen. So verwundert es nicht, dass ein diesbezügliches Schreiben des Gesunde Städte-Sekretariats im Jahr 2010 in Leipzig auf offene Ohren stieß. Die Beitritts­vorbereitung wurde zu einer der ersten Aufgaben der neuen Amtsleiterin. Die notwendigen personellen Ressourcen in Form einer halben Stelle mussten aus dem Stellenpool des Gesundheitsamtes beigesteuert werden. Nur so konnten die zwei Säulen aus der Vertretung der Selbsthilfe und der kommunalen Vertretung geschaffen werden, die Voraussetzung für die Mitgliedschaft im bundes­deutschen Netzwerk waren.

Startschuss

Noch im Dezember 2010 stellte die Stadt Leipzig mit Stadtrats­beschluss den Antrag zur Aufnahme und wurde zum 1. Januar 2011 Mitglied im Gesunde Städte-Netzwerk der Bundesrepublik Deutschland. Damit verpflichtete sich Leipzig, Gesundheit als übergreifendes Thema in der Stadtverwaltung zu etablieren (health-in-all-Policies). Zu Beginn stand vor allem das Lernen von anderen Mitgliedsstädten im Mittelpunkt der Arbeit. Parallel dazu ging es um die Vernetzung innerhalb Leipzigs, die mit der ersten Jahrestagung im Januar 2012 Fahrt aufnahm. Bei dieser Auftaktveranstaltung konnten sowohl der erste Leipziger Gesunde Städte-Koordinator als auch die geplante Arbeitsstruktur des Leipziger GSN präsentiert werden. Geplant war, dass eine Steuerungsgruppe die Zielbestimmung des GSN erarbeitet, während eine Koordinierungsgruppe die Leipziger „Gesundheitslandschaft“ analysieren sowie konkrete Maßnahmen und Projekte auf den Weg bringen sollte. Über die Arbeitsfortschritte, gesundheits­bezogene Neuerungen und relevante Themen des Leipziger Netzwerkes sollte ein Infobrief berichten, der seitdem regelmäßig erscheint.

Hochfahren auf Arbeitstemperatur

Jene Steuerungsgruppe (zusammengesetzt aus Vertreter/-innen der Fachämter und je einem Mitglied der städtischen Beiräte und Ausschüsse) beauftragte das Gesundheitsamt mit der Erarbeitung von Leitlinien, die nach einem kurzen gemeinsamen Diskussions­prozess zur zweiten GSN-Jahrestagung 2013 verabschiedet wurden. Nach getaner Arbeit löste sich diese Steuerungsgruppe auf.

Aus der Koordinierungsgruppe mit Interessierten aus Selbsthilfe, Stadtgesellschaft und Verwaltung entstanden drei Unterarbeitsgruppen (gesundheitliche Chancengerechtigkeit, gesundheitsförderliche Umwelt und gesundheitliche Versorgung), die sich i. d. R. vierteljährlich über ihre Arbeitsschwerpunkte verständigten. Aus den Unterarbeitsgruppen gingen u. a. die Schulgesund­heitstage (2013 - 2017), die Kampagne „Werden Sie ein Aufsteiger - nutzen Sie die Treppe“ (2015 - 2017) oder die Gesundheits­werkstatt zum Thema ‚Pflege und Demenz‘ (2016) hervor.

Damit zusammenwachsen konnte, was zusammengehört, beteiligte sich die Stadt Leipzig per Ratsbeschluss auch finanziell am Modellprojekt „Etablierung einer Koordinierungsstelle Gesundheit“ (2012 - 2017) der HTWK Leipzig zusammen mit der AOK PLUS. Ziel war es, u. a. ressortübergreifende Partnerschaften aufzubauen, um Gesundheit als Querschnittsaufgabe in der Stadtverwaltung zu verankern. Es folgten viele sorgfältig vorbereitete Sondierungsgespräche mit den verschiedenen Dezernaten der Stadtverwaltung über vorhandene Schnittstellen zum Thema Gesundheit. Im März 2013 tagte der erste Begleitbeirat „Gesundes Leipzig“ mit 18 Teilnehmenden aus verschiedenen Ressorts. Der fachliche Input mit dem Thema ‚Wohnumgebung und Gesundheit - Ansatzpunkte für kommunale Strategien’ unterstützte die Entwicklung eines gemeinsam geteilten ganzheitlichen Gesundheits­verständnisses. Als Handlungs­schwerpunkte priorisierte der Begleitbeirat in der Folgesitzung die Themen

  1. Gesundheitsförderliche Stadtentwicklung und -planung,
  2. Bewegungsförderung im öffentlichen Raum sowie
  3. verbesserter Zugang zur Gesundheitsversorgung von Geflüchteten und Menschen mit Migrationshintergrund.

Somit war die gemeinsame Zielrichtung für die kommenden Arbeitsjahre bestimmt und das Forschungsvorhaben der HTWK mit der Arbeit des GSN verschränkt. Peu à peu konnte so das Thema Gesundheit in städtische Strategiepapieren und Planungen platziert werden, so z. B. als ‚Fachbeitrag Gesundheit‘ im Stadtteilentwicklungs­konzept Leipziger Osten oder im Arbeitsprogramm des Oberbürgermeisters - Leipzig 2020 unter dem Label „gesunde und sichere Stadt“.

Mit diesen ersten gemeinsamen Zwischenerfolgen wuchs auch das Selbstbewusstsein und das Interesse anderer Städte an der Leipziger Entwicklung. 2015 wurde Leipzig das erste Mal in den ‚Sprecher*innenrat‘ des bundesdeutschen Gesunde Städte-Netzwerkes gewählt und vertritt seither die Interessen aller derzeit ca. 90 Mitgliedskommunen nach außen. Ein Jahr später konnte die Koordinierungsstelle als volle unbefristete Stelle in den Strukturen des Gesundheitsamtes fest verankert und somit dauerhaft in kommunale Verantwortung überführt werden. Im Zuge dessen wurde der Begleitbeirat „Gesundes Leipzig“ aus dem Forschungsprojekt unter neuem Namen: „Koordinierungskreis Gesundes Leipzig“ in den kommunalen Gesundheits­förderungsstrukturen fest integriert. Erste kooperative Leuchteffekte folgten und viele weitere Maßnahmen konnten in ressortüber­greifender Zusammenarbeit umgesetzt werden.

Abb.: Aktuelle Struktur „Gesundes Leipzig“ seit 2020 (eigene Abbildung)

Fazit

Der Strukturaufbau war mit vereinten Kräften damit tatsächlich auf allen Ebenen gelungen. Im Jahr 2018 wurde Leipzig vom Gesunde Städte-Netzwerk der Bundesrepublik Deutschland zum „Kompetenzzentrum für integrierte kommunale Strategien“ ernannt und steht seither mit seinen Erfahrungen zu Gelingens­bedingungen und Stolpersteinen anderen Mitgliedskommunen beratend zur Seite.

In der Zusammenschau lassen sich diese ereignisreichen letzten zehn Jahre kaum besser als mit dem folgenden altbekannten Zitat zusammenfassen: „Eine gesunde Stadt ist nicht unbedingt eine Stadt, die ein bestimmtes gesundheitliches Niveau erreicht hat. Sie ist vielmehr eine Stadt, die Gesundheit zu ihrem Anliegen macht und zu verbessern sucht“ (WHO 1992).

In diesem Sinne ist nach dem Ziel vor dem nächsten Ziel! Wir sind gespannt und zuversichtlich zugleich. Unser größter Erfolg ist auf jeden Fall, dass wir ein verlässliches Netzwerk von Verbündeten innerhalb und außerhalb der Stadt­verwaltung und Augenmaß sowie einer gewissen Frustrations­toleranz immer wieder dort nach Wegen und Lösungen such(t)en, wo es eigentlich (noch) keine gab bzw. gibt. In diesem Sinne: Danke! Und auf in die nächste Dekade!
 

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  • 13.04.2026 - 14.04.2026

    Hannover

    Künstliche Intelligenz in der Prävention

    31. Deutsche Präventionstag

    Der 31. Deutsche Präventionstag lädt dazu ein, das Thema „Künstliche Intelligenz in der Prävention“ umfassend und zukunftsorientiert zu beleuchten. Im Fokus stehen dabei zentrale Fragen:

    • Welche Herausforderungen bringt KI im Kontext von Kriminalität und Sicherheit, aber auch im gesamtgesellschaftlichen Miteinander mit sich?
    • Welche tiefgreifenden Veränderungen gehen mit ihrem Einsatz einher – und wer ist davon in welcher Weise betroffen?

    Gleichzeitig richtet sich der Blick nach vorn:

    • Wie lässt sich KI gezielt und verantwortungsvoll für die Präventionsarbeit nutzen?

    Dabei geht es nicht nur um technologische Potenziale, sondern auch um die ethische und praktische Frage, wie ein bewusster, reflektierter Umgang mit KI in der Prävention gelingen kann.

    Weitere Informationen sowie die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier.

    Kategorie: Kongress
  • 14.04.2026

    digital via Zoom

    ‚Health in All Policies in der Kommune erfolgreich anstoßen‘

    Ein offenes Online-Treffen des Nachwuchsnetzwerks Öffentliche Gesundheit

    Anknüpfend an die Satellitenveranstaltung zum Kongress Armut und Gesundheit ‚Das Ganze ist mehr! Zusammenarbeit in der Kommune‘ möchten wir gemeinsam der Frage nachgehen, wie ressortübergreifende Zusammenarbeit für verhältnisorientierte Gesundheitsförderung und Prävention auf kommunaler Ebene angestoßen werden kann – auch aus (Nachwuchs-)Positionen ohne formale Entscheidungsbefugnis.

    Wir freuen uns, dass wir als Referentin für den ersten Teil der Veranstaltung Zsuzsanna Majzik gewinnen konnten. Als Sozialmanagerin und Public Health Expertin leitet sie das Sachgebiet Sonder- und Strategische Themen am Gesundheitsreferat München. Sie wird Einblicke in den Entstehungsprozess der kürzlich überarbeiteten ressortübergreifenden Fachleitlinie Gesundheit der Landeshauptstadt München geben und aus ihrer langjährigen Erfahrung als Prozessbegleiterin in Kommunen berichten.

    In der zweiten Hälfte steht der Austausch unter den Teilnehmenden im Mittelpunkt: Welche Erfahrungen gibt es beim Anstoß von Health in All Policies auf kommunaler Ebene? Welche Gelingensfaktoren und Hürden spielen eine Rolle?

    Eingeladen sind alle, die sich dem Nachwuchs zugehörig fühlen (ganz unabhängig vom Alter) oder mit dem Nachwuchs in Austausch treten und Erfahrungen teilen möchten.

    Zoom-Meeting Zugangsdaten:
    Zeit: 14. Apr. 2026 06:00 PM Amsterdam, Berlin, Rom, Stockholm, Wien
    Meeting-ID: 628 0257 0413
    Kenncode: 374575
    Beitreten – So geht's

    Kategorie: Veranstaltung
    Veranstalter: Nachwuchsnetzwerk Öffentliche Gesundheit (NÖG)
  • digital

    1. Bayerischer Kongress Prävention und Gesundheitsförderung

    Fokus: Gesundheitskommunikation und Gesundheitskompetenz

    Mit jährlich wechselnden Akzenten wird der neue Bayerische Kongress Prävention und Gesundheitsförderung die Ziele des Masterplans Prävention in den Blick nehmen. Der Fokus der ersten hybriden Veranstaltung am 15. April 2026 liegt auf Gesundheitskommunikation und Gesundheitskompetenz – zwei Themen, die für Präventionserfolge unverzichtbar sind. 

    Neben spannenden Vorträgen werden der Austausch und die Vernetzung der bayerischen Akteur*innen im Bereich Prävention und Gesundheitsförderung in den Fokus gerückt. Nationale und internationale Expert*innen setzen neue Impulse und vertiefen das praktische Wissen in Workshops, Austauschformate schaffen Raum für fachlichen Dialog. Der Schwerpunkt des Auftakts für die neue Kongressreihe zu Gesundheitsförderung und Prävention in Bayern liegt auf "Gesundheitskommunikation und Gesundheitskompetenz".

    Die Veranstaltung vor Ort ist bereits ausgebucht. Nutzen Sie die Möglichkeit online dabei zu sein. Anmeldungen für die Online-Teilnahme sind bis zum 9. April 2026 möglich. Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier.

    Veranstalter: Bayerisches Zentrum für Prävention und Gesundheitsförderung

… weitere Termine

Leitfaden zur Erstellung von Artikeln

Reichen Sie gern Ihren Artikel zur soziallagenbezogenen Gesundheitsförderung bei der Geschäftsstelle des Kooperationsverbundes ein! Für die Erstellung eines Artikels finden Sie hier einen Leitfaden mit unseren formalen und inhaltlichen Anforderungen.  

Ansprechpersonen

Die Geschäftsstelle des Kooperationsverbundes Gesundheitliche Chancengleichheit erreichen Sie jederzeit hier.

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