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Aktuelles

Artikel und Meldungen im Überblick

EVA - Evaluation der Modellprojekte "Gesunder Landkreis - Runde Tische zur Regionalen Gesundheitsförderung"

  • Tobias Fleuren , Hochschule für angewandte Wissenschaften Coburg, Institut für angewandte Gesundheitswissenschaften (IaG)
  • Annekatrin Bütterich , Hochschule für angewandte Wissenschaften Coburg, Institut für angewandte Gesundheitswissenschaften (IaG)
  • Holger Hassel , Hochschule für angewandte Wissenschaften Coburg, Institut für angewandte Gesundheitswissenschaften (IaG)
16.06.2014

Einleitung

Durch die fortwährende Dis­kus­si­on ei­nes bun­des­wei­ten Präventionsgesetzes gewinnt die De­bat­te um gesunde Le­bens­wei­sen und deren aktive För­de­rung durch die Politik ste­tig an Be­deu­tung.

Seit An­fang 2013 wer­den im Rahmen der Ge­sund­heitsinitiative „Gesund.Leben.Bay­ern“ acht Ge­sund­heitsämter (siehe Abb. 1) durch das Bayerische Staatsministerium für Ge­sund­heit und Pfle­ge über ei­ne Lauf­zeit von 24 Monaten gefördert. Das Ziel des Modellprojektes „Gesunder Landkreis - Run­de Tische zur Regionalen Ge­sund­heits­för­de­rung“ ist es, kommunale Ge­sund­heits­för­de­rung sys­te­ma­tisch zu pla­nen und umzusetzen. Dieses Tä­tig­keits­feld soll im Aufgabenspektrum des Öffentlichen Ge­sund­heitsdienstes (ÖGD) gestärkt und nach­hal­tig verankert wer­den.

Die Be­glei­tung so­wie die Gesamtevaluation lie­gen bei der Hochschule für angewandte Wissenschaften Co­burg.

Hintergrund

Im Modellprojekt wird die Im­ple­men­tie­rung und Um­set­zung einer systematischen und nachhaltigen regionalen Ge­sund­heits­för­de­rung als ein Zu­sam­men­spiel von unterschiedlichen Ele­men­ten be­grif­fen. Neben der Re­a­li­sie­rung von Gesundheitsprojekten ste­hen vor allem Prozesse der Strukturentwicklung so­wohl im Landkreis als auch in den Gesundheitsämtern selbst im Vordergrund.

Die unterschiedlichen Stränge wurden zu Beginn der Pilotphase definiert und zu den drei Säu­len der Eva­lu­a­ti­on zusammengeführt (siehe Abb. 2). Sie struk­tu­rie­ren den Projektverlauf und le­gen die Inhalte der Gesamtevaluation fest.

Die Säu­le „Stra­te­gie“ beinhaltet Aufgabenschwerpunkte, die tra­di­ti­o­nell im ÖGD verankert sind, deren Um­set­zung je­doch häufig zu kurz kommt. Die Re­de ist von Gesundheitsberichten oder Gesundheitskonferenzen auf Landkreisebene. Auch Schu­lung­en zur Ge­sund­heits­för­de­rung im eigenen Haus und für Multiplikatoren ste­hen im Fo­kus.

Des Weiteren soll die Vernetzung auf Landkreisebene ausgebaut wer­den, um beste­hende Res­sour­cen zu nut­zen und zu bün­deln. Auch für die Ent­wick­lung von Gesundheitsprojekten sind solche Kooperationen von zentraler Be­deu­tung. Maßgeblich bei der Pla­nung und Durch­füh­rung von Gesundheitsmaßnahmen ist die Be­rück­sich­ti­gung von Qualitätsstandards, wie sie in den Gesundheitswissenschaften formuliert wurden (vgl. z.B.: Wright (Hrsg.) 2010, BZgA 2011, www.partizipative-qualitaetsentwicklung.de, www.quint-essenz.ch/de). Ein solches Vorgehen grenzt sorg­fäl­tig geplante Gesundheitsprojekte von reinem Ak­ti­o­nis­mus ab.

Zwei Me­tho­den zur Selbstevaluation

Wie aber kann ein kontinuierliches Qualitätsmanagement in den Arbeitsprozess in­te­griert wer­den, da­mit Gesundheitsprojekte ein Min­dest­maß an Good-Practice-Kriterien er­fül­len?

Die Be­reit­stel­lung von Informationen und Me­tho­den zur Qualitätssicherung al­lei­ne sind nicht aus­rei­chend. Im Ide­al­fall wird ein solcher Pro­zess, ins­be­son­de­re bei des­sen Einführung ex­tern be­ra­ten und evaluiert.

Die Hochschule Co­burg hat diese Auf­ga­be für die acht Gesundheitsämter wahrgenommen. In acht Coachings wer­den für den Projektverlauf relevante Themen, wie bei­spiels­wei­se Vernetzung oder Stra­te­gien zur Nach­hal­tig­keit bearbeitet.

Darüber hinaus wurde in diesem Rahmen ei­ne systematische Projektplanung und Selbstevaluation etabliert. Zwei partizipative Me­tho­den wer­den im Folgenden vorgestellt:

1. Goal Attainment Scaling (GAS)

Mit dem Goal Attainment Scaling wer­den Projektziele operationalisiert und mess­bar gemacht. Charakteristisch ist ein hohes Maß an Par­ti­zi­pa­ti­on durch die Ziel­grup­pe und relevante Akteure aus dem Gesund­heits­wesen (vgl. Tempel/Kolip 2011: 33). Sie sind sys­te­ma­tisch in die Fest­le­gung von Projektzielen, deren Über­prü­fung und Re­fle­xi­on eingebunden. Im Rahmen der Modellprojekte haben sich die Run­den Tische als Fo­rum hierfür angeboten.

Die Zielerreichungsskala umfasst Werte von +2 (viel mehr als erwartet) bis -2 (viel weniger als erwartet). Ihre einzelnen Stu­fen wer­den für jedes Projektziel ei­gens am Run­den Tisch ausformuliert.

Die folgende Ab­bil­dung (vgl. Abb.3) verdeutlicht diesen Pro­zess:

2. Peer-Evaluation: Be­gut­ach­tung nach Qualitätskriterien der Bun­des­zen­tra­le für ge­sund­heit­liche Auf­klä­rung (BZgA)

Bei die­ser Me­tho­de stellten die Gesundheitsämter einzelne Projekte an­hand vorher ausgewählter Qualitätskriterien vor. Die übrigen Teil­neh­mer begutachteten diese Gesundheitsprojekte als Ex­per­ten für je­weils ein Qualitätskriterium (Peer-Evaluation). Als An­lei­tung haben die Bewertungsskalen (vgl. BZgA 2011) so­wie ein hierfür erstellter Bewertungsleitfaden ge­dient. Das gegenseitige Feedback er­mög­licht ei­ne Rück­mel­dung auf Augenhöhe, al­so un­ter Kol­le­gen, die mit ihrer Ar­beit al­le das gleiche Ziel verfolgen.

Ergebnisse

Sowohl das Goal Attainment Scaling wie auch die Peer-Evaluation wurden im Rahmen von Projekttreffen eingeführt, ge­übt und kon­ti­nu­ier­lich begleitet. In der Pra­xis kön­nen die Me­tho­den zu­künf­tig ei­gen­stän­dig für ei­ne Prozess- oder Ergebnisevaluation angewendet wer­den.

Sieben Gesundheitsämter re­a­li­sie­ren ge­gen­wär­tig Projekte guter Pra­xis zur Ge­sund­heits­för­de­rung. In der ach­ten Modellregion wer­den der­zeit Run­de Tische ge­bil­det, an de­nen Gesundheitsprojekte zu­künf­tig realisiert wer­den.

Neben den Maß­nah­men zur Selbstevaluation wer­den die acht Modellprojekte durch ei­ne Gesamtevaluation begleitet. Zu der­zeit zwei von vier Messzeitpunkten wurde der je­weils aktuelle Projektstand erhoben.

In ers­ter Li­nie wer­den durch die Gesamtevaluation Entwicklungstendenzen in den acht Modellregionen sichtbar gemacht. Die gewonnen Erkenntnisse, al­so För­de­rer und Barrieren in der Projektarbeit, flie­ßen in ei­nen Handlungsleitfaden ein, der zum En­de des Projektes in Ko­o­pe­ra­ti­on mit den acht Gesundheitsämtern erstellt wird.

Diskussion

Die unmittelbare Be­glei­tung in der An­wen­dung des Goal Attainment Scaling zeichnet folgendes Bild: Die Me­tho­de ist gut ge­eig­net, um Par­ti­zi­pa­ti­on herzustellen und die Qua­li­tät ei­nes Gesundheitsprojektes zu si­chern und zu do­ku­men­tie­ren. Es bleibt je­doch der Um­fang zu be­ach­ten, in dem ein solches Verfahren partizipativ eingesetzt wird.

Denn nicht nur die Me­tho­de ist in der Re­gel für die Mitglieder des Run­den Tisches neu, auch die For­mu­lie­rung von Zielen und den zugehörigen Ska­len will ge­übt sein und benötigt Zeit. Für die Projektverantwortlichen bedeutet dies in ers­ter Li­nie einen erhöhten Zeit­auf­wand. In den Modellprojekten hat es sich als prak­ti­ka­bel er­wie­sen, nur zentrale und größere Projektziele bzw. Teilziele ge­mein­sam zu eva­lu­ie­ren. Dadurch wird zu­gleich der Zeit­auf­wand für die Vorbereitung und Durch­füh­rung be­grenzt.

Fazit

Ein praktikables und zuverlässiges Qua­li­tätsmanagement ist bei der Re­a­li­sie­rung von Gesundheitsprojekten un­ver­zicht­bar. Die eingeführten Me­tho­den eig­nen sich nach den ersten Er­fah­rung­en sehr gut, um die Qua­li­tät in ei­nem Pro­jekt zu über­prü­fen.

Idealerweise ist unterstützend und ergänzend zu diesen Me­tho­den ei­ne kontinuierliche Be­ra­tung in der An­wen­dung, zu­min­dest wäh­rend der Anfangszeit, vorgesehen.

Literaturverzeichnis

  • Bayerisches Lan­des­amt für Ge­sund­heit und Lebensmittelsicherheit. 2014. www.zpg-bayern.de/gesunder-landkreis.html. Besucht am 02.06.2014.
  • Bun­des­zen­tra­le für ge­sund­heit­liche Auf­klä­rung (BZgA). Kriterien guter Pra­xis in der Ge­sund­heits­för­de­rung bei so­zi­al Be­nach­tei­lig­ten. Köln: BZgA, 2011.
  • Ge­sund­heits­för­de­rung Schweiz. quint-essenz. 2000-2014. www.quint-essenz.ch/de. Besucht am 13.05.14.
  • Partizipative Qualitätsentwicklung. 2008. www.partizipative-qualitaetsentwicklung.de/. Besucht am 13.05.14.
  • Tem­pel, N., Kolip, P. Qualitätsinstrumente in Prä­ven­ti­on und Ge­sund­heits­för­de­rung.: Düs­sel­dorf. LIGA.NRW, 2011.
  • Wright, M.(Hrsg.).Partizipative Qualitätsentwicklung in Ge­sund­heits­för­de­rung und Prä­ven­ti­on. Bern: Hans Huber, 2010.
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  • 06.05.2026 - 01.10.2026

    Hannover sowie online

    Wohin des Weges? Kommunale Prävention und Gesundheitsförderung strategisch gestalten

    Schulungsreihe zum Einstieg in integrierte kommunale Strategien

    Um kommunale Prävention und Gesundheitsförderung optimal zu planen und zu steuern, braucht es einen Überblick über Bedarfe und Bedürfnisse der Bevölkerung. Die Ermittlung eines Status Quo und die Einnahme verschiedener Perspektiven – wie zum Beispiel die der Dialoggruppe selbst (Kinder, Alleinerziehende, Senior*innen etc.) – ermöglichen erst eine nachhaltige Struktur- und Angebotsentwicklung.

    Die Schulungsreihe „Wohin des Weges? Kommunale Prävention und Gesundheitsförderung strategisch gestalten“ soll zur eigenständigen Umsetzung von Kontextcheck und zur Vorbereitung integrierter Strategien auf kommunaler Ebene befähigen. Hierfür wird praktisches und methodisches Wissen vermittelt, um die Bedarfs- und Bedürfnisanalyse im Rahmen des Prozesskreislaufes umzusetzen und daraus Empfehlungen abzuleiten. Diskutiert werden unter anderem: Die Analyse von Statistiken, Angebotsstrukturen und Netzwerken sowie Beteiligungsformate für Dialoggruppen und Public Health-Ethik als Mittel zur Formulierung gut begründeter Handlungsempfehlungen. Gute kommunale Beispiele und fachliche Kompetenz ausgewiesener Expert*innen sowie aus der LVG & AFS Nds. HB. e.V. zeigen, wie dies gelingen kann.

    Teilnehmen können alle in Deutschland tätigen kommunalen Fachkräfte, die im Bereich der Gesundheitsförderung oder in angrenzenden Handlungsfeldern agieren. Es sind keine Vorkenntnisse zu Kontextcheck notwendig. Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier.

    Kategorie: Fortbildungsreihe
    Veranstalter: Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen Bremen e. V.
  • 20.05.2026

    Frankfurt am Main

    Die Ottawa-Charta: Kompass für die Zukunft der Gesundheitsförderung?

    Jahresfachtag der KGC Hessen zum 40-jährigen Jubiläum der Ottawa-Charta

    Die Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung feiert in diesem Jahr ihr 40-jähriges Jubiläum. Dies nimmt die Koordinierungsstelle Gesundheitliche Chancengleichheit (KGC) Hessen zum Anlass, die Bedeutung der zentralen Strategien der Charta – Enable, Advocate und Mediate – hinsichtlich heutiger gesellschaftlicher und politischer Rahmenbedingungen kritisch zu reflektieren und Impulse für die Zukunft der soziallagenbezogenen Gesundheitsförderung zu setzen. 

    Im Mittelpunkt steht die Frage, wie die Leitideen der Ottawa-Charta angesichts wachsender sozialer Ungleichheiten, multipler Krisen und komplexer Strukturen wirksam umgesetzt und weiterentwickelt werden können. Dabei wird der Ansatz „Health in and for All Policies“ als handlungsleitendes Prinzip in den Blick genommen; er soll die intersektorale Verankerung von Gesundheit in politischen Entscheidungsprozessen stärken und gesundheitliche Chancengleichheit systematisch fördern. Entlang der Strategien der Ottawa-Charta diskutieren Vertreter*innen aus Wissenschaft, Politik und Praxis verschiedene Fokusthemen und aktuelle Herausforderungen der Gesundheitsförderung.

    Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier.

    Kategorie: Jahrestagung
    Veranstalter: KGC Hessen
  • Online via Webex

    Präventionsketten im Fokus: Einbindung von Bürgermeister*innen und Landrät*innen in Präventionsketten

    Die Veranstaltungsreihe ist eine Initiative der Thüringer Präventionsketten und bringt Landkreise bundesweit miteinander ins Gespräch. Im Mittelpunkt stehen Good-Practice-Beispiele aus der Präventionskettenarbeit sowie der kollegiale Austausch zu spezifischen Herausforderungen in Landkreisen.

    Im Fokus dieses Termins steht die Frage, wie Bürgermeister*innen oder Landrät*innen gut in die Präventionsketten eingebunden werden können. Anhand von Good-Practice-Beispielen aus dem Landkreis Schmalkalden-Meiningen (Thüringen) und aus dem Werra-Meißner-Kreis (Hessen) wird gezeigt, wie politische Spitze in Landkreisen für das Thema der Präventionsketten gewonnen und in die Präventionskettenarbeit eingebunden werden kann. Es wird eingeladen, gemeinsam in den Austausch zu treten und Impulse für die eigene Praxis zu erhalten.

    Weitere Informationen zur Veranstaltung sowie die Möglichkeit zur Anmeldung bis zum 26.05.2026 finden Sie hier.

    Kategorie: Veranstaltung
    Veranstalter: Thüringer Präventionsketten

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Informationen über aktuelle Ent­wick­lung­en in der so­zi­al­la­gen­be­zoge­nen Ge­sund­heits­för­de­rung, neue An­ge­bo­te "Guter Pra­xis" so­wie über Ver­an­stal­tung­en, Wett­be­wer­be und Li­te­ra­tur zu diesem The­ma. Ent­wick­lung­en im Ko­o­pe­ra­ti­ons­ver­bund und Neu­ig­keit­en auf der Internetplattform wer­den eben­falls vorgestellt.

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