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Aktuelles

Artikel und Meldungen im Überblick

Auf die Infrastrukturen kommt es an

Das Wohlbefinden von Immigrant*innen und deren Nachkommen ist in migrantisch geprägten Nachbarschaften höher

06.09.2022

  

Subjektives Wohlbefinden bei Immigrant*innen und ihren Nachkommen

Lebenszufriedenheit ist ein Kernbestandteil von Wohlbefinden und damit von zentralem Interesse für die Migrationsforschung. Immigrant*innen verlassen ihr Herkunftsland oftmals mit dem Wunsch, ihre Lebenssituation und die ihrer Nachkommen zu verbessern. Dies tritt jedoch nicht immer ein, da sie am neuen Wohnort teilweise Diskriminierung und einen Statusverlust auf dem Arbeitsmarkt erfahren oder sich in Nachbarschaften mit sozio-ökonomischer Benachteiligung wiederfinden. Dementsprechend zeigen bisherige Studien, dass Immigrant*innen und ihre Nachkommen ein geringeres Wohlbefinden aufweisen. Wie auch bei der Mehrheitsgesellschaft, ist das Einkommen relevant. Darüber hinaus können speziell für Immigrant*innen auch der Aufenthaltsstatus und die Möglichkeit, sich verständigen zu können, relevant sein. Wenig Forschung hat bisher die Rolle von Nachbarschaften in den Blick genommen. Die Studien, die sich mit der Wohnsituation und Nachbarschaften von Immigrant*innen und ihren Nachkommen auseinandersetzen, machen dies selten unter dem Gesichtspunkt des subjektiven Wohlbefindens.

 

Subjektives Wohlbefinden und Nachbarschaften

Wie oben erwähnt, sind Nachbarschaften in denen Immigrant*innen und ihre Nachkommen leben, oftmals durch sozio-ökonomische Benachteiligung gekennzeichnet. Zudem findet sich dort eine erhöhte Schadstoff- und Kriminalitätsbelastung sowie ein mangelnder Zugang zu guten Schulen und Grünflächen. Dies wirft die Frage auf, was ethnisch diverse Innenstadtviertel für Immigrant*innen und ihre Nachkommen so attraktiv macht. Ein Teil der Forschung legt nahe, dass eine Nachbarschaft, in der viele Menschen derselben Herkunft leben, Infrastrukturen bieten, wie zum Beispiel Lebensmittelgeschäfte, Vereine und Gebetshäuser, die auch als soziale Treffpunkte fungieren und einen Ort der Vertrautheit in der Fremde darstellen können. Während ein Umzug in eine besser gestellte Nachbarschaft, die durch Angehörige der Mehrheitsgesellschaft geprägt ist, eine höhere Lebensqualität versprechen kann, bedeutet dies für Immigrant*innen und ihre Nachkommen den möglichen Verlust sozialer Einbettung und mögliche Diskriminierungserfahrungen.

 

Das WELLMOB-Projekt

Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte WELLMOB-Projekt widmet sich der Frage, wie sich diese ethno-religiösen Infrastrukturen auf das subjektive Wohlbefinden auswirken können. Vor zwei Jahren haben wir damit begonnen, räumliche Daten zu migrantischen Lebensmittelgeschäften, Gebetsstätten und Vereinen in Deutschland zu sammeln. Wir haben einen Datensatz mit circa 25.000 Einträgen für rund 60 ethnische und religiöse Gruppen erstellt. Um in einem nächsten Schritt den Zusammenhang mit Lebenszufriedenheit als Indikator von subjektivem Wohlbefinden untersuchen zu können, haben wir diese neuartigen Daten mit den Umfragedaten des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP) kombiniert.

 

Ergebnisse

Zunächst einmal beobachten wir, dass nicht alle ethno-religiösen Gruppen gleichermaßen ihre eigenen Infrastrukturen aufbauen. Gruppen aus dem mittleren Osten und dem subsaharischen Afrika bauen relativ zu ihrer Gruppengröße mehr Infrastrukturen auf, die ihnen dann helfen können, sich wohlzufühlen. Besonders hoch ist der Bedarf bei Personen, die aus kulturell unterschiedlichen Herkunftsländern stammen. Weitergehende Analysen legen nahe, dass Immigrant*innen und ihre Nachkommen sich nicht automatisch wohler fühlen, wenn sie in einer Nachbarschaft mit Menschen derselben Herkunft leben. Die Präsenz von Vereinen als Ort der Zusammenkunft hat jedoch das Potential, das Wohlbefinden von Immigrant*innen und ihren Nachkommen zu steigern, während Lebensmittelgeschäfte und Gebetshäuser keine zentrale Rolle spielen. Dies trifft insbesondere auf jene Angehörige der zweiten Generation zu, die sich mit dem Herkunftsland der Eltern identifizieren. Interessanterweise gibt es hier somit keine abnehmende Bedeutung über Generationen, obwohl man annehmen könnte, dass diese Vereine primär für die erste Generation relevant sind, die nach einem vertrauten Ort in der Fremde sucht. Flüchtlinge, die erst seit relativ kurzer Zeit in Deutschland leben, stellen eine weitere Gruppe dar, die von ethnischen Vereinen profitiert und ein höheres Wohlbefinden zeigt, wenn sie in der Nähe dieser Infrastrukturen wohnen.

 

Ausblick

Aus unseren Analysen können wir schlussfolgern, dass für manche Immigrant*innen und ihre Nachkommen die Einbettung in Nachbarschaften und ihre zivilgesellschaftlichen Strukturen eine Rolle für ihr Wohlbefinden spielen kann. Dieser Befund steht einer Perspektive entgegen, die migrantisch geprägte Viertel auf Grund ihrer sozio-ökonomischen Zusammensetzung nur als Belastung für Immigrant*innen und ihre Nachkommen wahrnimmt. Wer migrantisch geprägte Viertel nur als Problem begreift, übersieht, dass für viele Immigrant*innen und ihre Nachkommen ein Umzug in einheimisch dominierte Nachbarschaften auch einer Entwurzelung gleichkommen kann. Nichts desto trotz kann die Durchmischung von Nachbarschaften, die sowohl Infrastrukturen für Immigrant*innen und ihre Nachkommen als auch Kontaktmöglichkeiten zu Menschen und Institutionen der Aufnahmelandgesellschaft ermöglichen, ihnen zu mehr sozio-ökonomischer und gesundheitlicher Chancengleichheit verhelfen, wie wir aus der existierenden Forschung wissen. Eine sozialräumliche Gesundheitspolitik, die Chancengleicheit zwischen Einheimischen und Zugewanderten zum Ziel hat, sollte daher Zugang zu hochqualitativen Gesundheitsdienstleistungen auch in sozio-ökonomisch benachteiligten Vierteln sicherstellen.

 

Weiterführende Literatur:

Wiedner J, Schaeffer M, Carol S. Ethno-religious neighbourhood infrastructures and the life satisfaction of immigrants and their descendants in Germany. Urban Studies. February 2022. doi:10.1177/00420980211066412

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  • 06.05.2026 - 01.10.2026

    Hannover sowie online

    Wohin des Weges? Kommunale Prävention und Gesundheitsförderung strategisch gestalten

    Schulungsreihe zum Einstieg in integrierte kommunale Strategien

    Um kommunale Prävention und Gesundheitsförderung optimal zu planen und zu steuern, braucht es einen Überblick über Bedarfe und Bedürfnisse der Bevölkerung. Die Ermittlung eines Status Quo und die Einnahme verschiedener Perspektiven – wie zum Beispiel die der Dialoggruppe selbst (Kinder, Alleinerziehende, Senior*innen etc.) – ermöglichen erst eine nachhaltige Struktur- und Angebotsentwicklung.

    Die Schulungsreihe „Wohin des Weges? Kommunale Prävention und Gesundheitsförderung strategisch gestalten“ soll zur eigenständigen Umsetzung von Kontextcheck und zur Vorbereitung integrierter Strategien auf kommunaler Ebene befähigen. Hierfür wird praktisches und methodisches Wissen vermittelt, um die Bedarfs- und Bedürfnisanalyse im Rahmen des Prozesskreislaufes umzusetzen und daraus Empfehlungen abzuleiten. Diskutiert werden unter anderem: Die Analyse von Statistiken, Angebotsstrukturen und Netzwerken sowie Beteiligungsformate für Dialoggruppen und Public Health-Ethik als Mittel zur Formulierung gut begründeter Handlungsempfehlungen. Gute kommunale Beispiele und fachliche Kompetenz ausgewiesener Expert*innen sowie aus der LVG & AFS Nds. HB. e.V. zeigen, wie dies gelingen kann.

    Teilnehmen können alle in Deutschland tätigen kommunalen Fachkräfte, die im Bereich der Gesundheitsförderung oder in angrenzenden Handlungsfeldern agieren. Es sind keine Vorkenntnisse zu Kontextcheck notwendig. Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier.

    Kategorie: Fortbildungsreihe
    Veranstalter: Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen Bremen e. V.
  • Online via Webex

    Präventionsketten im Fokus: Einbindung von Bürgermeister*innen und Landrät*innen in Präventionsketten

    Die Veranstaltungsreihe ist eine Initiative der Thüringer Präventionsketten und bringt Landkreise bundesweit miteinander ins Gespräch. Im Mittelpunkt stehen Good-Practice-Beispiele aus der Präventionskettenarbeit sowie der kollegiale Austausch zu spezifischen Herausforderungen in Landkreisen.

    Im Fokus dieses Termins steht die Frage, wie Bürgermeister*innen oder Landrät*innen gut in die Präventionsketten eingebunden werden können. Anhand von Good-Practice-Beispielen aus dem Landkreis Schmalkalden-Meiningen (Thüringen) und aus dem Werra-Meißner-Kreis (Hessen) wird gezeigt, wie politische Spitze in Landkreisen für das Thema der Präventionsketten gewonnen und in die Präventionskettenarbeit eingebunden werden kann. Es wird eingeladen, gemeinsam in den Austausch zu treten und Impulse für die eigene Praxis zu erhalten.

    Weitere Informationen zur Veranstaltung sowie die Möglichkeit zur Anmeldung bis zum 26.05.2026 finden Sie hier.

    Kategorie: Veranstaltung
    Veranstalter: Thüringer Präventionsketten
  • 29.05.2026

    Tag der Nachbarschaft – Nachbarschaft feiern. Vielfalt erleben

    Der Tag der Nachbarschaft, der am 29. Mai 2026 stattfindet, steht für Zusammenhalt, Vielfalt und ein respektvolles Miteinander. Jede Form der Begegnung (egal ob Hoffest, Feiern im Garten, gemeinsamer Spaziergang oder gemütliche Kaffeerunde) bringt Menschen zusammen und setzt ein Zeichen für ein offenes und solidarisches Miteinander.

    Der Aktionstag wird von der nebenan-Stiftung organisiert. Interessierte können eigene Aktionen (privat oder öffentlich) anmelden oder diese als Besucher*innen wahrnehmen.

    Kategorie: Aktionstag
    Veranstalter: nebenan-Stiftung

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Informationen über aktuelle Ent­wick­lung­en in der so­zi­al­la­gen­be­zoge­nen Ge­sund­heits­för­de­rung, neue An­ge­bo­te "Guter Pra­xis" so­wie über Ver­an­stal­tung­en, Wett­be­wer­be und Li­te­ra­tur zu diesem The­ma. Ent­wick­lung­en im Ko­o­pe­ra­ti­ons­ver­bund und Neu­ig­keit­en auf der Internetplattform wer­den eben­falls vorgestellt.

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