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Aktuelles

Artikel und Meldungen im Überblick

Aktivierung benachteiligter Gruppen für die biologische Vielfalt

Ein Interview mit Carolin Schlenther

Carolin Schlenther , Hochschule für nachhaltige Entwicklung
07.01.2020

Wie kön­nen so­zi­o­ö­ko­no­misch benachteiligte Grup­pen in gesellschaftliche Prozesse im Be­reich des Na­tur­schutzes eingebunden und für den Er­halt der biologischen Vielfalt sensibilisiert wer­den? Wie kann Par­ti­zi­pa­ti­on er­folg­reich umgesetzt wer­den und wel­che Herausforderungen er­ge­ben sich da­bei? Diese und weiteren Fra­gen beantwortete uns Carolin Schlenther vom Pro­jekt „Ent­wick­lung und Erprobung didaktischer Modelle zur Aktivierung benachteiligter Grup­pen für den Er­halt der biologischen Vielfalt“ („Vielfalt findet Stadt“) aus Eberswalde im In­ter­view.

Welche Ziele verfolgt das Pro­jekt im Hinblick auf ge­sund­heit­liche Chan­cen­gleich­heit/ Ge­sund­heits­för­de­rung?

"Der Schutz der biologischen Vielfalt ist ei­nes der brisantesten Themen des Na­tur- und Umweltschutzes. Um den stattfin­denden Rück­gang der biologischen Vielfalt zu stop­pen, müs­sen unterschiedliche Bevölkerungsgruppen sensibilisiert und für des­sen Schutz mobilisiert wer­den. Wie im Pro­jekttitel angedeutet, geht es des­halb in un­se­rem Pro­jekt da­rum, so­zi­o­ö­ko­no­misch Be­nach­tei­lig­te aus verschiedenen Altersstufen durch Umweltbildung und konkrete Praxisaktivitäten in den Na­tur­schutz einzubinden und sie so für den Schutz der biologischen Vielfalt zu ak­ti­vie­ren.
Wir ar­bei­ten mit den Teilnehmenden in ers­ter Li­nie drau­ßen an der fri­schen Luft. Gerade bei den Vorschul- und Schulkindern steht das im starken Kon­trast zum regulären Spiel bzw. Un­ter­richt, der in der kalten Jah­res­zeit über­wie­gend in den Räumen stattfindet. Draußen be­ge­ben wir uns auf Exkursionen durch den Wald oder wer­ten stadtnahe Brachflächen für die biologische Vielfalt auf, wo­durch die Teilnehmenden körperliche Be­we­gung er­fah­ren.

Die enge Grup­penarbeit von der Ideenentwicklung bis zur ge­mein­samen Um­set­zung fördert die zwischenmenschlichen Beziehungen und das Vertrauen in die eigenen Fä­hig­keit­en. So wird Selbst­ver­trau­en geschaffen und die wahrgenommene so­wie reelle Selbstwirksamkeit gestärkt.
Während die Um­ge­stal­tung der Pro­jektflächen vorrangig dem Schutz der biologischen Vielfalt dient, wird auch der Mensch nicht au­ßer Acht ge­las­sen. So sollen die in Wohngebieten liegenden Flä­chen schluss­end­lich zum Verweilen und Genießen der Na­tur ein­la­den. Das Pro­jekt schafft da­mit nicht nur Lebensräume für Pflan­zen und Tiere, son­dern auch ansprechende naturnahe Aufenthaltsorte für die An­woh­ne­rin­nen und An­woh­ner."

Welche Ziel­grup­pen sollen mit dem Pro­jekt erreicht wer­den und wie fin­den Sie den Zu­gang zu den so­zi­o­ö­ko­no­misch be­nach­tei­lig­ten Grup­pen und verschiedenen Al­ters­grup­pen?

"Das Pro­jekt richtet sich vor allem an Kinder, Ju­gend­li­che und Er­wach­se­ne, die in sozialen Brennpunkten le­ben und sich bis­her kaum mit Themen des Na­tur­schutzes be­schäf­ti­gen. Angeleitet von Umweltbildnerinnen und -bildnern und vor allem durch den persönlichen Kon­takt mit der Na­tur wol­len wir die Menschen für vielfältige Na­turthemen be­geis­tern. Dafür ent­wi­ckeln wir Maß­nah­men, die zu den alters- und entwicklungsbedingten körperlichen und kognitiven Fä­hig­keit­en der unterschiedlichen Ziel­grup­pen pas­sen. In un­se­rem Vorgehen pla­nen wir nicht nur Maß­nah­men für die Ziel­grup­pen, son­dern ge­mein­sam mit ih­nen. Sie wer­den in die Ent­wick­lung und Um­set­zung der praktischen Tä­tig­keit­en einbezogen.
Den Zu­gang zu den verschiedenen Grup­pen fin­den wir über Kooperationen mit Bildungs- und Betreuungseinrichtungen so­wie dem Eberswalder Amt für Beschäftigungsförderung und Freiwilligendienste. Unsere derzeitigen Kooperationspartnerinnen und -partner ken­nen uns und un­se­re Ar­beit aus vorangegangenen Pro­jekten, wo­durch be­reits ein Vertrauensverhältnis besteht, auf das sich gut auf­bau­en lässt. Für die folgenden zwei Schuljahre kön­nen sich interessierte Bildungs- und Betreuungseinrichtungen gern an uns wen­den."

Welche praktischen Aktivitäten füh­ren Sie mit den verschiedenen Al­ters­grup­pen durch und wie kön­nen die Teilnehmenden eigene Vorschläge und Ideen in das Pro­jekt mit ein­brin­gen?

"Wir bear­bei­ten Grün- und Brachflächen in der Stadt Eberswalde, die die Teilnehmenden selbst ge­stal­ten. In Vorbereitung da­rauf ge­hen wir mit ih­nen in die Na­tur und sen­si­bi­li­sie­ren sie für die biologische Vielfalt und die Herausforderungen im Be­reich Na­tur­schutz. Inwieweit wir auf die fachlichen Themen ein­ge­hen, ist ab­hän­gig von der Altersstruktur der Grup­pe. Anschließend ma­chen sich die Teilnehmenden mit der je­wei­lig zu bear­bei­tenden Flä­che vertraut und ent­wi­ckeln Ideen da­zu, wie sie die Flä­chen für die biologische Vielfalt auf­wer­ten und le­benswer­ten Raum für Pflan­zen und Tiere schaffen kön­nen. Dabei be­rück­sich­ti­gen sie bei­spiels­wei­se die örtlichen Bodengegebenheiten und pflan­zen aus­schließ­lich heimische Arten wie Holzapfel, Elsbeere, Schle­he, Weiß­dorn oder alte Obstsorten. So wer­den die teilnehmenden Kinder und Er­wach­se­nen für den Schutz der biologischen Vielfalt sensibilisiert und er­ar­bei­ten sich ge­mein­sam Fä­hig­keit­en im praktischen Na­tur- und Um­welt­schutz."

Welche Herausforderungen und Gren­zen er­le­ben Sie in der täglichen Ar­beit?

"Die Herausforderungen va­ri­ie­ren stark zwi­schen den unterschiedlichen Al­ters­grup­pen. Die Vorschulkinder zei­gen ein großes In­te­res­se an der Na­tur und sind leicht für entsprechende Themen zu be­geis­tern. Wir verbringen viel Zeit im Freien mit ih­nen und es kommt vor allem da­rauf an, dass sie witterungsgemäß gekleidet sind. Hier ist ei­ne enge Zu­sam­men­ar­beit und gute Kom­mu­ni­ka­ti­on mit den Betreuenden wich­tig.
Bei den jugendlichen Teilnehmenden sind die Er­fah­rung­en stark gruppenabhängig. Im besten Fall ist auch diese Ziel­grup­pe hochmotiviert und genießt es, selbst Ent­schei­dung­en tref­fen und Ideen um­set­zen zu dür­fen. Die Umweltbildnerinnen und -bildner müs­sen sehr fle­xi­bel in ihren Me­tho­den sein, um sich schnell an mögliche verändernde Stim­mung­en in den Grup­pen an­pas­sen zu kön­nen.  
Die erwachsenen Teilnehmenden wei­sen sich mit­un­ter durch ein geringes Na­turbewusstsein und ei­ne Skep­sis ge­gen­über Institutionen aus. Hier muss zu­nächst viel Ar­beit in den Vertrauensaufbau zwi­schen den Teilnehmenden und den Umweltbildnerinnen und -bildnern investiert wer­den. Außerdem ist es auch hier wich­tig, Stim­mung­en wahrzunehmen und fle­xi­bel auf die individuellen Fä­hig­keit­en so­wie die Grup­pen­dy­na­mik einzugehen."

Das Projekt

In dem Pro­jekt „Ent­wick­lung und Erprobung didaktischer Modelle zur Aktivierung benachteiligter Grup­pen für den Er­halt der biologischen Vielfalt“ wer­den so­zi­o­ö­ko­no­misch benachteiligte Grup­pen in gesellschaftliche Prozesse im Na­tur­schutz eingebunden. Praktische Aktivitäten er­öff­nen den Teilnehmenden Gestaltungsspielräume, stär­ken ihr Verantwortungsgefühl und för­dern ihr En­ga­ge­ment für den Na­tur­schutz. Das Pro­jekt wird von der Hochschule für nachhaltige Ent­wick­lung Eberswalde in Ko­o­pe­ra­ti­on mit der Stif­tung WaldWelten durchgeführt. Es wird im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bun­des­amt für Na­tur­schutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Um­welt, Na­tur­schutz und nukleare Si­cher­heit (BMU) gefördert.

Weitere Informationen über das Projekt finden Sie hier.

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  • 06.11.2026

    Online via Webex

    Wie alt fühlst Du dich? Und welchen Einfluss hat das auf Deine Gesundheit?

    Die Forschung zeigt: Altersbilder begleiten uns ein Leben lang. Sie entstehen früh, beeinflussen unser Verhalten und prägen sogar, wie wir selbst älter werden. Doch wie können wir negative Altersstereotype überwinden und zu einem differenzierteren Blick auf das Alter gelangen?

    Darüber sprechen wir beim nächsten LGK-Talk „Alt sind immer die anderen?! – Wie Altersbilder unsere Gesundheit beeinflussen und wie wir unsere Vorstellungen vom Alter(n) verändern können“ mit Dr.in Antje Rauers (Friedrich-Schiller-Universität Jena), PD Dr. David Weiss (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg) und Dr.in Aline Schönenberg (Universitätsklinikum Jena). Freuen Sie sich auf spannende Erkenntnisse, neue Denkanstöße und einen frischen Blick auf das Älterwerden!

    Mehr Informationen sowie die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier. Eine Anmeldung ist bis zum 30 Oktober 2026 möglich.

    Kategorie: Gesprächsrunde
    Veranstalter: LGK Thüringen
  • Hannover

    Gemeinsam Wege aus der Gewalt

    Wenn Konflikte bei Kindern und Jugendlichen kippen

    Kinder und Jugendliche haben ein Recht darauf, gewaltfrei aufzuwachsen. Doch das Thema Gewalt bei Kindern und Jugendlichen nimmt medial immer mehr Raum ein – sei es durch aktuelle Zahlen der Kriminalstatistik oder durch Vorfälle in der Schule. Auch in Kitas werden mehr Gewaltvorfälle gemeldet. Die Formen von Gewalt sind dabei vielfältig – körperlich, psychisch und auch digital. Die Fachtagung „Gemeinsam Wege aus der Gewalt – Wenn Konflikte bei Kindern und Jugendlichen kippen“ am 12. November 2026 in Hannover geht den Ursachen der zunehmenden Gewaltentwicklung auf den Grund und nimmt dabei die komplexen Ursachen, wie psychische Belastungssituationen, sozioökonomische Herausforderungen und eigene Gewalterfahrungen, in den Blick. Was kann bereits in der Frühförderung in den Kitas angebahnt werden? Wie kann Schule mit diesen Herausforderungen umgehen? Welche langfristigen Auswirkungen haben Gewalterfahrungen auf die psychische Gesundheit? Und welche Ansätze gibt es, um digitaler Gewalt resilient zu begegnen? Die Veranstaltung findet in der Ärztekammer Niedersachsen statt.

    Weitere Informationen sowie die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier.

    Kategorie: Veranstaltung
    Veranstalter: Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen Bremen e. V.
  • Berlin

    Voneinander lernen - Bedarfsgerechte Hilfen für psychisch erkrankte Menschen in der Wohnungsnotfallhilfe

    Der Zugang zu passgenauer Unterstützung ist dadurch ausgerechnet für jene erschwert, die besonders auf niedrigschwellige, vernetzte und kontinuierliche Angebote angewiesen sind. Auf unserer Fachtagung möchten wir folgende Themen gemeinsam mit Ihnen aufgreifen:

    • Ethische Fragestellungen im Umgang mit psychisch erkrankten wohnungslosen Menschen,
    • Zusammenarbeit und Schnittstellen zwischen verschiedenen Hilfesystemen,
    • Gute Praxisbeispiele niedrigschwelliger, aufsuchender und einrichtungsintegrierter sowie zielgruppenspezifischer Angebote,
    • Die Perspektive von Erfahrungsexpert*innen,
    • Weichenstellungen für die zukünftige psychosoziale Versorgung von wohnungslosen Menschen mit psychischen Störungen.

    Sie erwarten Vorträge, Arbeitsgruppen mit Praxisbeispielen sowie Gespräche mit Expert*innen aus Medizin, Sozialer Arbeit und Selbstvertretung. Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme und darauf, gemeinsam Wege zu einer besser vernetzten psychiatrischen Versorgung wohnungsloser Menschen zu finden.

    Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier.

    Veranstalter: BAG Wohnungslosenhilfe e. V.

… weitere Termine

Mit unserem News­letter immer aktuell informiert

Informationen über aktuelle Ent­wick­lung­en in der so­zi­al­la­gen­be­zoge­nen Ge­sund­heits­för­de­rung, neue An­ge­bo­te "Guter Pra­xis" so­wie über Ver­an­stal­tung­en, Wett­be­wer­be und Li­te­ra­tur zu diesem The­ma. Ent­wick­lung­en im Ko­o­pe­ra­ti­ons­ver­bund und Neu­ig­keit­en auf der Internetplattform wer­den eben­falls vorgestellt.

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