Entstehungshintergrund des Partnerprozess
Handlungsempfehlungen als Basis
Anfänglich (2011-2015) lag der Fokus des Partnerprozesses auf der Gesundheitsförderung mit Kindern und Jugendlichen. Grundlage für den Partnerpozess bildeten die sieben Handlungsempfehlungen zur Gesundheitsförderung bei Kindern und Jugendlichen im kommunalen Rahmen. Diese Empfehlungen wurden 2011 auf Basis der Erfahrungen aus über 50 Good Practice-Beispielen durch den Kooperationsverbund Gesundheitliche Chancengleichheit formuliert.
Im November 2015 wurde der kommunale Partnerprozess auf die gesamte Lebenspanne erweitert und entsprechend umbenannt zu „Gesundheit für alle“.
Die Handlungsempfehlungen
Stellen Sie die Beteiligung von Kindern, Jugendlichen und ihren Familien sicher
Die Kinder und Familien sollten in allen Phasen der Prävention beteiligt werden: Wenn der Präventionsbedarf erhoben wird ebenso wie in der Planung, während des Angebots selbst und in der Auswertung. Die Ressourcen und Belastungen der Betroffenen sollten berücksichtigt und in die Prävention einbezogen werden. Partizipation ist in der Gesundheitsförderung ein wesentliches Qualitätsmerkmal in allen Lebenswelten.
Ermöglichen Sie interdisziplinäre Zusammenarbeit.
Angebote für Kinder und Familien gibt es aus verschiedenen Ressorts: Gesundheit, Kinder- und Jugendhilfe, Bildung, Familie und Soziales. Kommunen sollten diese Angebote systematisch bündeln und weiter entwickeln. Gute und interdisziplinäre Zusammenarbeit ist eine Voraussetzung, um Zugang zu finden und die Angebote entsprechend dem Bedarf sozial benachteiligter (werdender) Eltern und Familien auszurichten.
Schaffen Sie niedrigschwellige Unterstützungsangebote.
Niedrigschwellige Angebote im Stadtteil, in Kitas und Schulen erleichtern Familien in schwieriger sozialer Lage den Zugang. Solche Angebote können den Aufbau sozialer Netzwerke fördern und verhindern die Isolation von Familien in schwieriger sozialer Lage. Die Familien machen die Erfahrung, dass sie nicht allein vor Problemen in der Erziehung oder vor anderen familiären Sorgen stehen. Soziale Netzwerke erleichtern Empowerment- und Selbsthilfeprozesse und helfen dabei, leichter Zugang zu Unterstützungsangeboten zu finden. Stadtteile mit sozialen Netzwerken entwickeln sich insgesamt familienfreundlicher.
Handeln Sie wertschätzend und befähigend.
Empowerment-Ansätze können die Elternkompetenz sozial benachteiligter Mütter und Väter stärken. Sie wirken dann, wenn sie an die Ressourcen der Zielgruppe anknüpfen und den Familien respektvoll und professionell begegnen.
Richten Sie Ihren Blick auf die Lebenswelten.
Gesundheitsförderung wirkt besonders nachhaltig nach dem Setting-Ansatz, wenn also verhaltens- und verhältnispräventive Angebote kombiniert werden und sich alle relevanten Gruppen an dauerhaften Veränderungen in den Lebenswelten beteiligen. Good Practice-Angebote haben dieses Konzept zur Gesundheitsförderung erfolgreich in Kitas, Schulen und Stadtteilen umgesetzt. Sie unterstützen die Betroffenen in einem Verhalten, das zu besserer Gesundheit führt.
Binden Sie Multiplikator*innen ein.
Um Frauen und Familien mit Migrationshintergrund zu erreichen, haben sich Multiplikator*innen bewährt, die zur jeweiligen (Migrant*innen)community gehören und/oder Teil der Stadtteilstrukturen sind. Solche Konzepte sind z.B. bei der Integration in den Arbeitsmarkt oder als zivilgesellschaftliches Engagement denkbar. Sie sollten im Stadtteil und gemeinsam mit lokalen Partner*innen angeboten werden.
Fördern Sie Ehrenamtssturkturen.
Wenn Ehrenamtliche sich in der Gesundheitsförderung engagieren, gilt: Sie sollten dafür qualifiziert werden, ihre Arbeit sollte koordiniert und anerkannt werden.