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Aktuelles

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Programm "Präventionsketten in Niedersachsen": Die ersten acht Kommunen starten

Antje Richter-Kornweitz , ehem. Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen Bremen e.V.
04.04.2017

Acht niedersächsische Kom­mu­nen star­ten in der ersten Förderphase des Pro­gramms „Präventionsketten in Nie­der­sach­sen: Gesund auf­wach­sen für al­le Kinder!“. Sie al­le verbindet das Ziel, ei­ne integrierte kommunale Stra­te­gie, kurz: „Präventionskette“, auf- bzw. auszubauen.

In der ersten Ko­hor­te sind die beiden kreisfreien Städte Delmenhorst und Wil­helms­ha­ven, die Landkreise Göttingen, Ol­den­burg und Os­na­brück so­wie die Re­gi­on Hannover mit den drei Kom­mu­nen Barsinghausen, Garbsen und Seelze vertreten.

Ihnen wer­den in den kommenden Jahren weitere drei Ko­hor­ten mit ins­ge­samt bis 30 weiteren niedersächsischen Kom­mu­nen fol­gen.

Das Pro­gramm ist auf die umfassende Teil­ha­be von Kin­dern bis zum Al­ter von zehn Jahren ausgerichtet. Im Mit­tel­punkt ste­hen da­bei ins­be­son­de­re die Al­ters­grup­pen ab dem Über­gang in die Kindertagesbetreuung bis zum En­de der Grundschulzeit. Das Vorhaben wird von der Landesvereinigung für Ge­sund­heit und Aka­de­mie für Sozialmedizin Nie­der­sach­sen e.V. (LVG & AFS) durchgeführt, durch Stiftungsmittel der Auridis gGmbH gefördert und steht un­ter der Schirm­herr­schaft der Niedersächsischen Mi­nis­te­rin für Soziales, Ge­sund­heit und Gleich­stel­lung. Es hat ei­ne Gesamtlaufzeit von sechs­ein­halb Jahren und endet im De­zem­ber 2022.

Die beteiligten Kom­mu­nen er­hal­ten ei­ne finanzielle För­de­rung für drei Jahre, die un­ter anderem die anteilige För­de­rung ei­ner Personalstelle für die Ko­or­di­na­ti­on der Präventionskette umfasst.

Merkmale von Präventionsketten

Prä­ven­ti­onsketten füh­ren als integrierte Konzepte zur Ge­sund­heits­för­de­rung und Prä­ven­ti­on die kommunalen Aktivitäten für Heranwachsende und ih­re Fa­mi­lien über die verschiedenen Al­ters­grup­pen und Lebensphasen hinweg zu­sam­men. Sie um­fas­sen Ak­teu­rin­nen und Akteure, An­ge­bo­te und Maß­nah­men so­wie be­reits bestehende Netzwerke zur För­de­rung, Un­ter­stüt­zung, Be­ra­tung, Bil­dung, Be­treu­ung, Par­ti­zi­pa­ti­on und zum Kin­der­schutz. Prä­ven­ti­onsketten sind auf Strukturbildung in Kom­mu­nen ausgerichtet und als intersektoraler und interprofessioneller An­satz zu verstehen.

Prä­ven­ti­onsketten wer­den als ein In­stru­ment der Armutsprävention eingesetzt. Zwar lautet der An­spruch, Kin­dern, Ju­gend­li­chen und Fa­mi­lien aller Bevölkerungsgruppen den Zu­gang zu An­ge­bo­ten und Maß­nah­men öffentlicher Institutionen und freier Träger zu er­mög­li­chen, vorrangig ist es je­doch, den Zu­gang so­zi­al benachteiligter Menschen zum An­ge­bot zu gewährleisten. Ein weiteres wichtiges Ziel ist die Si­che­rung der Übergänge zwi­schen An­ge­bo­ten, Institutionen und Settings. Der An­spruch lautet, um­fas­sende Lebens- und Teilhabechancen zu er­mög­li­chen und individuelle, familiäre und so­zi­ale Eigenressourcen zu stär­ken.

Zu den Be­son­der­heit­en einer Prä­ven­ti­onskette gehört die Lebenslauforientierung, eng verbunden mit der Aus­rich­tung an Praxisfeldern, die in Kind­heit und Ju­gend re­le­vant sind. Ebenfalls hervorzuheben ist, sich nicht vorrangig an „Zu­stän­dig­keit­en“ auszurichten oder so­gar aus Anbieterperspektive heraus zu den­ken, son­dern sich vielmehr an der Fra­ge „Was braucht das Kind?“ zu ori­en­tie­ren. In diesen Kon­text gehört auch der An­spruch, der Verwirklichung von Par­ti­zi­pa­ti­on und Lebensweltorientierung bei der Sich­tung und Ent­wick­lung von An­ge­bo­ten hohe Priorität zuzuordnen.

Die Aktivitäten in Nie­der­sach­sen

Die Beteiligung am Pro­gramm „Prä­ven­ti­onsketten in Nie­der­sach­sen“ erfordert ei­nen politischen Be­schluss der Kom­mu­ne zum Auf- bzw. Aus­bau ei­ner Prä­ven­ti­onskette. Dieser sollte spä­tes­tens zum En­de des ersten Förderjahres vorliegen. Die vorherige, d.h. be­reits vor Antragstellung stattfindende, Ab­stim­mung der Be­wer­bung zwi­schen maß­geb­lich beteiligten Fach­be­reichen wie Ge­sund­heit, Ju­gend, Soziales, Bil­dung gilt als weitere Voraussetzung. Je nach kommunaler Struk­tur sollten da­ran auch weitere Ressorts - wie bei­spiels­wei­se die Stadtentwicklung - beteiligt wer­den.

Die Auf­ga­ben der Kom­mu­nen beim Auf- und Aus­bau der Prä­ven­ti­onsketten um­fas­sen folgende vertraglich zugesicherte, zentrale Aktivitäten:

  • die För­de­rung der intensiven fachübergreifenden Ko­o­pe­ra­ti­on der kommunalen Stel­len, die Kinder bis zum 10. Le­bens­jahr bei ei­nem gelingenden Aufwachsen be­glei­ten, durch die Ein­rich­tung von Steuerungsgruppen und kommunale Koordinierungsstellen,
  • die För­de­rung der aktiven Beteiligung von Fachkräften, zivilgesellschaftlichen Ak­teu­rin­nen und Akteuren so­wie von Kin­dern und Fa­mi­lien,
  • die Bestandsanalyse und Bedarfserhebung der lo­kalen Si­tu­a­ti­on un­ter Ein­be­zie­hung relevanter Grup­pen - auch bei der Wei­ter­ent­wick­lung der lo­kalen Stra­te­gie zur Ge­sund­heits­för­de­rung und Prä­ven­ti­on,
  • ·die Durch­füh­rung ei­nes Monitorings ent­lang lo­kal entwickelter Wirkungsmodelle, um laufende Prozesse des Aufbaus von Prä­ven­ti­onsketten zielbezogen auszurichten so­wie zeit­nah und trans­pa­rent zu do­ku­men­tie­ren.

Die beteiligten Kom­mu­nen er­hal­ten ne­ben der finanziellen Un­ter­stüt­zung ei­ne um­fas­sende Be­ra­tung und Be­glei­tung durch die Landeskoordinierungsstelle „Prä­ven­ti­onsketten in Nie­der­sach­sen“, angesiedelt bei der LVG & AFS. Deren vertraglich zugesicherten, zentralen Auf­ga­ben um­fas­sen:

  • die Be­ra­tung von Netzwerkkoordinatorinnen und -koordinatoren und kommunalen Steuerungsgruppen,
  • die Fort­bil­dung für Fachkräfte und Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger (Fachtagungen, Workshops, kollegiale Be­ra­tungsverfahren…) und die Durch­füh­rung von Netzwerktreffen,
  • die Un­ter­stüt­zung der zuständigen Stel­len auf Ebe­ne des Landkreises oder der kreisfreien Stadt durch Mo­de­ra­ti­on bzw. In­for­ma­ti­on von fachlichen und politischen Gremien,
  • die Vermittlung der für ein Monitoring des Prozesses nö­ti­gen Kompetenzen und ei­ne Be­glei­tung bei der Durch­füh­rung.

Die Mehr­zahl der Be­wer­bung­en in der ersten Förderphase wurde in Ab­spra­che mit dem Öffentlichen Ge­sund­heitsdienst aus dem Fach­be­reich Kinder- und Ju­gendhilfe initiiert. Neben den vertraglich vorgegebenen sind u.a. folgende weitere Aktivitäten als erste, grundlegende Ziel­set­zung­en für die kommenden drei Jahre zu verstehen:

  • Strategische Verankerung und Aus­wei­tung der bestehenden Aktivitäten in Ge­sund­heits­för­de­rung und Prä­ven­ti­on u.a. über die Altersphase von 0-3 Jahren hinaus
  • Verankerung der Prä­ven­ti­onskette an be­reits bestehenden familienun­terstützenden Ein­rich­tungen
  • Aktive Ge­stal­tung der Übergänge und Si­che­rung der Zugänge zu den Angeboten zur Ge­sund­heits­för­de­rung und Prä­ven­ti­on für be­son­ders vulnerable Grup­pen
  • Verstärkung der aufsuchenden präventiven Ar­beit

Bewerbungsstart für die zwei­te Förderphase steht bevor

Zwischen dem 1. Mai und dem 21. Au­gust 2017 kön­nen die Be­wer­bung­en für die zwei­te Förderphase eingereicht wer­den. Auch dann kön­nen wie­der bis zu zehn Kom­mu­nen durch den Projektbeirat ausgewählt wer­den. Antragsberechtigt sind die Jugendämter und Gesundheitsämter der niedersächsischen Landkreise und kreisfreien Städte. Andere Stel­len der kommunalen Verwaltung kön­nen sich ge­ge­be­nen­falls nach vorheriger Rücksprache be­wer­ben.
Eine Fachveranstaltung am 17. Mai 2017 in Hannover soll ne­ben der In­for­ma­ti­on über das Pro­gramm und die Bewerbungsbedingungen auch Fachdiskussion und Trans­fer för­dern. Neben Vortrag und Dis­kus­si­on wer­den verschiedene Workshops zu Themen rund um Präventionsketten angeboten.

Li­te­ra­tur bei der Verfasserin

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  • 06.11.2026

    Online via Webex

    Wie alt fühlst Du dich? Und welchen Einfluss hat das auf Deine Gesundheit?

    Die Forschung zeigt: Altersbilder begleiten uns ein Leben lang. Sie entstehen früh, beeinflussen unser Verhalten und prägen sogar, wie wir selbst älter werden. Doch wie können wir negative Altersstereotype überwinden und zu einem differenzierteren Blick auf das Alter gelangen?

    Darüber sprechen wir beim nächsten LGK-Talk „Alt sind immer die anderen?! – Wie Altersbilder unsere Gesundheit beeinflussen und wie wir unsere Vorstellungen vom Alter(n) verändern können“ mit Dr.in Antje Rauers (Friedrich-Schiller-Universität Jena), PD Dr. David Weiss (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg) und Dr.in Aline Schönenberg (Universitätsklinikum Jena). Freuen Sie sich auf spannende Erkenntnisse, neue Denkanstöße und einen frischen Blick auf das Älterwerden!

    Mehr Informationen sowie die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier. Eine Anmeldung ist bis zum 30 Oktober 2026 möglich.

    Kategorie: Gesprächsrunde
    Veranstalter: LGK Thüringen
  • Hannover

    Gemeinsam Wege aus der Gewalt

    Wenn Konflikte bei Kindern und Jugendlichen kippen

    Kinder und Jugendliche haben ein Recht darauf, gewaltfrei aufzuwachsen. Doch das Thema Gewalt bei Kindern und Jugendlichen nimmt medial immer mehr Raum ein – sei es durch aktuelle Zahlen der Kriminalstatistik oder durch Vorfälle in der Schule. Auch in Kitas werden mehr Gewaltvorfälle gemeldet. Die Formen von Gewalt sind dabei vielfältig – körperlich, psychisch und auch digital. Die Fachtagung „Gemeinsam Wege aus der Gewalt – Wenn Konflikte bei Kindern und Jugendlichen kippen“ am 12. November 2026 in Hannover geht den Ursachen der zunehmenden Gewaltentwicklung auf den Grund und nimmt dabei die komplexen Ursachen, wie psychische Belastungssituationen, sozioökonomische Herausforderungen und eigene Gewalterfahrungen, in den Blick. Was kann bereits in der Frühförderung in den Kitas angebahnt werden? Wie kann Schule mit diesen Herausforderungen umgehen? Welche langfristigen Auswirkungen haben Gewalterfahrungen auf die psychische Gesundheit? Und welche Ansätze gibt es, um digitaler Gewalt resilient zu begegnen? Die Veranstaltung findet in der Ärztekammer Niedersachsen statt.

    Weitere Informationen sowie die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier.

    Kategorie: Veranstaltung
    Veranstalter: Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen Bremen e. V.
  • Berlin

    Voneinander lernen - Bedarfsgerechte Hilfen für psychisch erkrankte Menschen in der Wohnungsnotfallhilfe

    Der Zugang zu passgenauer Unterstützung ist dadurch ausgerechnet für jene erschwert, die besonders auf niedrigschwellige, vernetzte und kontinuierliche Angebote angewiesen sind. Auf unserer Fachtagung möchten wir folgende Themen gemeinsam mit Ihnen aufgreifen:

    • Ethische Fragestellungen im Umgang mit psychisch erkrankten wohnungslosen Menschen,
    • Zusammenarbeit und Schnittstellen zwischen verschiedenen Hilfesystemen,
    • Gute Praxisbeispiele niedrigschwelliger, aufsuchender und einrichtungsintegrierter sowie zielgruppenspezifischer Angebote,
    • Die Perspektive von Erfahrungsexpert*innen,
    • Weichenstellungen für die zukünftige psychosoziale Versorgung von wohnungslosen Menschen mit psychischen Störungen.

    Sie erwarten Vorträge, Arbeitsgruppen mit Praxisbeispielen sowie Gespräche mit Expert*innen aus Medizin, Sozialer Arbeit und Selbstvertretung. Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme und darauf, gemeinsam Wege zu einer besser vernetzten psychiatrischen Versorgung wohnungsloser Menschen zu finden.

    Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier.

    Veranstalter: BAG Wohnungslosenhilfe e. V.

… weitere Termine

Mit unserem News­letter immer aktuell informiert

Informationen über aktuelle Ent­wick­lung­en in der so­zi­al­la­gen­be­zoge­nen Ge­sund­heits­för­de­rung, neue An­ge­bo­te "Guter Pra­xis" so­wie über Ver­an­stal­tung­en, Wett­be­wer­be und Li­te­ra­tur zu diesem The­ma. Ent­wick­lung­en im Ko­o­pe­ra­ti­ons­ver­bund und Neu­ig­keit­en auf der Internetplattform wer­den eben­falls vorgestellt.

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