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Aktuelles

Artikel und Meldungen im Überblick

Mehr Bewegung im Kita-Alltag – der Bewegungspass Hessen stärkt gesundheitliche Chancengleichheit

Izabela Bojkowska , Hessische Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung e.V.
05.11.2026
Bewegung macht frühkindliche Entwicklung möglich

Kinder haben einen natürlichen Bewegungsdrang und entdecken ihre Umwelt aktiv über Bewegung. Bewegung macht Freude und ist ein zentraler Bestandteil kindlicher Entwicklung – sie fördert Motorik, Wahrnehmung, soziale Kompetenzen und kognitive Fähigkeiten auf vielfältige Weise.¹

Aktuelle Studien zeigen, dass sich viele Kinder bereits im frühen Kindesalter zu wenig bewegen und motorische Auffälligkeiten zunehmen. Laut der Motorik-Modul-Studie (MoMo) erreichen nur rund 46 Prozent der 4- bis 5-jährigen Kinder die von der WHO empfohlene tägliche Bewegungszeit von 180 Minuten.²

Gleichzeitig zeigen sich bereits im frühen Kindesalter soziale Unterschiede im Bewegungsverhalten. Kinder aus sozial benachteiligten Lebenslagen weisen häufiger Unterschiede bei körperlicher Aktivität, motorischer Entwicklung und gesundheitlicher Belastung auf. Dadurch können sich Entwicklungs- und Gesundheitschancen ungleich verteilen.³

Pädagogische Fachkräfte und Kindertagespflegepersonen spielen dabei eine zentrale Rolle: Sie gestalten die Lebenswelten von Kindern und schaffen im frühkindlichen Alltag vielfältige Bewegungsanlässe. Gerade in den ersten Lebensjahren werden grundlegende Bewegungsfähigkeiten und -erfahrungen geprägt. Die Kindertagesbetreuung ist daher ein zentraler Ort, um allen Kindern einen niedrigschwelligen Zugang zu Bewegung zu ermöglichen.

Mehr Bewegung im Kita-Alltag

Hier setzt der Bewegungspass Hessen an. Das landesweite, kostenfreie Qualifizierungsprogramm unterstützt Kitas und Kindertagespflege dabei, Bewegungsförderung spielerisch und alltagsintegriert umzusetzen. Es verbindet Fortbildungen für pädagogische Fachkräfte und Kindertagespflegepersonen mit einem umfassenden Medien- und Materialpaket.

Der Bewegungspass orientiert sich an den Grundsätzen und Prinzipien des Bildungs- und Erziehungsplans für Kinder von 0 bis 10 Jahren in Hessen (BEP) und ist in die Gesamtstrategie des Hessischen Landesprogramms zur Bewegungsförderung eingebettet.

Der Bewegungspass richtet sich an Kinder im Alter von zwei bis sieben Jahren. Im Mittelpunkt stehen 32 grundlegende Bewegungsfertigkeiten. Gemeinsam mit dem Löwen „Löwi“ und seinen acht Tierfreund*innen können die Kinder unterschiedliche Bewegungsformen in vier aufeinander aufbauenden Schwierigkeitsstufen entdecken und erproben. Dazu gehören beispielsweise Balancieren, Springen, Werfen und Klettern. Die Kinder sollen die Übungen ihrem eigenen Entwicklungsstand entsprechend ausprobieren und dabei Freude und positive Bewegungserfahrungen sammeln.

Bewegung im Alltag der Kindertagesbetreuung ermöglichen

Ein wesentlicher Bestandteil des Bewegungspasses ist die alltagsintegrierte Umsetzung. Bewegungsanlässe können im Gruppenraum, auf dem Außengelände, bei gemeinsamen Spielen oder in alltäglichen Situationen entstehen.

Die Materialien geben hierfür konkrete Anregungen. Jedes teilnehmende Kind erhält einen Bewegungspass. Für das Ausprobieren der Übungen erhalten die Kinder Löwenaufkleber – unabhängig davon, ob eine Übung sofort gelingt. Ab 32 gesammelten Aufklebern erhalten sie eine Löwenurkunde.

Ergänzt wird der Bewegungspass durch eine praxisnahe Spielesammlung mit Spielvariationen, die den jeweiligen Tieren und Schwierigkeitsstufen zugeordnet sind. Bewegungstaschen enthalten Materialien zur Umsetzung der Übungen. Weitere Begleitmaterialien unterstützen die Öffentlichkeitsarbeit vor Ort.

Die unterschiedlichen Materialien bilden damit ein aufeinander abgestimmtes Gesamtsystem für die praktische Umsetzung der Bewegungsförderung im Alltag der Kindertagesbetreuung.

Fortbildungen für pädagogische Fachkräfte und Kindertagespflegepersonen

Damit Bewegungsförderung nachhaltig verankert werden kann, braucht es neben geeigneten Materialien vor allem pädagogische Fachkräfte und Kindertagespflegepersonen, die Bewegung im Alltag ermöglichen und begleiten.

Deshalb verbindet der Bewegungspass die Materialien für die Kinder mit einem kostenfreien Fortbildungsangebot. Die eintägigen Präsenzfortbildungen vermitteln Grundlagen für die praktische Umsetzung und geben Anregungen zur alltagsintegrierten und spielerischen Bewegungsförderung.

Die Fortbildungen werden regional von qualifizierten Kursleitungen angeboten.

Ziel ist es, Fachkräfte dabei zu unterstützen, Bewegung nachhaltig und alltagsnah in ihrer pädagogischen Arbeit zu verankern.

Gesundheitliche Chancengleichheit in der Kindertagesbetreuung stärken

Gesundheitsförderung muss dort ansetzen, wo Kinder unabhängig von ihrer sozialen Lage erreicht werden können. Die Kindertagesbetreuung ist hierfür eine zentrale Lebenswelt: In Kitas und Kindertagespflege werden Kinder mit unterschiedlichen sozialen und familiären Hintergründen erreicht. Alltagsintegrierte Bewegungsförderung kann dazu beitragen, Unterschiede beim Zugang zu Bewegungsmöglichkeiten zu verringern.

Der Bewegungspass Hessen unterstützt pädagogische Fachkräfte und Kindertagespflegepersonen dabei, Bewegungsanlässe für alle Kinder im Alltag zu schaffen. Die Übungen können unabhängig vom individuellen Entwicklungsstand ausprobiert und in bestehende Alltagssituationen integriert werden. Das kostenfreie Angebot verbindet Qualifizierung und praxisnahe Materialien und schafft damit niedrigschwellige Zugänge zu Bewegungsförderung, ohne dass Familien zusätzliche Angebote aufsuchen, Kosten übernehmen oder besondere Voraussetzungen erfüllen müssen.

Für die gesundheitliche Chancengleichheit ist es wichtig, unterschiedliche soziale und strukturelle Ausgangslagen von Kindern und Einrichtungen mitzudenken. Daten aus der Gesundheits- und Sozialberichterstattung sowie Rückmeldungen aus der Praxis können dabei helfen, bestehende Unterschiede und Bedarfe sichtbar zu machen. Sie bieten eine wichtige Grundlage, um Bewegungsförderung möglichst bedarfsgerecht weiterzuentwickeln und unterschiedliche Voraussetzungen in der Kindertagesbetreuung zu berücksichtigen.

Der Bewegungspass kann dazu beitragen, Unterschiede beim Zugang zu Bewegungsförderung zu verringern und allen Kindern Erfahrungen von Bewegung, Selbstwirksamkeit und Teilhabe zu ermöglichen. Eine nachhaltige Verbesserung der körperlich-motorischen Entwicklung und der gesundheitlichen Chancengleichheit hängt jedoch von weiteren Rahmenbedingungen ab. Auch räumliche und personelle Ressourcen sowie die Unterstützung durch Träger und weitere Verantwortliche beeinflussen die Möglichkeiten zur Umsetzung.

Chancengerechte Bewegungsförderung ist deshalb eine gemeinsame Aufgabe. Träger, Fachberatungen, Kommunen und weitere Akteur*innen können dazu beitragen, geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen und Bewegungsförderung dauerhaft in den Strukturen der Kindertagesbetreuung zu verankern.

Bewegung von Anfang an

Der Bewegungspass Hessen setzt an einer zentralen Lebenswelt von Kindern an. Er verbindet Qualifizierung, praktische Materialien und alltagsintegrierte Bewegungsförderung und soll Kitas und Kindertagespflege dabei unterstützen, Bewegung als selbstverständlichen Bestandteil des pädagogischen Alltags zu gestalten.

Bewegung von Anfang an zu ermöglichen, bedeutet mehr als die Förderung motorischer Fähigkeiten. Es bedeutet, allen Kindern unabhängig von ihrer sozialen Lage Erfahrungen von Selbstwirksamkeit, Teilhabe und Freude an Bewegung zu eröffnen – und damit frühzeitig Grundlagen für ein gesundes Aufwachsen zu schaffen.

Die Umsetzung des Bewegungspasses wird durch Evaluation und Qualitätssicherung kontinuierlich weiterentwickelt.

Organisation und Förderung

Die Einführung des Bewegungspasses findet in Kooperation der Hessischen Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung e.V. (HAGE) und der Sportjugend Hessen (SJH) statt. Die Transferstelle Baden-Württemberg begleitet das Projekt fachlich und unterstützt bei der Übertragung des Konzepts auf Hessen. Das Projekt wird gefördert durch das Hessische Ministerium für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales (HMSI). 

Weitere Informationen finden sie auf der Website des Projekts Bewegungspass Hessen.

Wo liegen die Ursprünge des Bewegungspasses?

Der Bewegungspass wurde im Jahr 2016 vom Amt für Sport und Bewegung der Landeshauptstadt Stuttgart entwickelt. Der Transfer des Bewegungspasses auf weitere Stadt- und Landkreise in Baden- Württemberg begann 2019 mit der Förderung durch die AOK Baden-Württemberg über Präventionsmittel gemäß S 20a SGB V. Innerhalb von sechs Jahren wurde das Programm von Stuttgart ausgehend auf 37 Stadt- und Landkreise übertragen. Der Transfer folgte einem Leitfaden, der gemeinsam mit dem Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg entwickelt und mit den Akteuren der Kommunalen Gesundheitskonferenzen abgestimmt wurde. Seit September 2026 wird der Bewegungspass mit Hessen erstmals in einem Bundesland vollständig eingeführt.

Gibt es ein Transferkonzept, das die Übertragung des Bewegungspasses in weitere Bundesländer erleichtert?

Aktuell (Stand November 2026) erarbeitet das Amt für Sport und Bewegung der Landeshauptstadt Stuttgart im Rahmen einer Förderung des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) ein fundiertes, praxisgeprüftes und bundesweit nutzbares Transferkonzepts für den Bewegungspass. Es wird aufzeigen, wie der Bewegungspass unter unterschiedlichen politischen, administrativen, finanziellen und fachlichen Rahmenbedingungen erfolgreich implementiert werden kann. Dabei werden sowohl die unterschiedlichen Ausgangsbedingungen der Länder als auch die Anforderungen auf kommunaler Ebene berücksichtigt. Das Transferhandbuch wird im Laufe des Jahres 2027 über das BIÖG zur Verfügung gestellt und verbreitet werden.

Quellen

¹ Hunger, Ina und Zimmer, Renate (2024): Wie Bewegung die Entwicklung, das Lernen und die Bildung von Kindern beeinflusst. Bundeszentrale für politische Bildung.

² Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und Robert Koch-Institut (RKI) (2022): Motorische Leistungsfähigkeit und körperlich-sportliche Aktivität von Kindern und Jugendlichen in Deutschland – Ergebnisse des Motorik-Moduls (MoMo).

³ Hunger, Ina (2022): Bewegung im Kontext frühkindlicher Bildung und Gesundheitsförderung. Eine Expertise der Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF). München: Deutsches Jugendinstitut, 45 S. (WiFF Expertisen; 54).

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  • 06.11.2026

    Online via Webex

    Wie alt fühlst Du dich? Und welchen Einfluss hat das auf Deine Gesundheit?

    Die Forschung zeigt: Altersbilder begleiten uns ein Leben lang. Sie entstehen früh, beeinflussen unser Verhalten und prägen sogar, wie wir selbst älter werden. Doch wie können wir negative Altersstereotype überwinden und zu einem differenzierteren Blick auf das Alter gelangen?

    Darüber sprechen wir beim nächsten LGK-Talk „Alt sind immer die anderen?! – Wie Altersbilder unsere Gesundheit beeinflussen und wie wir unsere Vorstellungen vom Alter(n) verändern können“ mit Dr.in Antje Rauers (Friedrich-Schiller-Universität Jena), PD Dr. David Weiss (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg) und Dr.in Aline Schönenberg (Universitätsklinikum Jena). Freuen Sie sich auf spannende Erkenntnisse, neue Denkanstöße und einen frischen Blick auf das Älterwerden!

    Mehr Informationen sowie die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier. Eine Anmeldung ist bis zum 30 Oktober 2026 möglich.

    Kategorie: Gesprächsrunde
    Veranstalter: LGK Thüringen
  • Hannover

    Gemeinsam Wege aus der Gewalt

    Wenn Konflikte bei Kindern und Jugendlichen kippen

    Kinder und Jugendliche haben ein Recht darauf, gewaltfrei aufzuwachsen. Doch das Thema Gewalt bei Kindern und Jugendlichen nimmt medial immer mehr Raum ein – sei es durch aktuelle Zahlen der Kriminalstatistik oder durch Vorfälle in der Schule. Auch in Kitas werden mehr Gewaltvorfälle gemeldet. Die Formen von Gewalt sind dabei vielfältig – körperlich, psychisch und auch digital. Die Fachtagung „Gemeinsam Wege aus der Gewalt – Wenn Konflikte bei Kindern und Jugendlichen kippen“ am 12. November 2026 in Hannover geht den Ursachen der zunehmenden Gewaltentwicklung auf den Grund und nimmt dabei die komplexen Ursachen, wie psychische Belastungssituationen, sozioökonomische Herausforderungen und eigene Gewalterfahrungen, in den Blick. Was kann bereits in der Frühförderung in den Kitas angebahnt werden? Wie kann Schule mit diesen Herausforderungen umgehen? Welche langfristigen Auswirkungen haben Gewalterfahrungen auf die psychische Gesundheit? Und welche Ansätze gibt es, um digitaler Gewalt resilient zu begegnen? Die Veranstaltung findet in der Ärztekammer Niedersachsen statt.

    Weitere Informationen sowie die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier.

    Kategorie: Veranstaltung
    Veranstalter: Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen Bremen e. V.
  • Berlin

    Voneinander lernen - Bedarfsgerechte Hilfen für psychisch erkrankte Menschen in der Wohnungsnotfallhilfe

    Der Zugang zu passgenauer Unterstützung ist dadurch ausgerechnet für jene erschwert, die besonders auf niedrigschwellige, vernetzte und kontinuierliche Angebote angewiesen sind. Auf unserer Fachtagung möchten wir folgende Themen gemeinsam mit Ihnen aufgreifen:

    • Ethische Fragestellungen im Umgang mit psychisch erkrankten wohnungslosen Menschen,
    • Zusammenarbeit und Schnittstellen zwischen verschiedenen Hilfesystemen,
    • Gute Praxisbeispiele niedrigschwelliger, aufsuchender und einrichtungsintegrierter sowie zielgruppenspezifischer Angebote,
    • Die Perspektive von Erfahrungsexpert*innen,
    • Weichenstellungen für die zukünftige psychosoziale Versorgung von wohnungslosen Menschen mit psychischen Störungen.

    Sie erwarten Vorträge, Arbeitsgruppen mit Praxisbeispielen sowie Gespräche mit Expert*innen aus Medizin, Sozialer Arbeit und Selbstvertretung. Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme und darauf, gemeinsam Wege zu einer besser vernetzten psychiatrischen Versorgung wohnungsloser Menschen zu finden.

    Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier.

    Veranstalter: BAG Wohnungslosenhilfe e. V.

… weitere Termine

Mit unserem News­letter immer aktuell informiert

Informationen über aktuelle Ent­wick­lung­en in der so­zi­al­la­gen­be­zoge­nen Ge­sund­heits­för­de­rung, neue An­ge­bo­te "Guter Pra­xis" so­wie über Ver­an­stal­tung­en, Wett­be­wer­be und Li­te­ra­tur zu diesem The­ma. Ent­wick­lung­en im Ko­o­pe­ra­ti­ons­ver­bund und Neu­ig­keit­en auf der Internetplattform wer­den eben­falls vorgestellt.

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