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Die Ärztliche Gesellschaft zur Gesundheitsförderung e.V. unterstützt junge Menschen auf ihrem Weg zum Erwachsenwerden.

Heike Kramer , Ärztliche Gesellschaft zur Gesundheitsförderung e.V.
28.06.2016

Ärztinnen der Ärztlichen Ge­sell­schaft zur Ge­sund­heits­för­de­rung e. V. (ÄGGF) en­ga­gie­ren sich seit mehr als 60 Jahren an Schulen für die Ge­sund­heit von Heranwachsenden und deren Um­feld. Aktuell in­for­mie­ren 75 Ärztinnen u.a. bei Fra­gen und Unsicherheiten zur sexuellen und reproduktiven Ge­sund­heit, zu Imp­fung­en und Krebs­früh­er­ken­nung.

Fehlendes Ge­sund­heitsbewusstsein bei Jugendlichen

Jedes Jahr kom­men über 600.000 Ju­gend­li­che in die Pu­ber­tät. Leider wis­sen viele von ih­nen nicht, wie kost­bar die eigene Ge­sund­heit ist und welchen Risiken sie diese oft­mals aus­set­zen. Ungeschützter Ge­schlechts­ver­kehr, riskanter Um­gang mit Al­ko­hol, Ni­ko­tin oder anderen Drogen so­wie feh­lende Imp­fung­en sind nur Beispiele einer Rei­he möglicher Ge­fah­ren. Gleichzeitig gehört es zur Ent­wick­lung, dass Ju­gend­li­che sich in der Pu­ber­tät häufig von den guten Ratschlägen sei­tens Eltern und Lehrkräften zu­rück­zie­hen. Da auch ein Arztbesuch oft als un­nö­tig erachtet wird, feh­len kompetente An­sprech­part­ner für ih­re Fra­gen.

Kom­pe­tenz und Vertrauen als Lösungsweg

Mädchen und Jun­gen brau­chen kompetente, empathische und neutrale Ge­sprächs­part­ner. Die Ärztinnen der ÄGGF sind hierzu be­son­ders ge­eig­net, weil sie die komplexen Zusammenhänge von Ge­sund­heit und Krankheitsrisiken in besonderer Wei­se über­bli­cken. Sie kön­nen sich fle­xi­bel und mit aus­rei­chend Zeit unterschiedlichster Fra­ge­stel­lung­en an­neh­men. Dabei wer­den sie meist als glaubhafter, neutraler und verschwiegener wahrgenommen als z. B. Eltern oder Lehrende. Als berufs- und familienerfahrene Ärztinnen ge­nie­ßen sie - über al­le Al­ters­grup­pen hinweg - ein besonderes Maß an Vertrauen.

Wirkungsort der ÄGGF: Die Schule

Bundesweit wer­den durch die ÄGGF jähr­lich in über 4500 Ver­an­stal­tung­en à 90 Mi­nu­ten mehr als 85.000 Teilnehmende vorwiegend in Haupt-, Real- und Ge­samt­schu­len, aber auch in Grund- und Förderschulen, so­wie Gymnasien und Be­rufs­schu­len erreicht. Die aufsuchende, sozialkompensatorische Vorgehensweise bietet ei­nen direkten und be­son­ders effektiven Zu­gang zu Schü­le­rin­nen und Schülern aller Al­ters­grup­pen. Darüber hinaus kommt der ärztlichen Auf­klä­rung im Klassenverband zu­gu­te, dass Ju­gend­li­che ei­ne positive Ein­stel­lung zur Grup­pe haben und des­halb gruppenspezifische Lernprozesse genutzt wer­den kön­nen.

Hilfe zur Selbsthilfe

ÄGGF-Informationsstunden die­nen als Brücke zu den Angeboten des Gesundheitssystems. Die Ziel­grup­pen ler­nen „diversityorientiert“ über ih­re Bedürfnisse, Unsicherheiten und Sor­gen zu sprechen. Zur Stär­kung der eigenen Handlungskompetenz wird ge­mein­sam mit den Ju­gend­li­chen erarbeitet, wo und wie sie sich bei welchen Fra­gen und Problemen weiterführende Hilfe holen kön­nen und sollten. Die direkte An­spra­che so­wie die Mög­lich­keit zu persönlichen Fra­gen sind hierbei von zentraler Be­deu­tung. Ein weiteres wichtiges Ele­ment der ÄGGF-Arbeit ist in diesem Zu­sam­men­hang, das Um­feld der jun­gen Menschen miteinzubeziehen und eben­falls zu schu­len. Angesprochen wer­den Eltern, Lehrkräfte, niedergelassene Ärztinnen und Ärzte, so­wie an­de­re Multiplikatorinnen und Multiplikatoren. So kön­nen Heranwachsende auch über die ÄGGF-Stunden hinaus unterstützt wer­den.

Nachhaltigkeit durch Kontinuität und Qualität

Nach Mög­lich­keit wer­den die Ju­gend­li­chen durch Pu­ber­tät und Ado­les­zenz begleitet, in­dem sie mehr­fach in ih­rer Schullaufbahn besucht wer­den. Dabei wer­den Inhalte und Themen dem Al­ter, so­wie Entwicklungs- und Wis­sens­stand an­ge­passt. Zusätzlich wird auf ei­ne kultursensible Vermittlung geachtet. Die ÄGGF stellt hohe An­for­de­rung­en an ih­re Qualitätssicherung. Die Informationsstunden sind auf dem aktuellen Stand der Wis­sen­schaft und die didaktischen Materialien pro­fes­si­o­nell aufbereitet. Die Ärztinnen wer­den geschult, er­hal­ten lau­fend wissenschaftliche Wei­ter­bil­dung­en und wer­den supervidiert. Sämtliche ÄGGF-Veranstaltungen wer­den für weitere Aus­wer­tung­en in ei­ner eigenen Da­ten­bank protokolliert.

Anhaltend große Nachfrage

Über 90 Pro­zent der besuchten Schulen la­den die Ärztinnen re­gel­mä­ßig wie­der ein. Die ÄGGF hat im Laufe ihres Bestehens über zwei Millionen Ju­gend­li­che erreicht. Vertrauen, In­te­res­se und Be­geis­te­rung der Schü­le­rin­nen und Schü­ler so­wie der Lehrkräfte und Eltern ma­chen den Er­folg in der täglichen Ar­beit spür­bar.

Starke Projektpartner

Da sich Ziele ge­mein­sam bes­ser er­rei­chen las­sen, kooperiert die ÄGGF so­wohl in ihren regionalen als auch bun­des­wei­ten Projekten re­gel­mä­ßig mit kompetenten Partnern: Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ge­sund­heit (BMG), Bun­des­zen­tra­le für ge­sund­heit­liche Auf­klä­rung (BZgA), Bayerisches Ge­sund­heitsministerium, Kran­ken­kas­sen, regionale Krebsgesellschaften etc. Hierbei gibt es unterschiedliche Projekte so­wohl für spezielle Ziel­grup­pen (Mäd­chen und junge Frauen, Jun­gen und junge Männer, Migrantinnen) als auch zu gezielten Themen (Krebs- und Krebs­früh­er­ken­nung, Imp­fung­en, Fetales Alkoholsyndrom, ungeplante Schwan­ger­schaft, STI, Kontrazeption).

Neu: ÄGGF-Jungenarbeit

Jun­gen ab der Pu­ber­tät gel­ten heute oft als Verlierer der Ge­sell­schaft. Nicht nur, weil Mäd­chen ih­nen meist in Be­zug auf Kommunikations- und Anpassungsfähigkeit bzw. Leistungsbereitschaft über­le­gen sind, son­dern auch, weil sie bei der Be­wäl­ti­gung der pubertären Entwicklungsaufgaben (z.B. Erlangung einer männlichen Körperidentität/Ge­stal­tung sexueller Beziehungen) weit­ge­hend sich selbst über­las­sen sind und sich größeren Gesundheitsrisiken aus­set­zen. Oft wis­sen Jun­gen im Ge­gen­satz zu Mäd­chen nicht, wie und an wel­chen Arzt/wel­che Ärz­tin sie sich bei Fra­gen wen­den kön­nen. Bestehende gesundheitsrelevante An­ge­bo­te nut­zen sie ent­spre­chend seltener. Aus Angst, „un­männ­lich“ zu wir­ken, scheu­en sie sich, den eigenen Körper betreffende Fra­gen und Unsicherheiten zu äu­ßern.
Da es bis­her in Deutsch­land kein Pro­jekt der ärztlich-begleitenden Jun­gengesundheitsförderung in Schulen gab, erweiterte die ÄGGF in den letzten Jahren ih­re Ärztinneninformationsstunden für Mäd­chen durch neue Unterrichtseinheiten und didaktische Materialien für Jun­gen der Klassen 4-13. In diesem Rahmen wurden zum Bei­spiel 2014-2016 mit dem wis­sen­schaft­lich begleiteten und evaluierten bayerischen ÄGGF-Pro­jekt „Vom Jun­gen zum Mann - Gesund er­wach­sen wer­den“ 8221 Jun­gen aller Schultypen inkl. Be­rufs­schu­le in den genannten Klassenstufen erreicht.

Ziel der ÄGGF- Jungenarbeit

Ziel des Projektes war ei­ne genderorientierte Gesundheitsbildung, -förderung und Prä­ven­ti­on mit ei­nem Fo­kus auf Jun­gen aus bildungsfernen Milieus und/oder mit Migrationshintergrund. Der Schwer­punkt lag auf vertraulichen Gesprächen und wertschätzenden, altersgerechten Antworten auf drängende, oft schambesetzte Fra­gen: z. B. Pu­ber­tät, zeitgerechte körperliche Ent­wick­lung, Se­xu­a­li­tät, Verhütung, sexuell übertragbare Infektionen, Frucht­bar­keit, Schwan­ger­schaft, sexuelle Ori­en­tie­rung, genderbedingte Unterschiede oder Mög­lich­keit­en der Prä­ven­ti­on von Krank­heit­en. Dabei wurde auch im­mer der verantwortungsvolle und gesundheitsförderliche Um­gang mit sich und anderen in diesen Zusammenhängen thematisiert.
Gefördert wurde die­ses Pro­jekt der entwicklungsbegleitenden und kultursensiblen ärztlichen Informationsgespräche für Jun­gen zur Ge­sund­heits­för­de­rung und -bildung so­wie För­de­rung der partnerschaftlichen und sexuellen So­zi­al­kom­pe­tenz vom Bayerischen Staatsministerium für Ge­sund­heit und Pflege-Gesund.Leben.Bay­ern. Wie schon 2002 in einer Eva­lu­a­ti­on des Ro­bert Koch-Instituts, bescheinigt auch die aktuelle Eva­lu­a­ti­on der TU Chem­nitz für die Jun­genstudie den Ärztinnen-Informationsstunden einen "signifikanten Er­folg" hinsichtlich Wissenszugewinn (32 Pro­zent) und För­de­rung positiver Ein­stel­lung­en, so­wie Ak­zep­tanz der Ärztinnen als Ansprechpartnerinnen (No­te 1,6) (Tab. 1).
 

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  • 06.11.2026

    Online via Webex

    Wie alt fühlst Du dich? Und welchen Einfluss hat das auf Deine Gesundheit?

    Die Forschung zeigt: Altersbilder begleiten uns ein Leben lang. Sie entstehen früh, beeinflussen unser Verhalten und prägen sogar, wie wir selbst älter werden. Doch wie können wir negative Altersstereotype überwinden und zu einem differenzierteren Blick auf das Alter gelangen?

    Darüber sprechen wir beim nächsten LGK-Talk „Alt sind immer die anderen?! – Wie Altersbilder unsere Gesundheit beeinflussen und wie wir unsere Vorstellungen vom Alter(n) verändern können“ mit Dr.in Antje Rauers (Friedrich-Schiller-Universität Jena), PD Dr. David Weiss (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg) und Dr.in Aline Schönenberg (Universitätsklinikum Jena). Freuen Sie sich auf spannende Erkenntnisse, neue Denkanstöße und einen frischen Blick auf das Älterwerden!

    Mehr Informationen sowie die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier. Eine Anmeldung ist bis zum 30 Oktober 2026 möglich.

    Kategorie: Gesprächsrunde
    Veranstalter: LGK Thüringen
  • Hannover

    Gemeinsam Wege aus der Gewalt

    Wenn Konflikte bei Kindern und Jugendlichen kippen

    Kinder und Jugendliche haben ein Recht darauf, gewaltfrei aufzuwachsen. Doch das Thema Gewalt bei Kindern und Jugendlichen nimmt medial immer mehr Raum ein – sei es durch aktuelle Zahlen der Kriminalstatistik oder durch Vorfälle in der Schule. Auch in Kitas werden mehr Gewaltvorfälle gemeldet. Die Formen von Gewalt sind dabei vielfältig – körperlich, psychisch und auch digital. Die Fachtagung „Gemeinsam Wege aus der Gewalt – Wenn Konflikte bei Kindern und Jugendlichen kippen“ am 12. November 2026 in Hannover geht den Ursachen der zunehmenden Gewaltentwicklung auf den Grund und nimmt dabei die komplexen Ursachen, wie psychische Belastungssituationen, sozioökonomische Herausforderungen und eigene Gewalterfahrungen, in den Blick. Was kann bereits in der Frühförderung in den Kitas angebahnt werden? Wie kann Schule mit diesen Herausforderungen umgehen? Welche langfristigen Auswirkungen haben Gewalterfahrungen auf die psychische Gesundheit? Und welche Ansätze gibt es, um digitaler Gewalt resilient zu begegnen? Die Veranstaltung findet in der Ärztekammer Niedersachsen statt.

    Weitere Informationen sowie die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier.

    Kategorie: Veranstaltung
    Veranstalter: Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen Bremen e. V.
  • Berlin

    Voneinander lernen - Bedarfsgerechte Hilfen für psychisch erkrankte Menschen in der Wohnungsnotfallhilfe

    Der Zugang zu passgenauer Unterstützung ist dadurch ausgerechnet für jene erschwert, die besonders auf niedrigschwellige, vernetzte und kontinuierliche Angebote angewiesen sind. Auf unserer Fachtagung möchten wir folgende Themen gemeinsam mit Ihnen aufgreifen:

    • Ethische Fragestellungen im Umgang mit psychisch erkrankten wohnungslosen Menschen,
    • Zusammenarbeit und Schnittstellen zwischen verschiedenen Hilfesystemen,
    • Gute Praxisbeispiele niedrigschwelliger, aufsuchender und einrichtungsintegrierter sowie zielgruppenspezifischer Angebote,
    • Die Perspektive von Erfahrungsexpert*innen,
    • Weichenstellungen für die zukünftige psychosoziale Versorgung von wohnungslosen Menschen mit psychischen Störungen.

    Sie erwarten Vorträge, Arbeitsgruppen mit Praxisbeispielen sowie Gespräche mit Expert*innen aus Medizin, Sozialer Arbeit und Selbstvertretung. Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme und darauf, gemeinsam Wege zu einer besser vernetzten psychiatrischen Versorgung wohnungsloser Menschen zu finden.

    Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier.

    Veranstalter: BAG Wohnungslosenhilfe e. V.

… weitere Termine

Mit unserem News­letter immer aktuell informiert

Informationen über aktuelle Ent­wick­lung­en in der so­zi­al­la­gen­be­zoge­nen Ge­sund­heits­för­de­rung, neue An­ge­bo­te "Guter Pra­xis" so­wie über Ver­an­stal­tung­en, Wett­be­wer­be und Li­te­ra­tur zu diesem The­ma. Ent­wick­lung­en im Ko­o­pe­ra­ti­ons­ver­bund und Neu­ig­keit­en auf der Internetplattform wer­den eben­falls vorgestellt.

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