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18.03.2015

"Preise... ich steh’ nicht so drauf"

Carola Gold-Preisverleihung 2015

Marion Amler, Gesundheit Berlin-Brandenburg, Öffentlichkeitsarbeit

Schlagwörter: Armut und Gesundheit, Auszeichnung, Carola Gold-Preis

Der erste Tag des Kongresses Ar­mut und Ge­sund­heit ist fast vorüber. In der Lounge di­rekt ne­ben dem Licht­hof hat sich ein Kreis von et­wa 80 Menschen eingefunden und auf be­que­men Sofas, auf Hockern und hinter Stehtischen Platz genommen. Die gedämpften Gespräche verstummen, so­bald die ersten Klänge von J.S. Bachs Sui­te Nr. 1 für Cel­lo er­tö­nen. Mar­tin Klenk leitet mit seinem Cel­lo die mitt­ler­wei­le 3. Ca­ro­la Gold-Preisverleihung ein.

©André Wagenzik

Ste­fan Pos­piech, Ge­schäfts­füh­rer von Ge­sund­heit Ber­lin-Bran­den­burg, und Claus Bölicke, Lei­ter der Ab­tei­lung Ge­sund­heit, Al­ter und Be­hin­de­rung des AWO Bun­des­ver­ban­des, be­grü­ßen die An­we­sen­den mit ei­ni­gen ein­füh­ren­den Wor­ten, vor allem zur Namens­geberin des Prei­ses, Ca­ro­la Gold, und ihrem Wir­ken. Beide je­doch vermeiden es, den dies­jährigen Preis­trä­ger und die Preis­trä­ge­rin zu be­nen­nen. Sie über­las­sen diese Eh­re den Lau­da­torin­nen Prof. Theda Borde und Prof. Ilo­na Kickbusch.

Dr. Jenny De la Torre Castro - Organisatorin, Visionärin, Ärztin und Mensch

©André Wagenzik

Theda Borde, die erste Laudatorin, stellt Jen­ny De la Torre Cas­tro als erste Preis­trä­ge­rin mit den folgenden Worten vor: „Jen­ny ist - wie Ca­ro­la selbst - ei­ne der Per­sön­lich­keit­en, die nicht nur beim Kon­gress ei­ne wesentliche Rol­le spielt, son­dern vor allem in ih­rer praktischen Ar­beit.“

Bekannt und geehrt worden ist Jen­ny De la Torre Cas­tro vor allem in ih­rer Rol­le als Be­glei­te­rin von obdachlosen Menschen, wel­che sie seit Jahrzehnten medizinisch betreut. Wohnungslose sind nach wie vor ex­trem un­terversorgt. Es herrschen enorme Zugangsbarrieren, Aus­gren­zung und Stig­ma­ti­sie­rung. „Man schaut weg“, so Prof. Borde und fährt fort: „Sie schaut hin und handelt! Jen­ny ist mit­ten­drin, als Or­ga­ni­sa­to­rin, Visionärin, Ärz­tin und Mensch.“ Theda Borde berichtet, wie sie ge­mein­sam mit Stu­die­ren­den der Ali­ce Sa­lo­mon Hochschule vor ei­ni­gen Jahren die Pra­xis von Jen­ny De la Torre Cas­tro besuchte und wie „Jen­ny“ ih­nen dort begegnete: „Sie sprach mit Be­geis­te­rung über ih­re Ar­beit, mit Prä­zi­si­on als Ärz­tin und mit Wür­de von den Ob­dach­lo­sen“ und löste da­mit auf dem Rück­weg un­ter den Stu­die­ren­den Diskussionen da­rü­ber aus, was So­zi­al­ar­beit sein sollte und wie sie umgesetzt wer­den kann.

Wer ist Jen­ny De la Torre Cas­tro? Die Antworten da­rauf sind vielfältig: Eine „im­mer freundliche, warmherzige Frau“, die viele Brücken in ih­rem Leben ge­schla­gen hat, zwi­schen Pe­ru und Deutsch­land, der einstigen BRD und DDR, zwi­schen West- und Ost­ber­lin. Die Potentiale der Mi­gra­ti­on würden an ihr sichtbar, so Theda Borde, und umreißt Jen­ny De la Torre Cas­tros Le­bens­lauf: in Pe­ru ge­bo­ren, 1976 zum Me­di­zin­stu­di­um nach Leip­zig an die Karl-Marx-Uni­ver­si­tät, 1990 summa cum laude an der Ber­li­ner Cha­ri­té promoviert und ab 1995 die Ärz­tin für Ob­dach­lo­se am Ostbahnhof. Im Ok­to­ber 2003 wurde ih­re Vollzeitstelle bei der MUT GmbH auf 25 Wo­chen­stun­den reduziert, was Jen­ny De la Torre Cas­tro da­zu bewog zu kün­di­gen. Dies war zu­gleich der Beginn der Jen­ny De la Torre-Stiftung, die die niedrigschwellige Versorgung von obdachlosen Menschen umsetzt.

1995 initiierte sie au­ßer­dem - ge­mein­sam mit Ger­hard Trabert, Ellis Huber und Stu­die­ren­den der Technischen Uni­ver­si­tät Ber­lin - den ersten Kon­gress Ar­mut und Ge­sund­heit mit außerordentlicher Ener­gie. Damit ist sie ei­ne der entscheidenden Pro­ta­go­nis­tin­nen des Kon­gresses. Ihre Rol­le hierbei ist ei­ne besondere, denn sie öffnete das Mi­kro­fon für die von Ar­mut Be­trof­fe­nen. Etwas mehr von diesem Geist wünscht sich Theda Borde auch für zukünftige Kon­gresse.

Daraufhin wird die „ganz be­son­ders würdige Preis­trä­ge­rin“, wie Theda Borde sie abschließend nennt, nach vorn gebeten. Eine klei­ne, freundliche Frau tritt ans Mi­kro­fon und konstatiert „Ich bin un­glaub­lich ge­rührt“. Dass sie al­les vergessen habe, was sie hatte sa­gen wol­len, stellt sie fest, und dass es für sie „ei­ne große Eh­re“ sei, mit diesem Preis aus­ge­zeich­net zu wer­den.

Obwohl... „Preise - muss ich ehr­lich sa­gen - ich steh nicht so drauf...“.

Jenny De la Torre Castro

  • 1983-1990 Facharztausbildung an der Cha­ri­té (Ber­lin) zur Kinderchirurgin, Pro­mo­ti­on Dr. med. mit summa cum laude
  • 1994 - 2003 Ärz­tin für Ob­dach­lo­se in Ber­lin
  • 1997 Verleihung des Bundesverdienstkreuzes durch Ro­man Herzog
  • 12.12.2002  Grün­dung der Jenny De la Torre-Stif­tung in Ber­lin. Ziel der Stif­tung: niedrigschwellige und unbürokratische medizinische Hilfe und Be­treu­ung für obdachlose Menschen in Ber­lin
  • seit 2006 Ärz­tin in der Arztpraxis und Lei­te­rin des „Gesundheitszentrums für Ob­dach­lo­se“ in Ber­lin

Klaus-Peter Stender - ein Hamburger tanzt den Kommunaltango

©André Wagenzik

Nachdem sich der Bei­fall für Jen­ny De la Torre Cas­tro gelegt und Mar­tin Klenk die zwei­te Cello-Einlage ge­ge­ben hat, betritt Prof. Ilo­na Kickbusch die Büh­ne und stellt Klaus-Peter Stender als zwei­ten Preis­trä­ger des Abends vor. Sie solle ihn nicht zu viel lo­ben, habe man ihr in Vorbereitung auf die heutige Re­de gesagt. Aber, „was tut man denn sonst in ei­ner Lau­da­tio?“

Während der Vorbereitung beim Blättern in den Schriften Klaus-Peter Stenders habe ein Wort ih­re besondere Auf­merk­sam­keit ge­weckt: Das Wort „Kommunaltango“. Ilo­na Kickbusch hält in­ne und lässt ei­ne bedeutungsvolle Stille fol­gen, die durch Mar­tin Klenk mit ei­ner Kurzeinlage aufgefüllt wird (noch wäh­rend Theda Borde die Lau­da­tio für Jen­ny De la Torre Cas­tro hielt, hatte Ilo­na Kickbusch konspirative Gespräche mit dem Cellisten geführt - nun erhellt sich der Grund für selbige). Diesen Tan­go tanze Klaus-Peter Stender seit mitt­ler­wei­le 25 Jahren. Dabei sei die­ses Bild bei­na­he ein Wi­der­spruch in sich. Schließlich ist Klaus-Peter Stender Hamburger. Hamburger und Lei­den­schaft?

Tan­go??
Tan­go!

Ilo­na Kickbusch zeigt die Pa­ral­le­len zwi­schen dem lateinamerikanischen und Klaus-Peter Stenders Tanz auf: „Lei­den­schaft für die Sa­che, verbunden mit Prä­zi­si­on und … Tan­go tanzt man nicht al­lein!“ Außerdem erschei­ne der Tanz - von au­ßen gesehen - als ein Kunstwerk. Ebenso gestalte sich auch Herr Stenders tägliche Ar­beit, was Kooperationsprozesse nach in­nen und nach au­ßen betreffe, als „Ge­samt­kunst­werk“. Dies spiegelt sich in sei­nem Wirken im Rahmen des Ge­sun­den Städte-Netzwerkes eben­so wie im 2010 initiierten Pakt für Prä­ven­ti­on, den er we­sent­lich mitgestaltet. Darin sind ins­ge­samt 110 Organisationen zusammengeschlossen. „Tanzen Sie mal mit all de­nen!“ Das Selbst­ver­ständ­nis der Zu­sam­men­ar­beit wird da­rin definiert als ei­nes der - „hören Sie sich das an!“- brei­ten Verantwortungspartnerschaft. Be­geis­te­rung schwingt in Ilo­na Kickbuschs Stim­me mit. Sie formuliert den Wunsch, dass der Preis­trä­ger viel Zeit haben möge, um sein Wissen über solch fruchtbare Kooperationen zu tei­len und weiterzugeben. Ilo­na Kickbusch beschließt ih­re Re­de mit ei­nem Aus­spruch Nerudas, der von der „brennenden Ge­duld“ spricht. Sie wendet sich nun di­rekt an Klaus-Peter Stender und konstatiert: „Die hast Du, ganz hamburgerisch!“

Als Klaus-Peter Stender nach vorn kommt, wendet er sich zu­nächst an die Preis­trä­ge­rin Jen­ny De la Torre Cas­tro und stellt fest: „Ich bin das to­tale Gegenprogramm zu Ihnen! Denn… Das wol­len wir mal nicht vergessen: ich arbeite in ei­ner Behörde! Unsere Ar­beit ist kei­nes­wegs preiswürdig! Und als Hamburger nehme ich ei­gent­lich gar kei­nen Preis in die Hand!“ Ein La­chen geht durch das Pu­bli­kum für diese deut­lich bekundete Di­stan­zie­rung, die er auch wäh­rend der Über­rei­chung von Ur­kun­de und Blu­men beibehält: „Ich und Tan­go…. Mit diesem Bild fremdel ich to­tal!“ Doch schließ­lich gelingt es ihm, sich in sei­ne Rol­le als Träger des diesjährigen Ca­ro­la Gold-Preises einzufinden: „Ich fasse es auf als ein Sym­bol. Niemand baut ein Haus al­lein. Und ich habe den heutigen Preis in Vertretung für viele Andere entgegengenommen.“

Klaus-Peter Stender

  • Lei­ter der Fachabteilung Ge­sund­heitsberichterstattung und Ge­sund­heits­för­de­rung in der Behörde für Ge­sund­heit und Verbraucherschutz der Freien und Hansestadt Hamburg
  • Koordinator des Ge­sun­de Städte Netzwerkes (GSN) der Bundesrepublik Deutsch­land seit seiner Grün­dung im Jahr 1989 bis 2004, bis heute Mit­glied des Sprecherinnen- und Sprecherrates des GSN
  • Mit­glied des Steuerungskreises des Ko­o­pe­ra­ti­ons­ver­bun­des Ge­sund­heit­liche Chancengleichheit
  • verschiedene Veröffentlichungen in den Themenfeldern Ge­sund­heits­för­de­rung, Ge­sun­de Stadt, Suchtprävention

Hintergrund

©André Wagenzik

Die Ca­ro­la-Gold Preis Ver­leih­ung stand in­so­fern ganz un­ter dem dies­jäh­rigen Kongress­motto Ge­sund­heit ge­mein­sam ver­ant­wor­ten. Die Re­ak­tionen der Preis­trä­ge­rin und des Preis­trägers zei­gen: kei­ne Einzel­taten füh­ren in die­sem Feld zu Erfol­gen, es sind die Be­we­gung­en ei­ner Ge­mein­schaft. Diese müs­sen je­doch auch ini­tiiert wer­den. Dazu braucht es ei­ne ordent­liche Por­ti­on Mut, Ei­gen­ini­ti­a­ti­ve, aber auch Be­gei­sterungs­fähig­keit so­wie Koop­erations­energie, um die poten­zielle Un­ter­stüt­zung von au­ßen zu bün­deln.

Seit 2012 wird der Ca­ro­la Gold-Preis an Menschen verliehen, die sich in herausragender Wei­se für die Verbesserung von gesundheitlicher Chan­cen­gleich­heit ein­set­zen. Preis­trä­ge­rin­nen und -träger der vergangenen Jahre waren Eva Göttlein und Heinz Hilgers (im Jahr 2013), In­ge­borg Si­mon und Dr. An­dre­as Mielck (im Jahr 2014). Der Ca­ro­la Gold-Preis wurde ge­mein­sam vom Vorstand von Ge­sund­heit Berlin-Brandenburg und dem Steuerungskreis des Ko­o­pe­ra­ti­ons­ver­bun­des Ge­sund­heit­liche Chan­cen­gleich­heit ins Leben gerufen.
Ca­ro­la Gold war die langjährige Ge­schäfts­füh­re­rin von Ge­sund­heit Berlin-Brandenburg und Lei­te­rin der Ge­schäfts­stel­le des Ko­o­pe­ra­ti­ons­ver­bun­des Ge­sund­heit­liche Chan­cen­gleich­heit. Sie setzte sich maß­geb­lich für ei­ne Verbesserung der gesundheitlichen Si­tu­a­ti­on von Menschen in schwieriger sozialer La­ge ein. Mit Mut, Durch­set­zungs­ver­mö­gen und auch Humor gelang es ihr, Netzwerke zu knüp­fen, Themen zur so­zi­al­la­gen­be­zo­ge­nen Ge­sund­heits­för­de­rung zu set­zen und voranzutreiben.

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