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Kapitel 4 - Gesundheitsförderung bei arbeitslosen Menschen

Würfel

Erkrankungen und gesundheitliche Einschränkungen können das Risiko erhöhen, den Arbeitsplatz zu verlieren. Mit einem Arbeitplatzverlust gehen häufig finanzielle Sorgen, soziale Probleme, Stigmatisierung, Isolation usw. einher. Psychosoziale Belastungen und das Risiko zu erkranken steigen. Gesundheitliche Probleme können somit zu Arbeitslosigkeit führen, können aber auch in Folge von Arbeitslosigkeit entstehen oder sich weiter verschlechtern. Erkrankungen und gesundheitliche Belastungen stellen dann ein relevantes Vermittlungshemmnis dar und erschweren es, einen neuen Arbeitsplatz zu finden. Um diesen Kreis zu durchbrechen, bedarf es neben der Verknüpfung von arbeitsmarktintegrativer Gesundheitsförderung und Arbeitsförderung insbesondere einer sektorenübergreifender Zusammenarbeit. Durch eine solche Verknüpfung können sowohl die gesundheitliche Situation als auch die Vermittlungschancen von Arbeitslosen verbessert werden. Eine besondere Herausforderung ist dabei die Frage nach einem geeigneten Setting. Die Erreichbarkeit arbeitsloser Menschen ist oft schwierig. Vernetzung und sektorenübergreifende Zusammenarbeit zwischen Quartier und den Jobcentern kann hier helfen und den Zugang zu dieser schwer erreichbaren Zielgruppe erleichtern.

Graphik über die Krankenhausfälle nach Versichertenstatus

Abbildung 1: Krankenhausfälle nach Versicherten-
status (BKK-Gesundheitsreport, 2010, S. 62)

Von Arbeitslosigkeit betroffene Menschen erkranken häufiger und länger als Beschäftigte. Das belegen auch Gesundheitsberichte der Gesetzlichen Krankenversicherung. Abbildung 1 zeigt beispielsweise, dass BKKpflichtversicherte Arbeitslose doppelt so hohe Krankenhausfälle im Vergleich zu BKKpflichtversicherten Beschäftigten aufweisen.

Wie „Vergleichsstudien übereinstimmend belegen, ist das Morbiditätsrisiko von Arbeitslosen in einem breiten Krankheitsspektrum, vor allem aber bei psychischen Erkrankungen, deutlich höher als bei Beschäftigten“ (Hollederer, 2009, S. 17). Arbeitslosigkeit kann zur Chronifizierung von Krankheiten beitragen, wenn beispielsweise Herzbeschwerden und Bluthochdruck zunehmen. Vor allem aber steigen psychische Belastungen, wie Schlafstörungen, Angstzustände etc. oder können einen schwereren Verlauf nehmen. Außerdem wird ein erhöhter Anteil an Suchterkrankungen beobachtet. Die Betroffen sind kaum in der Lage, diesen Kreislauf aus anhaltender Erwerbslosigkeit und gesundheitlicher Beeinträchtigung aus eigener Kraft zu durchbrechen. Somit ergibt sich der besonders hohe Bedarf an Gesundheitsförderung bei Arbeitslosen aus verschiedenen Faktoren: Erstens durch die durchschnittlich schlechtere Gesundheit, zweitens durch das im Durchschnitt riskantere Gesundheitsverhalten bzw. die in einem höheren Maß ausgeprägten Belastungsfaktoren und in einem geringeren Maße vorhandene Gesundheitsressourcen von Arbeitslosen im Vergleich zu Beschäftigten. Der dritte Faktor umfasst die wechselseitige Verbindung von Arbeitslosigkeit und Gesundheit, die eine Wiedereingliederung be- bzw. verhindern kann. Viertens macht auch die unterdurchschnittliche Inanspruchnahme von Präventions- und Gesundheitsförderungsangeboten durch Arbeitslose deutlich, dass hier ein Bedarf an spezifischen niedrigschwelligen Angeboten besteht die unter Umständen auch den Zugang zu medizinischer Versorgung erleichtern (nach Hollederer, 2005, S. 219-239).

Arbeitslose stellen keine homogene Gruppe dar, im Gegenteil: Arbeitslosigkeit trifft unterschiedliche Gruppen mit höchst unterschiedlichem Bedarf, wirkt sich unterschiedlich auf die Gesundheit aus, wird unterschiedlich erlebt und bedarf somit auch unterschiedlicher Maßnahmen.

Als spezifische Zielgruppen können hier

  • von Arbeitslosigkeit bedrohte Menschen,
  • Menschen, die weniger als zwölf Monate arbeitslos sind,
  • junge Langzeitarbeitslose unter 25 Jahren,
  • Langzeitarbeitslose mittleren Alters,
  • ältere Langzeitarbeitslose 50+,
  • Arbeitslose mit Migrationshintergrund und
  • Berufsrückkehrer

unterschieden werden. Wirksame Angebote müssen sich an den unterschiedlichen Bedarfen und Lebenswelten dieser Zielgruppen orientieren und entsprechende Schwerpunkte setzten. Dies können Informationen zu alternativen Arbeitsangeboten und zu spezifischen Angeboten bei gesundheitlichen Beeinträchtigungen, Umschulungsmöglichkeiten, Nachholen der Schulbildung, Klären von Lebens- und Arbeitszielen, Bewerbungstrainings, Möglichkeiten der Teilzeitarbeit, Sprachkurse, Mobilitätshilfen oder gezielte Unterstützung bei der Arbeitsvermittlung, aber vor allem Maßnahmen der Bildung und Qualifizierung sein (Bergmann, 2011). Auf diese vielfältigen Bedarfe der unterschiedlichen Personengruppen kann nur mit Hilfe einer umfassenden Zusammenarbeit aller hierfür relevanten Akteure eingegangen werden. Hierzu ist es sinnvoll, dass alle Akteure aus dem Gesundheits-, Sozial- und Weiterbildungsbereich sowie aus dem Quartier, die mit den Betroffenen in Kontakt stehen, ein Netzwerk bilden, welches die Betroffenen bedarfsgerecht unterstützt und Informationen weitergibt. So besteht eine viel größere Chance, Betroffene tatsächlich zu erreichen, die Gesundheit von Arbeitslosen zu verbessern und somit gleichzeitig den Wiedereinstieg ins Berufsleben nachhaltig und längerfristig zu fördern.

Gesundheit ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für die erfolgreiche Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt. Arbeitsförderung hat demnach ein starkes Interesse daran, gesundheitlichen Einschränkungen zu begegnen.

SBG II § 8 (1)

Erwerbsfähig ist, wer nicht wegen Krankheit oder Behinderung auf absehbare Zeit außerstande ist, unter den üblichen Bedingungen des Arbeitsmarktes mindestens drei Stunden täglich erwerbstätig zu sein.

Nach SGB II § 7

Leistungsberechtigte sind Personen, die das 15. Lebensjahr vollendet, einen gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland haben, erwerbsfähig und hilfebedürftig sind oder Personen, die mit erwerbsfähigen Leistungsberechtigten in einer Bedarfsgemeinschaft leben.

junger Mann mit einer Sticksäge in der Hand

© Klaus-Peter Adler / fotolia.com

Im Zweiten Sozialgesetzbuch sind folgende Finanzierungsmöglichkeiten von Gesundheitsfördermaßnahmen durch die Bundesagentur für Arbeit aufgeführt:

  • Zunächst sind Leistungen der Grundsicherung für Arbeitsuchende insbesondere darauf auszurichten, dass die Erwerbsfähigkeit des Leistungsberechtigten erhalten, verbessert oder wieder hergestellt wird (nach § 1 Abs. 2 Ziff. 2 SGB II). Über das Jobcenter, welches zuständig für die Leistungen der Grundsicherung für Arbeitsuchende ist, kann die Teilnahme an Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung gefördert werden (nach § 16 Abs. 1 SGB II).
  • Weiterhin ist die Integration gesundheitsorientierter Angebote innerhalb Arbeitsgelegenheiten mit Mehraufwandsentschädigung nach § 16d SGB II möglich.
  • Leistungen der psychosozialen Betreuung, der Schuldnerberatung oder der Suchtberatung können erbracht werden, wenn sie für die Eingliederung in Arbeit erforderlich sind (nach § 16a SGB II).
  • Darüber hinaus kann seit Januar 2010 die Gesundheitsorientierung als regelmäßiges Angebot über die gesamte Laufzeit inhaltlich in Maßnahmen ermöglicht werden. Elemente der Gesundheitsorientierung können in „Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung“ integriert und damit über die aktive Arbeitsmarktpolitik finanziert werden. Aktivitäten zur Stressbewältigung, Bewegung, Ernährung oder zur Suchtprävention können bis zu 20 Prozent der Dauer von Aktivierungsmaßnahmen (nach § 16 Abs. 1 SGB II i.V.m. § 46 SGB III) umfassen.

Für erwerbsfähige Leistungsberechtigte benennt die Agentur für Arbeit eine persönliche Ansprechperson, welche bei der Beschäftigungssuche unterstützt und berät. Das Fallmanagement stellt darüber hinaus eine intensivere Form der Betreuung dar, in der Regel für Arbeitslose, welche von multiplen Vermittlungshemmnissen betroffen sind (nach Entwurf des Vierten Gesetzes für moderne Dienstleistungen). Hierbei wird u.a. die konkrete Bedarfslage erhoben, über individuellen Hilfebedarf beraten und ein Betreuungsnetzwerk aufgebaut.

Stadtteilmütter in Neukölln

Die Stadtteilmütter suchen den Zugang zu Familien mit Migrationshintergrund, die von anderen Unterstützungsangeboten nicht erreicht werden. Die Kontakte zu den Familien entstehen durch persönliche Ansprache der Stadtteilmütter in ihrer unmittelbaren persönlichen Umgebung sowie durch vermittelnde Beratungsstellen und Infohandzettel.

Das Projekt wird gemeinsam vom Bezirksamt Neukölln mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales und dem Jobcenter Neukölln finanziert und bietet arbeitslosen Frauen ein Qualifizierungsangebot, das ihnen den Einstieg in den Arbeitsmarkt erleichtern soll.

Zu den Zielen der Stadtteilmütter gehört z.B.:

  • Förderung der Sprachfähigkeiten von Kindern und Eltern
  • Ermutigung und Sensibilisierung der Eltern, ihre Erziehungsverantwortung aktiv wahrzunehmen
  • Vorstellung der Arbeit der Kindertagesstätten und Werbung für den frühen Kitabesuch
  • Wahrnehmung und Stärkung der Eigenpotenziale der Eltern
  • Vermittlung konkreter Hilfen und Informationen für Familien im Kiez und Bezirk
  • Förderung der Kommunikation und Interaktion zwischen Eltern und Kindern
  • Stärkung des Selbstbewusstseins der Eltern im Umgang mit den hiesigen Bildungseinrichtungen

Mütter mit Migrationshintergrund, die selbst arbeitslos sind und Interesse an einer entlohnten Tätigkeit haben, werden vom Jobcenter angesprochen und durch einen halbjährigen Qualifizierungskurs theoretisch und praktisch auf ihre Tätigkeit als Stadtteilmütter vorbereitet. Die Entlohnung der Tätigkeit der Stadtteilmütter ist ein wichtiger Aspekt des Projektes, da dies die besondere Verantwortung und Wertschätzung dieser Arbeit unterstreicht. Das Honorar für zehn Besuche in einer Familie beträgt pauschal 180 Euro. Anspruchsberechtigte Frauen können über ein vom Jobcenter Neukölln extra bereitgestelltes Kontingent des öffentlich geförderten Beschäftigungssektors (ÖBS) die Arbeit auch im Rahmen einer 15-monatigen Maßnahme vollbringen. Gleichzeitig leisten die Stadtteilmütter ein hohes Maß an ehrenamtlichem Engagement, da viele ihrer Tätigkeiten nicht entlohnt werden.

Träger des Projektes ist das Diakonische Werk Neukölln-Oberspree e.V.

Weitere Informationen zu den Stadtteilmüttern sind in der Projektdatenbank verfügbar unter
www.gesundheitliche-chancengleichheit.de/ praxisdatenbank/ modellprojekt-stadtteilmuetter-in-neukoelln
und www.staedtebaufoerderung.info/StBauF/DE/Programm/SozialeStadt/soziale_stadt_node.html

AmigA

Das Programm AmigA (Arbeitsförderung mit gesundheitsbezogener Ausrichtung) verbindet die Arbeitsförderung mit einem integrierten Gesundheitsmanagement. Kernelemente sind dafür die Zusammenarbeit eines AmigA-FallmanagementTeams, bestehend aus Fallmanagement, sozialmedizinischer und psychologischer Beratung und einem beruflichsozialem Fallmanagement. Das Angebot richtet sich an Menschen im Arbeitslosengeld II-Bezug mit besonderen Vermittlungshemmnissen.

AmigA wurde in Brandenburg als Modellprojekt des Landes (Gesundheits- und Arbeitsministerium) gemeinsam mit Krankenkassen und mit der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit und der Landesversicherungsanstalt entwickelt. Projektträger ist die Mittelmärkische Arbeitsgemeinschaft zur Integration in Arbeit (MAIA), die das Angebot mittlerweile als Regelmaßnahme durchführt.

Im Rahmen des Fallmanagements werden gesundheitsrelevante Themen sensibel angesprochen und eine sozialmedizinische Beratung angeboten. Wird das Angebot angenommen, so wird im nächsten Schritt der individuelle Bedarf ermittelt. Neben dieser sozialmedizinischen bzw. psychologischen Diagnose wird durch das Fallmanagement auch ein arbeitsmarktpolitisches Profil erstellt, eine Potenzialanalyse vorgenommen und Handlungsbedarfe ermittelt. Bei Bedarf wird eine Fallkonferenz zur Abstimmung der Umsetzungsschritte durchgeführt, an der auch weitere Netzwerkpartner (z.B. Fachärztinnen und -ärzte, Psychologische Klinik, Schuldnerberatung etc.) teilnehmen können. Es werden medizinische, präventive und, wenn erforderlich, auch Maßnahmen der Rehabilitation vermittelt. Beschäftigungs- oder Qualifizierungsmaßnahmen erfolgen und können auch mit Präventionsangeboten der Krankenkassen kombiniert werden. Die weitere Entwicklung wird durch das FallmanagementTeam begleitet.

Die Präsenz des Sozialmediziners und der Diplompsychologin im Team sowie die Schulungen der beteiligten Vermittlungsfachkräfte mit ergänzenden sozialmedizinischen und psychologischen Inhalten ermöglichen einen guten Blick der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Problemlagen der Arbeitslosen und sichern schnelle Unterstützung. Durch diese interdisziplinäre Zusammenarbeit lässt sich eine Verbesserung der Qualität der Beratung im Jobcenter herleiten, welche sich auch in der Integrationsrate widerspiegelt: Im Rahmen von AmigA wird eine Arbeitsmarktintegrationsquote von 15 Prozent erreicht (Vergleichsgruppe: zwei bis sieben Prozent). Zudem konnte bei 49 Prozent der Teilnehmenden eine Verbesserung des Gesundheitszustandes festgestellt werden. Darüber hinaus hat sich die räumliche Nähe der beteiligten Fachstellen als besonders förderlich für eine gute Zusammenarbeit erwiesen.

Kooperationspartner sind neben dem Arbeitsministerium die Deutsche Rentenversicherung, AOK, IKK, DAK Brandenburg, die Reha-Klinik „Hoher Fläming“ Belzig, die den Sozialmediziner stellt, die salus-Klinik Lindow, aus der die Diplompsychologin kommt, sowie der Landkreis Potsdam-Mittelmark (Fachdienst Gesundheit und Soziales).

Weitere Informationen zum Projekt AmigA in der Datenbank
www.gesundheitliche-chancengleichheit.de/praxisdatenbank/amiga und unter
www.gesundheitliche-chancengleichheit.de/gesundheitsfoerderung-bei-arbeitslosen/transfer-qualitaetsentwicklung/projektentwicklung/amiga/

Auszubildende und Ausbilder in der Werkstatt

© Gina Sanders / fotolia.com

AmigA macht deutlich, dass neben der Kompetenz für gesundheitliche Themen auch Empathie und Sensibilität in der Ansprache der Betroffenen eine wichtige Voraussetzung für die erfolgreiche Unterstützung Arbeitsloser sind. Gesundheitsförderung kann nicht verordnet werden, sondern braucht Freiwilligkeit als Voraussetzung, um die Entwicklung eines gesundheitsförderlichen Verhaltens überhaupt zu ermöglichen. Unter dieser Voraussetzung können dann auch Beschäftigungsund Qualifizierungsmaßnahmen erfolgreich mit präventiven Maßnahmen verbunden und Arbeitslose für gesundheitsförderliche Maßnahmen gewonnen werden.

Weiter ist eine gelungene interdisziplinäre Zusammenarbeit bedeutend. Hierbei kommt es jedoch häufig zu Schwierigkeiten der Finanzierung aufgrund von unterschiedlichen Rahmenbedingungen der Rechtsbereiche (SGB II und SGB V).

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von AmigA haben die Möglichkeit, an einer kombinierten AmigA- Maßnahme teilzunehmen. Hierbei handelt es sich um eine Arbeitsgelegenheit mit Mehraufwandsentschädigung, in der Qualifizierung und Gesundheit miteinander verknüpft werden. Konkret gehen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer 20 Stunden wöchentlich gemeinnütziger Arbeit nach und erhalten zusätzlich 10 Stunden wöchentlich Qualifizierungsangebote (inkl. Gesundheitsangebote). Die Dauer dieser Maßnahme umfasst sechs Monate und wird von der Mittelmärkischen Arbeitsgemeinschaft zur Integration in Arbeit (MAIA) und anerkannte Kursleiterinnen und -leiter der Krankenkassen durchgeführt. Finanziert wird diese Arbeitsgelegenheit gemeinsam von der MAIA sowie den Krankenkassen. Die Mehraufwandsentschädigung übernimmt die MAIA aus dem Eingliederungsbudget, die Gesundheitsmodule werden zu 75 Prozent von den Krankenkassen und zu 25 Prozent von der MAIA getragen.

Für den Erfolg von Prävention ist es wichtig, dass das gesundheitsförderliche Verhalten nachhaltig in den Alltag integriert wird und dass die erforderlichen Fähigkeiten nicht nur erworben, sondern auch als positive Erfahrung Teil des Lebensstils werden.

Die Krankenkassen können entsprechende Präventionsangebote gemäß § 20 SGB V fördern (weitere Informationen zu § 20 SGB V in Heft 3 Kapitel 5 dieser Arbeitshilfen). Der „Leitfaden Prävention“ vom 27.8.2010 ermöglicht Erwerbslosen, Maßnahmen der individuellen Prävention (zumeist Kurse oder Trainings) nun leichter in Anspruch zu nehmen. Bisher mussten sie die Gebühren für solche Angebote häufig im Voraus bezahlen und bekamen sie im Nachhinein von ihrer Krankenkasse erstattet. Nach dem neuen Leitfaden „sollen die Krankenkassen für diesen Personenkreis (…) die Kosten ganz oder teilweise direkt übernehmen“.

Weitere Informationen zum neuen Leitfaden Prävention des GKVSpitzenverbandes finden Sie unter www.gkv-spitzenverband.de/Praevention.gkvnet

JobFit

JobFit ist ein Präventionsangebot für Arbeitslose, das vom BKK-Bundesverband entwickelt wurde, die Motivation für das Thema Gesundheit erhöht und die Teilnehmenden darin unterstützt, sich gesundheitsförderliche Verhaltensweisen bewusst zu machen. Das Präventionsangebot wird im Rahmen von Bildungs- und Beschäftigungsmaßnahmen durchgeführt. Den Teilnehmenden werden Beratungsgespräche und Präventionskurse angeboten.

JobFit wurde zunächst in NordrheinWestfalen mit Unterstützung des Arbeitsministeriums des Landes entwickelt und wird dort von den Krankenkassen gefördert.

Mittlerweile haben auch die Krankenkassen in Niedersachsen eine gemeinsame entsprechende Rahmenvereinbarung mit dem JobCenter Hannover für die Umsetzung des JobFit-Ansatzes abgeschlossen und unterstützen so die Finanzierung und Durchführung des Präventionsangebotes.

Weitere Informationen zum Good Practice-Projekt JobFit in der Datenbank
www.gesundheitliche-chancengleichheit.de/praxisdatenbank/jobfit

AktivA - Aktive Bewältigung von Arbeitslosigkeit

Das Gesundheitsförderungsprogramm für arbeitslose Menschen AktivA wurde an der TU Dresden entwickelt. An vier Tagen mit einem Gesamtumfang von 24 Stunden besprechen die Betroffenen in kleinen Gruppen von maximal zehn Personen gesundheitsrelevante Themen, unter deren Einschränkungen besonders arbeitslose Menschen leiden. So werden verschiedenste Inhalte wie zum Beispiel die persönliche Aktivitätsplanung besprochen, um trotz Erwerbslosigkeit körperlich, geistig und emotional aktiv zu bleiben. Auch konstruktives Denken wird gefördert, da Gedanken einen wichtigen Einfluss auf Gefühle, körperliche Reaktionen und das Verhalten nehmen können. Soziale Integration durch beispielsweise eine aktive Freizeitgestaltung sowie Netzwerkgestaltung stehen thematisch im Vordergrund.

zwei Männer, die am Tisch sitzen und zusammen lernen

© Lisa F. Young / fotolia.com

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden in den Gesprächen in ihrer sozialen Kompetenz gestärkt und angehalten, bereits bestehende Kontakte zu pflegen sowie neue Kontakte zu knüpfen. Im Rahmen einer systematischen Problemlösung soll den Betroffenen der Umgang mit Hindernissen und Misserfolgen vermittelt werden mit dem Ziel, dass sie sich als selbstständig handlungsfähige Personen wahrnehmen.

Um die positiven Effekte von AktivA auch langfristig aufrecht zu erhalten, sind Verknüpfungen zwischen der Maßnahme und Strukturen im Quartier von Vorteil. Somit können soziale Kontakte und körperliche und geistige Aktivitäten durch vereinfachte Zugänge zu Vereinen, Beratungsstellen und kulturellen Angeboten im Quartier auch nach Abschluss des Programms aufrechterhalten werden.

An den bundesweiten Multiplikatorenschulungen zu dem AktivA-Programm haben bereits viele Akteure aus den unterschiedlichsten Bereichen wie der Arbeitsförderung (Jobcenter), privaten Arbeitsvermittlung, Gesundheitsförderung, des Qualifizierungs-, Weiterbildungs- und Bildungsbereiches, der Suchthilfe, der Beratung sowie der Erwerbslosenkontaktstelle teilgenommen. Dies ermöglicht einen hilfreichen interdisziplinären Austausch innerhalb der Schulungen und darüber hinaus. Die Umsetzung von AktivA ist beispielsweise einem Bildungsträger in Wetzlar im Rahmen der Aktivierungsphase des Modellprojektes Bürgerarbeit gelungen.

Gefördert wird das Projekt AktivA vom Sächsischen Staatsministerium für Soziales und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Weitere Informationen zu AktivA unter www.aktiva.wissensimpuls.de

BodyGuard - das Gesundheitsprogramm für Jugendliche

Durch die Zusammenführung der beruflichen Qualifizierung mit Ansätzen der Gesundheitsförderung leistet das Gesundheitsprogramm BodyGuard einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Chancengleichheit bei benachteiligten Jugendlichen und wurde hierfür als erstes „Good PracticeProgramm“ ausgezeichnet.

In berufsbildenden Einrichtungen wurden bei Jugendlichen ein schlechter Gesundheitszustand sowie ein vermehrt negatives Gesundheitsverhalten festgestellt, welche eine dauerhafte Integration in Arbeit gefährden. Die berufliche Qualifizierung von Jugendlichen in sozial benachteiligten Lebenslagen wurde daher als ein geeigneter Zugang für gesundheitsfördernde Maßnahmen identifiziert.

In einer dreijährigen Modellphase wurde mit dem Programm BodyGuard in zehn Bildungszentren des Internationalen Bundes (IB) ein erlebnisorientiertes Kurs- und Bildungsangebot in den Handlungsfeldern Ernährung, Bewegung und Stressbewältigung gemeinsam mit sozial benachteiligten Jugendlichen entwickelt. Die Evaluation zeigt, dass eine besondere Ressource für den Erfolg der Maßnahme der enge und gute Kontakt der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Berufsbildungszentren zu den Jugendlichen ist.

Die Umsetzung erfolgt auf lokaler Ebene mit übergreifender Unterstützung von Kommunen, Krankenkassen und verschiedenen anderen Institutionen. Mit dem Angebot soll das Thema Gesundheitsförderung für Jugendliche in der Arbeit des Gesamtverbandes einen höheren Stellenwert erhalten und die beteiligten Berufsbildungszentren schrittweise zu gesundheitsfördernden Einrichtungen gemacht werden. Ein weiteres Ziel ist die Verbreitung und Umsetzung der Maßnahmen in weiteren Einrichtungen. Das Gesamtprojekt ist Partner von „GUT DRAUF bewegen, entspannen, essen - aber wie!“, der Jugendaktion der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und wurde in der Modellphase maßgeblich von der Aktion Mensch gefördert.

Weitere Informationen zum Good Practice-Programm BodyGuard in der Datenbank unter
www.gesundheitliche-chancengleichheit.de/good-practice/good-practice-was-ist-das/good-practice-programme/bodyguard

Nähmaschine

© Mumpitz / fotolia.com

Die Einbeziehung freier Träger, die Präventionsangebote im Stadtteil und im Quartier durchführen und die Möglichkeit haben, das Vertrauen der Arbeitslosen zu gewinnen, stellt eine wichtige Komponente der Gesundheitsförderung bei Arbeitslosen dar.

Besonders nachhaltig können solche Angebote sein, wenn sie in den Wohngebieten erfolgen und dort als allgemeines Angebot neben Erwerbstätigen auch Arbeitslose erreichen und sie nachhaltig in soziale Netzwerke einbinden.

Zugleich ist die Vernetzung aller relevanten Akteure auf kommunaler Ebene besonderes erfolgversprechend bei der Verwirklichung des gemeinsamen Ziels der Verbesserung der Versorgung von arbeitlosen Menschen. Das Wissen voneinander, ausreichende Kenntnisse über Angebote und Maßnahmen, auf die man zurückgreifen kann, sowie Einblicke in den Bedarf der unterschiedlichen Zielgruppen ermöglichen nachhaltige Unterstützung für Arbeitslose.

Eines der ersten kommunalen Netzwerke, das sich den Zielen der Verbesserung der Gesundheit von Arbeitslosen und ihrer Integration in den Arbeitsmarkt verpflichtet hat, ist das kommunale Netzwerk Frankfurt am Main. Ein weiteres Beispiel für eine gelungene Vernetzung, die die bedarfsgerechte und vielfältige Versorgung der unter 25 jährigen arbeitslosen Jugendlichen ermöglicht, ist MYKnetz.

MYKnetz

Das Netzwerk MYKnetz des Jobcenters des Landkreises Mayen-Koblenz wurde aus der Annahme heraus gegründet, dass die Vermittlung von jugendlichen und jungen arbeitslosen Erwachsenen in Ausbildung und Arbeit nur gelingen kann, wenn die betroffenen Menschen bedarfsgerecht unterstützt werden und sie von einem professionellen Netzwerk umgeben sind. Bei MYKnetz handelt es sich um ein eng verzahntes soziales Netzwerk, in dem Maßnahmen des Jobcenters Mayen-Koblenz mit anderen Sozialprojekten und Hilfsangeboten im Landkreis konsequent verbunden werden. Die sogenannten „Netzwerker“ des Jobcenters arbeiten permanent daran, kommunale sowie regionale Instanzen und soziale Einrichtungen in Kontakt zu bringen und sie systematisch miteinander zu vernetzen, um personenbezogene Unterstützung zu bieten. Der Bedarf wird genau analysiert und MYKnetz in der Regel durch das zuständige Fallmanagement mitgeteilt. Erfahrungen zeigen, dass durch Bündelung der Kompetenzen ein viel größeres Spektrum an Hilfemaßnahmen und Unterstützungsprogrammen entwickelt werden kann. Neben der Erschließung von neuen Synergien bildet das Netzwerk die Basis für die Initiierung neuer Projekte und Hilfemaßnahmen. Die Problemlagen, die MYKnetz behandelt, sind sehr umfangreich. Hierzu zählen beispielsweise Drogenmissbrauch und Sucht, Jugendhilfe, mangelnde Gesundheit, Verschuldung, Migration und mangelnde Integration sowie Unterstützungsbedarf bei Alleinerziehenden.

MYKnetz wird gefördert durch das Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie des Landes Rheinland-Pfalz sowie aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds.

Weitere Informationen zu MYKnetz finden Sie unter www.myknetz.de

Tipps zum Weiterlesen

[ Tipps zum Weiterlesen finden Sie hier ]

Links zum Thema Gesundheitsförderung bei arbeitslosen Menschen

[ Links zum Thema finden Sie hier ]


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