Wir setzen auf dieser Website Cookies ein. Diese dienen dazu, Ihnen Servicefunktionen anbieten zu können sowie zu Statistik- und Analysezwecken (Web-Tracking). Weitere Informationen dazu und die Widerspruchsmöglichkeit zum Web-Tracking finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Servicenavigation

Sprung zur Hauptnavigation

Hauptnavigation

Sprung zum Seiteninhalt

  1. Über den Verbund
    1. Hintergründe, Daten & Materialien
    2. Struktur des Verbundes
    3. Geschäftsstelle
    4. Dokumentationen von Veranstaltungen
  2. Wir in den Ländern
    1. Baden-Württem­berg
    2. Bayern
    3. Berlin
    4. Branden­burg
    5. Bremen
    6. Hamburg
    7. Hessen
    8. Mecklen­burg-Vor­pom­mern
    9. Nieder­sachsen
    10. Nord­rhein-West­falen
    11. Rhein­land-Pfalz
    12. Saar­land
    13. Sachsen
    14. Sachsen-Anhalt
    15. Schleswig-Holstein
    16. Thü­ringen
  3. Praxisdatenbank
    1. Über die Praxisdatenbank
    2. Recher­che
    3. Mein Angebot
    4. Häufige Fragen
    5. Neueste Angebote
  4. Qualitätsentwicklung
    1. Good Practice
    2. Qualität im Setting
  5. Partnerprozess
    1. Ziel: Integrierte kommunale Strategien
    2. Hintergrund
    3. Das Vorhaben
    4. Mitmachen
    5. inforo - das Portal für Fachkräfte
    6. Materialien
    7. AUF DEN PUNKT.
  6. Materialien
    1. Publikationen des Kooperationsverbundes
    2. Themenblätter
    3. Externe Publikationen
    4. Präventionsgesetz
  7. Aktuelles
    1. Beiträge
    2. Termine
    3. Wettbewerbe
    4. News­letter

Seiteninhalt

Sprung zur Fusszeile

Kapitel 1 - Gemeinsame Ziele - gemeinsames Handeln

Würfel

Gesundheit entsteht im Alltag. Wie es um die Gesundheitschancen der Menschen bestellt ist, wird durch viele Faktoren beeinflusst. Alter, Erbanlagen, Lebensstil, soziale Kontakte, Lebens-, Lern- und Arbeitsbedingungen, all das kann Einfluss auf die Gesundheit eines Menschen haben. In Heft 1 der Arbeitshilfen wurden diese Einflussfaktoren (so genannte Determinanten) von Gesundheit bereits erläutert.

In diesem Heft werden nun Ansätze vorgestellt, wie die Gesundheitschancen für sozial benachteiligte Menschen im Quartier oder in der Kommune durch intersektorale Zusammenarbeit verbessert werden und wie diese Zusammenarbeit initiiert, umgesetzt und gefestigt werden kann. Die vorgestellten Initiativen und Konzepte zeichnen sich dadurch aus, dass sich für ihre erfolgreiche Realisierung unterschiedliche Partner und Verwaltungsressorts zusammenfinden mussten.

In den Gebieten der Sozialen Stadt konzentrieren sich gesundheitliche Belastungen und Benachteiligungen. Soziale Stadtentwicklung und Gesundheitsförderung haben hier die gemeinsame Zielsetzung, die Lebenslagen und Lebensverhältnisse der Menschen im Quartier zu verbessern und somit auch ihre Gesundheit positiv zu beeinflussen. Die Faktoren, die die Gesundheit der Menschen beeinflussen, werden aber auch durch andere Politikfelder, z.B. durch bildungs-, familien-, arbeitsmarkt- oder sozialpolitische Entscheidungen beeinflusst. Um die Rahmenbedingungen für ein gesundheitsförderliches Quartier zu schaffen, ist daher eine ressortübergreifende Zusammenarbeit der Akteure vor Ort erforderlich. In diesem Heft werden Beispiele vorgestellt, die durch eine gelungene Zusammenarbeit verschiedener Ressorts im Quartier gekennzeichnet sind. Sie umfassen unterschiedliche Maßnahmen, die zu einer Verbesserung der Gesundheit in Familien, von Kindern und Jugendlichen, von Arbeitslosen sowie von älteren Menschen führen. Der Fokus der Darstellungen wird dabei auf die Organisation kommunaler Prozesse und die Vernetzung kommunaler Partner gelegt. Die dazu erläuterten Methoden eines systematischen Prozesses, in den die Zielgruppen und unterschiedliche Partner eingebunden werden, sind auch für andere Bereiche gemeinsamer Planung und Umsetzung gesundheitsförderlichen Handelns gut anwendbar. Für die Verbesserung der Gesundheitschancen sozial benachteiligter Menschen ist erforderlich, dass auch in anderen Politikbereichen die gesundheitliche Relevanz von Entscheidungen erkannt wird und Berücksichtigung findet. Der Gesundheitsbereich muss dazu mit anderen Fachressorts zusammenarbeiten. In vielen Programmen und Gesetzen ist eine solche Abstimmung bereits angelegt.

Baugesetzbuch BauGB § 1 (6)

Im allgemeinen Städtebaurecht in § 1 Baugesetzbuch ist bestimmt, dass bei der Aufstellung der Bauleitpläne die „umweltbezogene[n] Auswirkungen auf den Menschen und seine Gesundheit sowie die Bevölkerung insgesamt“ zu beachten sind.
In Absatz 6 heißt es außerdem: „Bei der Aufstellung der Bauleitpläne sind insbesondere zu berücksichtigen: die allgemeinen Anforderungen an gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse und die Sicherheit der Wohn- und Arbeitsbevölkerung“.

BauGB § 171 e

(2) Städtebauliche Maßnahmen der Sozialen Stadt sind Maßnahmen zur Stabilisierung und Aufwertung von durch soziale Missstände benachteiligten Ortsteilen oder anderen Teilen des Gemeindegebiets, in denen ein besonderer Entwicklungsbedarf besteht. …
(3) Die Gemeinde legt das Gebiet, in dem die Maßnahmen durchgeführt werden sollen, durch Beschluss fest. Es ist in seinem räumlichen Umfang so festzulegen, dass sich die Maßnahmen zweckmäßig durchführen lassen.

„Zusammenkommen ist ein Beginn, Zusammenbleiben ein Fortschritt, Zusammenarbeiten ein Erfolg.“

Henry Ford

Musterfachpläne Gesundheit

Die Musterfachpläne „Fachplan Gesundheit der Stadt Healthhausen“ und „Fachplan Gesundheit des Kreises Gesundbrunnen“ enthalten zahlreiche Gestaltungsanregungen und zeigen Wege auf, wie Fachplansegmente vor Ort einerseits pragmatisch und mit geringem Aufwand entwickelt und andererseits attraktiv präsentiert werden können. Kommunale Situationen werden beschrieben und mit zahlreichen Karten und Abbildungen unterlegt. Entstanden sind praxisnahe und lebendige Muster als Anschauungsexemplare für das, was künftig über lokale Fachpläne Gesundheit darstellbar sein wird.

Zum Download und zur Bestellmöglichkeit von gedruckten Exemplaren:
www.lzg.gc.nrw.de/themen/Gesundheit_planen/fachplan_gesundheit

„Angesichts wachsender neuer Gesundheitsrisiken bei Kindern und Jugendlichen wird empfohlen, Gesundheitsförderung umfassend zu etablieren. Als Querschnittsaufgabe soll sie in einer ressortübergreifenden Kooperation von Kinderund Jugendhilfe, Bildung, Schule, Sport, Umwelt, Verkehr, Verbraucherschutz und Gesundheitspolitik angegangen werden. Die entsprechenden Kooperationsstrukturen zur Gesundheitsförderung sollen dazu interdisziplinär und sozialraumorientiert ausgebaut werden.“ Beschluss der Jugendministerkonferenz „Kinder und Gesundheit“ am 12. & 13. Mai 2005, zitiert nach www.fruehehilfen.de/fruehe-hilfen/rechtliche-grundlagen/beschluesse-der-ministerkonferenzen/beschluss-jfmk-2005/.

älterer Herr mit jüngeren Menschen im Hintergrund

© Tyler Olson / fotolia.com

Eine gute Grundlage für Zusammenarbeit bietet das Städtebauförderungsprogramm Soziale Stadt bzw. eine Gebietsfestlegung gemäß § 171e BauGB. Bund, Länder und Kommunen wirken in den Gebieten der Sozialen Stadt zusammen, um soziale, wirtschaftliche und städtebauliche Zukunftsperspektiven für benachteiligte Quartiere zu erschließen. Durch die fachübergreifende Zusammenarbeit unterschiedlicher Ressorts können verfügbare Ressourcen vor Ort gebündelt und zielorientiert eingesetzt werden. Die Mitwirkung von Vereinen, Institutionen und Partnern aus Zivilgesellschaft und Wirtschaft vor Ort eröffnet weitere Möglichkeiten und erleichtert die nachhaltige Verankerung der Maßnahmen im Quartier. Wesentliche Voraussetzung des Erfolgs ist auch eine gezielte Zusammenarbeit mit Bewohnerinnen und Bewohnern des Stadtteils. Hierdurch können auch mögliche neue Kooperationen erschlossen werden. Neben dem Engagement und Zusammenwirken der verschiedenen Akteure ist die Unterstützung des Prozesses durch die Verwaltung auf kommunaler, Landes- und häufig auch Bundesebene Voraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung.

„Was können wir tun, wenn wir die Probleme aus der Perspektive der Bewohnerinnen und Bewohner sehen ... Und die Probleme der Menschen sind nicht so schön geordnet, wie wir unsere Ressorts gliedern.“ Dr. Ulrich Hatzfeld, Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung Berlin auf der Fachtagung „Gesundheitsförderung in den Quartieren der Sozialen Stadt“ am 20.01.2010 in Berlin

NeFF Dormagen: Netzwerk Frühe Förderung - Netzwerk für Familien

Die Stadt Dormagen hat über Jahre ein weit verzweigtes und interdisziplinäres Netzwerk aller relevanten Akteure vor Ort als Frühwarnsystem zur Vermeidung von Kindesmisshandlung und -vernachlässigung aufgebaut. Die Zusammenarbeit von Gesundheitsamt, Schulen, Kindergärten, Jugendhilfe und Ärztinnen und Ärzten wurde dazu ausgeweitet. Die Netzwerkarbeit und das Management werden durch einen Präventionsbeauftragten der Stadt Dormagen geleistet. Die Entwicklung kommunaler Netzwerke liegt beim Jugendamt. Hierzu wurden neue Strukturen in der Kinderund Jugendhilfe durch die Zusammenlegung von Jugend- und Sozialhilfe, Schul- und Wohnungsangelegenheiten in eine einheitliche Organisationsform geschaffen.

Eine Lenkungsgruppe, bestehend aus Vertreterinnen und Vertretern der verschiedenen Ressorts und der freien Jugendhilfe, stößt Entwicklungen an und entscheidet, welche Maßnahmen durch wen und wie umgesetzt und finanziell getragen werden können (Jugendhilfe, Gesundheit, Schule) und wie gegebenenfalls später ein Regelprogramm etabliert werden kann.

Neben der Lenkungsgruppe gibt es thematische Arbeitskreise, z.B. zu den Themen Schule, Sprachentwicklung, Elternbildung und Familienzentren. In diesen sitzen je nach Themenbereich interdisziplinär Expertinnen und Experten aus Politik, Praxis und Wissenschaft. Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen werden dann in die Lenkungsgruppe getragen, die über das weitere Vorgehen entscheidet. Politisch unterstützt wird das Projekt vom Bürgermeister, dem Jugendhilfeausschuss, dem Schulausschuss und dem Integrationsrat.

Die Netzwerkarbeit sowie der interdisziplinäre Dialog auf Augenhöhe zeigen Wirkung:

Im Rahmen der Willkommensbesuche nach der Geburt durch das Jugendamt werden 99 Prozent der Familien in Dormagen erreicht. Die Besuche sowie das Jugendamt genießen einen guten Ruf und werden durch Ärztinnen und Ärzte sowie durch Hebammen bei den werdenden Eltern positiv angekündigt. Alle Kinder ab drei Jahren und 50 Prozent der Kinder ab zwei Jahren werden in Tagesstätten betreut, offene Babyclubs und verschiedene Angebote für Familien sind beliebt und gut besucht. Die Ausgaben für stationäre Hilfen zur Erziehung konnten gesenkt und in ambulante Hilfen und Präventionsprogramme investiert werden.

Weitere Informationen zum Projekt unter
www.dormagen.de/familiennetzwerk.html

drei Hände ziehen an einem Strang

© real-enrico / Photocase.de

Um intersektorale Zusammenarbeit anzustoßen und geeignete Partner zu finden, sollte zunächst ein Überblick gewonnen werden, welche Partner und Akteure es im Stadtteil gibt. Die Auswahl geeigneter Partner ist vom jeweiligen Projekt, der Zielgruppe und den Maßnahmen abhängig.

Unter anderem können:

  • Kommunalverwaltungen
  • das Quartiersmanagement
  • das Gesundheitsamt
  • die Jobcenter
  • Schulen, Kitas und Bildungseinrichtungen
  • örtliche Einrichtungen und Vertreterinnen und Vertreter des Gesundheitswesens
  • freie Wohlfahrtsverbände und -organisationen
  • Migrantenorganisationen
  • Sportvereine
  • Kultureinrichtungen
  • Kirchen
  • Wohnungsbaugesellschaften
  • Wirtschaftsunternehmen und Betriebe

geeignete Kooperationspartner sein.

Diese Liste kann und sollte natürlich entsprechend dem Projektziel konkretisiert und erweitert werden (vergleiche in Heft 3 Kapitel 5 Partner für Prävention und Gesundheitsförderung) wobei auch die Organisationsstruktur der Region zu berücksichtigen ist, um entscheidungsfähige und geeignete Partner des öffentlichen Gesundheitsdienstes sinnvoll einzubinden.

Kreisfreie Organisationsstruktur - eine kreisfreie Stadt ist eine kommunale Körperschaft des öffentlichen Rechts, die die Gebietshoheit innerhalb ihres Stadtgebiets besitzt. Sie hat neben dem Wirkungskreis einer Gemeinde und eines Landkreises auch die Aufgaben der unteren staatlichen Verwaltungsbehörde in eigener Zuständigkeit. In der Regel handelt es sich dabei um Großstädte mit mehr als 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Die Aufgaben des Gesetzes über den Öffentlichen Gesundheitsdienst werden vom Gesundheitsamt der kreisfreien Stadt sowie vom Landesamt für Gesundheit und Soziales wahrgenommen.

Kreisangehörige Organisationsstruktur - kleinere Gemeinden und Städte sind meist einem Landkreis angehörig, hier übernimmt der Kreis viele Aufgaben und Entscheidungen. Größere kreisangehörige Städte können je nach Bundesland, Einwohnerzahl und Leistungsfähigkeit zusätzliche Aufgaben übernehmen, für die bei kleineren Gemeinden der Kreis zuständig ist. Die Aufgaben des Gesetzes über den Öffentlichen Gesundheitsdienst werden hier somit meist von den Gesundheitsämtern der Landkreise sowie dem Landesamt für Gesundheit und Soziales wahrgenommen.

Aktionsraumplus

Vom Berliner Senat wurden 2010 auf Grundlage des Monitorings Soziale Stadtentwicklung die fünf „Aktionsräumeplus“ Kreuzberg-Nordost, Neukölln-Nord, Wedding/ Moabit, Spandau-Mitte und Nord-Marzahn/Nord-Hellersdorf festgelegt und somit Schwerpunkte der Städtebauförderung in Berlin. Die ausgewählten Gebiete, bestehend aus mehreren Quartieren und Förderkulissen, weisen komplexe Problemlagen wie überdurchschnittlich hohe Anteile an Arbeitslosen und Empfängerinnen und Empfängern staatlicher Unterstützungsleistungen sowie vergleichsweise schlechte Bildungs- und Gesundheitschancen für Kinder und Jugendliche auf. Im Rahmen von Aktionsräume plus konzentrieren nun Senat und Bezirke ihre Aktivitäten, um die sozialräumliche und städtebauliche Entwicklung dieser Quartiere, Wohn- und Lebensbedingungen sowie Bildungs-, Zukunfts- und Gesundheitschancen der Anwohnerinnen und Anwohner zu verbessern.

Eine Lenkungsrunde, bestehend aus Staatssekretären, Bezirksbürgermeistern und Bezirksstadträten legt dazu inhaltliche Ziele und Förderkriterien fest. Diese werden mit fachübergreifenden Arbeitsgruppen zu den Themen „Bildung, Jugend und Ausbildung“, „Arbeit und Wirtschaft“, „Kultur, Gemeinwesen und Integration“ sowie „Quartiere und öffentlicher Raum“ abgestimmt. Bezirkliche Steuerungsrunden aus Vertreterinnen und Vertretern der Bezirke, lokalen Akteuren, freien Trägern und Fachexpertinnen und -experten können die Anliegen des entsprechenden Aktionsraums über Verantwortliche in die Arbeitsgruppen tragen. Durch die enge Zusammenarbeit und Vernetzung der Akteure werden die Bündelung von Ressourcen, ein Zusammenwirken der Ressorts, eine hohe politische Einbindung und quartierübergreifendes Handeln ermöglicht. Die Zusammenarbeit wird durch eine Koordinierungsstelle der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung organisiert.

Weitere Informationen unter
www.stadtentwicklung.berlin.de/soziale_stadt/aktionsraeume_plus

Der Transfer und die Aufbereitung von Informationen von der Landes- zur kommunalen Ebene und umgekehrt können gut über kommunale Gesundheitskonferenzen gelingen. Zielvereinbarungen auf Landes- und kommunaler Ebene können mit verschiedenen Akteuren beraten und in kommunalen Netzwerken vorangetrieben und konkretisiert werden.

Kommunale Gesundheitskonferenzen in Nordrhein-Westfalen

Gute Beispiele für kommunale Gesundheitskonferenzen bietet Nordrhein-Westfalen. Die Arbeit der kommunalen Gesundheitskonferenzen ist hier im Gesetz über den öffentlichen Gesundheitsdienst des Landes NordrheinWestfalen (ÖGDG NRW) in § 24 fest verankert. Die Einrichtung der Konferenzen in den Kommunen wird in den ersten drei Jahren durch das Land NRW finanziell mit Sachmitteln und Koordinationshilfen unterstützt. Ziel der Konferenzen ist es, Kooperationsstrukturen aufzubauen und kommunale Akteure zu vernetzen, Transparenz zu schaffen und gemeinsame Handlungsempfehlungen zu verabschieden. Die Konferenzen finden ein- bis zweimal im Jahr mit ca. 30 entscheidungsbefugten Vertreterinnen und Vertretern der kommunalen Gesundheitsversorgung und -förderung zu verschiedenen relevanten Themen wie Sucht, Kinder- und Jugendgesundheit, Psychiatrie, chronisch Kranke oder Patientenüberleitung statt (Werse, 2009). Der Prozess wird durch das Landesinstitut für Gesundheit und Arbeit NRW (LIGA NRW) unterstützt. Alle 54 Kreise und kreisfreien Städte haben mittlerweile kommunale Gesundheitskonferenzen einberufen. LIGA NRW hat eine Planungshilfe zur Umsetzung und Etablierung kommunaler Gesundheitskonferenzen erarbeitet und veröffentlicht.

Mehr Informationen unter www.lzg.gc.nrw.de/themen/Gesundheit_planen/konf/index.html.

Es gibt eine breite Übereinstimmung, dass durch bereichsübergreifende Zusammenarbeit die gesundheitliche Chancengleichheit verbessert werden kann. Dennoch wird intersektorale Zusammenarbeit häufig auf Grund des hohen zeitlichen Aufwands, mangelnder Kenntnis möglicher Partner, einseitige Verantwortungszuschreibungen und Konkurrenzdenken behindert oder ganz abgelehnt. In der Praxis ist es dann oft schwierig, zu einem abgestimmten Handeln von verschiedenen Verwaltungsressorts zu kommen.

Als Hindernisse, die einer ressortübergreifenden Zusammenarbeit entgegenstehen, werden z.B. genannt (Trojan, 2007):

  • Verwaltungen sind auf Arbeitsteilung und „Ressortzuständigkeiten“ aufgebaut
  • „Integrierte“ Politik kann häufig nur über die Verwaltungsspitzen hergestellt werden
  • die sozialräumliche Integration von Ressourcen verschiedener Behörden ist schwierig
  • Ressorts, die sich materiell wenig einbringen können, haben häufig eine schwache Position
  • Politik-Programme unterschiedlicher Ressorts sind zuweilen nicht ausreichend aufeinander abgestimmt

Trotz dieser Hindernisse gibt es viele erfolgreiche Beispiele gelungener Zusammenarbeit. Sie alle kennzeichnet, dass sich die Partner, Kommunen ebenso wie Arbeitsagenturen, Kirchen, Vereine usw. auf eine gemeinsame Sicht der Probleme und ein gemeinsames Ziel verständigen konnten.

Checkliste: Erfolgreiche Zusammenarbeit erfordert

  • gemeinsame Ziele und Visionen
  • Bewusstsein eines gemeinsamen Nutzens
  • Bereitschaft zur Kooperation
  • Vertrauen in die Kompetenz der Partner
  • personelle Kontinuität
  • Zusammenarbeit „auf gleicher Augenhöhe“
  • Feste Koordinierung des Kooperationsprozesses
  • politische Unterstützung
  • gesicherte Finanzierung und Ressourcen

Für die Verstetigung der Zusammenarbeit braucht es

  • Erfolge, mit denen sich auch alle Partner „schmücken“ dürfen
  • Kontinuität der Personen und der Koordinierung
  • verlässliche Strukturen
  • verlässliche Regeln
  • Spaß an der Zusammenarbeit und stimmige „Chemie“
  • einen „langen Atem“

(nach Böhme, 2009)

Gemeinsame Ziele, ein gemeinsames Konzept und eine einheitliche Linie der Kooperationspartner im Stadtteil sind daher notwendig, um intersektorale Zusammenarbeit anzustoßen und zu verstetigen. Der Beginn kann in einem kleinen Kreis von „Willigen“ gemacht werden, der sich dann langsam immer weiter ausweitet. Hierzu sollte aktiv und mit konkreten Anreizen auf geeignete Akteure zugegangen werden.

Um geeignete Kooperationspartner finden zu können, müssen Akteure angesprochen werden, die die gleiche Zielgruppe haben, ähnliche Problemlagen bearbeiten und eine ergänzende Fachlichkeit bieten.

Eine erfolgreiche Kooperation kann am besten gelingen, wenn eine kontinuierliche Koordination die Zusammenarbeit verlässlich steuert und Synergien, wie eine Bündelung von Ressourcen und einen verbesserten Zugang zur Zielgruppe als Nutzen der Zusammenarbeit für alle Kooperationspartnerinnen und -partner deutlich sind. Hierzu trägt eine kontinuierliche Erfassung, Sicherung und Verbreitung der im Projekt erzielten Ergebnisse und Erkenntnisse bei, was auch die Motivation der Akteure und Kooperationspartnerinnen und -partner vor Ort erhöht. Bis sich eine solche Zusammenarbeit verfestigt hat und Kooperationen nachhaltig zusammenwirken, dauert es einige Zeit. Hier sind Durchhaltevermögen, ein langer Atem und das Festhalten an der eigenen Idee und den Kooperationen wichtig.

Weitere Informationen bieten die Ergebnisse des nationalen Workshops „Intersektorale Zusammenarbeit zur Förderung gesundheitlicher Chancengleichheit“ unter www.gesundheitliche-chancengleichheit.de/service/materialien

Finanzielle Anreize und Impulse durch Förderprogramme, wie das Bund-Länder-Programm Soziale Stadt oder Partnerprogramme, v.a. aus dem Gesundheitsbereich, geben zusätzliche Schubkraft. Vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen in der Städtebauförderung ist es notwendig herauszustellen, dass alle Ressorts ihre Programme und Tätigkeitsschwerpunkte noch stärker an den Bedarfen einer „Sozialen Stadtteilentwicklung“ orientieren und entsprechend bündeln. Auch eine wertschätzende Haltung und strukturelle Möglichkeiten zur Verstetigung seitens der Kommune fördern die intersektorale Zusammenarbeit (nach BZgA, 2009). In den Bereichen Frühe Hilfen, Eingliederungshilfen für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche, Jugendberufshilfe, gemeinsames „case management“ für behinderte Menschen und im Städtebauförderungsprogramm Soziale Stadt ist intersektorale Zusammenarbeit bereits weit verbreitet. In den nachfolgenden Kapiteln werden Beispiele gelungener intersektoraler Zusammenarbeit in den Bereichen Frühe Hilfen, Gesundheitsförderung bei Kindern und Jugendlichen, bei arbeitslosen sowie bei älteren Menschen genauer dargestellt. Innerhalb dieser Zielgruppen werden auch Menschen mit Migrationshintergrund regelmäßig mit betrachtet. Da Interventionen in der frühen Kindheit und Jugend besonders erfolgversprechend sind und Arbeitslose, Ältere und Menschen mit Migrationshintergrund häufig einen hohen Unterstützungsbedarf haben, stellen diese Handlungsfelder Hauptinterventionsbereiche in der Gesundheitsförderung bei sozial Benachteiligten dar. Die Hinweise entlang dieser Themenbereiche sind gut auf andere Zielgruppen der Gesundheitsförderung übertragbar.

Tipps zum Weiterlesen

[ Tipps zum Weiterlesen finden Sie hier ]

Links zum Thema „Gemeinsame Ziele“

[ Links zum Thema finden Sie hier ]


zum Seitenanfang | Kapitel 2 - Eltern stark machen

Fusszeile

Sprung zum Seitenbeginn

Der Kooperationsverbund wurde 2003 auf Initiative der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) gegründet
und wird maßgeblich durch die BZgA getragen. Ihm gehören aktuell 74 Partnerorganisationen an.
BZgA / Maarweg 149-161 / 50825 Köln-Ehrenfeld / Tel +49 221 8992-0 / Fax +49 221 8992-300
Die BZgA ist eine Fachbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit.