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Kapitel 1 - Lebensstil und soziale Lage

Wichtige Themen der Prävention sind gesunde Ernährung und ausreichende Bewegung im Alltag. Gutes freudvolles Essen und körperliche Betätigung sind von enormer Bedeutung für ein glückliches Leben in Wohlbefinden. Doch leider zeigt die Zunahme der chronischen Erkrankungen (z.B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes II), dass dies vielen Menschen nicht gelingt, denn sie werden durch ungesunden Lebensstil befördert. Dabei lässt sich durch Prävention - im wahrsten Sinne des Wortes - viel bewegen.

In Bezug auf die Gesundheitsrisiken Fehlernährung, Bewegungsmangel, Übergewicht und damit zusammenhängenden Krankheiten bestehen in der Gesellschaft deutliche Unterschiede. „Übergewicht ist nicht gleichmäßig in der Gesellschaft verteilt. Mit steigendem Pro-Kopf-Einkommen sinkt der Anteil der übergewichtigen bzw. adipösen Männer und Frauen. Der niedrigste Anteil adipöser Männer und Frauen findet sich in der höchsten Einkommensgruppe (16 % Frauen bzw. 14 % Männer). Je höher der erreichte Schulabschluss, desto geringer ist bei Männern und Frauen der durchschnittliche Body-Mass-Index“ (IN FORM 2008, S. 13).

Was sind die Gründe für diese Unterschiede und welche Anforderungen müssen erfolgreiche Präventionsstrategien bei sozial Benachteiligten erfüllen?

„Weltweit scheinen Lebensstilanalysen zu bestätigen, dass Armut, niedriger sozialer Status und Bildungsstand die Gesundheit der Menschen negativ beeinflussen. Vor allem Armutsstudien belegen beispielhaft für das Ess- und Bewegungsverhalten, dass der Graben zwischen Expertenempfehlungen und Laienverständnis in den vergangenen 20 Jahren größer geworden ist.

Gleichwohl halten Ernährungswissenschaftler und Mediziner an ihren Aufklärungsbotschaften fest und scheinen zu ignorieren, dass diese vor allem von Armut sowie niedrigem Sozial- und Bildungsstand betroffene Menschen nicht erreichen“

Ines Heindl 2007

Bewegungs- und Ernährungsverhalten haben sich in den vergangenen Jahrzehnten in unserer Gesellschaft grundlegend verändert. Nahrungsmittel sind leicht verfügbar geworden und im Alltag gibt es eine Fülle von Anreizen zum Essen. Werbung verkauft Produkte der Ernährungsindustrie angepasst an das Selbstverständnis und die Bedürfnisstruktur der jeweiligen Altersgruppen. Bereits Dreijährige nehmen in der Fernsehwerbung Produktnamen auf und erkennen Schriftzüge und Symbole wieder (KinderErnährung in BadenWürttemberg 2002, S. 29). Insbesondere süße und fettige Lebensmittel werden als attraktiv dargestellt.

Der Alltag, bereits von Kindern, ist überwiegend durch sitzende und ruhende Tätigkeiten geprägt. Anreize, sich zu bewegen, bestehen zu wenig. In einem zunehmend als belastend, „gestresst“ empfundenen Alltag finden sich wenig entspannte/bewegte Situationen. Die Belastungen können sowohl aus einem Zuviel, als auch einem Zuwenig an Arbeit resultieren. Die Freizeit bewusst zu gestalten, stellt sich unter diesen Bedingungen bereits oft als Herausforderung dar.

Zwar sind die Risiken von Fehlernährung, Bewegungsmangel und Übergewicht allgemein bekannt, aber dennoch fällt es Vielen schwer, ihr riskantes Verhalten (z.B. unausgewogene und zu reichhaltige Ernährung, übermäßiger Alkoholkonsum, unzureichende Bewegung) entsprechend zu ändern. Gründe dafür sind, dass

  • das Verhalten erst zu einem späten Zeitpunkt Folgen zeigt: „Schäden entstehen unmerklich in einem langsamen Prozess“
  • zentrale Lebensaktivitäten betroffen sind, die jeder Menschen täglich ausübt (essen,trinken, bewegen) und die Teil der eigenen Alltagskultur sind, ohne das sie bewusst hinterfragt werden; sie sind „unreflektierter Teil einer etablierten Alltagskultur“
  • das Risikoverhalten kurzfristig eine positive Wirkung hat, Genuss und Spaß verschafft und positive Gefühle erzeugt, die auch sozial geteilt werden können
  • die Risiken mit einem „unrealistischen Optimismus“ abgetan werden, „mir passiert schon nichts“
  • das ungesunde Verhalten durch Stress verstärkt wird, d.h. es wird zu einem Mittel der Bewältigung psychischer Belastungen.

(Heindl 2007)

„Gesund essen mit Freude“, Berlin

Mütter einer Schule im sozialen Brennpunkt wurden auf das Thema Kindergesundheit angesprochen und konnten für einen Koch- und Ernährungskurs gewonnen werden. Die Teilnehmerinnen waren Arbeitslosengeld II-Empfängerinnen, teils deutscher Herkunft, teils mit Migrationshintergrund.

„Eine Kursleiterin berichtete z.B. von der Empfindsamkeit deutscher Teilnehmerinnen. Schon die Frage nach frischem Obst und Gemüse in der Ernährung wurde von ihnen als Angriff auf den Lebensstil empfunden und sie rechtfertigten die Notwendigkeit von Dosenernährung“ (Leitfaden „Gesund essen mit Freude“ 2005, S. 4).

Im Gegensatz zu Frauen mit Migrationshintergrund berichteten die Frauen ohne Migrationshintergrund, dass sie eigentlich nicht kochen können und das zu Hause auch nicht gelernt hatten. Als alle Frauen Rezepte vorschlugen, gab es dann doch die Idee zu Bouletten und Kartoffelsalat. Was dabei mit den Kartoffeln angestellt wurde, war für die Mütter aus anderen Ländern eine höchst exotische Sache. Im Verlauf des Kurses wuchs dann bei allen Beteiligten der Stolz, Gerichte zu Hause nachkochen zu können, die ihren Familien gut schmecken und gesund sind.

„Wir kochen weiter“ - Die Gruppe ist für die Frauen ein wichtiger sozialer Treffpunkt geworden. Auch nach Ende der Förderung treffen sie sich weiter, kochen, diskutieren und unterstützen Aktivitäten an der Schule. Das Nachbarschaftszentrum und die Schule stellen Räume zur Verfügung und die Sozialarbeiterin der Schule koordiniert die Treffen. Weitere Informationen zu diesem Projekt in der Datenbank www.gesundheitliche-chancengleichheit.de/good-practice/gesund-essen-mit-freude/

Lebensstile werden wesentlich in der Familie geprägt. Das Bewegungsverhalten, die Ernährungsgewohnheiten, der Fernsehkonsum, die Formen des Familienlebens etc. werden in jungen Jahren erlebt und verinnerlicht. Sie sind zudem milieubestimmt, d.h. die Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe entscheidet auch über Vorstellungen und Haltungen. „Ausdruck, Konsum und Erleben sind zentrale Ausdrucksmittel von Lebensstil. „Wodurch bin ich“ scheint nicht nur für Jugendliche eine zentrale Lebensfrage in der heutigen Konsumwelt“ zu sein (Bartsch 2008, S. 24).

Was mit dem Habitus eines Menschen bzw. einer sozialen Gruppe verbunden ist, ist schwer zu verändern. Klassische Aufklärungsbotschaften stoßen auf Ablehnung, wenn sie als Angriff auf den Habitus wahrgenommen werden. Erfolg versprechend sind Interventionen, bei denen gemeinsam mit der Zielgruppe an vorhandene Ressourcen angeknüpft und diese gestärkt und weiterentwickelt werden. Es muss dabei gelingen, dass das gesündere Verhalten im Einklang mit dem Lebensstil entwickelt werden kann. Der partizipative Ansatz ist hierbei Voraussetzung, damit das neue Verhalten nicht zusätzlichen „Stress“ in den Alltag bringt, sondern als Bereicherung und Erfolg empfunden wird. Für die Vision eines gesundheitsförderlichen Stadtteils bedeutet das: Alles wird getan, damit das Umfeld, die Verhältnisse im Stadtteil diese Entwicklung unterstützen - gesunde Verpflegung in Kindertagesstätten und Schule, viele Bewegungsräume, Suppenwettbewerb auf dem nächsten Stadtteilfest, und Vieles mehr (vgl. auch Setting-Ansatz und Empowerment in Heft 1 dieser Arbeitshilfen).

Die Bundesregierung hat mit „IN FORM - Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung“ einen Nationalen Aktionsplan für Prävention von Fehlernährung, Bewegungsmangel, Übergewicht und damit zusammenhängenden Krankheiten auf den Weg gebracht. Gemeinsam mit den Ländern, der Zivilgesellschaft, also z.B. Verbänden, Initiativen und der Wirtschaft, wurden Aktivitäten gestartet, um gesunde Lebensweisen im Alltag zu unterstützen.

Diese nationale Strategie baut auf bereits bestehende Initiativen und Programme, ergänzt bzw. vertieft diese und fördert themen- und akteurübergreifende Synergieeffekte. Ausdrücklich genannt werden der Nationale Radverkehrsplan (2002 - 2012), der Nationale Aktionsplan “Für ein kindergerechtes Deutschland 2005 - 2010“, die Strategie der Bundesregierung zur Förderung der Kindergesundheit (2008), das Bund-Länder-Programm Soziale Stadt (seit 1999) sowie das Investitionsprogramm „Zukunft Bildung und Betreuung“ (2003 - 2009) (vgl. IN FORM 2008, S. 8).

Zentrale Handlungsfelder des Nationalen Aktionsplans IN FORM

HandlungsfeldZiel ist:

Vorbildfunktion der öffentlichen Hand

Bund, Länder und Kommunen nehmen hinsichtlich der Förderung eines gesunden Ernährungs- und Bewegungsverhaltens eine Vorbildfunktion ein.

  1. Die Bundesregierung fördert in ihrem Zuständigkeitsbereich mehr Transparenz und die Qualität von Angeboten und Maßnahmen für ein gesundes Ernährungs- und Bewegungsverhalten.
  2. Die Gesundheitsfolgenabschätzung in der Bundesgesetzgebung führt zu einer Stärkung gesundheitsförderlicher Rahmenbedingungen.
  3. Bei der Vergabe öffentlicher Gelder werden Aspekte der Gesundheitsförderung auch für die Bereiche Ernährung und Bewegung berücksichtigt.
  4. Bund, Länder und Kommunen tragen verstärkt der besonderen Verantwortung als Arbeitgeber für die Gesundheit der Beschäftigten Rechnung.
  5. Bund, Länder und Kommunen als Träger von Gemeinschaftseinrichtungen im Bereich Erziehung, Bildung, Pflege und Gesundheit verbessern die Rahmenbedingungen im Hinblick auf die Förderung eines gesunden Ernährungs- und Bewegungsverhaltens innerhalb der Einrichtungen.

Bildung und Information über Ernährung, Bewegung und Gesundheit

Die Menschen in Deutschland sind im Alltag regelmäßig körperlich und sportlich aktiv. Ihre Lebenswelten bieten ausreichend attraktive Bewegungsanreize

  1. Für jede Altersgruppe werden zielgruppenorientierte Maßnahmen integriert. Gruppen mit einem bewegungsarmen Lebensstil werden besonders gefördert.
  2. Um gesundheitliche Effekte zu erreichen, müssen sich die Angebote bei der Alltagsbewegung an Qualitätskriterien orientieren.
  3. Die Lebenswelten enthalten ausreichende Anreize für körperliche und sportliche Aktivität.

Qualitätsverbesserung für die Verpflegung außer Haus

Die Angebote der Außer-Haus-Verpflegung erleichtern eine ausgewogene Ernährung im Alltag.

  1. Die Angebote der Außer-Haus-Verpflegung werden an die Bedürfnisse der entsprechenden Zielgruppen angepasst.
  2. Die Qualität der Angebote in der Außer-Haus-Verpflegung wird in der Breite deutlich verbessert. Anbieter von Außer- Haus-Verpflegung sind qualifiziert, um gesundheitsförderliche Anforderungen an das Verpflegungsangebot umsetzen zu können.
  3. Alle Menschen haben grundsätzlich die Möglichkeit, von gesunden Alternativen in der Außer-Haus- Verpflegung zu profitieren.

Impulse für die Forschung

Die Forschung liefert wissenschaftlich abgesicherte Grundlagen zur Verbesserung des Ernährungs- und Bewegungsverhaltens in Deutschland.

  1. Die bewegungs- und ernährungsbezogene gesundheitliche Grundlagenforschung wird ausgebaut.
    Insbesondere soziale, psychologische und physiologische Faktoren sowie deren Zusammenspiel bei der Entstehung von Fehlernährung, Bewegungsmangel, Übergewicht und damit zusammenhängenden Krankheiten sind ausreichend erforscht.
  2. Die Forschung liefert die wissenschaftlichen Grundlagen zur Entwicklung und Umsetzung von anwenderorientierten Angeboten im Ernährungs- und Bewegungsbereich.
  3. Die Evaluation und Qualitätssicherung der Maßnahmen der Primärprävention und Gesundheitsförderung werden durch Begleitforschung und Bereitstellung von geeigneten Instrumenten gewährleistet.

(IN FORM 2008, S. 17 ff.)


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Teil 1 "Gesunde Lebenswelten schaffen"Teil 2 "Probleme erkennen"Teil 3 "Ein Projekt entwickeln"Teil 4 "Präventiv handeln"Teil 5 "Erfahrungen nutzen"Teil 6 "gesund und aktiv älter werden"Teil7 "Gemeinsam Handeln"

Teil 4: Präventiv handeln

Teil 4 "Präventiv handeln"

Definition Habitus

innere Haltung, oder auch: durch die soziale Umwelt (insbesondere Gleichaltrige, „Peers“) vermittelte, verinnerlichte Denk-, Handlungs- und Wahrnehmungs­schemata

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