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Kapitel 5 - Partner für Prävention und Gesundheitsförderung

3D-Würfel

Für Projekte der Prävention und Gesundheitsförderung gibt es eine große Zahl an potenziellen Partnern und Unterstützern. Mögliche Partner im Quartier sind aus dem Gesundheitswesen z.B. Ärztinnen und Ärzte, Apotheken, Pflegedienste, Krankenhäuser, Sozialstationen, Hebammen, Physiotherapeutinnen und -therapeuten.

Zusätzlich zum klassischen Gesundheitsbereich sind nach dem erweiterten Verständnis von Gesundheit (siehe Heft 1) auch Akteure aus den Bereichen Bildung, Arbeit, Verkehr, Bauen, Umwelt und der Wirtschaft mögliche Ansprechpartner.

Mann an Nähmaschine

© Anja Weber

„Idefix“, Berlin

Dieses Projekt ermöglicht u.A. sozial und finanziell benachteiligten Menschen mit Haustieren eine kostenlose Untersuchung und Beratung ihrer Tiere durch eine Tierärztin. Es wird durch eine Vielzahl an Kooperationen getragen. Beteiligt sind neben mehreren Ämtern (Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, Gesundheitsamt, Veterinäramt, Grünflächenamt) auch das ansässige JobCenter, die Wohnungsbaugesellschaft GSW und die Immobilienverwaltung Zentrum Kreuzberg GmbH. Außerdem arbeitet „Idefix“ mit dem Tierheim Berlin, niedergelassenen Tierärzt/innen sowie Zahnärzt/ innen, verschiedenen Gewerben und Tierfuttermittelhersteller/ innen bzw. Tierutensilienabnehmer/ innen zusammen.

Koordinationsstelle ist das Quartiersmanagement. Finanziert wird das Projekt über die Programme Soziale Stadt, LOS, EFRE und ESF sowie über die Stiftung „Aktion Mensch“. Ziel des Projekts ist es, die gesundheitliche und soziale Situation von substituierten drogenabhängigen Menschen zu verbessern, den (Wieder-)Aufbau sozialer Kompetenzen und die (Wieder-)Eingliederung in das Berufsleben zu fördern sowie langfristig durch das Aufbrechen von Suchtstrukturen den Rückfall in die Abhängigkeit zu vermeiden. Der Hund leistet hierbei eine unschätzbare Hilfe, da viele (substituierte) Drogenabhängige Besitzerin bzw. Besitzer eines Hundes sind und es über das Tier gelingt, einen ersten Zugang zu dieser oftmals nur schwer zu erreichenden Personengruppe zu bekommen. „IdeFix“ bietet Drogenabhängigen oder Substituierten die Möglichkeit einer Betreuung für ihren Hund zum Beispiel während eines Krankenhaus- oder Therapieaufenthaltes sowie ein Beschäftigungsund Qualifizierungsangebot.

Weitere Informationen zu diesem Projekt in der Datenbank
www.gesundheitliche-chancengleichheit.de/good-practice/idefix/

Um Unterstützung für ein Projekt zu bekommen, ist es wichtig, Personen und Institutionen im Stadtteil zu kennen und bei ihnen bekannt und anerkannt zu sein. Oft sind es einzelne Personen, die mit ihren Kontakten und ihrem Know-how ein Vorhaben befördern oder eine neue Initiative auf den Weg bringen können.

Im Quartier können das Menschen sein, die in

  • Beratungsstellen und Angeboten von Wohlfahrtsverbänden
  • Kirchengemeinden
  • Volkshochschulen
  • Sportvereinen
  • Migrantenorganisationen
  • Selbsthilfegruppen bzw. -zentren
  • Wohnungsbaugesellschaften

und natürlich Kindertageseinrichtungen, Schulen, Nachbarschaftszentren etc. aktiv sind.

Besonders erfolgreich gestaltet sich die Zusammenarbeit, wenn im Stadtteil Multiplikatorinnen und Multiplikatoren für das Thema Gesundheitsförderung gewonnen werden.

„Stadtteilmütter“, Berlin-Neukölln

Stadtteilmütter sind Frauen, die Familien im Rahmen von zehn Familienbesuchen zu Hause Informationen zu Themen rund um die Erziehung, Bildung, Sprache und Gesundheit der Kleinkinder bis 6 Jahre in der Muttersprache weitergeben.

Sie sind überwiegend arbeitslose türkische und arabische Migrantinnen, die selbst Kinder haben.

Die sechsmonatige Qualifizierung zur Stadtteilmutter findet zweimal wöchentlich statt und ist für die Teilnehmerinnen kostenlos. Eine kursbegleitende Kinderbetreuung wird organisiert und die Mütter werden bei der Unterbringung ihrer Kinder in einer Kindertagesstätte unterstützt.

Weitere Informationen zu diesem Pilotprojekt in der Datenbank www.gesundheitliche-chancengleichheit.de/praxisdatenbank/modellprojekt-stadtteilmuetter-in-neukoelln/

Ein ähnliches Projekt arbeitet im Quartier Augsburg-Oberhausen-Nord - Projektinformationen unter www.sozialestadt.de/praxisdatenbank/suche/ausgabe.php?id=463

Um Kontaktaufnahme und Kooperationen zu unterstützen, werden auf den nächsten Seiten wichtige Partner vorgestellt.

Quartiersmanagement (QM)

Die Quartiersmanagements sind Teil des Bund-Länder-Programms „Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf - Soziale Stadt“. In mehr als 570 Fördergebieten soll durch eine soziale Stadtentwicklungspolitik die Verbesserung der Wohn- und Lebensbedingungen in wirtschaftlich und sozial benachteiligten Stadtquartieren erreicht werden. Als geeignete Mittel, um die komplexe Situation in den Quartieren zu berücksichtigen, haben sich die Grundelemente integrierter Stadtteilentwicklung - Gebietsbezug, Ressourcenbündelung, Beteiligung, neue Managementformen - erwiesen. Das QM ist dabei mehr als die Verwaltung solcher Stadtteile. Es soll den Prozess der Quartiersentwicklung initiieren, vernetzen und koordinieren.

Zu den Aufgaben des Quartiersmanagements zählen demzufolge:

  • Stadtteilkoordination
  • Aktivierung und Beteiligung der Bewohnerinnen und Bewohner
  • Öffentlichkeitsarbeit
  • Beteiligung an Planung und Projektentwicklung, Projektinitiierung, Projektsteuerung
  • Mittelakquise, Finanzplanung und -beratung
  • Berichterstattung, Erfolgskontrolle

Entscheidend ist die Vor-Ort-Arbeit. Dazu gehören die umfassende Organisation von Stadtteilentwicklung auf allen beteiligten Steuerungs- und Handlungsebenen und die Vernetzung der involvierten Ämter und der lokalen Akteure.

Die Quartiersmanagements haben in diesem Prozess (Kommunale Gesundheitsförderung) eine Lotsenfunktion: Sie bringen Akteure und Akteurinnen zusammen und verweisen in entsprechende Strukturen oder an bereits bestehende Angebote.“

Kathrin Feldmann, Stadtkontor GmbH, Potsdam

„Aktion Besen“ am Kottbusser Tor, Berlin

Die „Aktion Besen“ war eine vom Quartiersmanagement initiierte Aktion im Handlungsfeld „Gesundheit und besondere Lebenslagen“ zur Reinigung der überwiegend von Drogenabhängigen genutzten Freiflächen am Kottbusser Tor, einem Berliner Stadtplatz am Innenstadtrand mit allen Merkmalen eines zentralen Kommunikationstreffpunktes. Über ein kleines Netzwerk, bestehend aus Quartiersmanagement, den Drogenabhängigen, Berliner Stadtreinigung und den Berliner Verkehrsbetrieben, wurde die tägliche Reinigung der Freiflächen mittels eines Besens durch die Drogenabhängigen vereinbart. Den Besen stellte die Berliner Stadtreinigung zur Verfügung, die darüber hinaus die erforderlichen Mülltüten morgens leer an eine Sitzbank hängte und die gefüllten Müllsäcke abends wieder abholte. Mit Erlaubnis der Berliner Verkehrsbetriebe lagerte der Besen, von Unbeteiligten unbemerkt, auf dem Dach einer Bushaltestelle. Das zuweilen durch Diebstahl entwendete Reinigungsutensil wurde innerhalb kürzester Zeit von ansässigen Gewerbetreibenden ersetzt. Deren Interesse war groß, die Zugänge zu den Geschäften, überwiegend Gastronomie und Lebensmittelhandel, sauber zu halten. Die für die Zielgruppe der Drogenabhängigen niedrigschwellige Aktion funktionierte jahrelang reibungslos, da die Vereinbarung für alle Beteiligten eine „win-win“-Situation mit äußerst geringem Aufwand und hohem Nutzen darstellte, der vor allem für die Zielgruppe mit einer Wertschätzung durch Gewerbetreibende und Anwohnerschaft verbunden war und den Grundstein für die Akzeptanz für weitere Aktionen mit der Zielgruppe legte.

„…das lokale Quartiersmanagement (sollte) das Thema (Gesundheitsförderung) aktiv in seine Arbeit integrieren und Vernetzungs- und Kooperationsstrukturen zwischen den relevanten Akteuren anstoßen, den Aufbau unterstützen und koordinieren. Hilfreich hierfür kann die Einrichtung einer „Koordinationsstelle Gesundheit“ beim Quartiersmanagement sein, die als lokaler „Kristallisationskern“ eine gesundheitsbezogene Vernetzungsstruktur im Stadtteil anschiebt, pflegt und moderiert, gemeinsam mit den Netzwerkpartnern eine gesundheitsfördernde Gesamtstrategie für den Stadtteil entwickelt sowie Gesundheitsprojekte initiiert und unterstützt.“

Statusbericht 2008 zum Programm Soziale Stadt, S. 61

Öffentlicher Gesundheitsdienst (ÖGD)

Der Öffentliche Gesundheitsdienst ist ein Teilbereich des Gesundheitswesens. Entsprechende Einrichtungen gibt es auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene.

Zu den Aufgaben gehören

  • der Gesundheitsschutz der Bevölkerung
    • Infektionsschutz - Prävention, Meldung und Erfassung von Infektionskrankheiten (z.B. TBC, sexuell übertragbare Krankheiten)
    • umweltbedingte Gesundheitsgefahren - Abwehr giftiger, krebserregender Gefahren (z.B. Gifte oder Schimmelpilze in Wohnungen, kontaminierte Böden)
  • Gesundheitsförderung und Prävention
  • Gesundheitsberichterstattung
  • der Kinder- und Jugendgesundheitsdienst
  • sozialmedizinische und sozialpsychiatrische Beratung, Betreuung und Vermittlung von Hilfen für besondere Zielgruppen
  • amtsärztliche Tätigkeiten.

Die Aufgaben des öffentlichen Gesundheitsdienstes werden auf lokaler Ebene von den Gesundheitsämtern wahrgenommen.

Selbstbeschreibung des Gesundheitsamtes Aurich

Die Aufgaben des Gesundheitsamtes werden bestimmt vom gesetzlichen Auftrag und den Vorgaben des Landkreises. Der generelle Auftrag des Gesundheitsamtes als Teil des Öffentlichen Gesundheitswesens besteht in drei Grundaufgaben:

Gesundheitsschutz in der Bevölkerung - beinhaltet den Schutz der Gesundheit des Einzelnen wie der kommunalen Gemeinschaft vor schädigenden Einflüssen und Verhältnissen in allen Lebensbereichen. Das betrifft sowohl vorbeugende Maßnahmen (z.B. Schutz vor Seuchen/Epidemien oder schädlichen Umwelteinflüssen), als auch die Befähigung zu einer gesundheitlichen Gestaltung öffentlichen und privaten Lebens.

Gesundheitshilfe für die Bevölkerung - ist eine sozialmedizinische, aufsuchende Hilfe für gesundheitlich unterversorgte und benachteiligte Bürgerinnen und Bürger oder Bevölkerungsgruppen unseres Landkreises, die aufgrund gravierender körperlicher, seelischer oder sozialer Probleme in Not geraten sind oder in Not geraten könnten, und die von dem gesundheitlichen Versorgungssystem nicht oder nicht ausreichend erreicht werden.

Gesundheitsförderung in der Kommune - heißt, gesund erhaltende Lebensverhältnisse zu bewahren bzw. zu entwickeln. Ein wichtiges Instrument ist die Erforschung und Bewertung der Zusammenhänge zwischen Gesundheitsrisiken und Lebensbedingungen in unserem Landkreis.

Weitere Informationen unter www.landkreis-aurich.de/gesundheit.html

Das Gesundheitsamt kann ein (Ansprech-) Partner für Präventionsaktivitäten im Quartier sein. Wenn die entsprechenden Ressourcen bestehen, können z.B. eingebracht werden:

  • Daten der Gesundheitsberichterstattung für die Bedarfsermittlung
  • personelle Unterstützung, für die Vernetzung und Koordination von Projekten und Maßnahmen der Prävention und Gesundheitsförderung im Quartier (z.B. Organisation von Runden Tischen)
  • fachliche Unterstützung, z.B. bei Informationsveranstaltungen oder Kursen
  • Vermittlung von Kontakten, politischen Ansprechpartnern
  • sonstige Unterstützung, vielleicht können Räume zur Verfügung gestellt werden.

Wie das im Alltag funktionieren kann, zeigt folgendes Beispiel:

Planungs- und Koordinierungsstelle Gesundheit des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg, Berlin

Die Planungs- und Koordinierungsstelle Gesundheit des Bezirks hat ein Vernetzungsprojekt initiiert, das u.a. das Gesundheitsamt, Arztpraxen, Vertreter/innen von Krankenhäusern, der Geburtshilfe, aus Selbsthilfegruppen, Beratungsstellen der freien Wohlfahrt, dem Jugendamt, Einrichtungen der Nachbarschaftshilfe bzw. Stadtteilinitiativen und Quartiersmanagements zusammenbringt. Die Idee zu diesem Projekt entstand, als Lücken in der Versorgung von Schwangeren mit Migrationshintergrund erkannt wurden. Außerdem zeigte sich, dass die bestehenden Versorgungsangebote noch nicht optimal verzahnt waren oder nicht genug voneinander wussten.

Ziel des Netzwerks „Gesundheitsförderung rund um die Geburt“ ist die Verbesserung der gesundheitlichen und psychosozialen Situation von Schwangeren und jungen Familien, insbesondere von sozial Benachteiligten und Migrantinnen und Migranten. Durch die bessere Kenntnis der Arbeit der verschiedenen Einrichtungen wird die Zusammenarbeit zwischen den Partnern optimiert und es werden bei Bedarf Kooperationsprojekte auf den Weg gebracht.

Weitere Informationen über die Planungs- und Koordinierungsstelle unter www.berlin.de/ba-friedrichshain-kreuzberg/politik-und-verwaltung/service-und-organisationseinheiten/qualitaetsentwicklung-planung-und-koordination-des-oeffentlichen-gesundheitsdienstes/

Weitere Informationen zum Netzwerk „Gesundheitsförderung rund um die Geburt“ in der Datenbank
www.gesundheitliche-chancengleichheit.de/praxisdatenbank/netzwerk-gesundheitsfoerderung-rund-um-die-geburt/

Auszug § 20 SGB V
Prävention und Selbsthilfe

(1) Die Krankenkasse soll in der Satzung Leistungen zur primären Prävention vorsehen, die die in den Sätzen 2 und 3 genannten Anforderungen erfüllen. Leistungen zur Primärprävention sollen den allgemeinen Gesundheitszustand verbessern und insbesondere einen Beitrag zur Verminderung sozial bedingter Ungleichheit von Gesundheitschancen erbringen. Der Spitzenverband Bund der Krankenkassen beschließt gemeinsam und einheitlich unter Einbeziehung unabhängigen Sachverstandes prioritäre Handlungsfelder und Kriterien für Leistungen nach Satz 1, insbesondere hinsichtlich Bedarf, Zielgruppen, Zugangswegen, Inhalten und Methodik.

(2) Die Ausgaben der Krankenkassen für die Wahrnehmung ihrer Aufgaben nach Absatz 1 und nach den §§ 20a und 20b sollen insgesamt im Jahr 2006 für jeden ihrer Versicherten einen Betrag von 2,74 Euro umfassen; sie sind in den Folgejahren entsprechend der prozentualen Veränderung der monatlichen Bezugsgröße nach § 18 Abs. 1 des Vierten Buches anzupassen

(SGB V § 20)

Cover Leitfaden Prävention

Gesetzliche Krankenkassen (GKV)

Neben dem Öffentlichen Gesundheitsdienst unterstützen auch die gesetzlichen Krankenkassen Maßnahmen und Angebote im Quartier.

Die gesetzliche Regelung über die Leistungsarten der gesetzlichen Krankenversicherungen ist im Fünften Sozialgesetzbuch (SGB V) im § 11 SGB V folgendermaßen niedergelegt: Gesetzliche Krankenkassen erbringen Leistungen zur Verhütung, Früherkennung und Behandlung von Krankheiten und zur medizinischen Rehabilitation.

Die Leistungen zur Verhütung von Krankheiten, betrieblichen Gesundheitsförderung und Prävention arbeitsbedingter Gesundheitsgefahren sowie Förderung der Selbsthilfe sind in §§ 20 bis 24 SGB V dargelegt. Der § 20 SGB V regelt die Leistungsausformung der gesetzlichen Krankenkassen zur Prävention und Selbsthilfe.

Danach können die gesetzlichen Krankenkassen Präventionsmaßnahmen nach dem Setting-Ansatz fördern bzw. individuelle Präventionsleistungen, d.h. Maßnahmen, durch die Einzelne in einer gesunden, Krankheit vorbeugenden Lebensweise unterstützt werden.

Die gesetzlichen Krankenkassen haben sich auf folgende Handlungsfelder verständigt, in denen sie Präventionsaktivitäten vorrangig fördern:

  • Kindergärten / Kindertagesstätten, Grund-, Haupt-, Gesamt-, Sonder- und Berufsschulen
  • Stadtteile / Kommunen mit niedrigem durchschnittlichem Pro-Kopf-Einkommen bzw. hohem Arbeitslosen-, Sozialhilfe- oder Migrant/innenanteil
  • Einrichtungen / Heime mit einem hohen Anteil von Bewohnern mit einem niedrigen sozialen Status.

(Leitfaden Prävention der GKV-Spitzenverbände 2010, S. 13)

Gemeinsam mit einer Mitarbeiterin der örtlichen Krankenkasse werden in einer Schule Projekttage konzipiert und durchgeführt. Die Erfahrungen mit der Umsetzung der Projekttage fließen in ein Arbeitsmanual für Lehrende und Erziehende ein. Die Krankenkassen wollen mit ihrem Engagement Gesundheitsförderungsprozesse anstoßen und verstetigen. So beschrieb die Mitarbeiterin einer Krankenkasse ihre Erwartungen zum genannten Beispiel wie folgt. Das Arbeitsmanual wollten „wir - so unser Ziel - zusammen mit einer Schulung interessierten Kollegien zur Verfügung stellen […]. Leider war die Resonanz nicht so, wie wir uns das vorgestellt hatten, vor allem in Bezug auf die Nachhaltigkeit. Die Lehrer und Lehrerinnen zeigten sich mehr an den Fachkräften interessiert als an einer Weiterbildung, und wir hatten ja Hilfe zur Selbsthilfe zum Ziel.“

Auch für das Engagement der Krankenkassen müssen geeignete Rahmenbedingungen geschaffen werden. Wie die aussehen sollten, zeigt ein Beispiel aus dem Setting Schule.

„Bei dauerhaften gesundheitsförderlichen Prozessen in Kita und Schulen bringen sich Krankenkassen als Initiator, Berater und Begleiter ein. Außerdem finanzieren sie konkrete Projekte sowie Arbeits- und Informationsmaterialien. Sie helfen bei Erfolgskontrollen und beim Aufbau von Netzwerken vor Ort. Die Krankenkassen sind somit wichtige und engagierte Partner. … Allerdings können sie diese Aufgabe auch nicht alleine stemmen.“

Gudrun Eberle 2008, S. 13

Modellprojekt GESUND LEBEN LERNEN

Die GKV hat in Kooperation mit Landesvereinigungen für Gesundheit von 2003 bis 2006 das Modellprojekt GESUND LEBEN LERNEN (GLL) in drei Bundesländern durchgeführt. Die teilnehmenden Schulen wurden mit externer Beratung in folgenden Bereichen unterstützt:

  • Lernen und Arbeiten in gesünderen Strukturen
  • Stärkung der psychosozialen Kräfte und neue Motivation bei allen Gruppen
  • verbessertes Image der Schule und eine höhere Identifikation mit ihr
  • Steigerung der Erziehungs- und Unterrichtsqualität
  • Gearbeitet wird nach den Ideen und mit den Instrumenten des betrieblichen Gesundheitsmanagements und der Projektorganisation.

Ihre Erfahrungen mit dem Modellprojekt fasst die niedersächsische Koordinatorin Irmtraut Windel, Landesvereinigung für Gesundheit, zusammen:

  • Der gewählte Projektansatz aktiviert das Veränderungspotenzial der Schulen.
  • Settingansatz und Partizipationsorientierung fördern die Entwicklung von Schulen mit benachteiligten Schülerinnen und Schülern.
  • Externe Beratung, auf die jeweilige Schule ausgerichtete Betreuung und fachliche Expertise tragen wesentlich zum Erfolg von GLL bei.
  • Strukturelle Veränderungen in der Schule brauchen Ressourcen, Zeit und verlässliche (schul)politische Rahmenbedingungen.
  • Weiterentwicklung und Optimierung des Projekts erfordern langfristig gesicherte Kooperationen und Unterstützung.

Aus diesem Modell ist in Niedersachsen nun ein Landesprogramm geworden, das vom Niedersächsischen Kultusministerium, von verschiedenen Kassen, dem Gemeindeunfallversicherungsverband, dem Lehrerfortbildungsinstitut und der Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen e.V. gemeinsam getragen wird. Mittlerweile werden einhundert niedersächsische Schulen über dieses Projekt betreut.

Weitere Informationen über GLL unter
www.gesundlebenlernen.com.

Informationen über das Teilprojekt in Niedersachsen unter
www.gesundheit-nds.de/CMS/arbeitsschwerpunkte-lvg/erziehung-und-bildung/2-gesund-leben-lernen

über das Teilprojekt in Rheinland-Pfalz unter
www.lzg-rlp.de/gesundleben/

und über das Teilprojekt in Sachsen-Anhalt unter
www.lvg-lsa.de/o.red.c/arbeitsfelderschule3.php?site=b.

Damit solche Prozesse erfolgreich gestartet und nachhaltig etabliert werden können, ist eine gute Zusammenarbeit von GKV, der gesetzlichen Unfallversicherung, den beteiligten Ministerien (hier Sozialministerium und Kultusministerium) und weiteren wichtigen Partnern (z.B. der Landesvereinigung für Gesundheit, des Lehrerfortbildungsinstitutes) erforderlich.

Welche Voraussetzungen grundsätzlich vorliegen müssen, damit eine finanzielle Unterstützung von Präventionsmaßnahmen im Setting durch die GKV erfolgen kann, ist im Kapitel 4 „Finanzierung“ dieses Heftes erläutert.

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)

Die BZgA arbeitet als Fachbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) und übernimmt für den Bund Aufgaben der Prävention und Gesundheitsförderung.
Sie entwickelt dazu Kampagnen, Methoden und Projekte.

Kampagne
Kinder stark machen

Erwachsene, insbesondere in Sportvereinen, werden qualifiziert, um das Selbstvertrauen, Selbstwertgefühl etc. von Kindern zu erhöhen und dadurch Suchtgefahren vorzubeugen.

Weitere Informationen unter
www.kinderstarkmachen.de.

Die BZgA arbeitet bei der Umsetzung ihrer Kampagnen mit regionalen Partnern, z.B. Gesundheitsämtern oder Landesvereinigungen für Gesundheit, zusammen.

Zahlreiche Informationsmaterialien stehen unter www.bzga.de zum Download bereit (z.B. Materialien zur Sexualaufklärung, Informationen für Eltern, Unterrichtsmaterialien zu Ernährung, Sozialverhalten, Lärm und Gesundheit u.v.m.).

Kindergartenprojekt „Ich geh“ zur U! Und Du?“

Früherkennungsuntersuchungen im Kindesalter dienen der frühzeitigen Erkennung bestimmter Erkrankungen und Risiken und bieten eine Möglichkeit, Eltern zu Fragen der Primärprävention zu beraten. Damit möglichst alle Eltern ihre Kinder an den U-Untersuchungen teilnehmen lassen, hat die BZgA ein Projekt entwickelt. Es basiert auf dem Zusammenwirken von Kindertageseinrichtungen, ÖGD, Jugendamt, Pädiaterinnen und Pädiatern und Eltern und setzt für Kinder und Eltern Anreize, die U-Untersuchungen wahrzunehmen. Zielgruppen sind Kinder aus Familien mit sozialer Benachteiligung und Migrationshintergrund. Die BZgA stellt den Akteurinnen und Akteuren vor Ort die Materialien für die Aktion zur Verfügung (Plakate, Flyer in verschiedenen Sprachen, Elterninformationen, T-Shirts, die die Kinder nach der Teilnahme an der „U“ meist durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kindertagesstätten erhalten, und Infomappen zur Bewerbung der Aktion bei potenziellen Kooperationspartnerinnen und Kooperationspartnern).

Eine zentrale Funktion kommt den Erzieherinnen und Erziehern der Kindertagesstätten zu. Sie motivieren die Eltern, mit ihren Kindern die Früherkennungsuntersuchungen wahrzunehmen. Darüber hinaus nutzen sie das Projekt als Einstieg, um gesundheitsrelevante Themen mit den Kindern zu erarbeiten. Häufig werden auch die Eltern in diese Arbeit eingebunden, beispielsweise durch gemeinsame Kochaktionen oder bei Sommerfesten mit zahlreichen Bewegungsangeboten. Zwei Mal pro Jahr erfolgt ein Fotowettbewerb, einmal jährlich wird ein Preis für ein besonders erfolgreiches, engagiertes Netzwerk vergeben.

Die BZgA bietet das Projekt allen interessierten Netzwerken an. Darüber hinaus erfolgen bereits Kooperationen mit Bundesländern, weitere Kooperationen werden angestrebt.

Weitere Informationen auf www.ich-geh-zur-u.de

Landesvereinigungen für Gesundheit und die Koordinierungsstellen des Kooperationsverbundes „Gesundheitliche Chancengleichheit“

In allen Bundesländern gibt es Koordinationsangebote auf Landesebene für den Gesundheitsförderungs- und Präventionsbereich. In 14 Bundesländern wird diese Aufgabe von Landesvereinigungen, Landeszentralen oder Landesarbeitsgemeinschaften für Gesundheit wahrgenommen. In Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen existiert eine ausgebaute Koordinationsfunktion durch die Landesgesundheitsämter und zusätzliche Kooperationsstrukturen wie die Landesgesundheitskonferenz in NRW.

Die Landesvereinigungen sind Ansprechpartner für Prävention und Gesundheitsförderung und können über Struktur, Akteur/innen und Programme der Prävention im Land Auskunft geben. Zu vielen Themen (z.B. Gesundheitsförderung in Kindertageseinrichtung, Schule, Betrieb, Altern und Gesundheit) unterhalten die Landesvereinigungen Arbeitsstrukturen, in denen professions- und ressortübergreifend zusammengearbeitet wird. Sie bieten Fortbildungs- und Informationsveranstaltungen an und können bei der Projektentwicklung unterstützen.

Auf Initiative der BZgA wurde 2003 der bundesweite Kooperationsverbund „Gesundheitliche Chancengleichheit“ gegründet. Ihm gehören die Verbände der gesetzlichen Krankenkassen, der Deutsche Städtetag, die Wohlfahrtsverbände, die Landesvereinigungen für Gesundheit und die Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung, Ärzteverbände, die Bundesagentur für Arbeit, der Deutsche Olympische Sportbund und eine Vielzahl weiterer Institutionen und Verbände.

Weitere Informationen zu den Partnerorganisationen dieses Verbundes unter
www.gesundheitliche-chancengleichheit.de/kooperationsverbund/struktur/kooperationspartner/.

In allen Bundesländern arbeiten Koordinierungsstellen des Kooperationsverbundes „Gesundheitliche Chancengleichheit“.

Die Mitarbeiterin bzw. der Mitarbeiter wird in der Regel hälftig aus Mitteln der GKV und des Landes finanziert.

Die Koordinierungsstelle Gesundheitliche Chancengleichheit

  • arbeitet als Kontakt- und Koordinierungsstelle zum Thema Gesundheitsförderung bei sozial Benachteiligten
  • vernetzt Akteure, z.B. durch Arbeitskreise und Fachberatungen
  • identifiziert Good Practice-Projekte der Gesundheitsförderung bei sozial Benachteiligten (viele Praxisbeispiele in diesen Arbeitshilfen wurden von Koordinierungsstellen ermittelt und beschrieben)
  • bearbeitet mit Partnern thematische Schwerpunkte, z.B. Gesundheitsförderung bei Arbeitslosen, bei Migrant/innen, bei Wohnungslosen, kommunale Strategien gegen Kinderarmut
  • führt Fortbildungen und Fachveranstaltungen durch, so werden z.B. von Oktober 2008 bis Februar 2009 in allen Bundesländern Fachtagungen im Rahmen des Aktionsplans für Ernährung und Bewegung IN FORM durchgeführt, um Prävention und Gesundheitsförderung in den Quartiersgebieten der Sozialen Stadt zu stärken
  • entwickelt mit Partnern Modellprojekte
  • leistet Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit zum Thema gesundheitliche Chancengleichheit.

Die Vernetzung und Unterstützung der Akteure der Gesundheitsförderung bei sozial Benachteiligten nimmt in der Arbeit der Koordinierungsstelle eine zentrale Rolle ein.

grobmaschiges Netz

© Klicker / PIXELIO

Koordinierungsstellen Gesundheitliche Chancengleichheit können Sie

  • auf mögliche Partner für Gesundheitsförderung im Quartier aufmerksam machen
  • bei Themen und Fachfragen unterstützen, z.B. gesundheitlichen Auswirkungen von Armut, kommunalen Strategien gegen Kinderarmut
  • auf Gesundheitsförderungsprojekte und Angebote hinweisen, die sich im Bundesland auf sozial benachteiligte Zielgruppen konzentrieren
  • über aktuelle Entwicklungen und den fachlichen Austausch informieren, den es im Bundesland zu Themen der Gesundheitsförderung bei sozial Benachteiligten gibt
  • In Informationsnetze aufnehmen, damit Ihr Praxisprojekt, Ihre Maßnahme bekannter wird, z.B. beim Eintrag in die Datenbank www.gesundheitliche-chancengleichheit.de/praxisdatenbank behilflich sein

und Koordinierungsstellen vermitteln Erfahrungen aus anderen Bundesländern und von den Partnern des Kooperationsverbunds auf Bundesebene.

Kontakt zu den Koordinierungsstellen finden Sie über die Adressen auf www.gesundheitliche-chancengleichheit.de/koordinierungsstellen. Hier können Sie sich auch einen Überblick über aktuelle Projekte und Schwerpunkte verschaffen.

Kontakt zu den Trägerorganisationen der Koordinierungsstellen:

Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
www.gesundheitsamt-bw.de

Bayerische Zentrum für Prävetnion und Gesundheitsförderung
www.lgl.bayern.de

Gesundheit Berlin-Brandenburg e.V.
www.gesundheitberlin.de

Landesvereinigung für Gesundheit Bremen e.V.
www.lv-gesundheitbremen.de

Hamburgische Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung e.V.
www.hag-gesundheit.de

Hessische Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitserziehung
www.hage.de

Landesvereinigung für Gesundheitsförderung Mecklenburg-Vorpommern e.V.
www.lvg-mv.de

Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen e.V.
www.gesundheit-nds.de

Landeszentrum Gesundheit NRW
www.lzg.gc.nrw.de

Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V.
www.lzg-rlp.de

Landesarbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung Saarland e.V.
www.lags.de

Sächsische Landesvereinigung für Gesundheitsförderung e.V.
www.slfg.de

Landesvereinigung für Gesundheit Sachsen-Anhalt e.V.
www.lv-gesundheit-sachsen-anhalt.de

Landesvereinigung für Gesundheitsförderung Schleswig-Holstein e.V.
www.lvgfsh.de

Landesvereinigung für Gesundheitsförderung Thüringen e.V.
www.agethur.de

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Links zum Thema „Partner für Prävention und Gesundheitsförderung“

[ Links zum Thema finden Sie hier ]


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Logo der Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung, Gesundheit Berlin-Brandenburg e.V.

Teil 1 "Gesunde Lebenswelten schaffen"Teil 2 "Probleme erkennen"Teil 3 "Ein Projekt entwickeln"Teil 4 "Präventiv handeln"Teil 5 "Erfahrungen nutzen"Teil 6 "gesund und aktiv älter werden"Teil7 "Gemeinsam Handeln"

Teil 3: Ein Projekt entwickeln

Teil 3 "Ein Projekt entwickeln"

Gesetzliche Unfallversicherung

Gesetzliche Unfall­versiche­rungen haben den Auftrag, durch geeignete Maßnahmen in Betrieben, in Bildungs­einrichtungen Unfälle zu verhüten. Sie sind, ebenso wie Berufs­genossen­schaften, in hohem Maß präventiv tätig.
Informationen unter www.dguv.de.

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Der Kooperationsverbund wurde 2003 auf Initiative der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) gegründet
und wird maßgeblich durch die BZgA getragen. Ihm gehören aktuell 74 Partnerorganisationen an.
BZgA / Maarweg 149-161 / 50825 Köln-Ehrenfeld / Tel +49 221 8992-0 / Fax +49 221 8992-300
Die BZgA ist eine Fachbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit.