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Kapitel 2 - Wie steht es um die Gesundheit im Quartier?

3D-Würfel

Für die Ge­sund­heits­för­de­rung im Quar­tier sollen spezifische An­ge­bo­te zur Verbesserung der gesundheitlichen La­ge einer Ziel­grup­pe (z.B. so­zi­al benachteiligte Kinder) entwickelt und umgesetzt wer­den. Dazu sind entsprechende Informationen über den gesundheitlichen Be­darf der Ziel­grup­pe er­for­der­lich. Da­ten kön­nen Hinweise auf die gesundheitlichen Be­las­tung­en und gesundheitsförderlichen Res­sour­cen der Ziel­grup­pe ge­ben und müs­sen in die Ge­stal­tung der Maß­nah­men und Projekte ein­flie­ßen. Das ist Voraussetzung, da­mit die Interventionen be­darfs­ge­recht und mit nachhaltiger Wir­kung er­fol­gen kön­nen.

Es gibt verschiedene Methoden, um den Bedarf einer Zielgruppe zu erheben. Eigene Erhebungen können sowohl im Vorgehen wie im Umfang stark variieren. Letztlich ist das Vorgehen auch davon abhängig, welche finanziellen und personellen Ressourcen vorhanden sind. Zwei unterschiedliche Möglichkeiten sind aus den folgenden Beispielen ersichtlich:  

Beispiele für die Bedarfsermittlung

Personengruppe plant

© Gesund Kurs halten in Lurup

„Gesund Kurs halten in Lurup“, Hamburg

Das Projekt „Gesund Kurs halten in Lurup“, einem heterogenen Hamburger Stadtteil mit hohem Entwicklungsbedarf und schlechter sozialer Lage, soll frühe Aktivitäten zur Gesundheitsförderung verstetigen. Im Fokus stehen Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, die mit Kindern, Jugendlichen und deren Familien arbeiten. Dafür wurden eine in das Stadtteilnetzwerk integrierte Geschäftsstelle für Gesundheitsförderung etabliert und Mittel zur niedrigschwelligen Projektförderung akquiriert. In mehreren mit Haltung und Methoden des „Planning for Real“ moderierten quartiers- und stadteilbezogenen „Runden Tischen“ ermitteln die Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in einem breit angelegten Prozess Bedarfe sowie Potenziale und entwickeln settingübergreifende stadtteilbezogene Kooperationsprojekte mit einem abgestimmten Konzept zur Gesundheitsförderung. Ziel des Projektes ist es, eine einladende, ressourcenorientierte Kultur der Zusammenarbeit und damit eine gesundheitsfördernde Grundhaltung im Stadtteil herauszubilden.

Weitere Informationen zu diesem Projekt unter
www.gesundheitliche-chancengleichheit.de/good-practice/gesund-kurs-halten/

Es genügt nicht, die Nutzer von Gesundheitsdiensten nur als Konsumenten zu sehen, die mit den Diensten zufrieden oder unzufrieden sind. Deren Rolle liegt vielmehr in der gemeinsamen Definierung der Bedürfnisse, Prioritäten und Evaluierung. Dieser Ansatz bedeutet einen Paradigmenwandel, bei dem die Sichtweise der Menschen des Gemeinwesens als Leitprinzip gesundheitlicher Prioritätensetzung genutzt werden.“

Ong & Humphris 1994, nach
Naidoo & Wills 2003, S. 336

Im Folgenden werden einige Methoden vorgestellt, mit deren Hilfe die Zielgruppe in die Bedarfsermittlung einbezogen werden kann. Diese Methoden können auch genutzt werden, um die Erfahrungen lokaler Expertinnen und Experten zu ermitteln. Sie können z.B. Auskunft über den Bedarf der Zielgruppe, Zugangshindernisse zu gesundheitlichen Versorgungsangeboten, Hinweise auf Netzwerke oder auf Schlüsselpersonen geben, die die Ansprache und den Zugang zur Zielgruppe erleichtern.

Methoden

Fokusgruppe

Eine Fokusgruppe wird gebildet, um in einer moderierten Gruppendiskussion von sechs bis zehn Personen ein im Voraus festgelegtes Thema zielgerichtet zu bearbeiteten. Die Diskussion dauert ein bis zwei Stunden. In der Gesundheitsförderung und Prävention werden Fokusgruppen realisiert, um Rückmeldungen zu allen Phasen der Planung und Durchführung eines Projekts von Personen aus der Zielgruppe zu bekommen.

Die Stärke der Fokusgruppe ist, dass in relativ kurzer Zeit die Sicht der Zielgruppe auf ein Gesundheitsproblem oder eine (geplante) Intervention ermittelt und dabei auch Einblicke in die Lebenswelt der Zielgruppe gewonnen werden können. Die Fokusgruppe ist eine Methode aus der Marktforschung, die international auch im Gesundheits- und Sozialwesen breite Anwendung findet.

Open Space

Open Space ist ein aus den USA stammendes Großgruppenverfahren auf der Grundlage von Selbstorganisation. Diese Methode eignet sich vor allem zur Erarbeitung von Problemlösungsstrategien unter Einbeziehung großer Teilnehmerzahlen. Kerngedanke ist hier, der Freiheit und Selbstorganisation der Teilnehmenden Rechnung zu tragen. Deshalb beinhaltet diese Strategie nur wenige Regeln.

Gemeinsam mit den Teilnehmenden wird das inhaltliche Programm der Konferenz erarbeitet. Jede und jeder entscheidet selbst über die Zugehörigkeit zu den „Hummeln“ oder „Schmetterlingen“, das heißt, ob und wie lange er / sie an einer Thematik bzw. Arbeitsgruppe mitarbeitet. Zwingend ist nur die Erstellung eines Ergebnisprotokolls, das am Ende allen zugänglich gemacht wird. Ziel ist es, eine gemeinsame Problemlösungsstrategie zu erarbeiten.

Die Methode wird auf der Website www.sowi-online.de/praxis/methode/open_space.html vorgestellt.

Open-Space-Konferenz

„Gesundheitsförderung im Stadtteil“

Die Landesvereinigung für Gesundheit Niedersachsen führte im November 2004 eine zweitägige Konferenz zum Thema durch. Sie wurde als Open Space angelegt, um

  • Raum für Begegnungen zu schaffen,
  • tragfähige Kontakte zwischen Professionellen aus der Stadtteilarbeit, der Gesundheitsförderung, Krankenversicherung und kommunalen Ansprechpartnern anzubahnen,
  • die Möglichkeit zum Austausch praxisrelevanter Ideen und Konzepte zu geben,
  • praxisnah zu sein und
  • Handlungsprinzipien und konkrete Projektideen für die Gesundheitsförderung mit eher schwer erreichbaren Zielgruppen zu vermitteln.

Der Ablauf der beiden Konferenztage und die Grundlagen der Open-Space-Methode sind sehr anschaulich dargestellt unter
www.gesundheit-nds.de/dokumentationen/bis2006/gesundheitsfoerderungimstadtteil.htm

Planning for Real

Planning for Real ist ein Planungsverfahren zur Aktivierung und Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern zur Gestaltung ihres Stadtteils. Grundlage ist hier die Anerkennung der Bewohner und Bewohnerinnen als Experten, die ermutigt werden sollen, die Angelegenheit in die eigenen Hände zu nehmen. Konkrete Anwendungsfelder sind u.a. Planungsprozesse zur Gestaltung eines Spielplatzes, Innenraumgestaltung, Erarbeitung von Grundlagen für den Aufbau von Projekten zur Verbesserung des Stadtteils, Entwicklung einer Konzeption für ein Jugend-, Gemeinschaftsoder Nachbarschaftshaus. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Verfahren von kleinen oder großen Gruppen begonnen wird. Zentrales Element des Planning for Real ist ein Modell des Gebäudes oder der Nachbarschaft, beispielsweise aus Pappe, anhand dessen an belebten Orten das Gespräch mit den Menschen gesucht wird. Die Methode wird im Internet in einem zehnseitigen Dokument, verfügbar unter www.planning-for-real.de/pfr-schritte.pdf, vorgestellt.

Zukunftswerkstatt

Bei einer Zukunftswerkstatt werden die Teilnehmenden dabei unterstützt, sich ihrer Ideen, Probleme, Wünsche und Konzepte bewusst zu werden und diese zu formulieren.

Eine Zukunftswerkstatt kann helfen, kreative Ideen für bestehende Probleme zu entwickeln. Zunächst werden Probleme aus Sicht der Teilnehmenden zusammengetragen und Prioritäten festgelegt. In einer zweiten kreativen Phase werden die ausgewählten Probleme „umdefiniert“ und Utopien entwickelt. Diese Utopien werden dann in einer dritten Phase wieder in Bezug zum Alltag gesetzt und Strategien und Umsetzungsschritte formuliert.

Weitere Informationen zur Methode Zukunftswerkstatt unter www.sowi-online.de/methoden/alle_methoden.html/z

Die Dokumentation einer großen Zukunftswerkstatt ist im Internet unter www.pro-leipzig-bib.de

In diesem Projekt wurden mit Langzeitarbeitslosen Ideen entwickelt, um gemeinsam aktiv zu werden.

Die Methode lässt sich aber auch in einen Projektablauf integrieren.

„Naschgarten“, Holzminden

Der „Naschgarten“ ist ein Projekt zur allgemeinen Adipositas-Prävention im kommunalen Setting.

Im Projekt „Naschgarten“ wurde unter der aktiven Beteiligung von Kindern im Vorschulund Grundschulalter an der Planung, Gestaltung und Pflege eine kernstadtnahe Grünfläche als kindgerechte Erlebniswelt umgestaltet, in der verzehrbare Pflanzen dominieren. Ein Bolzplatz wurde integriert. Projektziel ist die Steigerung des Wohlbefindens der Kinder, die Steigerung des Kohärenzempfindens (sense of coherence) durch die Teilhabe an sozial anerkannten Aktivitäten, die Reduktion der körperlichen Inaktivität sowie eine Veränderung der Wahrnehmung von pflanzlichen Lebensmitteln. Das Projekt lebt von der Beteiligung der Einrichtungen in Holzminden, die mit Kindern arbeiten. Zielgruppe sind Kinder mit und ohne Migrationshintergrund. Am Anfang wurde auf dem Gelände ein Fest gefeiert, um den Eltern, Kindern und den betreuenden Pädagoginnen und Pädagogen das Gelände zu zeigen. In der Planungsphase wurden die Kindertagesstätten, Grundschulen und anderen Kinder- und Jugendeinrichtungen wie u.a. das Jugendzentrum und die Kirchengemeinden angesprochen und jedem Partner eine 50 qm große Gartenparzelle zur Gestaltung anvertraut. Die Einrichtungen besprachen dann mit ihren Kindern erst einmal intern, wie sie sich ihren Garten vorstellen. Es wurden „Naschgarten-AG’s“ gegründet.

Im Projektverlauf wird eine weitere Stufe der Beteiligung in Form von Zukunftswerkstätten nach Georg Coenen durchgeführt. Dieser vereinfachte das Modell der Zukunftswerkstatt von Robert Jungk im Rahmen des Projekts „Grün macht Schule“ in Berlin für die Anwendung zur partizipativen Schulhof- und Spielraumgestaltung.

Hier werden die Kinder im Grundschulalter aktiv in die weitere Planung des Geländes mit einbezogen. Diese Werkstatt findet an zwei Tagen statt. In einem ersten Schritt wird eine Themensammlung initiiert. Durch die drei zentralen Fragestellungen „Was soll bleiben?“, „Was soll weg?“ und „ Was fehlt?“ sowie einen kurzen Dia-Vortrag zu Elementen der Spielraumgestaltung sollen die Ideen der Kinder gesammelt werden. In einem zweiten Schritt werden Themenspeicher erstellt. Die Kinder können mit Hilfe von Klebeplättchen selber dem von ihnen favorisierten Thema einen Punkt geben. Auf diese Weise soll das Meinungsbild der Kinder herausgearbeitet werden. Im Anschluss wird unter Mitwirkung eines Landschaftsplaners diskutiert, welche Themen bzw. Ideen wie umgesetzt werden können.

Voraussetzung für die aktive Einbeziehung der Kinder ist die persönliche Beziehung, die die Projektleiterinnen und Projektleiter zu der Zielgruppe (Kinder, Eltern, Pädagoginnen und Pädagogen) aufgebaut haben. Deshalb wurden vor allem in der Planungsphase verschiedene Aktivitäten zum gegenseitigen Kennenlernen (Feste, Info-Stände bei Stadtteilfesten, Lagerfeuer usw.) durchgeführt. Partizipation verlangt ein langsames und an die Voraussetzungen der Zielgruppe angepasstes Vorgehen.

Weitere Informationen zu diesem Projekt unter
www.gesundheitliche-chancengleichheit.de/good-practice/kinder-gestalten-ihren-naschgarten/

Checkliste: Wie steht es um die Gesundheit im Quartier?

  • Wie kann die Zielgruppe in den Prozess der Bedarfsermittlung einbezogen werden?
  • Welche Strukturen oder Personen können den Zugang zur Zielgruppe vermitteln?
  • Gibt es lokale Expertinnen und Experten, die Hinweise auf den Bedarf geben können?
  • Wie soll die Befragung der Zielgruppe im Stadtteil bzw. in der Gemeinde erfolgen? Welche Methode soll genutzt werden?
  • Welche personellen und finanziellen Ressourcen stehen für die Erhebung bzw. die Befragung zur Verfügung?
  • Welcher Umfang der Befragung ergibt sich aus den zur Verfügung stehenden Ressourcen?
  • Wie und wo können die Ergebnisse der Bedarfsermittlung den Beteiligten präsentiert und mit ihnen diskutiert werden?
  • Durch welche Aktionen bzw. Veranstaltungen lassen sich weitere partizipative Prozesse anstoßen?
  • Welche Bedarfe ergeben sich aus der Befragung in Hinblick auf die geplanten Maßnahmen?

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Der Kooperationsverbund wurde 2003 auf Initiative der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) gegründet
und wird maßgeblich durch die BZgA getragen. Ihm gehören aktuell 74 Partnerorganisationen an.
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