Wir setzen auf dieser Website Cookies ein. Diese dienen dazu, Ihnen Servicefunktionen anbieten zu können sowie zu Statistik- und Analysezwecken (Web-Tracking). Weitere Informationen dazu und die Widerspruchsmöglichkeit zum Web-Tracking finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Servicenavigation

Sprung zur Hauptnavigation

Hauptnavigation

Sprung zum Seiteninhalt

  1. Über den Verbund
    1. Hintergründe, Daten & Materialien
    2. Struktur des Verbundes
    3. Geschäftsstelle
    4. Kooperationstreffen
  2. Wir in den Ländern
    1. Baden-Württem­berg
    2. Bayern
    3. Berlin
    4. Branden­burg
    5. Bremen
    6. Hamburg
    7. Hessen
    8. Mecklen­burg-Vor­pom­mern
    9. Nieder­sachsen
    10. Nord­rhein-West­falen
    11. Rhein­land-Pfalz
    12. Saar­land
    13. Sachsen
    14. Sachsen-Anhalt
    15. Schleswig-Holstein
    16. Thü­ringen
  3. Praxisdatenbank
    1. Über die Praxisdatenbank
    2. Recher­che
    3. Mein Angebot
    4. Häufige Fragen
    5. Neueste Angebote
  4. Qualitätsentwicklung
    1. Good Practice
    2. Qualität im Setting
  5. Partnerprozess
    1. Ziel: Integrierte kommunale Strategien
    2. Hintergrund
    3. Das Vorhaben
    4. Mitmachen
    5. inforo - das Portal für Fachkräfte
    6. Materialien
  6. Veranstaltungen
    1. Termine
    2. Satellit Armut und Gesundheit
  7. Service
    1. Artikel und Meldungen
    2. News­letter
    3. Videos
    4. Handreichungen
    5. Materialien
    6. Fragen & Antworten
    7. Wettbewerbe
    8. Links
    9. Presse
    10. RSS-Feeds

Seiteninhalt

Sprung zur Fusszeile

Kapitel 3 - Welche Faktoren beeinflussen Gesundheit?

3D-Würfel

Viele soziale Faktoren, die Gesundheit belasten (z.B. Umweltverschmutzung, Arbeitslosigkeit), können im Stadtteil kaum geändert werden. Dennoch kann Gesundheitsförderung im Stadtteil die Gesundheitschancen der Menschen positiv beeinflussen.

Wird ein gesundheitsförderliches Angebot geplant, so ist es wichtig zu bestimmen, welche Faktoren in Bezug auf Gesundheit verändert werden sollen. Geht es bei dem Projekt z.B. um ein anderes Verhalten, sollen gesundheitliche Belastungen im Stadtteil gesenkt werden oder sollen Rahmenbedingungen so gestaltet werden, dass die Bedingungen für ein gesundheitsförderliches Verhalten im Alltag verbessert werden?

Abbildung über die verschiedenen Einflussfaktoren auf die Gesundheit: das Regenbogen-Modell nach Whitehead und Dahlgren

Abbildung 3: Einflussfaktoren auf die Gesundheit: das Regenbogen-Modell nach Whitehead und Dahlgren
(Darstellung: Fonds gesundes Österreich,
www.fgoe.org)

Gesundheit und Wohlbefinden hängen von einer Vielzahl von Faktoren ab. Abgesehen von Alter, Geschlecht und Erbanlagen sind die meisten dieser Faktoren beeinflussbar. Margret Whitehead und Göran Dahlgren (1991) haben die verschiedenen Ebenen dargestellt, auf denen diese Faktoren wirken:

  • die persönlichen Verhaltens- und Lebensweisen (erste Ebene)
  • die Unterstützung und Beeinflussung durch das soziale Umfeld (zweite Ebene)
  • die Lebens- und Arbeitsbedingungen (dritte Ebene)
  • die wirtschaftlichen, kulturellen und physischen Umweltbedingungen (vierte Ebene)

In der Gesundheitsförderung und Prävention werden zwei Zielrichtungen unterschieden:

  • Maßnahmen, die individuelle Faktoren verändern sollen, z.B. Kurse für gesundes Ernährungsverhalten oder Raucherentwöhnung, werden als verhaltensbezogen bezeichnet.
  • Maßnahmen, die Faktoren verändern sollen, die von außen auf das Individum einwirken, werden als verhältnisbezogen bezeichnet.

Die verschiedenen Schichten werden jedoch nicht isoliert betrachtet, sie beeinflussen sich wechselseitig. So haben beispielsweise die Arbeits- und Lebensbedingungen oder die sozialen Netzwerke auch Einfluss auf individuelle Lebensweisen.

Die Weltgesundheitsorganisation hat unter dem Begriff „soziale Determinanten“ von Gesundheit die zentralen Aspekte in den Lebens- und Arbeitsbedingungen und der Lebensweise herausgearbeitet, durch die die Gesundheit der Menschen bestimmt wird. Die folgende Tabelle erläutert, welche sozialen Bedingungen (Determinanten) die Gesundheit beeinflussen und nennt einige Beispiele wie sie sich im Quartier auswirken können. Die Tabelle kann auch als Checkliste genutzt werden, um positive oder negative Faktoren im Stadtteil zu identifizieren.

Soziale Determinanten für Gesundheit im Stadtteil

Soziale DeterminantenKurzerklärungWie macht sich dies im sozial benachteiligten Stadtteil bemerkbar?

Soziales Gefälle

Unterschiedliche Formen von Benachteiligung (sozial, wirtschaftlich) treffen tendenziell immer die gleichen Personengruppen und summieren sich im Laufe des Lebens

z.B. besonders stigmatisierte Wohnquartiere im Stadtteil, Wohnungsstandard, Anteil Bezieherinnen und Bezieher von Transferleistungen

Verkehr

Straßen und Kreuzungen, Verkehrsaufkommen, ggf. Probleme für kleine Kinder und ältere Menschen, sich eigenständig in ihrem Wohnumfeld zu bewegen

z.B. Lärm, Luftverschmutzung, Unfälle, Durchfahrtsstraßen,
fehlende Fußgängerüberwege und Radwege

Umwelt

Luft, Geräusche, Stadtbild, Wohnstruktur

z.B. Brachflächen, Versiegelungsgrad, fehlende Grünflächen, fehlende Flächen für Spiel und Bewegung, Lärm, Luftverschmutzung

Stress

Psychosoziale Risiken (Sorgen, Unsicherheit, mangelnde Mitbestimmung usw.) führen langfristig zu physiologischen Reaktionen (Bluthochdruck, Herzinfarkt usw.)

z.B. Menschen, die apathisch, ungepflegt, gereizt, alkoholisiert oder vereinsamt in der Öffentlichkeit wirken, Angst

Soziale Ausgrenzung

Not, Verbitterung durch Armut, soziale Ausgrenzung und Diskriminierung wirken sich lebensverkürzend aus.

z.B. Einsamkeit, Altersdepression, häusliche Gewalt, Vandalismus, Kriminalität, Erscheinungsformen von Rassismus und Rechtsradikalismus

Soziale Unterstützung

Integration, Netzwerke

z.B. Stadtteilvereine, Nachbarschaftszentren, Gesundheitsangebote, soziale Netzwerke, kulturelle Angebote, „Szenen“ und „Communities“, Treffpunkte, Feste

Arbeit

Arbeit und sinnvolle Betätigungen als besonders bedeutende Gesundheitsressource. Stress am Arbeitsplatz erhöht das Krankheitsrisiko.

z.B. Krankenstand, „Nischenarbeitsplätze“ für Menschen, die den zunehmenden Anforderungen des Arbeitsplatzes und -marktes nicht gewachsen sind

Arbeitslosigkeit

Unsicherheit, Statusverlust als Krankheitsrisiko

z.B. Arbeitslosenquote

Sucht

Suchtprobleme als zusätzlicher Stressor für den Einzelnen und für den Stadtteil

z.B. öffentlicher Konsum von Alkohol und illegalen Drogen, Flaschen und Spritzen in Grünanlagen und Spielplätzen, Verletzungen und Infektionen, Belästigungen
durch Dealer

Bedingungen für Babys und Kinder

Grundlagen der Gesundheit werden in früher Kindheit gelegt. Unter mangelhaften Bedingungen erhöht sich das Risiko einer lebenslangen schlechten Gesundheit.

z.B. Armut in Familien, beengter, unsanierter Wohnraum, Verkehrsaufkommen, Anzahl und Zustand der Kinderspielplätze, hungrige, verhaltensauffällige Kinder in Kindertagesstätte und Schule, Unfallhäufigkeit, Anteil Alleinerziehender, sozial isolierte Familien

(nach Wilkinson und Marmot, 2004)

vordere Hälfte eines Fusses im Gras

© jean jannon / PIXELIO

Menschen in schwieriger sozialer Lage sind aufgrund ihrer Lebenssituation vielfach großen Belastungen ausgesetzt, z.B. Arbeitslosigkeit, geringes Einkommen, schwierige Wohnsituation, und verfügen gleichzeitig oftmals nicht über ausreichende Ressourcen und Kompetenzen zu deren Bewältigung, z.B. Unterstützung durch soziale Netzwerke, Angebote professioneller Unterstützung oder die Kompetenz, diese zu nutzen.

Dies trifft insbesondere zu für

  • Personen mit niedrigem Einkommen (z.B. Empfängerinnen und Empfänger von Hartz IV-Leistungen),
  • Personen mit niedrigem beruflichem Status (z.B. ungelernte Arbeiterinnen und Arbeiter),
  • Personen mit niedriger Schulbildung (z.B. ohne qualifizierten Schulabschluss) und
  • spezifische Zielgruppen wie Obdachlose, Suchtmittelabhängige, Menschen mit Behinderungen.

Aus dem Regenbogen-Modell und der Darstellung der Determinanten für Gesundheit wird neben vielen Schwierigkeiten auch deutlich, dass Gruppen und Einzelpersonen immer auch über die verschiedensten Ressourcen und Potenziale verfügen. Diese werden durch die Gesundheitsförderung gezielt angesprochen. Dabei müssen die Zielgruppen grundsätzlich in die Planung und Entwicklung von Angeboten einbezogen werden. Nur dann können Interventionen nachhaltig zu einer Veränderung des Alltags führen.

Am erfolgversprechendsten sind Interventionen, die nicht nur einzelne Personen ansprechen und ihre Verhaltensweisen zu verändern versuchen, sondern auch ihre Lebenszusammenhänge berücksichtigen. Ein Beispiel hierfür ist der Kurs „Gesund essen mit Freude“, der insbesondere den kulturellen Hintergrund von Migrantinnen berücksichtigt.

Nicht einfach materielle Armut ist gesundheitsschädigend. Der soziale Sinn, der Armut, Arbeitslosigkeit, Ausgrenzung und anderen Stigmatisierungen beigemessen wird, ist einfach wichtig.

Als soziales Wesen benötigen wir nicht nur gute materielle Bedingungen, sondern auch von Kindheit an das Gefühl, geschätzt und gemocht zu werden. Wir brauchen Freunde, wir brauchen menschliche Gesellschaften, wir müssen uns nützlich fühlen und wir müssen ein wesentliches Maß an Entscheidungsbefugnissen über eine sinnvolle Arbeit haben. Sonst sind wir anfälliger für Depression, Drogenkonsum, Angst, Feindseligkeit und Hoffnungslosigkeit mit entsprechenden Folgen für die körperliche Gesundheit.“

Richard Wilkinson & Michael Marmot, 2004, S. 9

„Gesund essen mit Freude“, Berlin

Im Koch- und Ernährungskurs „Gesund essen mit Freude“ werden die Themen und Praxisteile nach den Interessen und Erfahrungen der teilnehmenden Frauen gestaltet. So kochen die Frauen Gerichte, die sie besonders mögen oder von Hause aus kennen. Gemeinsam mit einer Ernährungsberaterin überlegen sie dabei, wie die Ernährungsgewohnheiten der Familie gesünder gestaltet werden können. Die Gruppe setzt sich so mit ihrem Alltag auseinander, die Erfahrungen der Frauen sind Thema und gemeinsam werden Strategien entwickelt, wie gesundes Ernährungsverhalten im Alltag umgesetzt werden kann. Die Berücksichtigung kulturbedingter Ernährungsgewohnheiten, aber auch die Auseinandersetzung z.B. mit Klischees in der Erziehung oder im Rollenverständnis von Jungen und Mädchen, gehören dazu, damit die neuen Kenntnisse in den Alltag der Familien integriert werden. Diese Auseinandersetzung gelingt jedoch erst dann, wenn die Frauen Vertrauen in die Gruppe und die Ernährungsberaterin aufgebaut haben. Die partizipative Gestaltung des Angebots ist dafür Voraussetzung.

Der Kurs wurde in Gemeinwesenzentren, Grundschulen, Kindertagesstätten und Volkshochschulen durchgeführt. Leitfaden, Kursmanual und das in den Kursen entstandene Kochbuch sind im Internet verfügbar.

Weitere Informationen zum Projekt „Gesund essen mit Freude“ in der Datenbank www.gesundheitliche-chancengleichheit.de/good-practice/gesund-essen-mit-freude.


zum Seitenanfang | Kapitel 4 - Prävention und Gesundheitsförderung im Quartier

Fusszeile

Sprung zum Seitenbeginn

Der Kooperationsverbund wurde 2003 auf Initiative der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) gegründet
und wird maßgeblich durch die BZgA getragen. Ihm gehören aktuell 66 Partnerorganisationen an.
BZgA / Maarweg 149-161 / 50825 Köln-Ehrenfeld / Tel +49 221 8992-0 / Fax +49 221 8992-300
Die BZgA ist eine Fachbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit.