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Kapitel 6 - Empowerment in der Gesundheitsförderung

3D-Würfel

Was ist Empowerment?

Die WHO sieht als Ziel der Gesundheitsförderung einen selbstbestimmten Umgang mit der eigenen Gesundheit. Die Befähigung dazu, die eigenen Bedürfnisse und Forderungen eigenständig zu äußern und alleine oder gemeinsam mit anderen umzusetzen, ist ein zentraler Ansatz der Gesundheitsförderung. Da die Ressourcen hierfür oftmals (noch) nicht vorhanden sind, kommt dem Empowerment - der Ermächtigung/ Befähigung - der Zielgruppen im Rahmen gesundheitsfördernder Interventionen eine zentrale Rolle zu.

Die Schwierigkeit, einen Empowerment-Blickwinkel in die professionelle Arbeit zu integrieren, besteht vor allem darin, dass Empowerment-Prozesse zwar angestoßen werden können, der eigentliche Prozess jedoch weitgehend ohne Zutun der beruflichen Helferinnen und Helfer abläuft. Eine Haltung des Empowerment lässt sich daher nicht mit direkten Interventionen vergleichen, wie sie im psychosozialen Bereich eher üblich sind (Beratung, Betreuung, Therapie, Anleitung von Gruppen). Empowerment als professionelle Haltung bedeutet, Möglichkeiten für die Entwicklung von Kompetenzen bereitzustellen, Situationen gestaltbar zu machen und damit „offene Prozesse” anzustoßen.”

Wolfgang Stark,
2002, S. 70


NEU! - Lesen Sie...
hier (pdf-Datei, 100 kB) einen aktuellen Artikel über das Good Practice-Kriterium Empowerment,
hier (pdf-Datei, 50 kB) die Darstellung der Komponenten von Empowerment und
hier (pdf-Datei, 150 kB) ein Glossar dazu.


Mit Empowerment werden Prozesse bezeichnet, in deren Verlauf Menschen - in der Regel sozial benachteiligte Gruppen - Möglichkeiten und Fähigkeiten gewinnen, ihr Leben eigenverantwortlich zu gestalten. Sie werden dabei unterstützt, ihre Probleme eigenständig zu lösen.

Diese Herangehensweise unterscheidet sich auch deutlich von früheren Maßnahmen der Gesundheitserziehung. Tatsächlich wurde sie besonders in der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung entwickelt - der Ansatz soll helfen, soziale Ungleichheiten zu verringern, es sollen benachteiligte Individuen und Gruppen gefördert werden.

Nach der pathogenetischen [an der Krankheit orientierten] Herangehensweise werden Menschen mit hohem Aufwand aus einem reißenden Fluss gerettet, egal, wie sie da hineingeraten sind und warum sie nicht besser schwimmen können. Für Antonovsky, einen Pionier der Gesundheitsförderung, ist der Fluss der Strom des Lebens selbst. Wir gehen alle nicht einfach am Ufer entlang, sondern schwimmen in diesem - teilweise verschmutzten, teilweise reißenden - Fluss (Antonovsky 1997). Die theoretische Frage lautet danach immer, welche Faktoren das Schwimmen erleichtern. Empowerment heißt in diesem Bild: (Gemeinsam) Schwimmen lernen.

Empowerment im oben beschriebenen Sinn ist die „Ermächtigung“, Verantwortung für eigene Angelegenheiten zu übernehmen. Partizipation ist zu verstehen als die aktive Einbindung Betroffener in die Bedarfserhebung, Planung, Umsetzung und auch in die Ergebnismessung von Interventionen. Das angestrebte Ergebnis ist die Vertretung der eigenen Interessen.

Insofern besteht eine wechselseitige Beziehung zwischen Empowerment und Partizipation. Kompetenzen (Empowerment) sind eine Vorraussetzung dafür, Eigenverantwortung übernehmen und sich aktiv beteiligen zu können (Partizipation). Ebenso folgt aus erworbenem Wissen und neuen Kompetenzen auch der Wunsch, diese in Beteiligungsprozesse einzubringen.

Beteiligung ist (ebenso wie Befähigung) eine Querschnittsaufgabe in allen gesundheitsfördernden Maßnahmen. Sie ist in diesen Arbeitshilfen insbesondere in Heft 2 dargestellt.

eine junge Frau, die ein kleines Mädchen schminkt
© Thomas Dr. Weis / PIXELIO

ELTERN-AG

Das Präventionsprogramm ELTERN-AG ist ein Konzept, dem zwei zentrale Bausteine zu Grunde liegen: Empowerment und Anleitung zur Selbsthilfe. Es richtet sich an Eltern von Kindern im Vorschulalter, die in der Regel mit mehreren Schwierigkeiten gleichzeitig kämpfen: Arbeitslosigkeit, niedriger Bildungsabschluss, Alleinerziehendenstatus, Überschuldung, Migrationshintergrund, chronische Krankheiten - kurz, Problemfamilien, die normalerweise weder den Weg in die Elternschulen noch in die Erziehungsberatungsstellen finden und auch um die Präventions- und Gesundheitskurse der Krankenkassen einen großen Bogen machen.

Das Programm zeichnet sich durch die Merkmale Niedrigschwelligkeit, Befähigung auf gleicher Augenhöhe sowie Förderung von Selbstwert und Kontrollüberzeugungen aus. Auf der Basis spezifischer Interventionstechniken erfahren sich Eltern im Verlauf des Kurses als zunehmend kompetent, als die Expertinnen/Experten ihres eigenen Alltags und ihrer Kinder. Das Programm zielt über die Arbeit mit den Eltern auf die Förderung der emotionalen, sozialen und kognitiven Kompetenzen der Vorschulkinder und die Verbesserung der familiären Beziehungen.

Weitere Informationen zu diesem Projekt in der Datenbank
www.gesundheitliche-chancengleichheit.de/good-practice/eltern-ag und unter www.eltern-ag.de.

Wie gelingt Empowerment?

Empowerment ist ein Prozess, der von einem Gefühl der Ohnmacht hin zu Kompetenz und aktiver Beteiligung führt. Idealtypisch werden verschiedene Entwicklungsphasen unterschieden:

1. Mobilisierung

Eine herkömmliche Haltung von Desinteresse, Bequemlichkeit, Autoritätsgläubigkeit oder einem Selbstbild als „Loser“ wird aufgebrochen. Eigene Stärken und Ressourcen werden entdeckt.

2. Engagement und Förderung

Nach dem Abflauen der Anfangsbegeisterung entwickelt sich ein stabileres Engagement.

3. Integration und Routine

Die Aktivitäten werden teilweise zur Routine und in den Alltag integriert.

4. Überzeugung und Kontinuität

Eine Sicherheit in der Anwendung partizipatorischer Kompetenzen, eine entwickelte Organisations- und Konfliktfähigkeit wurden erreicht. Die Überzeugung, dass es möglich ist, Veränderungen herbeizuführen, bleibt bestehen.

(nach Stark, 1996)

Empowerment reicht also vom ersten aktivierenden Impuls bis zu einer verlässlichen Begleitung und Unterstützung über einen gewissen Zeitraum. Der Prozess dauert mitunter lange. Dies ist von vornherein zu bedenken, um der Gefahr der Demotivierung nach überzogenen Erwartungen zu begegnen. Der erste Impuls kann von einer Aktivierenden Befragung (siehe Heft 2), der Organisation eines Stadtteilfestes, der Unterstützung eines kulturellen Angebotes und vielem mehr ausgehen.

In Mädchen- und Frauenprojekten hat der Empowerment-Ansatz oft eine hohe Bedeutung. Die spezifischen Lebenslagen von Mädchen und Frauen sind ein wichtiges Thema und die Auseinandersetzung mit Rollenklischees kann die Entwicklung eines starken Selbstwertgefühls und eines selbstbewussten Auftretens befördern.

Kinder und Jugendliche sind besonders stark auf die Chancen angewiesen, die ihnen ihre Umgebung eröffnet. Nachhaltige Erfolge der Gesundheitsförderung sind bei ihnen, ebenso wie bei sozial benachteiligten Gruppen, nur als Empowerment-Prozesse zu erzielen.

Empowerment in der Gesundheitsförderung heißt, dass Personen, Gruppen oder Organisationen…

  • über eine größere Kompetenz im Umgang mit der eigenen Gesundheit verfügen
  • über die Fähigkeit verfügen, eigene Entscheidungen zu treffen
  • über einen Zugang zu Informationen und Ressourcen verfügen
  • über verschiedene Handlungsalternativen und Wahlmöglichkeiten verfügen
  • das Gefühl haben, als Individuum oder Gruppe etwas bewegen zu können
  • kritisch denken
  • sich nicht allein fühlen, sondern als Teil einer Gruppe oder eines sozialen Netzwerkes agieren
  • Veränderungen im eigenen Leben und im sozialen Umfeld bewirken
  • neue Fähigkeiten erlernen, die sie selbst für wichtig halten
  • sich ein positives Selbstbild erarbeiten und Stigmatisierungen überwinden

(nach Lenz und Stark, 2002)

Die nachfolgenden Projektbeispiele zeigen unterschiedliche Umsetzungsstrategien des Empowerment-Konzeptes in der soziallagenbezogenen Gesundheitsförderung im Stadtteil.

Logo von "ADEBAR" (Storchenbild mit Adressinformation darunter)

Adebar - Beratung und Begleitung für Familien“, Hamburg

Die Mitarbeiterinnen von ADEBAR zielen mit einer ressourcenorientierten Arbeitsweise darauf ab, bei den Familien die oft verschütteten individuellen Stärken, Fähigkeiten und Möglichkeiten aufzudecken und zu fördern. Die Vernetzung und Unterstützung von Selbsthilfeaktivitäten oder Selbstorganisation im Stadtteil genießt immer erste Priorität, betreuende und programmorientierte Intervention wird dem nachgestellt. Im Familiencafé wird informiert, qualifiziert und fortgebildet. Das Selbsthilfepotenzial und die Selbsthilfeorganisation werden gestärkt. ADEBAR setzt Beteiligungsmethoden wie „Planning for Real“ ein und orientiert sich konsequent am vorhandenen Niveau der Problemwahrnehmung und -artikulation der Anwohnerschaft.

Wie werden diese Strategien in diesem Projekt umgesetzt?

  • Zugänge ermöglichen
  • Informieren und Lotsenfunktionen ausüben
  • Vorbilder bieten und Qualifizieren
  • Eigensinn und Kommunikationsformen akzeptieren
  • Freiwilligkeit und Auftragsorientierung ermöglichen
  • Ressourcendiagnostik und kleine Schritte
  • Netzwerkberatung und -förderung
  • Aktiver Umgang mit Problemen bringt Erfolge (Selbstwirksamkeit erfahren)
  • Transparentes Handeln und Ermutigung

Mehr Informationen zum Projekt ADEBAR in der Datenbank unter
www.gesundheitliche-chancengleichheit.de/good-practice/adebar.

kleines Mädchen mit Fingerfarben an den Fingerspitzen

© Prod. Numérik / fotolia.com

Mädchenclub „MaDonna“, Berlin

Die Freizeiteinrichtung für Mädchen bis etwa 18 Jahre liegt im Quartiersgebiet „Rollbergsiedlung“ in Berlin-Neukölln. In dieser Gegend leben überwiegend Familien mit türkischem oder arabischem Migrationshintergrund. Empowerment wird im „MaDonna“ ausdrücklich mit Frauenrechten in Zusammenhang gebracht, „Frauen beteiligen sich, Frauen nehmen am Leben teil“. Es wird viel mit den Nutzerinnen geredet, vieles wird ihnen erklärt.

Wie werden diese Strategien in diesem Projekt umgesetzt?

  • Die Grundhaltung ist geprägt von Empathie.
  • Oft geht es auch um die Unterstützung von Widerständigkeit.
  • Räumlichkeiten sowie finanzielle und andere Ressourcen werden den Mädchen zur Umsetzung ihrer eigenen Ideen zur Verfügung gestellt.
  • Die Mädchen lernen auch andere Stadtviertel als ihr eigenes kennen und sich dort stark und wohl zu fühlen.
  • Sie können gemeinsame Erlebnisse haben, wie Schwimmen gehen oder Ausflüge mit dem Fahrrad, die ihnen ohne die Unterstützung durch die Mitarbeiterinnen und die Clique verwehrt blieben.
  • Regelmäßige Plena sollen der Beteiligung und der Interessenvertretung der Nutzerinnen dienen.
  • Die körperlichen Veränderungen des Jugendalters werden möglichst offen und ausdrücklich positiv in der Gemeinschaft thematisiert.
  • Die Mädchen übernehmen in Cliquen Verantwortung füreinander.

Weitere Informationen zum Mädchenclub „MaDonna“ in der Datenbank
www.gesundheitliche-chancengleichheit.de/praxisdatenbank/offene-und-mobile-kinder-und-jugendarbeit/ und unter www.madonnamaedchenpower.de.

Checkliste: Empowerment

  • Durch welche Strategien soll das Maß an Selbstbestimmung und Autonomie bei der Zielgruppe erhöht werden?
  • Über welche Ressourcen verfügt die Zielgruppe und wie können diese durch Maßnahmen gefördert werden?
  • Bestehen Strategien zur Entstigmatisierung sozial benachteiligter Zielgruppen, zur Förderung ihrer Interessenvertretung und ihres sozialen Zusammenhalts?
  • Wie werden die Nutzerinnen und Nutzer durch das Projekt konkret in die Lage versetzt, ihre Belange eigenmächtig, selbstverantwortlich und selbstbestimmt zu vertreten?
  • In welcher Form werden den Nutzerinnen und Nutzern Wissen und Kompetenzen zur Verfügung gestellt, damit sie zu größerer Mündigkeit und Selbstbestimmung gelangen können?
  • Welche instrumentellen Hilfen, z.B. Finanzen, Räume, können zur Erhöhung der Handlungsfähigkeit zur Verfügung gestellt werden?
  • Wodurch wird der Zielgruppe die Möglichkeit gegeben, gestaltend in der Gemeinschaft im Projekt mitzuwirken?
  • Sind diese Möglichkeiten strukturell abgesichert und damit nicht mehr vom Goodwill der Projektträger abhängig?
  • Wird die Zielgruppe in die Projektplanung und Evaluation aktiv einbezogen?

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Der Kooperationsverbund wurde 2003 auf Initiative der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) gegründet
und wird maßgeblich durch die BZgA getragen. Ihm gehören aktuell 66 Partnerorganisationen an.
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