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30.05.2013

Prävention von Kinder- und Familienarmut

Der Braunschweiger Weg

Rainer Schubert, Stadt Braunschweig
Hartmut Dybowski, Stadt Braunschweig

Schlagwörter: Armut, Netzwerk, Partnerprozess, Präventionsketten, Strukturaufbau

Bro­schü­re "Braun­schweig für al­le Kinder - Das Kommunale Handlungskonzept Kinderarmut veröffentlicht"

Der Braun­schwei­ger Weg zur Prä­ven­ti­on von Kinder und Familienarmut wird in der Bro­schü­re "Braun­schweig für al­le Kinder - Das Kommunale Handlungskonzept Kinderarmut" (2014) nachgezeichnet. Dieser Pro­zess ist von Beginn an durch einen partizipativen Um­gang und einer systematisierten Zu­sam­men­ar­beit der Stadt Braun­schweig in Be­zug auf Kinder- und Familienarmut gekennzeichnet.

Die Bro­schü­re steht Ihnen hier (PDF-Datei) zur Verfügung.

 

Kinder wissen, was Armut ist

Auf die Frage „Was ist arm?“ antwortete die neun Jahre alte Natalie:

„Wenn man nicht genug zum Anziehen kaufen kann. Wenn man nicht so eine große Familie hat, nur ein oder zwei Personen oder so. Wenn man nicht unter einem Dach lebt. Wenn man nicht genug zum Essen hat. Wenn man keine Arbeitsstelle hat und kein Geld verdienen kann. Wenn man kein warmes Bett hat. Wenn man kein Fahrrad hat oder ein Auto, um mal irgendwo hinzufahren. Wenn man nicht genug Geld hat. Wenn man nicht zur Schule und nicht in den Kindergarten gehen kann. Wenn man nicht genug Licht ins Haus bringen kann. Wenn man keine Stifte hat zum Hausaufgaben machen. Wenn man nicht Einkaufen gehen kann. Wenn man nichts in seiner Freizeit machen kann. Wenn man keinen Fotoapparat hat, für Erinnerungen. Wenn man etwas zur Schule mitbringen muss, ein Buch oder eine Kassette, und man das nicht hat...“   

(aus einem Vortrag von Prof. Dr. Margaritha Zander, Hannover 2004)

Eine beeindruckende, prä­zi­se, aber auch sehr be­trof­fen machende Ant­wort ei­nes Mädchens zum kindlichen Erleben von Ar­mut und ei­ne Herausforderung für die Prä­ven­ti­onsarbeit von Kinder- und Fa­mi­lienarmut, al­le Faktoren zu be­ach­ten, die das so­zi­ale, emotionale, ge­sund­heit­liche und wirtschaftliche Wohlergehen von Kin­dern be­stim­men.

Kinderarmut ist im­mer auch Fa­mi­lienarmut. Kinderarmut be­schränkt mas­siv ein Aufwachsen im Wohlergehen und erschwert, dass Kinder ih­re Potentiale op­ti­mal ent­wi­ckeln und ih­re Res­sour­cen nut­zen kön­nen. Sie beeinträchtigt die Le­bens­la­gen der Kinder und Ju­gend­li­chen nicht nur ma­te­ri­ell, son­dern auch kul­tu­rell, so­zi­al, psy­chisch und phy­sisch: Kinderarmut ist häufig eng mit schlechteren Zugängen zu Bil­dung und sprachlicher und kognitiver Ent­wick­lung .mit Ein­schrän­kung­en notwendiger so­zi­aler Kontakte und mangelnden Chan­cen, so­zi­ale Kompetenzen zu ent­wi­ckeln, und mit der Ge­fähr­dung von Ge­sund­heit, körperlicher Ent­wick­lung und seelischer Un­ver­sehrt­heit verknüpft.

Wachsen Kinder mit nur ei­nem El­tern­teil, in Fa­mi­lien mit Migrationshintergrund oder in kinderreichen Fa­mi­lien auf, sind sie über­durch­schnitt­lich oft von Ar­mut be­trof­fen. Dies verschlechtert die Startchancen der Kinder und beeinträchtigt ih­re gesellschaftliche Teil­ha­be.

Die Stadt Braun­schweig gehört zu den Kom­mu­nen, die die Prä­ven­ti­on von Ar­mutsfolgen bei Kin­dern sys­te­ma­tisch an­ge­hen. Betroffen sind et­wa 25 Pro­zent bzw. 10.000 Kinder und Ju­gend­li­che un­ter 19 Jahren mit sehr un­terschiedlicher Verteilung in den Stadtteilen Braun­schweigs (zwi­schen 3 % und 60 %). Damit steht die Stadt - zu­sam­men mit vielen Akteuren - vor der Herausforderung, fördernde Strukturen für al­le Kinder und passgenaue An­ge­bo­te zur Vermeidung von Ar­mutsfolgen ab frühester Kind­heit zu ent­wi­ckeln.

Gemeinsame Initiative

Die In­iti­al­zün­dung zu die­ser Ent­wick­lung geht auf das Jahr 2007 zu­rück, als die Braun­schwei­ger Zei­tung ei­nen vermeintlichen Skan­dal un­ter der Über­schrift „Mäd­chen und Jun­gen hoffen auf die Essenreste ihrer Mit­schü­ler“ am Schul­zen­trum Volkmarode aufgriff. Im unmittelbaren Nach­gang wird im Sozial- und Gesundheitsdezernat ei­ne interne Arbeitsgruppe eingesetzt. Wie sich zeigt, be­drückt die Pro­ble­ma­tik der Kinder- und Familienarmut viele deutsche Großstädte. Nach ei­ner intensiven Ana­ly­se zur Si­tu­a­ti­on von Kin­dern und Ju­gend­li­chen in den einzelnen Stadtteilen, lädt der Sozialdezernent al­le sozialen Akteure und die Fachabteilungen der Verwaltung zu ei­nem Hearing ein, in des­sen Fol­ge das Prä­ven­ti­onsnetzwerk zur „Prä­ven­ti­on von Kinder- und Familienarmut und Lin­de­rung der Fol­gen“ ge­grün­det wird.

Danach stehen drei Prioritäten auf der Agenda:

  • jedes Kind in der Ganztagschule soll essen kön­nen, ggf. mit Zu­schuss zum Schulessen,
  • jedes Kind soll ler­nen kön­nen, ggf. mit Zu­schuss zum Schulmaterial,
  • Schulsozialarbeit soll Schü­le­rin­nen und Schü­ler, Eltern und Schulen un­ter­stüt­zen.

Eine Mischfinanzierung durch städtische Mit­tel, Stif­tung­en und Sponsoring sollte die rasche und vor allem unbürokratische Un­ter­stüt­zung die­ser Vorhaben gewährleisten. Das Expertengremium sollte un­ter Beteiligung von Verbänden, In­iti­a­ti­ven, Kir­chen und religiösen Ge­mein­den aller Glaubensrichtungen, dem örtlichen JobCenter, Gremien wie Stadtelternrat, Schule bzw. Kita, Stadtteilkonferenz, Jugendring, Verwaltung so­wie von Be­trof­fe­nen und un­ter Mo­de­ra­ti­on der Stadt Braun­schweig die weitere Ent­wick­lung be­glei­ten.

Struktur des Netzwerks

Inzwischen hat das Präventionsnetzwerk ca. 40 Mitglieder und ist of­fen für weitere Akteure. Vertreter/in­nen der politischen Parteien wer­den re­gel­mä­ßig informiert, haben aber keinen unmittelbaren Zu­gang zu dem Netz­werk. Als Arbeitsgremium des Netz­werkes fungiert der „Bei­rat ge­gen Kinder- und Familienarmut“, der mit 14 Vertreterin­nen und Vertretern von Schulen, Verbänden und In­iti­a­ti­ven, Kir­chen und Glaubensgemeinschaften so­wie der Stadt besetzt ist. Die Ge­schäfts­füh­rung liegt im Sozialreferat im Be­reich der Gesundheitsplanung.

Das erste Jahr stand ganz im Zeichen der operativen Aufgabenumsetzung:

  1. 100,- € für jedes Kind am Schuljahresanfang für Schulmaterialien ent­spre­chend der Einkaufsliste des/der jeweiligen Klassenlehrers/-in. Das bedeutete intensive Kom­mu­ni­ka­ti­on mit al­len Schulen und mit al­len Eltern in sie­ben verschiedenen Spra­chen, da­mit al­le bedürftigen Eltern zum Zeit­punkt X zur Ab­ho­lung in die Schulen kom­men konnten: Ein hochorganisatorischer Auf­wand, der in der Pha­se der Verteilung zu­sam­men mit vielen Frei­wil­li­gen der Bürgerstiftung realisiert wer­den konnte. Mittlerweile ist diese Auf­ga­be Teil des ge­setz­lich zur Verfügung gestellten Bildungs- und Teilhabepakets (BuT) und geht als Geldleistung an bedürftige Fa­mi­lien mit Schulkindern. Dabei kann das "Bildungsgeld" am An­fang des Schuljahres und zum Halbjahreswechsel au­to­ma­tisch ausbezahlt wer­den, al­le weiteren Leis­tung­en müs­sen durch die Eltern beantragt wer­den. Das BuT wird in Braun­schweig auf­grund großer Un­ter­stüt­zung durch Beratungsstellen, Schulen und die Politik mit ei­ner Antragsquote von über 60 Pro­zent er­folg­reich umgesetzt.
  2. Damit tat­säch­lich jedes Kind in ei­ner Ganz­tags­schu­le ei­ne warme Mahl­zeit zu sich neh­men kann, auch wenn die Eltern den ent­spre­chenden Bei­trag nicht auf­brin­gen kön­nen, musste ei­ne unkomplizierte, bezahlbare und gleich­zei­tig effektive Lö­sung gefunden wer­den. Sie bestand da­rin, dass jede Ganz­tags­schu­le das entstehende Defizit dem Sozialreferat als Ge­schäfts­füh­rung des Beirats mit nachvollziehbaren Men­gen­an­ga­ben halbjährlich mel­den konnte und um­ge­hend aus dem Braun­schwei­ger Fonds für Kinder und Ju­gend­li­che die nötige finanzielle De­ckung erhielt.
  3. Die Un­ter­stüt­zung von Kin­dern in Ganztagsgrundschulen durch Schulsozialarbeit lief mit ideeller Be­glei­tung des Netzwerks in primärer Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen Fach­be­reich 51 (Kinder, Ju­gend und Fa­mi­lie), Di­a­ko­nie und durch die - von Stif­tung­en gemeinsame getragene - Fi­nan­zie­rung von drei halben Sozialarbeiterstellen.

Zu den Auf­ga­ben des Bei­rats gehört auch die Grün­dung ei­nes „Schulkostenfonds“ zur unkomplizierten, effektiven Re­a­li­sie­rung die­ser finanziellen Herausforderungen.

Ar­min Kraft, Propst i.R., vom Ober­bür­ger­meis­ter Dr. Hoffmann of­fi­zi­ell für die Spen­denakquise beauftragt, konnte bis­her weit über ei­ne Mil­li­on Eu­ro einsammeln, die vorerst in den Bereichen Schulmaterial und För­de­rung des Schulessens in Ganz­tags­schu­len investiert wer­den. Die eingehenden Spen­den sind viele Kleinbeträge, aber auch Sammelspenden, et­wa bei Geburtstagen oder Hochzeiten, so­wie einzelne sehr große Beträge.

Die Mittelvergabe erfolgt in enger Ab­stim­mung mit dem Bei­rat über das Sozialreferat in bester Zu­sam­men­ar­beit mit Fach­be­reich 40 (Schule) und der Stadtkasse.

Parallel und oh­ne die operative Ebe­ne der ganz konkreten Hilfen aus dem Au­ge zu verlieren, wurde vom Bei­rat das Fun­da­ment der Ar­beit für die Verbesserung der strukturellen Hilfsangebote weiterentwickelt.

Leitlinien und Handlungsempfehlungen

An­fang 2010 beschließt das Prä­ven­ti­onsnetzwerk, die Zu­sam­men­ar­beit zu sys­te­ma­ti­sie­ren und über ei­ne langfristige partizipative Planungsstrategie, ei­ne breite Öf­fent­lich­keit und al­le ge­sell­schaft­lich bedeutsamen Institutionen in den Auf­bau ei­ner präventiven In­fra­struk­tur einzubeziehen. Der Bei­rat erhält den Auf­trag, Leit­li­nien zur Prä­ven­ti­on von Kinder- und Familienarmut zu er­ar­bei­ten und dem größeren Gre­mi­um zur Ab­stim­mung vorzulegen, um da­mit ei­ne verbindliche Ba­sis für die Zu­sam­men­ar­beit zu schaffen. Nach intensiver Sich­tung und Ana­ly­se wer­den in dem nächsten ¾ Jahr die Braun­schwei­ger Leit­li­nien zur Armutsprävention entworfen. Die in neun Kernsätzen un­ter der Über­schrift „Jedes Kind ist herzlich willkommen, jedes Kind ist wich­tig!“ zusammengefassten For­de­rung­en, sollen zu­künf­tig als fach­lich ausgewiesene Grund­la­ge zur Ent­wick­lung von Förderschwerpunkten staatlicher, kommunaler, privater oder stiftungsgebundener Zu­wen­dung­en die­nen.

Leitlinien zur Bekämpfung der Kinder- und Familienarmut und Linderung der Folgen

  1. Mütter und Väter er­hal­ten bei Be­darf Un­ter­stüt­zung und Hilfe bei der Er­zie­hung ihrer Kinder
  2. Jedes Kind hat ein Recht auf Si­che­rung sei­ner materiellen Lebensgrundlage
  3. Jedes Kind hat ein Recht auf Si­che­rung sei­ner Grundbedürfnisse nach Ge­sund­heit, Be­we­gung, Er­näh­rung, Si­cher­heit und Geborgenheit
  4. Jedem Kind ist gesellschaftliche und soziale Teil­ha­be zu ermöglichen
  5. Jedem Kind ei­nen erfolgreichen Bil­dungs­weg si­chern von An­fang an
  6. Jeder Mut­ter und jedem Vater ist ei­ne existenzsi­chernde Erwerbstätigkeit zu ermöglichen
  7. Ju­gend­li­che aktiv ins Er­werbs­le­ben begleiten
  8. Kinder, Ju­gend­li­che und deren Eltern sind zu begleiten
  9. Das Netz­werk zur Prä­ven­ti­on von Kinder- und Familienarmut und zur Lin­de­rung der Fol­gen ist zu in­ten­si­vie­ren und weiterzuentwickeln

Jede Bür­ge­rin und je­der Bür­ger ist für die Kinder und Ju­gend­li­chen in Braun­schweig und bei der Um­set­zung der genannten Leit­li­nien mit verantwortlich. Alle Kinder brau­chen ne­ben den Eltern UnterstützerInnen, um sich op­ti­mal zu ent­wi­ckeln zu kön­nen.

Die Leit­li­nien wer­den am Ni­ko­laus­tag 2010 nach konstruktivem Dis­kurs und redaktioneller Fein­ar­beit öffentlichkeitswirksam, zu­sam­men mit den Unterschriften aller politischer Parteien, Sozialverbänden, Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbänden, Elternvertretungen, Stif­tung­en, Glaubensrichtungen und Privatpersonen, der Stadt und ihrem Ober­bür­ger­meis­ter über­ge­ben und um­ge­hend in den Ratsgremien und Ausschüssen der Stadt behandelt. Parallel wer­den die Leit­li­nien von der Braun­schwei­ger Zei­tung mit neun Re­por­ta­gen zu den neun Leit­li­nien und un­ter Ein­be­zie­hung aller Akteure der Öf­fent­lich­keit vorgestellt. Ein großer Er­folg und handfeste Grund­la­ge, doch Pa­pier ist ge­dul­dig und führt nicht zwin­gend zur Über­prü­fung bisheriger Pra­xis und ggf. veränderten An­ge­bo­ten. Deshalb kommt aus dem Jugendhilfeausschuss schon im Frühjahr 2011 der Auf­trag, kommunale Hand­lungs­empfeh­lun­gen zur Armutsprävention zu ent­wi­ckeln. Ein Rats­be­schluss gibt den Start­schuss.

Wieder geht der Auf­trag an den Bei­rat, der sich, begleitet von hohen Er­war­tung­en der Pres­se und der Öf­fent­lich­keit, in­ten­siv mit der Er­stel­lung von Hand­lungs­empfeh­lun­gen auf der Grund­la­ge der Leit­li­nien auseinandersetzt. Er stellt sich die Auf­ga­be, je­weils aus der Sicht von Be­trof­fe­nen grundlegende emotionale, ge­sund­heit­liche, soziale und Teilhabebedürfnisse altersspezifisch zu ana­ly­sie­ren. Gleichzeitig geht es da­rum, bestehende un­terschiedlichste An­ge­bo­te des umfangreichen Bildungs-, Hilfe-, Un­ter­stüt­zungs- und Gesundheitssystems zu er­fas­sen so­wie die bestehenden Lü­cken und Defizite in der Versorgung zu iden­ti­fi­zie­ren, um adäquate Emp­feh­lung­en zur Prä­ven­ti­on der Fol­gen von Kinder- und Familienarmut für jede Altersstufe ge­ben zu kön­nen. Ex­ter­ne Un­ter­stüt­zung erhält der Bei­rat durch Dr. Ant­je Richter-Kornweitz von der niedersächsischen Koordinierungsstelle Ge­sund­heit­liche Chan­cen­gleich­heit.

Handlungsempfehlungen gegen Kinder- und Familienarmut

Braunschweig für alle Kinder

  •   lückenlos
  •   chancengerecht
  •   diskriminierungsfrei
  •   Hand in Hand - Unterstützung von Anfang an

Die „Hand­lungs­empfeh­lun­gen ge­gen Kinder- und Familienarmut“ (Stadt Braun­schweig, 2011) be­rück­sich­ti­gen das bestehende Unterstützungsangebot und for­mu­lie­ren da­rü­ber hinausgehend Qualitätskriterien zur Be­ur­tei­lung die­ser An­ge­bo­te. Bei­rat und Präventionsnetzwerk sprechen sich da­rin für den Auf­bau ei­ner sogenannten „Präventionskette“ aus, die durch ei­ne lebensphasenorientierte Unterstützungsstruktur gekennzeichnet ist, an der sich al­le verantwortlichen öffentlichen und gesellschaftlichen Akteure be­tei­li­gen.

Die Emp­feh­lung­en zie­len auf die bessere Verzahnung der An­ge­bo­te in den Übergängen, fo­kus­sie­ren die Lebenswelten und die wohnortnahe Be­reit­stel­lung von Unterstützungsangeboten. Sie be­to­nen die Priorität von Par­ti­zi­pa­ti­on und Empowerment und die Not­wen­dig­keit von Chan­cen­gleich­heit, die nur dann gewährleistet wer­den kann, wenn die An­ge­bo­te niedrigschwellig zu­gäng­lich und er­schwing­lich sind, nicht dis­kri­mi­nie­ren, sich an den Bedürfnissen von Be­trof­fe­nen aus­rich­ten, be­reits in Pla­nung und Durch­füh­rung Be­trof­fe­ne be­tei­li­gen und - nicht zu­letzt - aus­rei­chend so­wie dau­er­haft zur Verfügung ste­hen.

Die Durch­set­zung des Vorhabens wol­len der Bei­rat und das Präventionsnetzwerk in Braun­schweig nicht sich selbst über­las­sen. Die Aus­wahl der ersten Bausteine orientiert sich da­her am Beginn einer Präventionskette und umfasst folgende Maß­nah­men:

  • Schaf­fung einer Koordinationsstelle
  • Begrüßungsbrief des Oberbürgermeisters; Be­such bei neugeborenen Kin­dern durch Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter des Fachbereichs Kinder, Ju­gend und Familie
  • Umwandlung von Kitas zu Familienzentren in Stadtteilen mit hohem Bedarf
  • Aufbau und Wei­ter­ent­wick­lung von Schulsozialarbeit an Grund­schu­len mit hohem Unterstützungsbedarf; Schaf­fung von verlässlichen vollen Schulsozialarbeiterstellen.

An­fang 2012 beschließt der Rat der Stadt Braun­schweig nach offener Dis­kus­si­on, die Verwaltung möge die Hand­lungs­empfeh­lun­gen prü­fen, be­wer­ten und ein kommunales Handlungskonzept zur Ab­stim­mung im Rat vorlegen.

Aufgabenverteilung

Damit ist die Auf­ga­be der Stadt­ver­wal­tung klar skizziert: Alle involvierten Fachbereiche (FB 40, FB 50 [Ge­sund­heit und Soziales] und pri­mär FB 51) un­ter­zie­hen die Hand­lungs­empfeh­lun­gen un­ter Fe­der­füh­rung des Sozialreferats einer be­wer­tenden Prü­fung und ent­wi­ckeln Um­set­zungsvorschläge zur sukzessiven Einführung ent­lang der oben benannten Pri­o­ri­tä­ten und den Kriterien zur Chancengerechtigkeit. Re­sul­tat ist das Handlungskonzept der Verwaltung zur Prä­ven­ti­on von Kinder- und Familienarmut.

Benannt sind auch die künftigen Auf­ga­ben des Beirats. Er wird den gesamten Pro­zess der Um­set­zung ge­mein­sam mit dem Braun­schwei­ger Prä­ven­ti­onsnetzwerk be­glei­ten und da­bei mit der kommunalen Verwaltung, den Stif­tung­en und der Politik zu­sam­men­ar­bei­ten. Im Ge­spräch sind au­ßer­dem die Ent­wick­lung ei­nes Monitoring-Verfahrens und die Ent­wick­lung von neuen Vergabekriterien für den „Braun­schwei­ger Fonds für al­le Kinder“.

Alle anderen beteiligten Akteure sind eben­falls aufgefordert, die Ent­wick­lung zu prü­fen, zu be­wer­ten und die Um­set­zung ent­lang der genannten Pri­o­ri­tä­ten mitzugestalten.

Zwischenbilanz und Erfolgsfaktoren

Was lässt sich am Braun­schwei­ger Bei­spiel de­mons­trie­ren? Zunächst einmal zeigt sich, dass ein koordiniertes Vorgehen ge­gen Kinder- und Fa­mi­lienarmut mög­lich ist. Das gemeinsame Handeln von Verwaltung und frei­en Trägern, Verbänden und In­iti­a­ti­ven, Glaubensrichtungen etc. sorgt fast durch­gän­gig für öffentliche Auf­merk­sam­keit.

Zusätzliche Dy­na­mik erhält diese Vorgehensweise durch die Auf­he­bung der Tabuisierung von Kinderarmut und ei­ne regelmäßige Be­richt­er­stat­tung mit mehreren Re­por­ta­gen der Braun­schwei­ger Zei­tung. Auch zeigte sich, dass Er­folg weitere Mit­strei­ter anzieht.

Mit der Einführung des BuT haben sich auch die Auf­ga­ben des Braun­schwei­ger Fonds für Kinder- und Ju­gend­li­che verändert. Deutlich weniger Geld muss z.B. für die Mittagessensversorgung aufgewendet wer­den. Es zeigt sich auch, dass trotz bester Or­ga­ni­sa­ti­on durch den FB 50 ein kompliziertes Ge­setz nicht al­le Eltern er­rei­chen kann. Schulen und Kin­der­ta­ges­stät­ten wer­den des­halb durch ein klei­nes Bud­get unterstützt, das bedürftige Kinder und Fa­mi­lien z.B. bei kostenerzeugenden Bildungsexkursionen entlastet. Effizient und zielführend wird da­durch soziale und kulturelle Teil­ha­be von bedürftigen Kin­dern und Ju­gend­li­chen unterstützt. Dazu tra­gen viele Privatpersonen und Firmen durch ih­re Spen­den bei.

Zu den Er­folgsfaktoren, die den Zu­sam­men­halt in solch ei­nem Präventionsnetzwerk för­dern, ge­hö­ren En­ga­ge­ment an vielen Stel­len, Trans­pa­renz und umfassende In­for­ma­ti­on, Wert­schät­zung und Verständnis, Ge­duld und ständige Ab­stim­mung in­klu­si­ve der Rück­sicht­nah­me auf Partnerinstitutionen und die dort vorgeschalteten internen Ab­stim­mungsprozesse.

Wie sich seit der Mit­ar­beit im bun­des­wei­ten Netz­werk kommunaler Partnerprozess "Gesund auf­wach­sen für al­le!" (2011) zeigt, steht Braun­schweig mit diesen Herausforderungen kei­nes­wegs al­lein. Braun­schweig steht seit­dem im regen Aus­tausch mit anderen Kom­mu­nen, erhält selbst Un­ter­stüt­zung, fachliche Ex­per­ti­se und Wert­schät­zung für den bisherigen Weg. Der Partnerprozess bietet ei­ne wichtige Diskussionsplattform für An­re­gung­en für zukünftige und zukunftsweisende Weichenstellungen.

Vorübergehender Still­stand oder Sack­gas­sen konnten überwunden wer­den, in­dem von Fall zu Fall ei­ne externe Mo­de­ra­ti­on (durch die Agen­tur "Neues Handeln" oder durch Frau Dr. Richter-Kornweitz) hinzugezogen wurde. Durch die Of­fen­heit ge­gen­über Sponsoring und der Ak­qui­se von finanziellen Mit­teln aus privater Hand ergaben sich neue Impulse. ins­be­son­de­re wenn Projekte umgesetzt wer­den konnten, für die öffentliche Mit­tel nicht aus­rei­chend zur Verfügung standen und den­noch ein Motivationsschub er­for­der­lich war.

Die Meilensteine im Überblick

Wie geht es weiter?

Paral­lel zur Ent­wick­lung der Hand­lungs­empfeh­lun­gen und dem systematischen Auf­bau von Präventionsketten im Bei­rat, wird bun­des­weit das neue Kinderschutzgesetz be­schlos­sen mit weitreichenden Präventionsmaßnahmen zu den „Frü­hen Hilfen“. Beispielweise sind Begrüßungsbesuche für al­le Fa­mi­lien Neu­ge­bo­re­ner (ca. 2.200 Neu­ge­bo­re­ne pro Jahr) vorgesehen, um Eltern und ih­re Kinder von An­fang an in die­ser Stadt willkommen zu heißen und ggf. mit den Unterstützungsmöglichkeiten vertraut zu ma­chen. Eine Herkulesaufgabe für den Fach­be­reich 51Kinder, Ju­gend und Fa­mi­lie, die die Stadt verpflichtet, die notwendigen Res­sour­cen zur Verfügung zu stel­len und ganz im Sinne der Hand­lungs­empfeh­lun­gen ist.

Um die skizzierten Auf­ga­ben mit dem Bei­rat und dem Präventionsnetzwerk ent­lang der Präventionskette um­set­zen zu kön­nen, wurde vom Rat die Ein­rich­tung der Stel­le "Ko­or­di­na­ti­on Kinderarmut" be­schlos­sen, sie wird voraussichtlich im Au­gust 2013 ih­re Ar­beit auf­neh­men.

Zu den Aufgaben gehören

  1. Ko­or­di­na­ti­on der Um­set­zung des Kommunalen Handlungskonzepts, Ent­wick­lung ei­nes Monitorings
  2. Beratung und Un­ter­stüt­zung von Akteuren
  3. Ent­wick­lung von Konzepten für Netzwerkbildung und Ge­stal­tung von Übergängen zwi­schen den einzelnen Bestandteilen der Präventionskette
  4. Geschäftsführung des Präventionsnetzwerks und des Beirats
  5. Geschäftsführung des Braun­schwei­ger Fonds für Kinder und Ju­gend­li­che

Trotz vieler Erfolge in Form tragfähiger Strukturen, ei­nes Fonds zur Un­ter­stüt­zung von Kitas, Schulen, Projekten und Einzelfällen, der Zu­sam­men­ar­beit mit Stif­tung­en zum Auf­bau von Hilfsdatenbanken so­wie der In­te­gra­ti­on von Ganztagsgrundschulen in den Stadt­teil, ste­hen wir wie viele an­de­re Kom­mu­nen auch vor der Auf­ga­be der Verstetigung bisheriger Maß­nah­men und des weiteren Ausbaus der Präventionskette. Gebraucht wer­den tragfähige, chancengerechte Strukturen und ei­ne gezielte und systematische Vernetzung von An­fang an.

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