Wir setzen auf dieser Website Cookies ein. Diese dienen dazu, Ihnen Servicefunktionen anbieten zu können sowie zu Statistik- und Analysezwecken (Web-Tracking). Weitere Informationen dazu und die Widerspruchsmöglichkeit zum Web-Tracking finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Servicenavigation

Sprung zur Hauptnavigation

Hauptnavigation

Sprung zum Seiteninhalt

  1. Über den Verbund
    1. Hintergründe, Daten & Materialien
    2. Struktur des Verbundes
    3. Geschäftsstelle
    4. Kooperationstreffen
  2. Wir in den Ländern
    1. Baden-Württem­berg
    2. Bayern
    3. Berlin
    4. Branden­burg
    5. Bremen
    6. Hamburg
    7. Hessen
    8. Mecklen­burg-Vor­pom­mern
    9. Nieder­sachsen
    10. Nord­rhein-West­falen
    11. Rhein­land-Pfalz
    12. Saar­land
    13. Sachsen
    14. Sachsen-Anhalt
    15. Schleswig-Holstein
    16. Thü­ringen
  3. Praxisdatenbank
  4. Qualitätsentwicklung
    1. Good Practice
    2. Qualität im Setting
  5. Partnerprozess
    1. Ziel: Integrierte kommunale Strategien
    2. Hintergrund
    3. Das Vorhaben
    4. Mitmachen
    5. inforo - das Portal für Fachkräfte
    6. Materialien
    7. AUF DEN PUNKT.
  6. Veranstaltungen
    1. Termine
    2. Satellit Armut und Gesundheit
  7. Service
    1. Artikel und Meldungen
    2. News­letter
    3. Videos
    4. Handreichungen
    5. Materialien
    6. Fragen & Antworten
    7. Wettbewerbe
    8. Links
    9. Presse
    10. RSS-Feeds

Seiteninhalt

Sprung zur Fusszeile

Angebotsdarstellung

Good Practice

Veröffentlichung: 2014

open.med München

Kurzbeschreibung mit Zielen und Maßnahmen

Trotz Versicherungspflicht haben in Deutschland viele Menschen keinen oder nur einen eingeschränkten Zugang zum Gesundheitssystem. Etwa 80.000 Männer, Frauen und Kinder leben in Deutschland offiziell ohne Krankenversicherung. Die Dunkelziffer ist weitaus höher. Doch auch mit eingeschränkter oder voller Leistungsberechtigung gibt es für viele Menschen multiple Barrieren, die sie daran hindern, ihre Ansprüche im Regelsystem wahrnehmen zu können. Zielgruppe der Arbeit von open.med sind daher alle Menschen, die anderweitig keinen Zugang zur Gesundheitsversorgung haben. Dazu gehören Menschen ohne geregelten Aufenthaltsstatus, Menschen ohne Krankenversicherung, Menschen in sozialen Schwierigkeiten (z.B. wohnungslose Menschen und Menschen mit Suchtproblematik) sowie Asylbewerberinnen und -bewerber.

In der niederschwelligen Anlaufstelle in München versorgt open.med jährlich mehr als 400 Menschen (2016: 446) medizinisch und eröffnet ihnen in Kooperation mit Partnern durch individuelle gesundheitliche und soziale Beratung einen Zugang zu weiterführender fachärztlicher Versorgung, dem regulären Gesundheitssystem und zusätzlichen Hilfsangeboten. Nur 2,6% der versorgten Personen verfügen über einen gültigen Krankenversicherungsschutz mit regulärem Leistungsumfang in Deutschland. Daneben haben 66,7% gar keinen Versicherungsschutz. Die weiteren 30,7% der versorgten Personen haben beispielsweise durch eine Versicherung im Heimatland oder durch Beitragsschulden bei einer Krankenkasse lediglich Zugang zu einem eingeschränkten Leistungsumfang im deutschen Gesundheitssystem. Hauptziel des Angebotes ist die langfristige Integration aller Klientinnen und Klienten in Regelstrukturen der medizinischen Versorgung, Prävention und Gesundheitsförderung. Darüber hinaus informiert open.med politische Entscheidungsträger und die breite Öffentlichkeit über die bestehenden Missstände und setzt sich für strukturelle und nachhaltige Lösungsansätze ein.

In Anspruch genommen wird die Anlaufstelle vor allem von Menschen ohne gesicherten Aufenthaltsstatus und von EU-Bürgerinnen und -bürgern in schwieriger Lage, aber auch von deutschen Staatsbürgern, die sich keine Krankenversicherung leisten können. Open.med bietet zweimal wöchentlich eine offene Sprechstunde in der Anlaufstelle im Zentrum Münchens an. Zusätzlich werden separate Sprechstunden für Kinder und Jugendliche, Frauen und Schwangere sowie chronisch erkrankte Menschen angeboten. Auch können psychisch belastete oder an Depressionen leidende Menschen die Unterstützung durch eine Psychiaterin und/oder Psychologin in Anspruch nehmen.

Open.med kooperiert mit knapp 100 Fachärztinnen und Fachärzten, die eine Weiterbehandlung der Patientinnen und Patienten bei komplexeren medizinischen Fragestellungen ermöglichen. Das gesamte medizinische Personal von open.med arbeitet ehrenamtlich. Das Angebot befindet sich in Trägerschaft von Ärzte der Welt, wird durch die Stadt München finanziell unterstützt und ist in ein internationales Netzwerk eingebunden. Vergleichbare Angebote bietet Ärzte der Welt, in Kooperation mit anderen Vereinen, auch in Hamburg, Berlin und Stuttgart an.


Kontakt

Herr Cevat Kara
Dachauerstrasse 161
80636 München (Bayern)

Telefon: 0177 / 5116965

E-Mail: cevat.kara@aerztederwelt.org

Website: https://www.aerztederwelt.org/unsere-projekte/deutschland/muenchen


Projektträger

Ärzte der Welt e.V.
Leopoldstrasse 236
80807 München


Hintergrund
Mit der Ratifizierung internationaler Menschenrechtsabkommen wie der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (1948), dem UN Sozialpakt (1976) und der Charta der Grundrechte der EU (2009) hat sich Deutschland verpflichtet, das Recht auf Gesundheit zu achten und zu gewährleisten.

Durch das Krankenversicherungssystem und die 2007 eingeführte Versicherungspflicht für die Gesetzliche Krankenversicherung bzw. 2009 für die Private Krankenversicherung sollte der Zugang zu medizinischer Versorgung für alle gewährleistet sein.

Dennoch gibt es in Deutschland viele Menschen, die keinen oder nur einen eingeschränkten Zugang zum Gesundheitssystem haben. Laut Erhebungen des Statistischen Bundesamtes sinkt seit Einführung der Versicherungspflicht (2007) zwar die offizielle Zahl der Menschen ohne Krankenversicherungsschutz (2015: 80.000 zu 2011: 128.000), die Dunkelziffer ist jedoch weitaus höher. Viele Menschen in prekären Lebenslagen - Menschen ohne geregelten Aufenthaltsstatus oder Unionsbürgerinnen und -bürgern ungesicherten Arbeitsverhältnissen - werden in bundesstatistischen Erhebungen nicht berücksichtigt.

Durch rechtliche Bestimmungen und administrative Barrieren wird vielen Menschen in Deutschland eine medizinische Behandlung und der Zugang zu präventiven Angeboten faktisch verwehrt - selbst bei bestehenden rechtlichen Ansprüchen auf Versicherungsschutz und auch bei voller Leistungsberechtigung. Betroffene laufen Gefahr, akute Erkrankungen unbehandelt zu lassen oder notwendige Behandlungen aufzuschieben. Besonders prekär ist die Lage vor allem für besonders vulnerable Menschen wie Frauen und Kinder.

Neben den dramatischen Folgen, die der mangelnde Zugang zur Gesundheitsversorgung und Prävention für viele Menschen hat, zeigen sich Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit: In mehreren Studien wurde nachgewiesen, dass der Ausschluss von gewissen Zielgruppen aus der Regelversorgung gesamtgesellschaftlich ökonomisch negativ zu bewerten ist, so zum Beispiel in dem Bericht der European Union Agency for Fundamental Rights "Cost of Exclusion from Healthcare": Demnach werden durch den Ausschluss von der Regelversorgung vermehrt medizinische Notfallbehandlungen nötig, die höhere Kosten verursachen als die Prävention und frühzeitige Behandlung von Erkrankungen.

Aufgrund der unzureichenden Möglichkeiten der Kostenübernahme werden Medizinerinnen und Mediziner sowie Krankenhäuser mit dem Dilemma zwischen der Verpflichtung zu helfen einerseits und dem Kostendruck andererseits alleingelassen. Trotz der gesellschaftlichen Brisanz des Themas taucht es selten auf der politischen Agenda auf und wird in der Öffentlichkeit bisher kaum wahrgenommen.

Open.med versucht die oben aufgezeigten Lücken durch akute Versorgung und langfristigen gesellschaftlichen Wandel zu schließen. Gemeinsam mit anderen Versorgungseinrichtungen in München (Arztpraxis für Wohnungslose im Haus an der Pilgersheimer Straße, Katholische und Evangelische Bahnhofsmission München, Malteser Migrantenmedizin und Obdachlosen-Praxis St. Bonifaz im Haneberghaus) wurde die AG Versorgung von Menschen ohne Krankenversicherung durch Ärzte der Welt initiiert. Ziel ist es, sich jeweils vor regelmäßigen Gesprächsrunden mit der Stadt München auszutauschen, um gemeinsam Herausforderungen und Wünsche hinsichtlich der gesundheitlichen Versorgung in München besser vertreten zu können.
Ziele und Zielgruppen
Das Hauptziel von open.med ist es, Menschen ohne Krankenversicherungsschutz medizinisch zu versorgen und ihnen durch individuelle gesundheitliche und soziale Beratung einen Zugang zu weiterführender fachärztlicher Versorgung, dem regulären Gesundheitssystem und weiteren Beratungs- und Unterstützungsangeboten zu eröffnen. Weiterhin hat open.med zum Ziel, durch eine breite Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit und durch die Mitwirkung in Gremien, die Gesellschaft und die Politik für das Thema "Zugang zu den Regelstrukturen der medizinischen Versorgung und gesundheitlichen Prävention für Menschen ohne Krankenversicherung oder ohne gesicherten Status" zu sensibilisieren und entsprechende Gesetzesänderungen anzuregen (vgl. Abschnitt "Vernetzung"). Im Bereich der Advocacy- und Lobby-Arbeit bilden daher politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger sowie administrative Stellen des Gesundheitswesens auf kommunaler, auf Bundesebene und europäischer Ebene eine weitere wichtige Zielgruppe. Darüber hinaus setzt sich open.med dafür ein, die allgemeine Bevölkerung durch öffentlichkeitswirksame Arbeit und die Beteiligung am öffentlichen Diskurs auf die Sachlage und Problematik aufmerksam zu machen.

Die Situation der Zielgruppen im Einzelnen:

Menschen, die im Asylverfahren sind, haben nach dem Asylbewerberleistungsgesetz im Fall von Krankheit, Schwangerschaft und Geburt in den ersten 15 Monaten ihres Aufenthalts in Deutschland lediglich Anspruch auf die Erstattung reduzierter medizinischer Leistungen bei akuten Erkrankungen und Schmerzzuständen. Was diese Leistungen umfassen und ausschließen, ist immer wieder Gegenstand von Auseinandersetzungen zwischen Asylbewerberinnen und -bewerbern und Ämtern und führt nicht selten zur Leistungsverweigerung.

Menschen ohne geregelten Aufenthaltsstatus haben faktisch keinen Zugang zur medizinischen Regelversorgung, sie machen ca. 10% der Klientinnen und Klienten aus (2016). Zu ihnen gehören auch nicht registrierte Flüchtlinge oder solche, die noch kein Asyl beantragt haben. Zwar haben sie dem Gesetz nach Anspruch auf Leistungen nach Asylbewerberleistungsgesetz. Beantragen sie jedoch beim Sozialamt den dafür notwendigen Krankenschein, ist das Amt nach § 87 Aufenthaltsgesetz verpflichtet, die Ausländerbehörde zu informieren. Dies gilt auch für Schwangere und Kinder von Menschen ohne Aufenthaltsstatus.

Auch viele Migrantinnen und Migranten aus der Europäischen Union (50% der Klientinnen und Klienten im Jahr 2016) haben in Deutschland de facto keinen Zugang zu Gesundheitsversorgung. Wenn sie nicht über eine Arbeitsstelle versichert sind, ist es für sie nahezu unmöglich, einen gesetzlichen oder privaten Krankenversicherungsschutz abzuschließen. Viele Einzelfallregelungen und administrative Barrieren (z.B. Nachweis einer Versicherung im Heimatland) erschweren den Zugang zum Regelsystem. Das "Gesetz zur Regelung von Ansprüchen ausländischer Personen [...]" vom 28.12.2016 erschwert zusätzlich den Zugang, da es bestimmte Gruppen von Menschen aus der EU von allen Sozialleistungen - inklusive dringend notwendiger medizinischer Versorgung - ausschließt. Diese Situation führt zu einer strukturellen Unterversorgung vieler Migrantinnen und Migranten.

Deutsche Staatsbürgerinnen und Staatsbürger ohne Krankenversicherung gehören zunehmend zur Zielgruppe von Ärzte der Welt, im Jahr 2016 sind dies 16% der Klientinnen von open.med. Betroffen sind vor allem Selbstständige mit wenig Einkommen oder Männer und Frauen mit niedriger Rente. Viele Betroffene haben überhaupt keine Krankenversicherung oder eine, die aktuell ruht und ihnen somit nur einen Zugang zu einer Behandlung im Notfall ermöglicht. Eine Rückzahlung von Beitragsschulden oder Entrichtung hoher Beiträge für die Krankenversicherung ist für sie nicht möglich. In der Konsequenz haben sie keinen oder einen nicht vollumfänglichen Leistungsanspruch und sind nicht adäquat versorgt.

Menschen in prekären Lebenslagen wie wohnungslose oder drogenkonsumierende Menschen leben oftmals in sozialer Isolation, ihr Alltag ist häufig von Suchtkrankheiten, Gewalt und mangelhafter Ernährung geprägt. Sie sind zwar oft krankenversichert, haben aber durch Barrieren wie Schamgefühl, schlechte Erfahrungen im Regelsystem oder administrative Schwierigkeiten oft nur einen eingeschränkten Zugang zum Gesundheitssystem. Obwohl durch die Lebensbedingungen der Versorgungsbedarf erhöht ist, sind diese Patientinnen und Patienten medizinisch meist unterversorgt.

Unter den oben genannten Zielgruppen sind auch häufig besonders schutzbedürftige Personen wie Frauen und Kinder anzutreffen. Nicht wenige Klientinnen und Klienten sind außerdem psychisch erkrankt und benötigen entsprechende spezifische Unterstützung.
Vorgehen
Kern des Angebots von open.med sind die öffentlichen Sprechstunden für Menschen ohne Krankenversicherungsschutz oder mit erschwertem Zugang zum Gesundheitssystem. Neben den regulären Sprechstunden, die zweimal wöchentlich stattfinden, gibt es gesonderte Kindersprechstunden zweimal im Monat. Aufgrund des hohen Bedarfs an gynäkologischer Versorgung und Schwangerschaftsberatung wurden 2012 zusätzliche Sprechstunden für Frauen etabliert. Die Beratung wird abwechselnd von einer Gynäkologin und einer Hebamme durchgeführt, dabei werden die Frauen beispielsweise zur Schwangerschaft, zur Zeit rund um die Geburt, aber auch zu Themen wie Stillen beraten und informiert.
Im Sommer 2013 wurde ein weiteres Sprechstundenangebot aufgebaut, das sich an chronisch erkrankte Menschen richtet (Schwerpunkte: Diabetes, Bluthochdruck, Schmerzen). Das Angebot beinhaltet, neben der medizinischen Versorgung, auch Aufklärungsarbeit und Schulungen für Betroffene, die open.med bereits regelmäßig aufsuchen.

Nicht wenige Menschen, die zu open.med kommen, befinden sich in einer ernsten psychischen Krise und/oder leiden an Depressionen. Aus diesem Grund wurde ab Juli 2014 eine zusätzliche Beratungskomponente eingeführt: Patienten und Patientinnen können seitdem bei Bedarf die Beratung durch erfahrene Psychiaterinnen und Psychiater und/oder Psychologeninnen und Psychologen in Anspruch nehmen. Die Betroffenen werden bei der Bewältigung ihrer oft schwierigen Lebenssituation unterstützt. Im Vordergrund steht das Empowerment der Betroffenen (Hilfe zur Selbsthilfe), die dazu befähigt werden sollen, ihren Alltag alleine zu bewältigen. Die Beratung ermutigt sie zur Problemlösung und zeigt Wege aus der Krise.

Im Rahmen der Sprechstunden werden zudem soziale Beratungsgespräche durchgeführt. Diese haben das Ziel, die rechtlichen Ansprüche der Betroffenen auf medizinische Regelversorgung zu klären und sie, falls möglich, wieder in das gesundheitliche Regelsystem zu integrieren. In einer weiterführenden Verweisberatung wird auf zusätzliche Unterstützungsangebote aufmerksam gemacht.

Das Angebot von open.med wird seit Jahren immer gleichermaßen stark in Anspruch genommen, was seine Relevanz für die Zielgruppen veranschaulicht. Im Jahr 2016 beispielsweise suchten über 440 Menschen dort Hilfe (vgl. Tabelle im Abschnitt "Innovation und Nachhaltigkeit"). Behandlung und Beratung haben das zentrale Ziel, den Patientinnen und Patienten langfristig einen möglichst uneingeschränkten Zugang zum gesundheitlichen Regelsystem zu eröffnen. Eine (nicht repräsentative) Befragung von 26 Klientinnen und Klienten im Rahmen einer Studienarbeit an der Hochschule für angewandte Wissenschaften München im Jahr 2016 zeigte eine insgesamt hohe Zufriedenheit der Befragten mit den Angeboten. Diese geben u.a. auch gestiegene Handlungskompetenzen in Folge der Sozialberatungen an, in der Wahrnehmung der Betroffenen stehen aber die medizinischen Leistungen von open.med im Zentrum.

Das Angebot beruht auf dem Grundgedanken, dass es die Pflicht des Staates ist, das Menschenrecht auf Gesundheit zu schützen und zu gewährleisten. Open.med schließt daher nur zeitweise Lücken in der gesundheitlichen Versorgung, wo der Staat dieser Verantwortung nicht gerecht wird. Das Angebot soll keine Parallelstrukturen schaffen, sondern es verfolgt das Ziel, langfristig durch staatliche Strukturen ersetzt zu werden. Daher setzt sich open.med durch Öffentlichkeits- und Advocacy-Arbeit auch politisch für eine Versorgung aller Menschen im Regelsystem ein.
Good Practice in
Niedrigschwellige Arbeitsweise

Open.med arbeitet auf verschiedenen Ebenen niedrigschwellig, um die Hürden für die Patientinnen und Patienten möglichst gering zu halten, die das Angebot in Anspruch nehmen wollen. Von Beginn an war es besonders hilfreich, dass Räumlichkeiten mit dem Projekt "Café 104" geteilt wurden. Das Café bietet parallel zu den Sprechzeiten von open.med aufenthaltsrechtliche Beratungen an. Patientinnen und Patienten, bei denen Behandlungsbedarf im Rahmen der Beratungen im Café 104 festgestellt wird, können so schnell den Kontakt zu open.med herstellen und Behandlungen und Beratungen in Anspruch nehmen. Umgekehrt gilt dies für Patientinnen und Patienten von open.med, die aufenthaltsrechtliche Fragen haben. Sie können direkt in das Café 104 weitergeleitet werden.
Um die Erreichbarkeit der Zielgruppen zu verbessern und Menschen an verschiedenen Orten und auf unterschiedlichen Sprachen auf das Angebot aufmerksam zu machen, ist open.med mittlerweile mit vielen weiteren Hilfsorganisationen, Wohlfahrtsverbänden und niedrigschwelligen Angeboten der Stadt (Streetwork) gut vernetzt, die einen speziell konzipierten mehrsprachigen Flyer für Patientinnen und Patienten verteilen. Die Informationen des Flyers sind, ebenfalls in verschiedene Sprachen übersetzt, auch auf der Webseite unter www.aerztederwelt.org/projekte/inlandsprojekte/openmed-muenchen/info-patient.html zu finden.

Ein weiterer wichtiger Faktor für die Niedrigschwelligkeit ist die gute Erreichbarkeit der Praxisräume. Die Anlaufstelle liegt in zentraler Lage in der Innenstadt Münchens, in unmittelbarer Nähe öffentlicher Verkehrsmittel. Die Räume sind barrierefrei; zudem sind sie von außen einzusehen, sodass Interessierte sich einen ersten Eindruck verschaffen können, bevor sie sich entscheiden, hineinzugehen. Die telefonische Erreichbarkeit der Praxis wird verbessert, indem open.med außerhalb der Sprechzeiten über eine telefonische Hotline und einen Ansprechpartner bzw. eine Ansprechpartnerin (allerdings kein Mediziner bzw. Medizinerin) vor Ort zu erreichen ist.
Um die Hürden für die Inanspruchnahme des Angebots möglichst gering zu halten, ist für die offenen Sprechstunden keine Voranmeldung notwendig. Ausnahmen sind die Sprechstunde für chronisch erkrankte Menschen und Facharzttermine. Die regulären Sprechstunden (dienstags und freitags) finden zudem abwechselnd morgens und abends statt, um flexibel auf die unterschiedlichen Verfügbarkeiten der Patientinnen und Patienten einzugehen.
Die Behandlungsangebote von open.med können anonym und kostenlos in Anspruch genommen werden. Reichen die Behandlungsmöglichkeiten von open.med nicht aus, werden die Patientinnen und Patienten direkt an kooperierende Fachärztinnen und Fachärzte oder andere Unterstützungsangebote weitervermittelt, die ebenfalls kostenlos behandeln.
Weiterhin trägt besonders die Sprachmittlung während Behandlung und Beratung zur Niedrigschwelligkeit des Angebots bei. Sowohl in den Sprechstunden von open.med wie auch bei Terminen bei Fachärztinnen und ärzten stehen den Betroffenen Sprachmittlerinnen und Sprachmittler zur Seite. Die notwendigen Sprachkenntnisse sind häufig im Team von open.med vorhanden. Bei Bedarf kann auf einen Pool von ca. zehn Sprachmittlerinnen und Sprachmittler zurückgegriffen werden, die zum Beispiel Patientinnen und Patienten bei Terminen begleiten oder telefonische Absprachen dolmetschen. Über die medizinische Versorgung hinaus erhalten die Patientinnen und Patienten auch Informationen zu gesundheitlichen und sozialrechtlichen Themen (z.B. Krankenversicherung, Kostenübernahme etc.).
Trotz allem stellen sich Anfahrt und Zugang zur Praxis in manchen Fällen als zu hochschwellig heraus: Viele Menschen, die Hilfe benötigen, erreichen die Anlaufstelle nicht. Einen wichtigen Beitrag zur Niedrigschwelligkeit leisten deshalb die mobilen Einsätze, die seit Januar 2017 zweimal wöchentlich mit einem Behandlungsbus an unterschiedlichen Standpunkten in München durchgeführt werden. Dadurch können Menschen, die die Praxis nicht erreichen, direkt vor Ort versorgt werden.

Nachhaltigkeit

Die Stadt München und das Angebot open.med gehörten zu Projektbeginn im Jahr 2006 in Deutschland mit zu den Vorreitern der gesundheitlichen Versorgung von Menschen ohne gesicherten Aufenthaltsstatus und ohne Krankenversicherungsschutz. Das Angebot knüpft an die Arbeit der Medibüros an (http://medibueros.m-bient.com), die sich vor allem über politische Arbeit für die Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung von Migrantinnen und Migranten, Geflüchteten und EU-Staatsbürgerinnen und staatsbürgern einsetzen.
Der innovative Charakter von open.med besteht darin, diesen Ansatz durch ein konkretes medizinisches Unterstützungsangebot zu erweitern. Dabei ist es vor allem durch die enge Zusammenarbeit mit kommunalen Strukturen und den offenen Austausch über die Thematik in der Stadt München gelungen, die Finanzierung zu stabilisieren, kontinuierlich zu arbeiten und das Angebot sowohl qualitativ als auch quantitativ auszuweiten (vgl. Abschnitt "Vorgehen"). Die Nutzungsstatistik (vgl. Tabelle zur Nutzungsstatistik unter Dokumenten) zeigt, dass open.med mehr als 10 Jahre nach der Gründung weiterhin für die Zielgruppen relevant ist.

Das Budget von open.med München betrug im Jahr 2016 für Anlaufstelle und Beratungsbus 190.000 Euro. Es setzt sich zusammen aus Spenden (42%), kommunalen Mitteln (34%) und Stiftungsgeldern (24%).
Die medizinische Behandlung geschieht i.d.R. auf ehrenamtlicher Grundlage. Die Sozialberatung wird durch Hauptamtliche durchgeführt, die in juristischen Fragen wiederum ehrenamtlich durch Juristinnen und Juristen unterstützt werden. Ergänzende Angebote wie Sprachmittlung werden teilweise ehrenamtlich erbracht (z.B. durch eine Werksstudentin) oder durch den Gemeindedolmetscher-Service für München in Trägerschaft des Bayerischen Zentrums für transkulturelle Medizin.

Ein wichtiges Ziel des Angebotes ist es, nachhaltige Wirkung zu garantieren. Diese Nachhaltigkeit entsteht erstens auf individueller Ebene: Die Patientinnen und Patienten erhalten nicht nur kurzfristige medizinische Versorgung, sondern werden auch zu (sozial)rechtlichen Themen beraten und bei Bedarf an andere Stellen weiterverwiesen, mit dem langfristigen Ziel einer (Re-)Integration ins Regelsystem. Zweitens setzt sich open.med auf struktureller Ebene durch Öffentlichkeits- und politische Arbeit für eine Versorgung aller Menschen im Regelsystem ein. Dies geschieht auch durch die Zusammenarbeit mit anderen internationalen Projekten von Ärzte der Welt (vgl. Kriterium "Vernetzung"). Beispielsweise wirkt open.med regelmäßig bei der Durchführung und Veröffentlichung einer europaweiten Dokumentation und Auswertung der europäischen Projekte mit (siehe https://issuu.com/arztederwelt/docs/eu_bericht_2016_aerztederwelt).

Integriertes Handlungskonzept/Vernetzung

Die Ziele von open.med können nur in einem breiten Netzwerk auf internationaler, nationaler und regionaler Ebene erfolgreich erreicht werden.
Zum einen finden innerhalb des Angebotes ein interner Austausch unter den Mitarbeitenden und ein fachübergreifender Austausch der medizinischen und dolmetschenden Ehrenamtlichen statt. Ohne diese Ehrenamtlichen wäre die Arbeit von open.med nicht möglich. Neben den Ärztinnen und Ärzten, Hebammen/Geburtshelfern sowie Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpflegerinnen, die während der Sprechzeiten direkt in der Anlaufstelle tätig sind, kann open.med auf ein breites Netzwerk an weiterem Fachpersonal zurückgreifen. Derzeit sind etwa 100 Fachärzte und Fachärztinnen engagiert, die in Kooperation mit open.med Patientinnen und Patienten in ihrer eigenen Praxis behandeln. Um deren fachgerechte Versorgung zu gewährleisten, sind außerdem verschiedene Krankenhäuser, Apotheken, Gesundheitsdienstleister und ein Labor in das Angebot eingebunden. Durch Medizinstudierende, die die Ärzte und Ärztinnen während der Sprechstunden unterstützen, besteht gleichzeitig ein guter Kontakt zur Universität München. Wenn Patientinnen oder Patienten Bedarf an einer psychosozialen Beratung haben, können auch Kontakte zu Sozialpädagoginnen und -pädagogen oder entsprechend qualifiziertem Personal vermittelt werden. Weitere Ehrenamtliche unterstützen open.med durch ihre Mitarbeit am Empfang oder durch die Dokumentierung der Behandlungen. All diese Partnerinnen und Partner fungieren auch als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, so dass neue Fachkräfte z.T. einfach durch Mund-zu-Mund Propaganda akquiriert werden können.

Zweitens gibt es auf regionaler Ebene einen Austausch mit anderen öffentlichen und privaten Akteuren durch die Teilnahme an Arbeitskreisen im Gesundheitsbereich. Die gute Zusammenarbeit mit dem Sozialreferat München und dem Referat für Gesundheit und Umwelt gewährleistet die nachhaltige, kontinuierliche Arbeit des Angebotes. Zudem besteht eine Kooperation mit dem Amt für Wohnen und Migration. Open.med ist in den regionalen Arbeitskreisen "Gesundheit und Migration" und "Zugang zu gesundheitlicher Versorgung für nicht versicherte Patientinnen und Patienten" vertreten. Im Kern des kommunalen Netzwerkes von open.med steht die Menschenrechtsorganisation Bayerischer Flüchtlingsrat und insbesondere das dort angesiedelte Projekt Café 104 (vgl. Kriterium "Niedrigschwelligkeit").
Gleichzeitig sucht open.med auf regionaler Ebene den Kontakt zu Entscheidungsträgern, um auf Versorgungslücken aufmerksam zu machen. Das Angebot leistet aktiv Öffentlichkeitsarbeit, insbesondere auf Fachtagungen, Veranstaltungen, Seminaren, Symposien, im Rahmen von Podiumsdiskussionen, Pressekonferenzen und Infoabenden. Diese Veranstaltungen sind für open.med ein Sprachrohr und sie bieten die Möglichkeit, bekannter zu werden und somit das bestehende Netzwerk auszubauen. Dafür werden auch Kooperationen mit den Medien, Zeitungen, Hörfunk und Fernsehen genutzt.

Auf der bundesweiten Ebene treffen sich regelmäßig die Koordinatorinnen und Koordinatoren aller Projektstandorte von Ärzte der Welt, um Erfahrungen auszutauschen und neue Strategien zu entwickeln. Weiterhin bestehen Kooperationen mit anderen Akteuren im Gesundheitsbereich, wie der Bundesarbeitsgruppe "Gesundheit und Illegalität" sowie den Medinetzen und Medibüros. Schwerpunkt ist hierbei die Zusammenarbeit auf politischer Ebene, um gemeinsam die Wirksamkeit zu erhöhen. Im Rahmen des Netzwerks Gesundheit ein Menschenrecht - ein Zusammenschluss aus medizinischen Institutionen, Praxen, Ambulanzen und Vereinen, die sich mit der Gesundheitsversorgung von nicht oder unzureichend krankenversicherten Menschen beschäftigen - hat der Träger Ärzte der Welt beispielweise federführend eine Arbeitsgemeinschaft gegründet, die sich mit der gesundheitlichen Versorgung von Unionsbürgerinnen und bürgern auseinandersetzt.

Da Ärzte der Welt Teil des internationalen Netzwerks Médecins du Monde ist, profitiert open.med von einem internationalen und regelmäßigen Praxisaustausch zwischen den verschiedenen Sektionen. Die Öffentlichkeitsarbeit sowie die politische Arbeit werden von diesen gemeinsam umgesetzt. Diese konstante Zusammenarbeit stärkt das gesamte Netzwerk und fördert die Qualität der Arbeit. Auf europäischer Ebene sind Médecins du Monde zusammen mit anderen NGOs in das Netzwerk "European network to reduce vulnerabilities in health" eingebunden. Dadurch findet ein gemeinsamer Lernprozess durch Fortbildungen und Austausch statt, dessen Erfahrungswerte wieder in die jeweiligen Standorte einfließen.


Gesammelte Erfahrungen (Lessons Learned)
Maßgeblich für den Erfolg von open.med ist das Erreichen der Zielgruppe. Dies ist für open.med eine besonders große Herausforderung, die es immer wieder nötig macht, nach neuen noch niedrigschwelligeren Zugängen zu suchen. Ein Beispiel hierfür ist die Erweiterung des Angebotes um mobile Einsätze (Behandlungsbus), um die Betroffenen direkt vor Ort zu versorgen. Die open.med-Praxis befindet sich zudem an einem zentralen Standort in der Innenstadt Münchens.

Ein weiterer unabdingbarer Erfolgsfaktor von open.med ist, dass die Hilfesuchenden keine Angst vor dem (Erst-)Kontakt haben und sich sicher und aufgenommen fühlen.

Auch die Sprachmittlung durch Dolmetscherinnen und Dolmetscher während der Behandlung und Beratung ist ein essentieller Schlüssel zur guten Versorgung und zum Vertrauensaufbau zwischen den Patientinnen und Patienten sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.
Literatur
Ärzte der Welt (2016): Jahresbericht 2015. München. http://www.aerztederwelt.org/fileadmin/pdf/Publikationen/Aerztederwelt_Jahresbericht_2015_WEB_
klein.pdfBayerisches Staatsministerium für Gesundheit und Pflege,
Video vom 18.11.2015: Gesundheits- und Pflegepreis 2015 - Projekt open.med. https://www.youtube.com/watch?v=CUkDp0FW3Q0.

Arbeitspapier der Bundesarbeitsgruppe Gesundheit/Illegalität (2017): Gesundheitsversorgung für Menschen ohne Papiere, Aktuelle Herausforderungen und Lösungsansätze. http://www.aerztederwelt.org/fileadmin/pdf/Publikationen/BAG_Gesundheit_Illegalitaet_
Gesundheitsversorgung_Menschen%20ohne%20Papiere_
April%202017_Web.pdf.

BR Fernsehen, Sendung "Quer", Beitrag vom 13.07.2017: Systemfehler. Immer mehr Menschen ohne Krankenversicherung. http://www.br.de/mediathek/video/sendungen/quer/170713-quer-versicherung-100.html.
Laufzeit des Angebotes

Beginn: September 2006

Abschluss: kein Ende geplant


Welche Personengruppe(n) in schwieriger sozialer Lage wollen Sie mit Ihrem Angebot erreichen?

Menschen in schwieriger sozialer Lage sind ein wichtiger Teil der Zielgruppe, auch wenn sich das Angebot in erster Linie an alle richtet.

  • Personen mit sehr niedrigem Einkommen (z.B. Personen im Niedriglohnsektor, Personen mit niedrigen Rentenbezügen)
  • Schwangere in schwieriger sozialer Lage
  • Geflüchtete
  • Migrant/-innen in schwieriger sozialer Lage
  • Personen mit gesundheitsbelastenden und / oder prekären Arbeitsbedingungen
  • Menschen mit Behinderung in schwieriger sozialer Lage
  • Chronisch kranke / mobilitätseingeschränkte und / oder kognitiv beeinträchtigte Personen in schwieriger sozialer Lage
  • Pflegebedürftige Personen in schwieriger sozialer Lage
  • Wohnungslose

Multiplikatorinnen und Multiplikatoren
Open.med ist mit weiteren niedrigschwelligen Angeboten von Hilfsorganisationen, Wohlfahrtsverbänden und kommunalen Einrichtungen, wie beispielsweise pro Familia, Drogennotdienst, Malteser Migranten Medizin und Münchner Aids-Hilfe e.V., gut vernetzt. Diese Einrichtungen verteilen den Angebotsflyer kontinuierlich. Die Mitarbeitenden dieser Stellen genießen das Vertrauen vieler Betroffener und können so die Informationen zu open.med mit einer großen Akzeptanz an ihre Klientinnen und Klienten verbreiten. Gleichzeitig fungieren auch diese als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, die das Angebot bei anderen Menschen mit gesundheitlichem Versorgungsbedarf bekannt machen. Durch diese informellen Netzwerke entsteht ein Vertrauensvorschuss, wodurch das Angebot niederschwelliger und der Zugang leichter wird.
Kooperationspartnerinnen und Kooperationspartner
Das Café 104 ist offizieller Kooperationspartner und bietet parallel zu den Sprechzeiten von open.med aufenthaltsrechtliche Beratungen an. Menschen, bei denen Behandlungsbedarf im Rahmen der Beratungen im Café 104 festgestellt wird, können so schnell den Kontakt zu open.med herstellen und Behandlungen in Anspruch nehmen. Umgekehrt gilt dies für Patientinnen und Patienten von open.med, die aufenthaltsrechtliche Fragen haben. Sie können direkt in das Café 104 weitergeleitet werden.
Die Anlaufstelle erhält einen jährlichen Zuschuss durch die Stadt München. Weitere Finanzmittel werden aus Spenden, Anträgen an Stiftungen etc. generiert.
Schwerpunkte des Angebotes
  • Prävention von Infektionskrankheiten (Impfen)
  • Inanspruchnahme von Vorsorgeuntersuchungen
  • Psychische Gesundheit
  • Elternschaft / Schwangerschaft
  • Bürgerschaftliches Engagement
  • Sonstiges: Sozialberatung, Basismedizinische Versorgung und ggf. Weiterleitung

Qualitätsentwicklung
Was machen Sie, um die Qualität Ihres Angebotes weiterzuentwickeln?
Die im Rahmen des Angebotes anonym erhobenen Daten werden regelmäßig ausgewertet. Die Analyse wird unter anderem durch das europäischen Netzwerk Ärzte der Welt/Médecins du Monde und einem Kooperationsprojekt mit der Universität Heidelberg wissenschaftlich begleitet. Die daraus resultierenden Ergebnisse bzw. Schlussfolgerungen fließen in regelmäßige Monitoringberichte ein, die pro Quartal erstellt und in angebotsbezogenen Jahresberichten analysiert und evaluiert werden. Sie dienen dazu, das Angebot für die Zielgruppe anzupassen und zu optimieren.
Weiterhin gibt es ein Handbuch, welches für alle Mitarbeiter*innen Richtlinien und Standards definiert und regelmäßig aktualisiert wird.
Haupt- und Ehrenamtliche von open.med tauschen sich in regelmäßigen Teamsitzungen aus: Fachliche und grundsätzliche Themen sowie bestehende Probleme werden besprochen, mögliche Lösungen, Anregungen, Ideen diskutiert. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind außerdem mit den anderen Inlandsprojekten von Ärzte der Welt vernetzt, ein Austausch findet im Rahmen von Telefonkonferenzen und jährlichen Inlandstreffen statt. Die Vernetzung erstreckt sich darüber hinaus auf weitere Akteure mit vergleichbaren Zielgruppen, z.B. im Rahmen unterschiedlicher Arbeitsgruppen.
Ärzte der Welt bietet darüber hinaus regelmäßig Fortbildungen für die Mitarbeitenden an, unter anderem zu Anforderungen bei der Behandlung spezifischer Zielgruppen, wie z.B. traumatisierter Geflüchteter. Auch eine begleitende Supervision der Arbeit wird auf Wunsch angeboten.

Zuletzt sind Befragungen der Nutzerinnen und Nutzer ein wichtiger Bestandteil der Qualitätssicherung und ?entwicklung. Bisher fanden bei open.med zwei Befragungen (2014, 2016) im Rahmen wissenschaftlicher Arbeiten statt. Hierbei handelte es sich noch um kleinere Pilotprojekte (84 und 26 Befragte), um Chancen und Herausforderungen einer Nutzerinnen- und Nutzerbefragung auszuloten. Geplant sind für die Zukunft breiter angelegte, regelmäßige Befragungen.
Welche Erfahrungen haben Sie bei der Qualitätsentwicklung Ihres Angebotes gemacht?
Welche Stolpersteine haben Sie festgestellt?
Eine der wichtigen Grundlagen für die Qualitätsentwicklung besteht in der kontinuierlichen anonymen Erhebung von Daten. Diese Datenabfrage erfordert eine gleichbleibende und konstante Sorgfalt, die an manchen Praxistagen aufgrund der vielen Patientinnen und Patienten sehr herausfordernd sein kann. Open.med gründet außerdem auf dem Engagement von vielen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Praktikantinnen und Praktikanten. Auch wenn man insgesamt mit der Kontinuität dieser Mitarbeitenden sehr zufrieden sein kann, bleibt festzuhalten, dass ein gewisser Wechsel regelmäßig stattfindet. Die Einarbeitung von neuen ehrenamtlichen Mitarbeiter(inne)n ist daher eine permanente und wichtige Aufgabe, gerade auch im Hinblick auf die Qualitätsentwicklung. Die Entwicklung des Handbuchs für ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter trägt zur Standardisierung bei.

Die Sozialberatung von Patientinnen und Patienten zielt u.a. auf die (Wieder-)Eingliederung in eine Krankenversicherung ab oder - je nach Problemlage - auf die Weitervermittlung an andere Beratungsstellen. Da die Patientinnen und Patienten im Anschluss in der Regel nicht nochmals vorstellig werden, bleibt die Frage offen, wie effizient und wirksam unsere Beratung tatsächlich ist.
Wie dokumentieren Sie Ihre Arbeit? (z.B. Konzepte, Handreichung)
Alle bei open.med durchgeführten Konsultationen werden dokumentiert. Die Daten werden anonym ausgewertet für interne Statistiken und Evaluationen von Entwicklungen und Richtlinien. Im Rahmen eines Netzwerkprojektes von Ärzte der Welt in Europa werden die Daten verglichen mit ähnlichen Projekten in ganz Europa und für die politische Arbeit des Vereins eingesetzt (siehe Europäischer Bericht 2016, http://www.aerztederwelt.org/fileadmin/pdf/Publikationen/EU_Bericht_2016_aerztederwelt.pdf).

Quelle der Veröffentlichung/URL: interne Statistiken

Es ist kein Ergebnisbericht vorhanden.

Das Vorgehen der Qualitätsentwicklung kann ganz unterschiedlich sein. Einiges haben Sie bereits genannt. Welches der folgenden Verfahren wenden Sie zusätzlich an?
Selbstevaluation
Erläuterung
Anhand der Statistiken und praktischen Erfahrungen der Mitarbeitenden werden Entwicklungen erkannt und wird proaktiv reagiert. Die Evaluation der Patientinnen- und Patientenzufriedenheit wird in regelmäßigen Abständen (letzte Erhebung 2016) mittels eines Fragebogens im Wartezimmer durchgeführt.
Welche Methoden werden bei der Selbstevaluation angewendet?
Auswertung der statistischen Daten, regelmäßiger Austausch zwischen hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und mit dem ehrenamtlichen Team, Vernetzung mit anderen Projektträgern mit vergleichbaren Zielgruppen, regelmäßige Mitarbeit und Engagement in verschiedenen relevanten Arbeitsgruppen, bei Bedarf Fortbildungen und Supervisionen, Patientenbefragungen.
Die Qualitätsentwicklung und Ergebnissicherung sind momentan noch nicht in ein Qualitätsmanagementsystem eingebunden. Aktuell werden jedoch deutschlandweit in Kooperation mit allen anderen Inlandsprojekten von Ärzte der Welt Qualitätskriterien erarbeitet, um die Qualität der Projekte sicherzustellen bzw. noch zu erhöhen.

Die Qualitätsentwicklung und Ergebnissicherung sind nicht in ein Qualitätsmanagementsystem eingebunden.


Stand

07.03.2018

… zurück zur Übersicht

Logo der Bundeszentrale für gesundheitlicheAufklärung
Logo der Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung, Gesundheit Berlin-Brandenburg e.V.

Projektträger

Ärzte der Welt e.V.

Projektlaufzeit

Beginn: September 2006

Abschluss: kein Ende geplant

Kontakt

Herr Cevat Kara
Dachauerstrasse 161
80636 München (Bayern)

E-Mail

Website

Fusszeile

Sprung zum Seitenbeginn

Der Kooperationsverbund wurde 2003 auf Initiative der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) gegründet
und wird maßgeblich durch die BZgA getragen. Ihm gehören aktuell 71 Partnerorganisationen an.
BZgA / Maarweg 149-161 / 50825 Köln-Ehrenfeld / Tel +49 221 8992-0 / Fax +49 221 8992-300
Die BZgA ist eine Fachbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit.