26.01.2012
Welche Effekte zu welchen Kosten?
Forschungsprojekt "Kosten und Effekte von Maßnahmen zur Verringerung der gesundheitlichen Ungleichheit - das Beispiel Förderung des Bewegungsverhaltens bei Kindern und Jugendlichen
Dr. Andreas Mielck, MPH, Helmholtz Zentrum München
Katharina Korber, Helmholtz Zentrum München
Lena Kückels, Gesundheit Berlin-Brandenburg
Schlagwörter: Forschung, Interview
© fotolia.de, flucas
Ist Prävention wirksam? Und in welchem Verhältnis stehen die aufgewendeten Kosten zum Effekt der Maßnahmen? Diese Fragen stellen sich gleichermaßen Geldgeber und Praktiker/innen. Für viele Präventions- und Gesundheitsförderungsmaßnahmen sind Wirksamkeits-Nachweise dokumentiert. Doch bei den Kosten schaut es anders aus. Um herauszufinden, ob die finanziellen und personellen Ressourcen noch effektiver eingesetzt werden können, ist eine Kosten-Effektivitäts-Analyse erforderlich. Aus rein wirtschaftlicher Sicht betrachtet sollte der Ertrag einer Investition größer sein als die Kosten. Aber ist dieser Ansatz so einfach in den Bereich der Gesundheitsförderung zu übertragen? Oder spielen dort auch ganz andere Aspekte eine Rolle?
Das von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) geförderte Forschungsprojekt „Kosten und Effekte von Maßnahmen zur Verringerung der gesundheitlichen Ungleichheit - das Beispiel Förderung des Bewegungsverhaltens bei Kindern und Jugendlichen“ beschäftigt sich mit dieser Fragestellung. Es startete im März 2011 und hat eine Laufzeit von 24 Monaten. Das Projekt wird von Dr. Andreas Mielck und Katharina Korber am Institut für Gesundheitsökonomie und Management im Gesundheitswesen, Helmholtz Zentrum in München durchgeführt.
Bewegungsförderung im Kindes- und Jugendalter
Aktuelle Studien zeigen, dass Bewegungsmangel im Kindes- und Jugendalter in den letzten Jahren zugenommen hat. Dies ist vor allem bei Kindern und Jugendlichen zu beobachten, die aufgrund des sozialen Umfelds besonders stark belastet sind. Wenig Bewegung im Kindes- und Jugendalter ist ein Risikofaktor für verschiedene Erkrankungen. Ausreichende Bewegung im Kindes- und Jugendalter dagegen stärkt die physische, psychische und soziale Gesundheit. Insbesondere Kinder und Jugendliche in schwieriger sozialer Lage können durch Angebote zur Förderung von körperlichen Aktivitäten profitieren.
In den letzten Jahren wurden in Deutschland vermehrt Präventionsprogramme durchgeführt, die Bewegungsförderung im Kindes- und Jugendalter zum Ziel hatten. Die Frage, welche Effekte mit einer derartigen Maßnahme erreicht werden konnten, und welche Kosten damit verbunden waren, lässt sich bisher jedoch kaum beantworten. Für die Planung weiterer Maßnahmen sind diese Informationen aber sehr wichtig. Da die verfügbaren Mittel zur Bewegungsförderung bei sozial benachteiligten Kindern begrenzt sind, sollten vor allem die besonders effektiven Maßnahmen ausgewählt werden.
Erhebung von Effekten und Kosten
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Warum gibt es zwar Informationen über Effekte, jedoch kaum über die damit verbundenen Kosten? Ein Grund ist, dass es vielen Anbietern im Rahmen ihrer meist sehr knappen finanziellen Budgets und zeitlichen Ressourcen kaum möglich ist, Effekte und Kosten detailliert zu erheben. Ein anderer Grund ist, dass wir bisher sehr wenig darüber wissen, wie die Kosten-Effektivität dieser Maßnahmen überhaupt gemessen werden kann.
Der erste Schritt des Forschungsprojektes war eine ausführliche Literaturrecherche nach Fachbeiträgen, die sich mit diesem Thema befassen. Die Suche in verschiedenen wissenschaftlichen Datenbanken und in anderen Quellen hat vor allem gezeigt:
Zur Frage, wie kosteneffektiv die Maßnahmen zur Bewegungsförderung bei Kindern und Jugendlichen sind, lassen sich nur sehr wenige empirische Studien finden.
Aus Deutschland liegt zu diesem Thema bisher keine empirische Studie vor.
Von den vorhandenen Studien bezieht sich keine direkt auf die Gruppe der sozial Benachteiligten.
In den Studien werden sehr unterschiedliche Methoden zur Erfassung der Kosten und Effekte verwendet.
Als Fazit der Literaturrecherche lässt sich ziehen: Auch wenn die Ergebnisse der internationalen Studien nicht unmittelbar auf Deutschland übertragbar sind, können wir doch methodisch viel von ihnen lernen. Sie zeigen, wie sich Kosten und Effekte dieser Maßnahmen erfassen lassen und wie Kosten und Effekte zueinander ins Verhältnis gesetzt werden können. Sie zeigen jedoch auch, welche Probleme dabei auftreten können. Im nächsten Arbeitsschritt des Forschungsprojektes wird es in Zusammenarbeit mit Praxisprojekten um die Frage gehen, wie dieses Wissen auf konkrete Maßnahmen in Deutschland übertragen werden kann.
Interview zum Forschungsprojekt
In einem Interview haben Dr. Andreas Mielck und Katharina Korber der Geschäftsstelle des Kooperationsverbundes „Gesundheitsförderung bei sozial Benachteiligten“ einige Fragen zu ihrem Projekt beantwortet.
Auf welches Problem reagiert das Forschungsprojekt?
Mielck/Korber: Die (positiven) Effekte von gesundheitsfördernden Maßnahmen sind weitgehend bekannt und anerkannt. Die Kosten und die Kosteneffektivität hingegen wurden bisher kaum betrachtet. Das Projekt soll an diesem Punkt ansetzen und aufzeigen, mit welchem Mitteleinsatz welche Effekte erreicht werden können.
Welchen Stellenwert hat das Thema „soziale Benachteiligung“ im Projekt und wie wird es bearbeitet?
Mielck/Korber: Das Thema ’soziale Benachteiligung’ steht im Zentrum des Projektes. Es wird gezielt nach Kosten und Effekten bei den Projekten gesucht, die sich an sozial Benachteiligte richten.
Welche Kooperations- bzw. Praxispartner sind in das Forschungsprojekt einbezogen?
Mielck/Korber: Planung und Durchführung des Projektes erfolgen gemeinsam mit Herrn Dr. Frank Lehmann (BZgA, Köln) und mit Gesundheit Berlin-Brandenburg e.V. Die Praxispartner aus einzelnen Projekten werden Anfang 2012 ausgewählt und einbezogen.
Welche (vorläufigen) Ergebnisse gibt es zu berichten?
Mielck/Korber: Ein umfangreicher Überblick über den Stand der Diskussion hat gezeigt, dass es viele erfolgreiche Projekte gibt, die gute Effekte erzielen, dass genauere Informationen zu Kosten und Kosteneffektivität jedoch noch nicht vorliegen.
Welchen Nutzen wird die Praxis aus den gewonnenen Erkenntnissen und Einsichten ziehen können?
Mielck/Korber: In Zusammenarbeit mit Praxispartnern aus einzelnen Projekten soll ein anwendungsfreundliches Modul zur Erfassung der entstehenden Kosten erstellt werden. Dieses Modul soll dazu beitragen, das folgende Ziel zu erreichen: Für die Fortsetzung und Ausdehnung erfolgreicher Projekte kann besser geworben werden, wenn nicht nur die Effekte, sondern auch die Kosten genannt werden können.
In welcher Form werden die Forschungsergebnisse präsentiert?
Mielck/Korber: Die ersten Zwischenergebnisse werden auf dem Kongress Armut & Gesundheit am 9. und 10. März 2012 in Berlin vorgestellt. Außerdem sind eine Diskussion der Ergebnisse in einem größeren Kreis von Experten/innen (z.B. im Beratenden Arbeitskreis des Kooperationsverbundes) sowie Publikationen in Fachzeitschriften geplant.
Vielen Dank für das Gespräch!
Kontakt:
Andreas Mielck, Dr. phil., MPH
Katharina Korber, Dipl.-Kffr.
Helmholtz Zentrum München,
Institut für Gesundheitsökonomie und Management im Gesundheitswesen
Postfach 1129, 85758 Neuherberg
E-Mail: mielck@helmholtz-muenchen.de
E-Mail: katharina.korber@helmholtz-muenchen.de
www.helmholtz-muenchen.de/igm/
Den Zwischenbericht zu Arbeitsschritt 1: Literatur-Überblick des Projektes „Kosten und Effekte von Maßnahmen zur Verringerung der gesundheitlichen Ungleichheit. Das Beispiel Förderung des Bewegungsverhaltens bei Kindern und Jugendlichen“ finden sie hier (PDF-Datei, 410kB).



