14.11.2011
Stadtentwicklung und Gesundheitsförderung gemeinsam gestalten
Der Sozial-integrative Triathlon Berlin Hohenschönhausen
Katarina Prchal, Humboldt-Universität zu Berlin, Institut für Sportwissenschaft (IfS)/Centrum für Sportwissenschaft und Sportmedizin (CSSB)
Schlagwörter: Kommentar, Sozialraum, Sport, Stadtentwicklung
Eine nachhaltige Stadtentwicklung ist ohne Gesundheitsförderung kaum vorstellbar. Lebensqualität, Chancengleichheit, die Beteiligung der Bewohner/innen - all dies sind Aspekte, die aktiv zu einer gesunden Lebenswelt beitragen und durch gesundheitsförderliche Ansätze im Stadtteil gestärkt werden können. Eines der bislang wenigen Projekte zur Gesundheitsförderung im Programm „Nationale Stadtentwicklungspolitik“ ist der Sozial-integrative Triathlon in Berlin Hohenschönhausen. Der Triathlon ist ein gemeinsames Projekt des Instituts für Sportwissenschaft der Humboldt Universität Berlin, dem Bezirksamt Berlin-Lichtenberg, vertreten durch Bezirksbürgermeisterin Christina Emmrich, und dem Sportverein Pfefferwerk e. V.
Soziale Integration durch den gemeinsamen Sport
Das Projekt zielt auf die soziale Integration der Bewohner/innen, die Stärkung des Zusammenlebens, die Verbesserung des Bildungsangebotes und die Förderung der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen ab. Dabei sollen die Ressourcen und Potenziale der Bewohner/innen genutzt und das gesellschaftliche Engagement im Stadtteil vorangetrieben werden. Konzeptionell folgt das Projekt den Ansätzen der Sozialraumorientierung und stellt den konsequenten Bezug zu den Interessen und Wünschen der Menschen in den Vordergrund. Dabei wird auf die Netzwerke und die Ressourcen des Quartiers zurückgegriffen.
Im Zentrum des Projektes stehen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die durch die langfristige Vorbereitung, Organisation, Durchführung, Teilnahme und Dokumentation des jährlichen Triathlons nicht nur im eigenen Stadtgebiet aktiv werden, sondern explizit für die Entwicklung des Stadtteils mobilisiert werden sollen. Die Teilnahme an einem großen Stadtteilevent wie dem „Triathlon Integrale“ soll dazu beitragen, dass sich die jungen Menschen mit dem eigenen Stadtteil identifizieren und die Lebensqualität der Bewohner/innen nachweisbar verbessert wird.
Die Lebensbedingungen der Menschen in Hohenschönhausen sind sehr unterschiedlich: Sowohl hinsichtlich der sozioökonomischen Situation der Bewohner/innen als auch hinsichtlich des baulichen Bestandes und der sozialen Infrastruktur. Neben dem deutlichen Bezug zur soziallagenbezogenen Gesundheitsförderung ist daher auch die Integration im Stadtteil von Bedeutung, um im Quartier den Prozessen von selektiven Auf- und Abwertungen innerhalb der einzelnen Wohnquartiere entgegen zu wirken.
Mittels eines niederschwelligen Sport- und Bewegungsangebotes für ausgewählte Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe wird insbesondere sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen ein Zugang zu Bewegungs- und Sportangeboten außerhalb der üblichen Vereins- und Wettkampfstruktur ermöglicht. In Kooperation mit dem Sportverein Pfefferwerk e.V. werden Studierende des Instituts für Sportwissenschaft der HU Berlin geschult, um in den Einrichtungen für die Zielgruppe Sport und Bewegung als Erlebnis zu vermitteln. Die verschiedenen Sport- und Bewegungsangebote sollen die Kinder und Jugendlichen im Stadtteil motivieren, sich am jährlichen „Triathlon Integrale“ in ihrem Stadtgebiet zu beteiligen.
Geschlechtersensible Angebote
Ausgewählte Studien (KIGGS, WIAD, HBSC) zeigen, dass die sportliche Aktivität von Mädchen mit zunehmendem Alter abnimmt, Mädchen vermehrt aus Sportvereinen austreten und auch im Sportunterricht weniger aktiv sind. Mädchen und junge Frauen brauchen daher Sport- und Bewegungsangebote, die ihren individuellen Bedürfnissen und ihrer Lebenswelt entsprechen. Das Projekt bietet den Mädchen und jungen Frauen Sport- und Bewegungsangebote im Lebensraum und beachtet dabei die Bedürfnislage und eigenen Ressourcen bzw. Potentiale dieser Zielgruppe. Dabei werden vor allem gesellschaftliche und insbesondere sportbezogene Sozialisationen, d.h. feste Rollenzuschreibungen hinterfragt.
In diesem Jahr fand der OrankeOpen „Triathlon Integrale“ - so der Name des Triathlons - zum dritten Mal statt. Mehr als 240 Teilnehmer/innen starteten in verschiedenen Kategorien. Aus dem Bezirk Hohenschönhausen waren viele Jugendfreizeiteinrichtungen mit ihren Jugendlichen vertreten, ebenso nahmen integrative Einrichtungen am Triathlon teil.
Weitere Information zum Projekt finden Sie unter http://www.gesundheitliche-chancengleichheit.de/praxisdatenbank/sport-und-bewegungsangebote-fuer-sozial-benachteiligte-kinder/



