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01.12.2006

Statements zum 12. Kongress Armut und Gesundheit

von der Pressekonferenz

Rike Hertwig, Gesundheit Berlin-Brandenburg

veröffentlicht am 1. Dezember 2006

(es gilt das gesprochene Wort)

Statements

Vitae

  

  

Statement von
Dr. Elisabeth Pott, Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ge­sund­heits­för­de­rung bei so­zi­al Be­nach­tei­lig­ten ist seit Jahren ein wichtiger The­men­schwer­punkt der Bun­des­zen­tra­le für ge­sund­heit­liche Auf­klä­rung (BZgA). Wir wis­sen, dass wir es hierbei mit ei­nem zunehmenden gesellschaftlichen Problem zu tun haben. Männer und Frauen des unteren Einkommensviertels haben ei­ne um ca. 7 Jahre kürzere Le­bens­zeit als die­je­ni­gen des oberen Einkommensviertels. Und sie haben zu­sätz­lich ei­ne deut­lich kürzere Le­bens­zeit in Ge­sund­heit und oh­ne Be­hin­de­rung. Die ge­sund­heit­lichen Unterschiede be­gin­nen be­reits in der Kind­heit. Von fast allen Krank­heit­en sind Kinder aus Fa­mi­lien in schwierigen Le­bens­la­gen häufiger be­trof­fen. So ist der An­teil der Ju­gend­li­chen mit ei­nem Ri­si­ko für Ess­stö­rung­en bei niedrigem sozioökonomischem Sta­tus mit 27,6 Pro­zent fast dop­pelt so hoch wie in der oberen Sozialschicht (15,5 Pro­zent). Kinder aus Migrantenfamilien und mit niedrigem Sozialstatus be­we­gen sich 2-3mal seltener sport­lich als Kinder, die diesen Hintergrund nicht haben. Hier benötigen wir Pro­jekte und Regelangebote, die Ge­fähr­dung­en früh er­ken­nen und Menschen in schwierigen Lebenssituationen kom­pe­tent för­dern.

Nur durch ei­ne gemeinsame In­iti­a­ti­ve aller Verantwortlichen kön­nen wir die­ser Herausforderung begegnen. Wir sind da­her froh, dass seit No­vem­ber 2006 der von uns initiierte nationale Ko­o­pe­ra­ti­ons­ver­bund „Ge­sund­heits­för­de­rung bei so­zi­al Be­nach­tei­lig­ten“ mit nun­mehr 42 Bundes- und Landesorganisationen aus dem Ge­sund­heits- und Wohlfahrtsbereich ein starkes Bünd­nis für mehr ge­sund­heit­liche Chan­cen­gleich­heit bildet.

Wir iden­ti­fi­zie­ren Bei­spiele guter Pra­xis der Ge­sund­heits­för­de­rung bei so­zi­al Be­nach­tei­lig­ten und ma­chen sie be­kannt. Ein Bei­spiel ist das Fa­mi­lienprogramm „Ade­bar“ in Hamburg, bei dem z. B. die aufsuchende Fa­mi­lienhebammenhilfe Fa­mi­lien in so­zi­alen Brennpunkten sinn­voll unterstützt. So kön­nen psychische, so­zi­ale und körperliche Stö­rung­en bei Kin­dern vermieden wer­den, was sich z. B. in selteneren Krankenhausaufenthalten zeigt.

Im Ber­li­ner Pro­jekt „Fit­ness für Kids“ konnte nachgewiesen wer­den, dass die motorische Leis­tungs­fä­hig­keit so­zi­al benachteiligter Kinder nach ei­nem Jahr die­je­ni­ge der an­de­ren Kinder erreicht hatte. Dies ist hochsignifikant zu den Kontrollgruppen, in de­nen kein Ge­sund­heits­för­de­rungsangebot stattfand. Im Pro­jekt der BZgA „Ich geh zur U und Du?“ wurde die In­an­spruch­nah­me der Früherkennungsuntersuchungen von Kin­dern mit Migrationshintergrund um 16 Pro­zent erhöht.

In ei­nem nächsten Schritt gilt es, diese Maß­nah­men in die Flä­che zu brin­gen und sie in an­de­re Kom­mu­nen/Regionen zu trans­fe­rie­ren. Hier kann ich Ihnen von ersten Er­folgen be­rich­ten: Das Fa­mi­lien­hebam­men­projekt „Schutz­en­gel“ wurde im Rahmen unseres Ko­o­pe­ra­ti­ons­ver­bun­des be­kannt gemacht. Es ist mehr­mals prämiert worden, zu­letzt im Rahmen der BKK-Satellitenveranstaltung ges­tern. Es ist ein großer Er­folg, dass das Pro­jekt „Schutz­en­gel“ in­zwi­schen in den Kinder- und Jugendplan des Landes „Schleswig-Holstein“ aufgenommen wurde und so Fa­mi­lienhebammenhilfe in vielen Landkreisen und kreisfreien Städten auf hohem Qualitätsniveau eingerichtet wird.

Damit beispielhafte Pro­jekte auch aus an­de­ren Bereichen der Ge­sund­heits­för­de­rung bei so­zi­al Be­nach­tei­lig­ten be­kannt gemacht und zur Nach­ah­mung empfohlen wer­den kön­nen, hat die BZgA seit 2001 ei­ne Da­ten­bank mit z. Zt. ca. 2.800 Pro­jekten und Angeboten der Ge­sund­heits­för­de­rung bei so­zi­al Be­nach­tei­lig­ten aufgebaut. Pro­jekte guter Pra­xis wer­den nach Kriterien, die von ei­nem beratenden Arbeitskreis, der mit anerkannten Per­sön­lich­keit­en aus Wis­sen­schaft und Pra­xis besetzt ist, identifiziert. Zurzeit sind 33 als gut bewertete Pro­jekte so­wohl auf der Internetplattform www.gesundheitliche-chancengleichheit.de als auch in unserer Fachheftreihe veröffentlicht. Sie um­fas­sen die Handlungsfelder „Frü­he Hilfen, Alleinerziehende, Kitas, Schulen, Jugendfreizeit, psychische Er­kran­kung­en, Sucht und Mi­gra­ti­on“. Unser Ziel ist es, mittelfristig einen Bei­trag für mehr ge­sund­heit­liche Chan­cen­gleich­heit zu er­brin­gen, so­weit er mit Maß­nah­men der Ge­sund­heits­för­de­rung leistbar ist.  

  

  

Statement
K.-Dieter Voß, BKK Bundesverband, Essen

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Ko­o­pe­ra­ti­ons­ver­bund „Ge­sund­heits­för­de­rung bei so­zi­al Be­nach­tei­lig­ten“ hat am 10. No­vem­ber 2006 in Köln mit der Zu­stim­mung sei­ner 42 Mitgliedsorganisationen - u.a. auch un­ser Haus - ei­ne, wie ich mei­ne, bemerkenswerte Er­klä­rung zur Ge­sund­heits­för­de­rung bei so­zi­al Be­nach­tei­lig­ten verabschiedet, aus der ich Ihnen ei­ne kurze Pas­sa­ge vortra­gen möchte:
„Ar­mut und Aus­gren­zung als zentrale Ursachen so­zi­aler Un­gleich­heit müs­sen abgebaut wer­den. Nicht nur im Gesundheitsbereich, auch in Arbeitsmarkt-, Sozial-, Umwelt-, Stadtplanungs-, Verkehrs-, Familien- oder Bil­dungs­po­li­tik müs­sen Akzente zur Schaf­fung gesundheitlicher Chan­cen­gleich­heit ge­setzt wer­den! Gerade im abgestimmten Zusammenwirken der unterschiedlichen Politikbereiche lie­gen die größten Entwicklungspotenziale für die Zu­kunft. Entsprechend sollten Res­sour­cen dort gebündelt und einge­setzt wer­den, wo der Be­darf am größten ist.“
Die Fol­gen von Ar­mut und so­zi­aler Aus­gren­zung hat die gesamte Ge­sell­schaft zu tra­gen. Nahezu al­le Politikfelder sind be­trof­fen. Und die da­mit verbundenen Folgekosten sind für al­le er­heb­lich. Ich will Ihnen das am Bei­spiel von ei­ner Modellrechnung un­seres Hauses für die GKV verdeutlichen:

  • Im September 2006 waren 4,3 Mio. Arbeitslose in der GKV versichert. Während ein erwerbstätiges Mitglied rd. 2000,- € Beiträge im Jahr entrichtet, sind es beim ALG-I-Empfänger rd. 1600,- € und beim ALG-II-Empfänger etwas mehr als 1300,- €. Daraus errechnen sich Mindereinnahmen durch Arbeitslose in Höhe von 2,6 Mrd. €.
  • Diesen stehen deutlich höhere Ausgaben gegenüber: Die Ausgaben für einen Arbeitslosen sind etwa doppelt so hoch wie bei einem Erwerbstätigen. Bei 4,3 Mio. Arbeitslosen ergibt dies Mehrausgaben in Höhe von 8,7 Mrd. €.
  • Mindereinnahmen und Mehrausgaben addieren sich zu einer Deckungslücke von mehr als 11 Mrd. €. D.h. die Arbeitslosigkeit in Deutschland auf dem aktuell vergleichsweise niedrigen Niveau kostet die GKV 11 Mrd. € im Jahr. Sollte die Zahl der Arbeitslosen wieder steigen, vergrößert sich die Deckungslücke. Der Abbau der Arbeitslosigkeit würde hingegen die Krankenkassen erheblich entlasten und Beitragsabschläge von bis zu einem Prozentpunkt erlauben.

Solche Modellrechnungen ließen sich aber auch für al­le anderen Sektoren er­stel­len und würden dann erst das ganze Aus­maß der Kosten von Ar­mut für die Ge­sell­schaft deut­lich ma­chen. Deshalb ist die For­de­rung des Ko­o­pe­ra­ti­ons­ver­bun­des „Ge­sund­heits­för­de­rung bei so­zi­al Be­nach­tei­lig­ten“ nach Ab­bau der Ar­mut nachdrücklich zu un­ter­stüt­zen.
Solange aber die Ar­mutsproblematik fortbesteht, müs­sen die so­zi­alen Sicherungssysteme und al­le anderen Verpflichtung Tragenden zu­min­dest die Symptome der Ar­mut lin­dern, um die gravierendsten Auswüchse des Problems zu be­sei­ti­gen. Mit der 2003 gestarteten BKK-Initiative „Mehr Ge­sund­heit für al­le“ haben wir begonnen, die Un­gleich­heit von Ge­sund­heitschancen zu vermindern. In mehr als 60 Projekten und Strukturmaßnahmen in den Bereichen Prä­ven­ti­on, Ge­sund­heits­för­de­rung und Selbst­hil­fe versuchen wir, die Ge­sund­heitschancen von so­zi­al be­nach­tei­lig­ten Menschen zu verbessern. Dass wir da­bei er­folg­reich sind, da­von zeu­gen meh­re­re Aus­zeich­nung­en von BKK geförderten Projekten aus der jüngsten Zeit.

Um gute, so­zi­allagenbezogene Projekte auch von anderen Akteuren be­kannt zu ma­chen und zu wür­di­gen, hat der BKK Bundesverband wie be­reits im letzten Jahr auf seiner gestrigen Satellitenveranstaltung zum 12. Kon­gress „Ar­mut und Ge­sund­heit“ vier Projekte guter Pra­xis aus­ge­zeich­net. Sie waren zu­vor von einer unabhängigen Ju­ry ausgewählt worden. Es handelt sich da­bei um folgende Projekte:

  • Waldameisen, Kita „Storchennest“, Cottbus
  • Connect, Büro für Suchtprävention, Hamburg
  • Schutzengel, Förderverein Schutzengel e.V., Flensburg
  • Psychisch krank im Job, Familien-Selbsthilfe Psychiatrie, Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker (BApK e.V.), Bonn

  

Zur Erklärung des Kooperationsverbundes im Wortlaut

  

Pressemitteilung der AOK mit Statements von
Dr. Hans Jürgen Ahrens

Bonn, den 1. Dezember 2006

AOK engagiert sich in der Gesundheitsförderung von sozial Benachteiligten
Kongress „Armut und Gesundheit“

Ber­lin. Die AOK setzt sich für ei­ne gute Ge­sund­heitsversorgung von so­zi­al Be­nach­tei­lig­ten ein. „Hier ist erfolgreiche Ge­sund­heits­för­de­rung be­son­ders effektiv, hier sind noch große Rückstände aufzuholen in ge­mein­samer An­stren­gung von gesetzlichen Kran­ken­kas­sen und anderen Trägern der Ge­sund­heitsprävention“, erklärte Dr. Hans Jür­gen Ahrens, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes, auf dem Kon­gress „Ar­mut und Ge­sund­heit“ in Ber­lin. Eine ganz wichtige Rol­le spielten da­bei, so Ahrens, die „regionalen Kno­ten“. Das sind Koordinierungsstel­len zur ge­mein­samen Ab­stim­mung und Durch­füh­rung von Präventionsprojekten von Kran­ken­kas­sen und Kom­mu­nen in Kindergärten und Schulen. Diese „regionalen Kno­ten“ gebe es mit Un­ter­stüt­zung der gesetzlichen Kran­ken­kas­sen in allen Bundesländern (bis auf das Saar­land). Hier würden Präventions-Aktivitäten gut koordiniert und wei­ter verbreitet.

Ahrens sagte: „Damit die Ar­beit der regionalen Kno­ten aber auf sichere Bei­ne gestellt wer­den kann, brau­chen wir in jedem Bun­des­land ei­ne ge­mein­same Fi­nan­zie­rung und Un­ter­stüt­zung vom Land und allen gesetzlichen Kran­ken­kas­sen. Auch die Beteiligung der privaten Kran­ken­kas­sen wä­re gut.“
Ahrens kritisierte, dass die kommende Ge­sund­heitsreform es für die gesetzlichen Kran­ken­kas­sen schwerer ma­chen werde, die nö­ti­gen Mit­tel für die Ge­sund­heits­för­de­rung von so­zi­al Be­nach­tei­lig­ten zur Verfügung zu stel­len. Die AOK werde sich da­von je­doch nicht ir­ri­tie­ren las­sen. Als Bei­spiel da­für nannte er die neue AOK-Kam­pa­gne „Ge­sun­de Kinder - gesunde Zu­kunft“. Ahrens: “Gerade bei Kin­dern und Ju­gend­li­chen ist ein Mehr an Ge­sund­heits­för­de­rung ein Muss: In den letzten 10 Jahren hat sich die Fit­ness von Kin­dern und Ju­gend­li­chen um ca. 10 % verschlechtert. Nach ei­ner Stu­die der AOK und des Wissenschaftlichen Instituts der Ärzte Deutsch­land, die in­zwi­schen 60.000 Testpersonen umfasst, ist die Fit­ness der Kinder seit 2000 kon­ti­nu­ier­lich zurückgegangen.“

Die AOK startet da­her 2007 ei­ne große Kam­pa­gne „Ge­sun­de Kinder - gesunde Zu­kunft“, um die Le­bens­qua­li­tät von Kin­dern und Ju­gend­li­chen zu verbessern. Ahrens: “Schon bis­her haben wir mit altersgerechten An­ge­bo­ten für Kinder zu gesunder Er­näh­rung, zur Mo­ti­va­ti­on für Spiel und Sport und zum entspannten Um­gang mit Stress ei­nen expliziten Schwer­punkt ge­setzt. In diese Projekte wurden auch die Eltern der Kinder eingebunden, um die Ge­sund­heitschancen der heranwachsenden Ge­ne­ra­ti­on von vornherein zu verbessern. Diese An­ge­bo­te wer­den wir bün­deln und da­rü­ber hinaus un­se­re Aktivitäten in Schulen und Kindergärten in­ten­si­vie­ren. So wer­den wir im Rahmen der Kam­pa­gne z. B. ge­mein­sam mit der Stif­tung Kindergesundheit in vielen Kindergärten bun­des­weit Er­zie­he­rin­nen da­rin un­ter­stüt­zen, Kinder spie­le­risch für gesundes Es­sen und mehr Be­we­gung zu mo­ti­vie­ren. Wir wer­den auch neue Wege be­schrei­ten, um diese Ziele auf Dau­er in den Kindergarten- und Familienalltag zu in­te­grie­ren.“

AOK-Bundesverband
Pressestelle
Kortrijker Straße 1
53177 Bonn
E-Mail: presse@bv.aok.de
Internet: www.aok-bv.de
Telefon 0228 843-310
Telefax 0228 843-507  

  

  

Statement
Ingrid Papies-Winkler, Plan- und Leitstelle Gesundheit Friedrichshain-Kreuzberg

Insbesondere in den Ber­li­ner Innenstadtbezirken wie Neu­kölln, Mit­te, Friedrichshain-Kreuzberg mit ihrem hohen An­teil armer Menschen besteht ein großer Handlungsbedarf.
So nimmt der Be­zirk Friedrichshain-Kreuzberg lt. Ber­li­ner Sozialstrukturatlas nach wie vor den letzten Rang ein un­ter den Ber­li­ner Be­zirken. Das bedeutet u. a., dass im Orts­teil Friedrichshain 18,1 % und im Orts­teil Kreuzberg 23,6 % der Menschen un­ter­halb der Ar­mutsgrenze le­ben (Ber­lin ins­ge­samt 17,6 %). 50,5 % der Menschen in Haushalten mit Migrationshintergrund sind von Ar­mut be­trof­fen, in Haushalten mit Kin­dern un­ter 18 Jahren sind 38,6 % der Personen arm.

Eine wesentliche Ziel­grup­pe von Maß­nah­men zur Ge­sund­heits­för­de­rung und Prä­ven­ti­on sind da­her Kinder und Fa­mi­lien.

Die Ergebnisse der jährlichen Einschulungsun­tersuchungen, die KIGGS-Studie des Robert-Koch-Instituts so­wie die vergleichende Lang­zeit­stu­die, die in 41 Ländern ein­schließ­lich Ber­lin zur Kindergesundheit durchgeführt wurde, zei­gen vor allem bei so­zi­al be­nach­tei­lig­ten Kin­dern, die Zu­nah­me von allgemeinen Entwicklungsdefiziten und psychischen Auf­fäl­lig­keit­en so­wie erhebliche Sprachdefizite und Über­ge­wicht bei Kin­dern mit Migrationshintergrund (Friedrichshain-Kreuzberg: ca. 24 % türkischer Herkunft, ca. 12 % Deutsch).
Um wirksame Stra­te­gien und Maß­nah­men zur Verbesserung der gesundheitlichen Chan­cen­gleich­heit umzusetzen, ist ein niedrigschwelliger, ressourcenorientierter und partizipativer Zu­gang zur Ziel­grup­pe un­ab­ding­bar.
Erfolgreiche Zu­gangswege sind hierbei u. a. die Settings Fa­mi­lie, Kita, Schule und Stadt­teil. Wichtig sind - wie auch auf Bun­des­ebe­ne - der Auf­bau und die Nut­zung von Netzwerk- und Kooperationsstrukturen, die Akteure des Gesundheits-, Jugend-, Sozial-, Umwelt- und Stadtentwicklungsbereich zusammenzuführen.
Good-Practice-Beispiele für kommunale Stra­te­gien und Projekte:

  • Das Netzwerk „Gesundheitsförderung rund um die Geburt“ in Friedrichshain-Kreuzberg ist ein Zusammenschluss von ca. 35 Institutionen mit dem Ziel, insbesondere sozial benachteiligte Schwangere und Familien zu unterstützen und den Kinderschutz zu verbessern. Hieraus sind diverse Einzelmaßnahmen entstanden.
  • Das Berliner Bildungsprogramm für Kitas enthält ein wesentliches Modul zur Gesundheitsförderung. Es wurde verpflichtend für alle Kitas eingeführt.
  • Schulen erhalten in Kooperation mit Krankenkassen Hilfe bei der Organisationsentwicklung zur „Gesunden Schule“ als Schulprogramm.
  • Die Durchführung von bezirklichen Gesundheitskonferenzen, wie z. B. „Kindergesundheit, Ernährung und Bewegung“, die als offene Foren aller beteiligten Akteure, einschließlich Kinder, durchgeführt werden, bieten durch den partizipativen Ansatz gute Voraussetzungen, um die Zielgruppen wirklich zu erreichen und somit zur Chancengleichheit beizutragen.
  • In einem 3-jährigen Bundes-Modellprojekt „Besser essen. Mehr bewegen.“ werden Gesundheitstrainer und Mentoren mit türkischem und arabischem Migrationshintergrund geschult zum Einsatz in Familien, Schulen und Stadtteilen.
  • In dem EU geförderten Projekt „Gemeindedolmetschdienst“ wurden 75 arbeitslose Migrant(inn)en zu Sprach- und Kulturmittlern qualifiziert, die im Gesundheits-, Jugend- und Sozialbereich auf Honorarbasis eingesetzt werden.
  • Angegliedert ist seit November 2006 ein Berliner Modellprojekt, in dem 20 arbeitslose Migrant(inn)en in Beschäftigungsverhältnisse übernommen wurden zum Einsatz in gemeinnützigen Bereichen.
  • Unterstützt wird die Selbsthilfeinitiative von ca. 15 Müttern türkischer Herkunft, „Mütter ohne Grenzen“, die aktiv gegen Drogendealer vorgeht.
  • Eine Medikamentensammlung zur Unterstützung von Einrichtungen, die Nichtversicherte und Menschen ohne Aufenthaltsstatus behandeln, wurde initiiert.

  

  

  

Vitae

Ahrens, Hans Jürgen, Dr. jur.
seit 1.1.1996 Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes, zuvor Lehrauftrag für Öffentliches Recht an der
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Vorsitzender des Aufsichtsrates der August-Bier-Klinik, Malente, Ministerialdirigent
und Leiter einer Abteilung im Ministerium für Arbeit und Soziales, Jugend in Schleswig-Holstein
Kontakt:
AOK-Bundesverband, Kortrijker Str. 1, 53177 Bonn
Tel.: (0228) 8430
Mail: hansjuergen.ahrens@bv.aok.de

Papies-Winker, Ingrid
Dipl.-Politologin, Dipl. Sozialpädagogin
Koordinatorin für Gesundheitsförderung der Plan- und Leitstelle des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg, Sprecherin
des Arbeitskreises „Migration, Integration und Gesundheit“ von Gesundheit Berlin e.V.
Publikationen:
• Papies-Winkler: Interkulturelle Gesundheitsförderung: In: Geene, R./Graubner, S./Papies-Winkler,
I./Stender, K. P. (Hg.), Gesundheit-Umwelt-Stadtentwicklung. Netzwerke für Lebens-Qualität, Berlin 2002
• Papies-Winkler: Dolmetschen im Gesundheits- und Sozialwesen - Projekt des Interkulturellen
Gesundheitsnetzwerks Berlin. In: Borde, T./David, M. (Hg.), Gut versorgt?, Ffm 2003
• Papies-Winkler: Kinderbeteiligung für eine gesunde und zukunftsfähige Stadt „Kiezdetektive“, In: Borde,
T./David, M. (Hg.), Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund, Ffm 2005
Kontakt:
Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, Plan- und Leitstelle Gesundheit, Müllenhoffstr. 17, 10967 Berlin
Tel.: (030) 74755972, Fax (030) 7475 59 0
Mail: gespl@ba-fk.verwalt-berlin.de

Pott, Elisabeth
Dr. med.
1967 -1974 Medizinstudium in Bonn und Kiel, 1976 Approbation, Promotion (Gerichtsmedizin), 1976/1977 Chirurgische
Weiterbildung, 1981 Ärztin für öffentliches Gesundheitswesen, 1978 Referentin im Bundesministerium für Arbeit und
Sozialordnung (Gesundheitsvorsorge und Früherkennung in der GKV), 1981 Referatsleiterin im Niedersächsischen
Sozialministerium (Gesundheitsvorsorge und -fürsorge im ÖGD), seit 1986 Direktorin der Bundeszentrale für
gesundheitliche Aufklärung, Lehrauftrag für Sozialmedizin an der Medizinische Hochschule Hannover
Publikationen:
• Pott, Elisabeth: „Soziale Aspekte von Krankheit und Gesundheit“. Vortrag beim 1. Nationalen
Präventionskongress „Kardiovaskuläre Epidemiologie und Prävention“, Essen, 04.05.2005
• Pott, Elisabeth: „Von der AIDS-Aufklärung zur STD-Prävention. Vorschläge für eine erfolgsversprechende
Zukunft“. 10. Deutscher und 16. Österreichischer AIDS-Kongress, „HIV 2005 Herausforderung, Innovation,
Vision“, Wien, 01.-04.06.2005
• Pott, Elisabeth: „Closing the gap: Strategies for Action to tackle Health Inequalities in Europe“. Konferenz
“Tackling Health Inequalities Summit”, Queen Elisabeth II Conference Centre London, 17.-18.10.2005
Kontakt:
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Ostmerheimerstr. 220, 51109 Köln
Tel.: (0221) 8992240, Fax (0221) 8992300
Mail: elisabeth.pott@bzga.de

Rosenbrock, Rolf
Prof. Dr. rer. pol.
Wirtschafts-, Sozial- und Gesundheitswissenschaftler, Leiter der Forschungsgruppe Public Health im
Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB), lehrt Gesundheitspolitik u.a. an der Technischen Universität
Berlin, wichtigste Themen sind die sozial bedingten Ungleichheiten von Gesundheitschancen, Präventionspolitik,
Betriebliche Gesundheitsförderung, sowie Steuerung und Finanzierung der Krankenversorgung, betreibt seit den 70er
Jahren Gesundheitsforschung und Politikberatung und ist u.a. Mitglied im Sachverständigenrat für die Begutachtung der
Entwicklung im Gesundheitswesen (SVR - G), Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats der Bundeszentrale für
gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Mitglied des Nationalen Aids-Beirates (NAB), des Vorstandes im Berliner Zentrum
Public Health (BZPH) sowie des Vorstandes der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH)
Publikationen:
• Rolf Rosenbrock, Claus Michel: Primäre Prävention, Bausteine für eine systematische Gesundheitssicherung,
Berliner Schriftenreihe Gesundheitswissenschaften, Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Berlin
2006 (im Druck)
• Rolf Rosenbrock/Thomas Gerlinger: Gesundheitspolitik. Eine systematische Einführung, Verlag Hans Huber:
Bern usw. 2004, 2., vollst. überarb. u. erw. Aufl. 2006
• Uwe Lenhardt/Rolf Rosenbrock: Wegen Umbau geschlossen? Auswirkungen betrieblicher Reorganisation auf
den Gesundheitsschutz, edition sigma: Berlin 2006
Kontakt:
Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, Reichpietschufer 50, 10785 Berlin
Tel.: (030) 25491-571
Mail: rosenbrock@wz-berlin.de

Voß, K.- Dieter
geboren 1943
Mitglied des Vorstands des BKK Bundesverbandes
Werdegang
Klassische Krankenkassenausbildung mit allen Verwaltungsprüfungen und einem ergänzenden
verwaltungswissenschaftlichen Studium mit Abschluss 1973. Seit 1996 Vorstand des BKK Bundesverbandes, zuvor seit
1992 stellvertretender Geschäftsführer. Vorher Leitungsfunktionen beim BKK Bundesverband u. a. in den Bereichen
”berufliche Bildung”, „Prävention“ / „Rehabilitation”, „Leistungs- und Vertragsgestaltung“. Mehrjährige praktische
Tätigkeit in allen Abteilungen einer AOK. Nach der Wende und im Wege der Abordnung: persönlicher Berater des letzten
DDR-Gesundheitsministers, Umwandlung des Gesundheitswesens in den neuen Ländern. Entwicklung von GKVStrukturen,
Errichtung von Kassen .
Kontakt
BKK Bundesverband, Kronprinzenstr. 6, 45128 Essen
Tel.: (0201) 17901
Mail: gesundheit@BKK-BV.de

Zur Pressemitteilung zum 12. Kongress "Armut und Gesundheit"

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