27.11.2008
Stadtteilmütter in Berlin-Kreuzberg - Evaluation eines Peergruppen-Projekts
Studie untersucht, unter welchen Bedingungen Zugang zu benachteiligten Familien gefunden werden kann
Schlagwörter: Evaluation
Nach wie vor ist es schwierig, mit Förder- und Hilfsangeboten diejenigen zu erreichen, die objektiv dieser Hilfe besonders bedürfen. Zunehmend mehr Anbieter setzen deshalb auf den Peergruppenansatz, der aber in Deutschland kaum erforscht ist. Das Konzept Stadtteilmütter’, ursprünglich im Bezirk Neukölln entwickelt und angewandt, basiert auf diesem Ansatz. Auch das Diakonische Werk Berlin-Stadtmitte nutzt ihn seit kurzem, um damit systematisch Zugang zu Familien deutscher und nicht-deutscher Herkunft im Sozialraum I in Kreuzberg herzustellen, einem Stadtteil mit einem der niedrigsten Sozialindizes der Stadt. Gefördert wird die Maßnahme über das Jugendamt Kreuzberg, den Senat von Berlin sowie die EU.
In dem Ende 2007 begonnenen Projekt wurden nicht erwerbstätige Frauen mit unterschiedlichem nationalen Hintergrund und Bildungsstand als Stadtteilmütter rekrutiert, einige von ihnen deutscher Herkunft. Sie wurden durch einhalbjähriges Training qualifiziert, um anschließend in aufsuchender Arbeit ihr Wissen vorrangig an Mütter aus dem gleichen Kulturkreis weiterzugeben, deren Erziehungs- und Gesundheitskompetenz zu stärken und sie zur Nutzung professioneller Angebote anzuregen; ein Schwerpunkt liegt auf dem frühen Kitabesuch. Hauptziel ist die Frühförderung der Kinder im Bereich Sprache und gesunder Entwicklung und damit die Verbesserung ihrer Bildungschancen.
Von den 28 Kursteilnehmerinnen haben die meisten das Training mit einem Zertifikat abgeschlossen und ihre Arbeit aufgenommen. Hausbesuche bei Familien gehören ebenso dazu wie Elternarbeit in Kitas und Schulen sowie fortlaufende Reflektion und Fortbildung. Als weitere Zielgruppe sollen professionelle Akteure im Bezirk aus Verwaltung, Gesundheits-, Sozial- und Bildungsbereich in ein Netzwerk eingebunden werden, um die Hilfen und Dienste auf die ermittelten Bedarfe abzustimmen. Die Maßnahme zielt somit auf zwei Interventionsebenen der Primärprävention: Individuum und Setting.
In einer dreijährigen, vom BMBF geförderten Evaluationsstudie wird untersucht, ob und unter welchen Bedingungen es den Stadtteilmüttern gelingt, Zugang zu schwer erreichbaren Familien mit Hilfebedarf zu finden, deren Vertrauen zu gewinnen, sie zu informieren und an das soziale Netz und professionelle Dienste weiterzuvermitteln. Weitere Fragen, die untersucht werden sind: Wie beurteilen die aufgesuchten Frauen die Angebote, an die Sie vermittelt wurden? Sind die professionellen Akteure an einer Zusammenarbeit in einem Netzwerk interessiert? Wie schätzen sie die Arbeit der Stadtteilmütter ein? Letztlich geht es um die Frage, ob von den Empowermentprozessen der aufgesuchten wie der aufsuchenden Frauen positive Impulse für den gesamten Sozialraum ausgehen können.



