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17.09.2008

Sinkt die Armut in Deutschland?

Es gibt weniger Arme in Deutschland - zumindest behaupten das die beiden neuesten Studien des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurden. Sie stützen sich auf Daten des Sozio-ökonomischen Panels SOEP von 2006. 10 000 Haushalte wurden befragt. Dem DIW zufolge ist das Armutsrisiko in 2006 auf 16,5 Prozent gesunken. 2005 waren noch 18 Prozent der Deutschen von Armut bedroht. Diese Zahl überrascht, war im aktuellen Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung für 2005 doch von 13 Prozent Armutsbedrohten die Rede. Diese Differenz erklärt sich dem DIW zufolge damit, dass die Datenbasis der beiden Studien die ausländische Bevölkerung stärker berücksichtigt habe als die Erhebung der Bundesregierung.

Nach den Studien des DIW hat sich die Schere zwischen hohen und niedrigen Einkommen erstmals seit Anfang der neunziger Jahre nicht weiter geöffnet, auch der Niedriglohnsektor wachse nicht weiter. Allerdings räumte der Präsident des DIW, Klaus Zimmermann, Zeitungsberichten zufolge ein, dass abgewartet werden müsse, ob es sich bei den von seinem Institut ausgemachten Tendenzen um eine dauerhafte Trendumkehr handele oder nur um die Effekte einer guten Konjunktur. Als einen Grund für die Entwicklungen sieht das DIW den Abbau der Arbeitslosigkeit. Diese wiederum sei Resultat der Reformen am Arbeitsmarkt, so Zimmermann. Es müssten mehr Menschen in Arbeit gebracht werden. Mindestlöhne lehnt der DIW-Präsident ab.

Die nun vorgestellten DIW-Studien werden unter Wissenschaftlern und Politikern kontrovers diskutiert. Laut Zeitungsberichten mahnt die Armutsforscherin Petra Böhnke vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung zur Zurückhaltung. „Die Armutsdiskussion ist mit Vorsicht zu genießen.“ Kleine methodische Änderungen könnten die Ergebnisse stark beeinflussen, so Böhnke.
Zudem weist der Armutsexperte der Grünen-Bundestagsfraktion, Wolfgang Stengmann-Kuhn, darauf hin, dass das mittlere Einkommen, an dem sich die rein finanziell gefasste Armutsdefinition bemisst, gesunken sei - trotz Konjunkturaufschwung. 14 Millionen Menschen lebten, so Stengmann-Kuhn, derzeit unter der Armutsgrenze, 4 Millionen mehr als 2000. Und selbst das DIW räumt in den beiden Studien ein, dass das Dauerarmutsrisiko weiterhin hoch ist und seit der Jahrtausendwende zwölf Prozent der Bevölkerung in Deutschland in anhaltender Armut leben.

Pressemitteilung des DIW zur Studie
Dritter Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung (Kurzfassung)

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