05.09.2007
Projekt "Tigerkids - Kindergarten aktiv" evaluiert
Besondere Wirkung gerade bei sozial Benachteiligen nachgewiesen
Rike Hertwig, Gesundheit Berlin-Brandenburg
Schlagwörter: Kindergarten
Gesunde Ernährung und Bewegung im Kindergarten spielerisch fördern - dies ist das Ziel des Projektes "Tigerkids - Kindergartenaktiv". Träger ist die gemeinnützige Stiftung Kindergesundheit und Projektpartner ist der AOK Bundesverband. Die Kinder sollen mehr frisches Obst und Gemüse essen, mehr Wasser, ungesüßten Tee und verdünnte Saftschorlen trinken, mindestens eine Stunde täglich körperlich aktiv sein und körperlich inaktive Freizeitbeschäftigungen einschränken. Um das Risiko für Übergewicht zu vermindern und dabei eine nachhaltige Wirkung zu erzielen, sollen diese Verhaltensweisen dauerhaft im Kindergarten- und Familienalltag verankert werden.
Mit einem Medienpaket für die Mitarbeiter/innen im Kindergarten sowie einer systematischen Einbindung der Eltern sollen Maßnahmen der Verhaltens- und der Verhältnisprävention wirksam kombiniert werden. Die Einbindung der Eltern stellt einen zentralen Aspekt für die nachhaltige Unterstützung der Entwicklung gesundheitsförderlichen Verhaltens auch außerhalb der KiTa dar. Dazu sind Elternabende, Newsletter sowie regelmäßig an die Eltern verteilte bunte Tipp-Cards zum sammeln mit Ernährungs- und Bewegungstipps als Instrumente vorgesehen. Spielerische Elemente für die Kinder sind die Tiger-Handpuppe sowie ein Holzzug, mit dem die Kinder sieben Lebensmittelgruppen einer gesunden Ernährung kennen lernen sollen. Die Resonanz in den KiTas ist laut AOK sehr ermutigend: 89 Prozent der Erzieherinnen sagten, dass sich der Einsatz für das Projekt gelohnt habe und 96 Prozentsprachen sich für eine flächendeckende Ausdehnung aus.
Ins Leben gerufen wurde das Projekt im Jahr 2003 vom Dr. von Haunerschen Kinderspital der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München. Nach der Pilotphase im Bundesland Bayern soll "Tigerkids - Kindergartenaktiv" nun bundesweit umgesetzt werden. Die flächendeckende Einführung in den Kindergärten soll ab Herbst 2007 starten.
Das Projekt ist nach neun Monaten Laufzeit am Institut für Soziale Pädiatrie und Jugendmedizin der LMU evaluiert worden. Die Ergebnisse wurden von Angelika Strauß im Rahmen einer Dissertationsarbeit zusammengefasst. Strauß belegt, dass die Interventionen insbesondere bei Kindern aus sozial benachteiligten Elternhäusern mit niedrigem Bildungsstand, in denen die Eltern nicht mehr als einen Hauptschulabschluss haben, eine deutliche Wirksamkeit erzielen. So konnte die Wahrscheinlichkeit hoher körperlicher Aktivität bei Kindern aus benachteiligten Elternhäusern um fast 50 Prozent gesteigert werden. Bei Kindern aus anderen Familien noch um 13 Prozent. Auch die Einbindung der Eltern zeigte bei den Kindern nachweisbaren Erfolg, was beispielsweise die Begrenzung des Konsums von Süßigkeiten betrifft.
Die Dissertation mit den Ergebnissen der Evaluation enthält auch ausführliche Informationen über das Projekt und ist auf der Internetseite der Bibliothek der LMU München als eDissertation im PDF Format verfügbar unter: http://edoc.ub.uni-muenchen.de/.
Mehr über das Projekt "TigerKids - Kindergarten aktiv" finden Sie unter: http://www.gesundheitliche-chancengleichheit.de/praxisdatenbank/tigerkids-kindergarten-aktiv/



