27.11.2008
Projekt Gesund leben lernen
Interne Evaluation zeigt positive Ergebnisse
Holger Kilian, Gesundheit Berlin-Brandenburg
Schlagwörter: Evaluation, Gesundheitsbewusstsein, Good Practice
„Gesund leben lernen“ startete 2003 als Kooperationsprojekt der Spitzenverbände der gesetzlichen Krankenkassen mit den Landesvereinigungen für Gesundheit in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz zur Umsetzung der in §20 SGB V formulierten Aufgabe der gesetzlichen Krankenkassen, durch Maßnahmen der Gesundheitsförderung einen „Beitrag zur Verminderung sozial bedingter Ungleichheit von Gesundheitschancen“ zu leisten. Die drei beteiligten Bundesländerführten ihre Projekte eigenständig durch und wählten jeweils eigene Arbeitsschwerpunkte. Während Rheinland-Pfalz sich auf die Ausbildung von Gesundheitsmoderator/innen in den Schulen konzentrierte, wählten Sachsen-Anhalt und Niedersachsen einen projektbezogenen Ansatz, bei dem mit den Instrumenten des Betrieblichen Gesundheitsmanagements direkt in den Schulen gearbeitet wurde. Die Projektlaufzeit war auf drei Jahre angelegt. In Niedersachsen nahmen acht Schulen in benachteiligten Stadtteilen bzw. strukturschwachen Regionen an der Modellphase teil. Die Landesvereinigung für Gesundheit übernahm die Beratung und Betreuung und eine Länderberatergruppe, bestehend aus Vertreter/innen des niedersächsischen Kultusministeriums, des niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Frauen, Familie und Gesundheit, der gesetzlichen Krankenkassen des Landes, des niedersächsischen Landesamtes für Lehrerbildung und Schulentwicklung und der gesetzlichen Unfallkassen. Die Modellphase endete im Juni 2006. Inzwischen wird der Ansatz mit Unterstützung der Spitzenverbände der Krankenkassen und koordiniert durch die Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen landesweit durchgeführt. Mittlerweile sind fast 100 Schulen an dem Projektbeteiligt, das in der bundesweiten Praxisdatenbank „Gesundheitsförderung bei sozial Benachteiligten“ als Good Practice in den Bereichen Settingansatz, Partizipation und Dokumentation/Evaluation ausgewiesen ist.
Auf der WZB-Tagung stellte die Projektkoordinatorin Irmtraut Windel von der Landesvereinigung für Gesundheit und der Akademie für Sozialmedizin in Niedersachsen „Gesund leben lernen“ vor. Wir geben Irmtraut Windels Schlussfolgerungen wieder, die zeigen, unter welchen Bedingungen Schulprojekte wie „Gesund leben lernen“ funktionieren können und wo Grenzen liegen. „ […] In den Schulen müssen wir uns bei der Elternarbeit und -mitarbeit mehr engagieren. Außerdem müssen wir zur Sicherung der Nachhaltigkeit unserer Arbeitsergebnisse Strukturen und Vernetzungen schaffen. Die Frage ist, wie es nach zwei Jahren Betreuung an den Schulen weitergeht. Manche Schulen, darunter einige Modellschulen, haben es geschafft, weiterzuarbeiten, weil Strukturen da waren und gesichert werden konnten. Andere Schulen haben es aber nicht geschafft. Derzeit versuche ich, regionale Netzwerke aufzubauen, in denen die Schulen und die Präventionsfachkräfte, die die Schulen betreuen, gemeinsam weiterarbeiten können. Schulen brauchen viele Partner. Ihnen müssen Ressourcen zur Verfügung gestellt werden, in die sie eingebunden werden können. Es geht nicht, dass immer mehr Ressourcen abgebaut werden. Und schließlich: Es gibt aus meiner Sicht der Arbeit vor Ort einen großen Unterschied zwischen der Außenwahrnehmung und den internen, oft sehr prekären Bedingungen. [...] Wir haben dieses Mal nur 24 Schulen in unserem Projekt aufnehmen können, weil die Ressourcen der Kassen nicht für mehr Schulen ausreichen. Wir hatten anfangs eigentlich verabredet, dass wir 30 bis 35 Schulen pro Jahr aufnehmen, aber das ist uns nicht möglich. Ich musste dieses Jahrsieben Schulen zurückweisen.“
Die interne Evaluation der Projektphase 2003-2006 beruht auf qualitativen Befragungen. Demnach bracht das Projekt in den meisten Schulen positive Veränderungen mit sich. Sie reichten von der Umgestaltung des Schulgebäudes bis zu Lärmprävention und Änderungen in den Bereichen Ernährung und Bewegung. Betont wurde in den Befragungen der Projektbeteiligten auch, dass sich das Schulklima, der Umgang und die Kommunikation miteinander durch das Projekt deutlich verbessert hätten. Die Befragten waren fast ausnahmslos sehr zufrieden mit den Veränderungen, die „Gesund leben lernen“ in ihren Schulen angestoßen hat. Dennoch gelang es nicht allen Schulen, betriebliches Gesundheitsmanagement im Schulalltag zu verankern. Als Hemmnis erwies sich für einige Schulen, dass nicht das gesamte Kollegium hinter dem Projekt stand, ebenso waren mangelnde finanzielle und vor allem zeitliche Mittel eine Bürde. Daher, so die Evaluation, sind die Schulen auf externe Unterstützung angewiesen.
Die Evaluation von Gesund leben lernen machtdeutlich, dass der Einsatz von Instrumenten aus dem Betrieblichen Gesundheitsmanagement eine Möglichkeit sein kann, Schulen bei ihrer Weiterentwicklung zu unterstützen. Allerdings lassen sich die Instrumente nur modifiziert und nicht eins zu eins aus dem Betrieb in die Schule übertragen. Schulenbrauchen viel Zeit und Raum, damit Veränderungen und neue Denk- und Handlungsweisen greifen können.
Weitere Informationen zu dem Projekt und seiner Evaluation unter www.gesundheit-nds.de



