01.12.2006
"Mehr gebündelte Maßnahmen für die Gesundheit von Benachteiligten nötig"
1800 Teilnehmende beim 12. Kongress "Armut und Gesundheit" diskutieren über Möglichkeiten, bessere Gesundheitschancen für sozial Benachteiligte zu erreichen.
Foto: Anja Weber
Berlin. Wie sehen wirksame Konzepte der Gesundheitsförderung in Deutschland aus? Wie lassen sich Verbesserungen insbesondere für sozial benachteiligte Gruppen der Bevölkerung erzielen. Diese Fragen stehen im Mittelpunkt des 12. Kongresses "Armut und Gesundheit" im Berliner Rathaus Schöneberg. "Die Gesundheitspolitik allein kann nicht heilen, was an Problemen in anderen Bereichen wie der Sozial-, Wirtschafts- und Bildungspolitik mit verursacht wird. Es sind mehr gebündelte Maßnahmen für die Gesundheit gerade von Benachteiligten nötig", erklärte Professor Rolf Rosenbrock vom Wissenschaftszentrum Berlin und Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen.
Die Sozialstatistik zeigt: Wer in Deutschland arm ist, hat ein doppelt so hohes Risiko zu erkranken und eine um bis zu zehn Jahre geringere Lebenserwartung als Menschen mit höherem Einkommen. Mindestens jeder Zehnte und jedes fünfte Kind lebt in Armut. Angesichts dieser Entwicklung stünden nicht nur die Gesundheits- und Sozialpolitik, sondern auch die Bildungs-, Wirtschafts-, Arbeits-, Umwelt-, Verkehrs- und Stadtteilpolitik vor der Aufgabe, einen Beitrag zur Verbesserung der Gesundheit von Menschen in schwierigen Lebenslagen zu leisten. Dies erklärten Vertreter der Krankenkassen, Dr. Hans-Jürgen Ahrens vom AOK Bundesverband und Michael Bellwinkel vom BKK Bundesverband auf der Pressekonferenz.
Als ein gelungenes Beispiel für übergreifende Aktivitäten stellte Dr. Elisabeth Pott von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) den "Kooperationsverbund Gesundheitsförderung bei sozial Benachteiligten" vor. Er verfolgt das Ziel beispielhafte Praxisprojekte zur Gesundheitsförderung bekannt zu machen und in der Qualitätsentwicklung zu stärken. Initiiert von der BZgA beteiligen sich am Kooperationsverbund Krankenkassen, Wohlfahrtsverbände, Ärzteorganisationen, die Landesvereinigungen und die Bundesvereinigung für Gesundheit und zahlreiche weitere Organisationen. Am 10. November 2006 konnte der Verbund um weitere fünf auf 42 Mitglieder erweitert werden, darunter die bisherige Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit, Soziales und Verbraucherschutz. "Gesundheitliche Chancengleichheit muss zum Leitbild werden", hatte der Kooperationsverbund jüngst in einer gemeinsamen Erklärung gefordert.
Wie Gesundheitsförderung und Prävention vor Ort erfolgreich umgesetzt werden können, ist auch Thema in vielen der über 60 Foren und Workshops des Kongresses, die unter dem Motto stehen "Präventionen für gesunde Lebenswelten ’Soziales Kapital’ als Investition in Gesundheit". Integration und gesellschaftliche Teilhabe sind wichtige Einflussfaktoren auf Gesundheit und Wohlbefinden, lautet der Tenor. Dazu tragen so unterschiedliche Faktoren wie ein gutes Miteinander in der Nachbarschaft, Mitbestimmungsmöglichkeiten im Betrieb oder örtliche Bildungsangebote mit bei.
Weitere Themen des Kongresses sind Synergien verschiedener Präventionskonzepte, ein patientenorientiertes Gesundheitswesen, Arbeitslosigkeit, Wohnungslosigkeit sowie Altern und Menschenwürde. Die Strategien internationaler Gesundheitsbewegungen werden in der von medico international organisierten Reihe "Gesundheit und Globalisierung" diskutiert. Ebenfalls integriert in den Kongress ist das V. Symposium "Migration und Gesundheit" der Charité-Frauenklinik mit dem Schwerpunkt "Psychische Potenziale und Belastungen der Migration".
Organisiert wird 12. Kongress "Armut und Gesundheit" von Gesundheit Berlin, der Landesarbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung mit Unterstützung zahlreicher Partner. Entstanden aus einer studentischen Berliner Initiative ist der Kongress inzwischen zur größten regelmäßigen Veranstaltung im Bereich "Public Health" in Deutschland geworden.
Von den Teilnehmenden des Kongresses "Armut und Gesundheit" wird besonders die eigene Atmosphäre des Kongresses geschätzt, denn hier können Vertreter/innen von Politik, Krankenkassen, Wissenschaft, öffentlichem Gesundheitsdienst, freien Trägern, Ärzteschaft und aus Betroffeneninitiativen ungezwungen und konstruktiv miteinander diskutieren.
Die Statements der Pressekonferenz zum Kongress und weitere Pressematerialien finden sich
unter www.gesundheitliche-chancengleichheit.de/:presse



