04.12.2006
Gesundheitspolitik mehr auf Bedürftige ausrichten
Bilanz vom 12. Kongress Armut und Gesundheit in Berlin
Rike Hertwig, Gesundheit Berlin-Brandenburg
Pressemitteilung vom 4.12.2006
Gesundheitspolitik mehr auf Bedürftige ausrichten
Bilanz vom bundesweiten 12. Kongress Armut und Gesundheit in Berlin
Berlin. "Gesundheits-, Sozial- und Bildungspolitik müssen sich mehr auf diejenigen konzentrieren, die es besonders nötig haben", forderte eine Sozialarbeiterin auf der Abschlussveranstaltung des Kongresses am Wochenende im vollbesetzten Willy-Brandt-Saal des Schöneberger Rathauses. Damit brachte sie auf den Punkt, was 1.800 Teilnehmer aus Wissenschaft, Politik und Praxis zuvor in mehr als 60 Einzelveranstaltungen zwei Tage lang kontrovers diskutiert hatten: Wo soll vor allem angesetzt werden, um in die Gesundheit der Bevölkerung und eine bessere Versorgung besonders Bedürftiger zu investieren?
Die Sozialstatistik zeigt, dass Lebenserwartung und Gesundheitszustand in Deutschland maßgeblich von Einkommen und sozialem Status abhängen. Wer arm ist, hat ein doppelt so hohes Risiko zu erkranken und eine bis zu zehn Jahre kürzere Lebenserwartung. Doch gerade sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen wie Wohnungslose, Menschen mit Migrationshintergrund, Alleinerziehende oder Bewohner sozialer Brennpunkte werden besonders wenig von Angeboten der Gesundheitsförderung und Vorsorge erreicht, wie Krankenkassendaten belegen. "Zuzahlungen führen dazu, dass sozial Benachteiligte seltener zum Arzt gehen", berichtete Gerhard Trabert, Professor für Medizin und Sozialmedizin in Nürnberg und Mitarbeiter in Projekten der Wohnungslosenhilfe.
Andererseits zeigte der Kongress an zahlreichen Beispielen, dass solche Probleme kein Automatismus sein müssen: Werden gesundheitsfördernde Maßnahmen genau auf die Lage im jeweiligen Wohnquartier und auf die Bedürfnisse von benachteiligten Gruppen zugeschnitten, entsteht eine deutliche Verbesserung der Situation.
Beispiele sind das Projekt "Connect" des Hamburger Büros für Suchtprävention, bei dem ein arbeitsfeldübergreifendes Unterstützungsnetzwerk für Kinder suchtkranker Eltern entstanden ist, oder "Schutzengel" vom gleichnamigen Flensburger Verein zur Verbesserung der Situation Alleinerziehender. Beide Projekte wurden vom BKK Bundesverband im Rahmen des Programms "Mehr Gesundheit für alle" ausgezeichnet.
Um solche Erfolg versprechenden Ansätze bekannter zu machen, präsentiert der Kooperationsverbund "Gesundheitsförderung bei sozial Benachteiligten" Beispiele guter Praxis auf seiner Internetplattform
www.gesundheitliche-chancengleichheit.de. Den Kooperationsverbund hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung initiiert, er wird derzeit von 42 Partnern getragen.
Weitere Informationen zum Kongress "Armut und Gesundheit" unter
www.gesundheitliche-chancengleichheit.de/:presse.
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Carsten Direske
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