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27.11.2008

Gesundheitsförderung bei Langzeitarbeitslosen

Projekt "Aktive Bewältigung von Arbeitslosigkeit" vorgestellt

Arbeitslose haben im Vergleich zu Erwerbstätigen ein deutlich höheres Risiko, krank zu werden. Das belegen zahlreiche Studien. Gesundheitsförderung für Arbeitslose ist also notwendig. Die wenigen bestehenden Angebote erreichen überwiegend Kurzzeitarbeitslose. Bei diesen „high potentials“ kann mitrelativ wenig Aufwand viel erreicht werden. Anders bei Langzeitarbeitslosen. Sie brauchen eine wesentlich stärkere Unterstützung für die Förderung ihrer Gesundheit. Ein Konzept, das diesem Bedarf Rechnung trägt, ist das an der TU Dresden entwickelte „Aktive Bewältigung von Arbeitslosigkeit“ (AktivA). Über AktivA berichtete auf der WZB-Tagung Katrin Rothländer von der TU-Dresden: „Wir arbeiten mit Leuten mit extremen finanziellen Restriktionen. Sie müssen sich diesem Zustand des Ausgeschlossenenseins von Erwerbsarbeit mittelfristig erst einmal stellen.“

AktivA orientiert auf Verhaltensänderungen bei den Teilnehmer/innen. Das Programm vermittelt psychosoziale Techniken, die aber auf diese Zielgruppe versucht worden sind anzupassen. Ein wichtiger Punkt ist dabei die Aktivitätenplanung. Sie setzt voraus, sich die eigene Lebenssituation bewusst zu machen: wie ist der eigene Alltag gestaltet, wie viele angenehme und unangenehme Tätigkeiten machen den Alltag aus, gibt es eine Balance zwischen ihnen? Gibt es eine Balance zwischenkörperlichen und geistigen Aktivitäten? Neben der Aktivitätenplanung werden den Teilnehmern auch soziale Kompetenzen ebenso wie Methoden konstruktiven Denkens und systematischen Problemlösens vermittelt.
Rothländer verwies in ihrem Vortrag darauf, dass AktivA von der TU Dresden evaluiert worden ist. Sie berichtete, dass sich bei den Programmteilnehmer/innen im Vergleich mit Langzeiterwerbslosen, die nicht an dem Programm teilgenommen haben, signifikante Verminderungen in den physischen und psychischen körperlichen Beschwerden ergeben haben. „Auch die Selbstwirksamkeitserwartung als psychische Ressource konnte signifikant gesteigert werden“, sagte Rothländer. Bei den Angeboten, die AktivA macht, muss immer die sehr beschränkte finanzielle Situation der Arbeitslosen mitbedacht werden. Sie können in ihre Aktivitätenplanung etwa keine Rückenschule einplanen, denn das erfordert Geld, das sie nicht haben.

Sachsen ist derzeit das einzige Bundesland, das Gesundheitsförderung für Arbeitslose als Gesundheitsziel definiert hat. Das Projekt AktivA wird im Rahmen des Sächsischen Gesundheitszieleprozesses seit 2006 gefördert. Auch für AktivA, so betonte Katrin Rothländer in ihrem Vortrag, stellt sich die Frage, wie das Angebot an die Zielgruppe gelangt. In der Entwicklung von AktivA wurden verschiedene Settings erörtert. Dabei wurden die JobCenter als Möglichkeit, Langezeitarbeitslosen gesundheitsfördernde Angebote zu machen, verworfen. „Das ist nicht das prickelndste Setting, indem man sich angesprochen fühlt, sich auf Gesundheitsförderung weiter einzulassen“, so Katrin Rothländer. Schließlich wurden als geeignete Settings für ActivA selbstorganisierte Gruppen und die Bildungs- und Beschäftigungsträger ausgewählt. Hier allerdings, das betonte Rothländer, zeigen sich auch teils große Schwierigkeiten, denn der auf Vertrauenbasierende Ansatz von AktivA lässt sich kaum mit den Restriktionen vereinbaren, die die Mitarbeiter/innen von Bildungs- und Beschäftigungsträgern manchmal durchsetzen müssen. Dennoch gibt es jetzt im Rahmen eines neuen Förderschwerpunktes den Plan, bei den Bildungs- und Beschäftigungsträgern AktivA als verhältnispräventiven Ansatz weiterzuentwickeln. Angedacht ist die Schaffung von Gesundheitszirkeln oder Führungskräftetrainings.

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