13.02.2007
Gesundheitliche Ungleichheiten in Europa reduzieren
Das von der Europäischen Kommission geförderte Projekt „Closing the Gap: Strategies for Action to Tackle Health Inequalities in Europe“ präsentierte heute auf einer Nationalen Abschlusskonferenz gemeinsame Strategien und eine Datenbank mit 90 beispielhaften Projekten aus 21 europäischen Ländern.
Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) als Vertreter Deutschlands hat das EU-Projekt zwischen 21 europäischen Ländern über drei Jahre lang koordiniert. Das Ziel: effektive Strategien zur Reduzierung gesundheitlicher Ungleichheiten zu identifizieren und eine europäische Datenbank mit fundierten Informationen und vorbildlichen Projekten zu erstellen. Das Projekt wurde mit finanziellen Mitteln der EU-Kommission, Generaldirektion für Gesundheit und Verbraucherschutz, gefördert. Alle Projektpartner führen in dieser Week of Equity in Health’ zeitgleich nationale Konferenzen durch.
„Gesundheitliche Ungleichheit zu beseitigen war und ist ein politisches Ziel der Bundesregierung", hob Dr. Klaus Theo Schröder, Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit, zur Eröffnung der Konferenz hervor. Einheitsrezepte zum Abbau gesundheitlicher Ungleichheiten gäbe es allerdings nicht, betonte Dr. Elisabeth Pott, Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Sie forderte, in jedem Mitgliedsstaat gesundheitliche Chancengleichheit zum Leitbild zu machen, das über die einzelnen Themengebiete hinaus wirke und bereits frühzeitig bei der Planung von Maßnahmen und Programmen berücksichtigt werde. "Dabei müssen nicht nur im Gesundheitsbereich, sondern auch am Arbeitsmarkt, im Sozial-, Umwelt-, Stadtplanungs-, Verkehrs-, Familien- und Bildungsbereich Akzente zur Schaffung gesundheitlicher Chancengleichheit gesetzt werden“, ergänzte Dr. Pott.
Am schwedischen Beispiel konnte gezeigt werden, dass auch Interventionen, die außerhalb des Gesundheitssektors heraus entwickelt wurden, große Auswirkungen auf die gesundheitliche Situation haben. In dem skandinavischen Land führten verkehrspolitische Maßnahmen zu einer bedeutenden Reduzierung der Unfallzahlen. Besonders sozial benachteiligte Personengruppen profitierten davon in Schweden, da sie - wie in allen anderen europäischen Ländern auch - statistisch ein erhöhtes Unfallrisiko haben.
Wichtige Bausteine zu Strategien, die der Reduzierung von gesundheitlichen Ungleichheiten dienen, wurden heute auf der Abschlusskonferenz von „Closing the Gap“ präsentiert. Hierzu gehören
- die Berücksichtigung der sozialen Einflussfaktoren auf Gesundheit und Krankheit
- eine bessere Zusammenarbeit der verschiedenen Sektoren
- die Stärkung guter Praxis und
- die Formulierung klarer Ziele und Handlungsempfehlungen
- vor allem benachteiligte Kinder sollten dabei als Zielgruppe stärker in den Mittelpunkt rücken.
In dem Internet-Portal www.health-inequalities.eu befinden sich überwiegend Projekte aus den Bereichen Ernährung, Bewegung, Substanzmissbrauch sowie der psychischen Gesundheit. Darüber hinaus wurden Beispiele guter Praxis aufgenommen, die auf den Aufbau sozialer Netzwerke und die Verbesserung von Lebens- und Arbeitsbedingungen zielen. Hier sind besonders Aspekte von Bildung und Arbeitslosigkeit, von Wohnbedingungen und der Zugang zum Gesundheitswesen von zentraler Bedeutung.
Gute Praxis beim Abbau gesundheitlicher Ungleichheiten zeichnet sich durch spezifische Qualitätskriterien aus wie Teilhabe und Befähigung der Zielgruppe sowie intersektorale Zusammenarbeit - dies wurde von internationalen Experten bestätigt. Vorbild für die Qualitätskriterien sowie für die gesamte Herangehensweise bei der Sammlung und Bewertung von Praxisbeispielen ist der deutsche nationale Kooperationsverbund mit seiner Internetplattform www.gesundheitliche-chancengleichheit.de.
Weitere Informationen: www.health-inequalities.eu



