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25.08.2011

Gesund älter werden in der Stadt und auf dem Land

Bericht zur Abschlussveranstaltung

Christine Volk-Uhlmann, Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg im Regierungspräsidium Stuttgart

Schlagwörter: Fachtagung, Migration, Nachhaltigkeit, Veranstaltungsbericht

Der Regionale Knoten Baden-Württemberg beendete am 16.05.11 die Veranstaltungsreihe „Gesund älter werden in der Stadt und auf dem Land“ mit einer Abschlussveranstaltung. Diese gab einen Überblick über die drei vorhergehenden Tagungen der Reihe und ermöglichte einen Überblick über beispielhafte Projekte aus den drei Bereichen kommunale, migrationssensible sowie gendersensible Gesundheitsförderung. Ziel der Projekte ist es, unter Beachtung der jeweils besonderen Anforderungen der Zielgruppen gesundheitsfördernde Angebote zu machen. Es wurde diskutiert, über welche Zugangswege die jeweilige Zielgruppe erreicht werden kann, wie die Beteiligung der Zielgruppe gelingen kann, wie man Stolpersteine beseitigt und was für die dauerhafte Verankerung der Angebote wichtig ist.

Ausgewählte Ergebnisse

Der Zugang zu sozial benachteiligten älteren Menschen ist in der Regel für Akteure der Gesundheitsförderung eine große Herausforderung. Im Vordergrund dieser Menschen stehen häufig finanzielle Probleme, Vereinsamung und eingeschränkte Mobilität. Daher sind niedrigschwellige, aufsuchende Angebote Wege, sozial Benachteiligte zu erreichen. Angebote sollten nicht „am Reißbrett“ entworfen, sondern mit der jeweiligen Zielgruppe in einem partizipativen Prozess entwickelt werden. So kann auch der Tatsache vorgebeugt werden, dass Angebote nicht genutzt werden, weil sie nicht an den Bedürfnissen der Menschen orientiert sind. Schlüsselpersonen können bei der Kontaktaufnahme helfen. Dabei ist auch die innere Haltung der Anbieter wichtig, die Wertschätzung für die Zielgruppe ausdrücken sollte. Je nach Angebot können auch generationenübergreifende Projekte den Zugang zur Zielgruppe erleichtern, um beispielsweise über die Kinder deren Eltern und Großeltern zu erreichen. Als hilfreich hat sich auf der Aufruf über verschiedene Medien wie Regionalzeitung, Amtsblatt, persönliches Gespräch, Bildungsträger, Sozialamt, Nachbarschaftszentren erwiesen. Insgesamt wurde deutlich, dass man einen langen Atem benötigt, bis ein neues Angebot eingeführt ist uns „läuft“.

Männer und Frauen

Männer haben ein anderes Gesundheitsverhalten als Frauen, was sich unter anderem in einem ausgeprägteren Risiko- (z. B. Rauchen, Alkohol- und Nikotinkonsum) und einem schwächer ausgeprägten Vorsorgeverhalten zeigt. Männer haben ein eher funktionalistisches Bild von Gesundheit. So lange ihr Körper funktioniert, sehen sie keinen Handlungsbedarf. Während für viele Männer der Begriff „gesund“ bei einer Angebotsbeschreibung eher negativ besetzt ist, macht für Frauen der Gesundheitsaspekt ein Angebot häufig erst attraktiv. Frauen sind eher bereit, etwas für ihre Gesundheit zu tun und Erkrankungen vorzubeugen. Grundsätzlich sind bei gesundheitsfördernden Angeboten geschlechtergetrennte Gruppen umso sinnvoller, je intimer ein Thema ist. Die Erfahrung der Teilnehmenden zeigt, dass alleinstehende Männer offener für gesundheitsfördernde Angebote sind, wenn sie unter sich bleiben. Dabei sollte der Genderaspekt auch in der Struktur und beim Personal berücksichtigt werden. So wäre es unter anderem wünschenswert, dass mehr Männer im Bereich Gesundheitsförderung tätig sind.

Menschen mit Migrationshintergrund

Migrantinnen und Migranten haben häufig ein anderes Verständnis von Gesundheit als Deutsche. Vorsorgeverhalten ist vielen von ihnen unbekannt und Hilfe bei gesundheitlichen Problemen wird zunächst in der Familie gesucht. Zur Bekanntmachung von Angeboten ist der Zugang über Schlüsselpersonen hilfreich. Um Sprachbarrieren zu überwinden ist der Einsatz von Dolmetschern und die Entwicklung muttersprachlicher Angebote sinnvoll. Gefordert werden u. a. kultursensible Einrichtungen, der Abbau von Vorurteilen auf beiden Seiten und der Ausbau von Kooperationen zwischen dem öffentlichen Gesundheitsdienst und Migrantenorganisationen sowie der Einsatz von muttersprachlichem Fachpersonal.

Herausforderungen und Nachhaltigkeit

Als problematisch hat sich die Annahme erwiesen, dass gute Projekte Selbstläufer sind. Jedes Projekt braucht eine gute Öffentlichkeitsarbeit im Sinne einer geeigneten Ansprache, um bei der Zielgruppe bekannt und von dieser angenommen zu werden. Dabei ist ein langer Atem gefordert. Wichtig ist es, die Terminpläne relevanter Gruppen in der Kommune zu berücksichtigen und den bzw. die richtigen Träger für ein Projekt zu finden. Dabei ist lzu beachten, dass die Akteure unterschiedliche Hintergründe und Arbeitsansätze haben und unterschiedlichen Zwängen unterliegen. Fehlt die politische Rückendeckung, so ist ein Projekt meist zum Scheitern verurteilt.


Zur Förderung der Nachhaltigkeit haben sich folgende Strategien als hilfreich erwiesen:

  • Bildung einer Plattform für Akteure / Vernetzung
  • Bildung von Tandems aus Ehren- und Hauptamt
  • Unterstützung der Verwaltung
  • Anerkennung der geleisteten Arbeit der bürgerschaftlich Engagierten als Motivation für weiteres Engagement
  • professionelle „Starthilfe“ für bürgerschaftlich Engagierte und Hauptamtliche
  • politische Entscheidungsträger einbeziehen, die über finanzielle Mittel verfügen können
  • Begeisterung auf beiden Seiten; sowohl bei den Akteuren, als auch bei den Finanziers.
  • Fortbildung der Ehrenamtlichen
  • Beteiligung aller gesellschaftlichen Schichten
  • strukturelle Verankerung der Angebote

Die Dokumentationen der vier Veranstaltungen können hier heruntergeladen werden!

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Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg im Regierungspräsidium Stuttgart

Tel. 0711 / 90439-413
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