27.10.2010
Bundestagsausschuss berät Kindergesundheit
Schlagwörter: Jugendhilfe
Neun geladenen Expertinnen und Experten stellten in der öffentlichen Anhörung im Familienausschuss am 25. Oktober ihre Schlussfolgerungen aus dem 13. Kinder- und Jugendbericht vor. Dieser befasst sich unter dem Titel "Mehr Chancen für gesundes Aufwachsen" erstmals mit Gesundheitsförderung in der Kinder-und Jugendhilfe.
Professor Heiner Keupp, der Vorsitzende der Berichtskommission, forderte eine neue ressortübergreifende Strategie, die nicht von den Defiziten der Kinder und Jugendlichen, sondern von ihren Potentialen ausgeht. Gleichzeitig bemängelte er „Strukturdefizite“ in der Prävention und Gesundheitsförderung. Die vier Sozialgesetzgebungen, die entsprechende Regelungen beinhalten, führen zu einer unübersichtlichen Komplexität und teilweise sogar zu „schwarzen Löchern“, so Keupp. Er sprach sich daher für ein einziges Gesetz zur Förderung der Kinder- und Jugendgesundheit aus. Auch Professor Raimund Geene von der Hochschule Magdeburg-Stendal verdeutlichte, dass ein Ausbau der Gesundheitsförderung auf Dauer nicht ohne ein „Gesundheitsförderungsgesetz“ möglich sei. Damit könne es gelingen, die vielfältigen „Schnittstellenprobleme“ zu bewältigen. Um die Teilhabe- und Verwirklichungschancen von Kindern und Jugendlichen zu sichern, fehle es an einem Gesamtkonzept, so bemängelte Professor Birgit Babitsch von der Charité Berlin. Hier sei eine stärkere Verzahnung von Familien-, Bildungs-, Kinder- und Jugend- sowie Gesundheitspolitik gefragt. Laut Babitsch können nur auf diesem Wege verbindliche Standards auf sowohl kommunaler als auch auf Länder- und Bundesebene geschaffen werden. Die Sachverständigen waren sich einig, dass in diesem Zusammenhang auch ein ressortübergreifendes Denken in der Politik nötig sei und bedauerten, dass die Anhörung ohne Beteiligung des Gesundheitsausschusses stattfand.
Weitere geladene Experten waren Prof. Dr. Ute Thyen (Sozialpädiatrisches Zentrum, Klinik für Kinder- und Jugendmedizin Universitätsklinikum Schleswig-Holstein), PD Dr. Fabienne Becker-Stoll (Staatsinstitut für Frühpädagogik), Norbert Müller-Fehling (Bundesverband für körper- und mehrfachbehinderte Menschen e.V.), Dr. Christian Lüders (Deutsches Jugendinstitut München), Prof. Dr. rer. soc. Elisabeth Wacker (Technische Universität Dortmund, Fakultät Rehabilitationswissenschaften/Rehabilitationssoziologie) und Prof. Dr. med. Jörg M. Fegert (Universität Ulm Klinik für Kinder- u. Jugendpsychiatrie/Psychotherapie).
Die Stellungnahmen der einzelnen Expertinnen finden Sie unter hier.
Die vollständige Anhörung finden Sie unter folgendem Link: www.bundestag.de
Den 13. Kinder- und Jugendbericht finden Sie hier (PDF-Dokument, 4,81MB).



