13.02.2012
Bewegung in den Alltag bringen - das macht Sinn!
Rolf Reul, Hessische Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitserziehung e.V. (HAGE)
Dr. Dorit Helbig, Landesvereinigung für Gesundheitsförderung Thüringen e.V.
Franziska Faselt, Sächsische Landesvereinigung für Gesundheitsförderung e.V.
Schlagwörter: Bewegungsförderung, Broschüre
© fotalia.de, Alta.C
Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels ist die Bevölkerungsgruppe ab 60 Jahren in der Gesundheitsförderung und Prävention eine zunehmende Herausforderung. So wird nach der Bevölkerungsprognose des Statistischen Bundesamtes die Bevölkerungsanteil der über 64-jährigen in Deutschland bis zum Jahr 2030 von 16,9 auf 22,3 Millionen anwachsen, wobei berücksichtigt werden muss, dass diese Altersgruppe nicht mehr erwerbstätig ist bzw. sich gerade im Übergang zum Ruhestand befindet. Sie sind meist noch nicht pflegebedürftig und bestrebt ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Dies ist eigenverantwortlich realisierbar, liegt darüber hinaus jedoch auch in kommunaler Verantwortung, beispielsweise im Vorhalten bestimmter Strukturen wie Netzwerken oder Angeboten. Daher ist es notwendig auch die Politik, die verschiedensten gesellschaftlichen Interessengruppen und auch die Wirtschaft für das Thema "alternde Gesellschaft" zu sensibilisieren.
Festgehalten werden muss, dass die 60- bis 80-jährigen zunehmend, gebildet und teilweise finanzstark sind. Sie verfügen außerdem über ein großes Zeitbudget und werden in unserer Gesellschaft allmählich eine zentrale Rolle einnehmen. Alles Voraussetzungen, um ein langes und gesundes Leben zu führen.
Anders stellt sich die Situation in dieser Altersgruppe dar, wenn es sich um Personen in sozial schwierigen Lebenslagen handelt. Dies ist häufig gleichzusetzen mit geringeren materiellen Ressourcen, Bildungsnachteilen und sozialer Ausgrenzung. Somit sind insbesondere bei diesen Menschen präventive und gesundheitsförderliche Interventionen unverzichtbar, um die Gesundheit und das Wohlbefinden sowie die Selbstständigkeit und die Lebensqualität zu erhalten bzw. zu verbessern.
Körperliche Aktivität im Alltag nimmt hierbei eine zentrale Rolle ein. Der Begriff „Körperliche Aktivität“ wird zumeist als Oberbegriff verwendet und umfasst die Bereiche Sport, Gesundheitssport und gesundheitsförderliche körperliche Aktivität. Letztere entspricht der Form, die einen gesundheitlichen Nutzen verspricht und kein übermäßiges gesundheitliches Risiko beinhaltet. Im US-amerikanischen Raum wird hierfür der Begriff "aktiver Lebensstil" verwendet. Dies beschreibt in den Alltag integrierte Aktivitäten, wie z.B. zu Fuß gehen oder Fahrrad fahren (Abu-Omar, K.; Rütten, A., 2006).
Mit dem jetzt erschienen Leitfaden „Bewegung in den Alltag bringen - das macht Sinn!“ möchten die Landesvereinigungen für Gesundheitsförderung Hessen, Sachsen und Thüringen das Bewusstsein bei kommunalen Akteuren für die positiven Auswirkungen von Alltagsbewegung auf die Gesundheit ihrer älteren Mitbürger schärfen und einen aktiven Beitrag zur Steigerung von Bewegung und Lebens-qualität im Lebensalltag der Menschen leisten. Angesprochen werden sollen hier vor allem Kommunen mit ihren jeweiligen Entscheidungsträgern, die auf kommunaler Ebene in einem strukturellen Kontext das Thema Bewegungsförderung systematisch platzieren wollen. Der Leitfaden soll sie bei diesem Vorhaben unterstützen. Mit ihm wird weiterhin sichergestellt, dass dem Engagement auch ein qualitativer Anspruch zugrunde liegt.
Der Leitfaden möchte Impulse zur Förderung von Aktivitäten im Alltag in den Kommunen setzen und bei der Zusammenarbeit zwischen den kommunalen Akteuren und der Altersgruppe 60+ ein zielorientiertes Vorgehen gewährleisten ohne dabei den Anspruch auf Vollständigkeit hinsichtlich neuester Erkenntnisse aus Wissenschaft und Praxis zu erheben.
Die gemeinsame Expertentagung „Bewegungsförderung für Ältere im Wohnumfeld - Entwicklung von praxisnahen Empfehlungen“ der drei Landesvereinigungen am 27.10.2010 bildete eine erste Grundlage für den nun erschienenen Leitfaden. Ziel der Veranstaltung war ein Wissens- und Erfahrungstransfer insbesondere hinsichtlich der Zugangswege und Teilnehmermotivation der Zielgruppe sozial benachteiligter Älterer.
Ein weiterer wichtiger Baustein bei der Erstellung des Leitfadens waren die Erkenntnisse, die in der ersten zweijährigen Modellphase der Zentren für Bewegungsförderung in den drei Bundesländern gewonnen wurden. Die zur Unterstützung des Nationalen Aktionsplans „IN FORM“ in Deutschland im Jahr 2009 durch das Bundesministerium für Gesundheit bundesweit eingerichteten Zentren hatten die Aufgabe, insbesondere sozial Benachteiligte ältere Menschen als Zielgruppe in den Blick zu nehmen. Darüber hinaus ist die Broschüre als Ergänzung der unter dem gleichen Titel entstanden Wanderausstellung zu betrachten, welche von Kommunen und Institutionen bei den Landesvereinigungen ausgeliehen werden kann.
Der Leitfaden steht dank der finanziellen Unterstützung durch die IKK classic sowohl als Printversion, als auch zum Download (PDF-Dokument, 907 KB) zur Verfügung. Die Broschüre kann als Printversion bei den jeweiligen drei Landesvereinigungen bestellt und online eingesehen werden.
Zusätzlich stellt Ihnen die Landesvereinigung für Gesundheitsförderung Thüringen eine Checkliste zum Thema Bewegungsförderung in der Kommune zur Verfügung (PDF-Dokument, 661 KB).



