Die Soziale Lage in Nordrhein-Westfalen - Basisaussagen und Datenquellen
Der Landesgesundheitsbericht für NRW aus dem Jahr 2000 geht ausführlich auf die Zusammenhänge zwischen Gesundheit und sozialer Lage ein.
Anhand von Gebietsclustern, die auf der Basis von Strukturdaten der Kreise und kreisfreien Städte in NRW gebildet wurden, werden bedeutsame Unterschiede im Gesundheitszustand zwischen den Bewohnern einzelner Stadt- und Landkreisen in Nordrhein-Westfalen deutlich.
So spiegelt sich auch eine niedrigere Lebenserwartung in Regionen wider, die durch einen hohen Anteil älterer Bevölkerung und Bevölkerungsrückgang, hoher Armut und Arbeitslosigkeit gekennzeichnet sind.
Besonders deutlich ist der Zusammenhang zwischen soziodemographischen Gebietstypen und vermeidbaren Todesfällen. Regionale Unterschiede hinsichtlich Krankheit und Tod sind das Ergebnis der unterschiedlichen räumlichen Konzentrationen sozialer Benachteiligungen und demographischer Belastungen. Der negative Einfluss einer hohen regionalen sozioökonomischen Problemkumulation auf die gesundheitliche Lage ist dabei höher und bedeutsamer als ein positiver bzw. ausgleichender Effekt einer eher wohlhabenden Region. Den kompletten Bericht finden Sie hier.
Der Landesgesundheitsbericht aus dem Jahr 2009 greift das Thema der sozialen Lage über die „subjektive Gesundheit“ auf: „Auf Grundlage von Studien zum Einfluss sozioökonomischer Faktoren ist bekannt, dass Menschen aus schlechterer sozialer Lage ein annähernd doppelt so hohes Risiko haben, schwere Erkrankungen zu erleiden oder vorzeitig zu versterben als Menschen aus höheren sozialen Schichten. Dies spiegelt sich auch in der subjektiven Gesundheitseinschätzung wider. Die Abbildung zeigt die subjektive Gesundheitseinschätzung nach sozialer Lage.
Subjektive Gesundheitseinschätzung nach sozialer Lage (altersstandardisiert), Nordrhein-Westfalen 2007, Bevölkerungsbefragung NRW 2007, LIG.NRW
Im Gegensatz zu Befragten der Oberschicht bezeichnet nur knapp die Hälfte der Befragten aus unterer sozialer Lage ihre Gesundheit als sehr gut bis gut. Die Einschätzung sehr schlecht bis schlecht wird mehr als doppelt so häufig von Befragten aus unterer sozialer Lage gegeben als von Befragten aus der Oberschicht.“ Den vollständigen Bericht finden Sie hier.
Die Ruhrgebietsregion ist stark von Armut und Arbeitslosigkeit betroffen. Mit einer Arbeitslosenquote von 12,5 Prozent liegt das Ruhrgebiet deutlich über dem Landesdurchschnitt von 10,1 Prozent und auch deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 10,3 Prozent (Stand: September 2004).
Der Sozialbericht NRW 2007 liefert ein differenziertes Bild der sozialen Lage der Bevölkerung Nordrhein-Westfalens. Die Armuts- und Reichtumsberichterstattung des Sozialberichts NRW 2004 wird fortgeführt und durch neue inhaltliche Elemente ergänzt. Dazu gehören Analysen zur Einkommensentwicklung, Einkommensverwendung und Überschuldung, die Einbeziehung der kommunalen Perspektive oder die Darstellung der Lebenslagen von Kindern und Jugendlichen. Den kompletten Bericht finden Sie hier.
Der Bericht "Prekäre Lebenslagen von Kindern und Jugendlichen in Nordrhein-Westfalen" aktualisiert und vertieft die Befunde des Sozialberichts NRW 2007 zu den Lebenslagen von Kindern und Jugendlichen. Neben der materiellen Armut werden Bildungsbeteiligung und Gesundheit der Kinder und Jugendlichen ebenso betrachtet wie das familiäre und soziale Umfeld, die Betreuungssituation sowie die Erwerbsbeteiligung der Eltern.
Die Reihe "Kurz und informativ" des LIGA.NRW bietet insbesondere über folgende Berichte weitere Informationen zu Gesundheit und sozialer Lage in NRW:
Gesundheitliche und soziale Lage der Bevölkerung im Ruhrgebiet
Mittels acht ausgewählter Indikatoren wird eine erste Bestandsaufnahme der gesundheitliche und sozialen Lage der Bevölkerung im Ruhrgebiet vorgenommen. Die Indikatoren sind: Fläche und Bevölkerungsdichte, Empfänger von Sozialhilfe, Ausländeranteil, Arbeitslosenquote (Sozialindikatoren) sowie Lebenserwartung, Säuglingssterblichkeit, vermeidbare Sterbefälle durch Lebererkrankungen, vermeidbare Sterbefälle durch ischämische Herzerkrankungen (Gesundheitsindikatoren). Den kompletten Bericht finden Sie hier.
Regionale Unterschiede ausgewählter Gesundheitsindikatoren
Um den Zusammenhang zwischen der gesundheitlichen und der sozialen Lage der Bevölkerung zu überprüfen, werden in Nordrhein-Westfalen seit 10 Jahren Analysen vom Zentrum für interdisziplinäre Ruhrgebietsforschung an der Ruhr-Universität Bochum durchgeführt. Dabei werden die 54 Kreise und kreisfreien Städte sechs soziodemografisch unterschiedlich geprägten Clustern zugeordnet, die als Erklärung für die unterschiedliche Verteilung der Gesundheitsrisiken und Gesundheitslagen herangezogen werden können.
Den kompletten Bericht finden Sie hier.
Bei den Gesundheits-Indikatoren des Landes NRW ist insbesondere das Themenfeld 2 "Bevölkerung und bevölkerungsspezifische Rahmenbedingungen des Gesundheitssystems" von Interesse. Hier finden sich u.a. Indikatoren zur Arbeitslosigkeit, zum verfügbaren Einkommen, zur ausländischen Bevölkerung, zur Altersstruktur der Bevölkerung und zur demographischen Entwicklung. Die Datentabellen finden Sie mit zugehörigen Kommentaren hier.
In den NRW-Kreisprofilen werden anhand von 16 Indikatoren zu soziodemografischen Faktoren (4), zur gesundheitlichen Lage (10) und zum Gesundheitsverhalten (2) die 54 Kreise und kreisfreien Städte in NRW einander gegenüber gestellt. Einzelne Indikatoren können im Regional- und Zeitvergleich betrachtet werden, der Zusammenhang zwischen zwei Indikatoren kann untersucht werden oder die Kreisprofile können komplett verglichen werden. Sie finden die NRW-Kreisprofile hier.
Der Jahresbericht der Dokumentation der schulärztlichen Untersuchung (2006) enthält Angaben zur Sozialanamnese (berufliche und schulische Bildung der Eltern, Berufstätigkeit und Lebenssituation). Sie finden die Ergebnisse auf den Seiten 45ff - und den kompletten Bericht hier.
Daten der schulärztlichen Eingangsuntersuchung für das Schuljahr 2007/2008 aus Nordrhein-Westfalen zeigen außerdem, dass die Häufigkeit von Entwicklungsauffälligkeiten mit sozialen Faktoren wie Arbeitslosigkeit der Eltern, Bildung der Eltern und Migration zusammen hängen:
Eine vertiefende Analyse belegt, dass auch die Versorgung von Kindern mit medizinisch relevanten Befunden je nach sozialer Lage unterschiedlich ist: Entwicklungsgestörte Kinder aus sozial schwachen Familien werden weniger häufig einem Arzt vorgestellt.


