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19.12.2011

Bildung fördern - Gesundheit stärken

Fachtagung am 08.12.2011 im Literaturhaus Frankfurt

Rolf Reul, Hessische Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitserziehung e.V. (HAGE)

Schlagwörter: Bildung, Fachtagung, Prävention, Veranstaltungsbericht

Die komplexen Ursachen für die steigende Kinderarmut und die da­raus resultierenden Chancenun­gleichheiten wer­den der­zeit im­mer wie­der in den Me­di­en thematisiert. Hauptsächlich die schlechten Wohnverhältnisse und Er­näh­rungs­vor­auset­zun­gen so­wie die Bil­dungs­chan­cen der be­trof­fe­nen Kinder ste­hen da­bei im Mit­tel­punkt.

Speziell die Bil­dungs­chan­cen von Kin­dern und Ju­gend­li­chen in schwierigen sozialen Le­bens­ver­hält­nis­sen, sind ein wichtiges The­ma in der gesellschaftlichen Aus­ei­nan­der­set­zung mit unserem Bil­dungs­sys­tem. Erkenntnisse aus ei­ner Rei­he von wissenschaftlichen Stu­di­en be­le­gen ei­nen Zu­sam­men­hang zwi­schen dem Bil­dungs­grad und physischen oder psychischen Er­kran­kung­en.

Frühkindliche Bil­dungsangebote bei Kin­dern zwi­schen 0-6 Jahren stel­len, wie das Bei­spiel der Perry-Preschool-Study aus den USA zeigt, ei­nen geeigneten Bei­trag dar, die ge­sund­heit­liche Chan­cen­gleich­heit von Kin­dern aus un­ter­schied­li­chen so­zia­len Le­bens­la­gen si­cher­zu­stel­len. Neben der För­de­rung der vor­schu­lischen Kompetenzen steht die Stär­kung der psychischen Wi­der­stands­fä­hig­keit, die kein von der Ge­burt an beste­hendes Persönlichkeitsmerkmal ist, im Vordergrund der frühkindlichen Bil­dungsangebote. Sie helfen so­mit die Kinder positiv in ihrer Ent­wick­lung zu un­ter­stüt­zen und Herausforderungen und Be­las­tung­en des täglichen Lebens zu be­wäl­ti­gen, oh­ne da­ran ernst­haft zu er­kran­ken.


Zentrales Anliegen der Ta­gung im Literaturhaus in Frankfurt war es, die Zu­sam­men­hän­ge von Bil­dung und Ge­sund­heit zu er­läu­tern, für früh ansetzende und auf­ei­nan­der ab­ge­stim­mte Maß­nah­men der Bil­dungsförderung zu wer­ben und Bei­spiele guter Pra­xis zu prä­sen­tie­ren.

Im Rahmen der Ver­an­stal­tung wurde da­her auch der För­der­preis für ehren­amt­li­ches En­ga­ge­ment und Selbst­hil­fe des Fonds der Arzneimittelfirmen Hessen/Rheinland-Pfalz/Saar­land e. V. verliehen, der in diesem Jahr ins­be­son­de­re hes­si­sche Projekte aus­zeich­net, die un­ter Be­rück­sich­ti­gung frühkindlicher Bil­dung zur Ge­sund­heits­för­de­rung und Prä­ven­ti­on bei­tra­gen. Ein wichtiger As­pekt sollte da­bei der Auf­bau von Eltern­kom­pe­ten­zen sein. Die Pro­jekte „Klein-Kin­der­nach­mit­tag“ des Vereins Kin­der­bauern­hof Kas­sel, „Vorlesen in Fa­mi­lien“ der Phan­tas­ti­schen Bi­bli­o­thek Wetz­lar so­wie die „Deutsch-Werkstatt für Kinder“ in Darm­stadt er­hiel­ten im Frank­fur­ter Li­te­ra­tur­haus ein Preis­geld von je­weils 4000 Eu­ro.

Eine Ju­ry, beste­hend aus Mitgliedern des Fonds so­wie der HAGE - Hessischen Ar­beits­ge­mein­schaft für Ge­sund­heits­er­zie­hung e. V. - hatte die Projekte un­ter 29 Be­wer­bung­en aus Hes­sen ausgewählt. Dabei kam ein bei der HAGE entwickeltes Befragungsinstrument zur Qua­li­täts­ent­wick­lung für Projekte und Maß­nah­me zum Ein­satz, wel­ches die Qua­li­täts­di­men­sio­nen Planungs-, Konzept-, Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität berücksichtigt.


Die Fachtagung wurde vor 100 Teil­neh­mer/Innen durch ei­nen Impulsvortrag un­ter dem Ti­tel "Vorbeugen ist bes­ser als heilen! -  Fa­mi­lienbildung und frühkindliche Bil­dung als Bei­trag zu ge­sund­heit­licher Chan­cen­gleich­heit" von Frau Prof. Dr. Uta Meier-Gräwe (Justus-Liebig-Universität Gießen) eingeläutet. Sie zeigte auf, dass der An­teil der Menschen, die bildungsarm sind, seit ei­ni­gen Jahren wie­der zunimmt und die Zahl der Kinder, deren Eltern oh­ne ab­ge­schlos­se­ne Be­rufs­aus­bil­dung blei­ben, seit 1985 ansteigt. Prof. Dr. Meier-Gräwe betonte aber auch die ökonomischen Gesichtspunkte der Primär­prä­ven­tion. Sie zeigte am Bei­spiel eigener For­schungs­er­geb­nis­se auf, dass die Kom­pen­sie­rung der zu Beginn geschilderten Chancen­un­gleich­heiten durch die Ge­sell­schaft um­so teurer wird, je spä­ter diese im Le­bens­lauf der betroffenen Kinder beginnt. Um die­ser Ent­wick­lung entgegenzuwirken, bedarf es ei­ner Priorisierung von Bil­dungsmitteln: „Um gleiche Bil­dungs­chan­cen zu er­rei­chen, müs­sen die vorhandenen Bil­dungsmittel un­gleich verteilt wer­den. Je schwieriger die Be­din­gung­en in ei­nem Stadt­teil sind, des­to grö­ßer ist der Be­darf an Bil­dungsmitteln.“

Im An­schluss machte Prof. Dr. Klaus Fröhlich-Gildhoff (Evangelische Hochschule Frei­burg) in sei­nem Vortrag „Kinder stark ma­chen - Resilienzförderung in der Kin­der­ta­ges­stät­te" deut­lich, dass ne­ben ehrenamtlichen Aktivitäten, wie sie die Preis­trä­ger des För­der­preises vorbildhaft um­set­zen, die KiTa als Lern- und Lebensort für Kinder und Eltern ein zentrales Setting darstellt. In der KiTa kön­nen nicht nur die Ent­wick­lung­en der Kinder gefördert wer­den, son­dern durch gezielte Elternarbeit und Vernetzung die Kompetenzen der Eltern gestärkt wer­den.

Rein­hard Mann (Bun­des­zen­tra­le für ge­sund­heit­liche Auf­klä­rung) stellte zum Schluss der Vortragsreihe den An­we­sen­den die Ak­ti­on „Unterwegs nach Tutmirgut“ vor, die Teil des Programms GUT DRAUF ist. „Unterwegs nach Tutmirgut“ verfolgt das Ziel, die Ge­sund­heit von Kin­dern zwi­schen 5 und 11 Jahren durch besondere Be­rück­sich­ti­gung von Er­näh­rung, Be­we­gung und Stressregulation zu för­dern. Mit der glei­chen Ziel­set­zung wendet sich GUT DRAUF an Ju­gend­li­che und junge Er­wach­se­ne. Es bietet da­bei Qualifizierungsangebote in der Ge­sund­heits­för­de­rung und Prä­ven­ti­on für Kinder- und Jugend­ein­rich­tun­gen. Um den GUT DRAUF Qualitätsansatz auch in Hessen wei­ter zu verbreiten, ist seit diesem Jahr bei der HAGE ei­ne landesweite Koordinierungsstelle implementiert worden.


Die abschließende Po­di­ums­dis­kus­si­on verdeut­lichte, dass man dem Ein­druck entgegenwirken muss, dass sich der­zeit Ge­sund­heits­för­de­rung und Prä­ven­ti­on aus­schließ­lich auf den Be­reich der "Frü­hen Hilfen" kon­zen­triert. Es gilt al­le Al­ters­grup­pen bei Kin­dern und Ju­gend­li­chen in den Fo­kus zu neh­men. Dafür braucht es so­wohl das hauptamtliches Handeln als auch ehrenamtliches En­ga­ge­ment bei der Bil­dungsförderung und der Stär­kung der Resilienz.

Abschließend kann zu den Ergebnissen der Fachtagung u.a. festgehalten wer­den, dass es bei der Bil­dungsförderung nicht da­rum, geht schulische Inhalte vor der Schule zu vermitteln. Es geht bei den Kin­dern vielmehr um die An­re­gung der Sinne und die Aus­prä­gung von Lebenskompetenzen, da­mit sie den Be­las­tung­en und An­for­de­rung­en im wei­teren Lebensverlauf ge­recht wer­den kön­nen.

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Hessische Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitserziehung e.V. (HAGE)

Tel.: 069 - 713 76 78 23
Kontakt per E-Mail
www.hage.de

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