Soziale Lage und Gesundheit: Fakten und Daten
Soziale Lage und Lebenserwartung: Soziale Lage und Gesundheit stehen in einem engen Zusammenhang. Die Lebenserwartung hängt in Deutschland stark vom Einkommen, dem Bildungsstand und der beruflichen Stellung ab: Männer des unteren Einkommensviertels sterben im Durchschnitt rund elf Jahre früher als Männer im oberen Einkommensviertel. Bei Frauen beträgt der Unterschied rund acht Jahre (Lampert & Kroll, 2010).
Diese Leitthese bestätigen verschiedene große Studien im Detail:
- Die GEDA-Studie des Robert Koch-Instituts (2009) weist eine höhere Krankheitsrate bei Menschen in relativer Armut ab einem Alter von 45 Jahren nach.
- Der Dritte Armut- und Reichtumsbericht der Bundesregierung (2008) stellt fest, dass das Schlaganfallrisiko in der niedrigsten im Vergleich zur höchsten Bildungsgruppe um das Dreifache erhöht ist.
- Die DGB-Studie zum Gesundheitsrisiko Arbeitslosigkeit (2010) zeigt, dass Erwerbslose rund doppelt so häufig krank sind wie Erwerbstätige. Mit zunehmendem Alter klafft diese Schere weiter auseinander.
- Die OECD-Studie „Growing Unequal“ (2008) verdeutlicht, dass die Einkommensunterschiede und der Anteil der armen Menschen in Deutschland in den letzten Jahren deutlich schneller zugenommen haben als in den meisten anderen OECD-Ländern. Zu ähnlichen Resultaten gelangen das Statistische Bundesamt und das Deutsche Institut für Wirtschaft (DIW).
Kinder- und Jugendgesundheit: Kinder sind schon früh in schichtspezifischen Mustern befangen. Armut und ein niedriger sozialer Status schlagen sich besonders bei Kindern und Jugendlichen in einer durchschnittlich schlechteren Gesundheit nieder.
Auch dies bestätigen mehrere voneinander unabhängige Untersuchungen:
- Die KiGGS-Studie des Robert Koch-Instituts (2006) konstatiert häufig schlechtere Gesundheitsindikatoren bei Kindern und Jugendlichen aus ärmeren Familien, insbesondere Adipositas und Übergewicht.
- Die zweite World Vision Kinderstudie (2009) macht darauf aufmerksam, dass Kinder aus dem benachteiligten unteren Fünftel der Gesellschaft ihre Zukunft oft pessimistisch sehen.
- Der Sachverständigenrat zur Begutachtung im Gesundheitswesen stellte 2009 fest, dass jedes fünfte Kind mit erheblichen psychosozialen Belastungen aufwächst.
- Der 13. Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung (2009) weist auf gesundheitliche Auffälligkeiten bei 20 Prozent der Heranwachsenden in Deutschland hin. Armut begünstige gesundheitliche Belastungen und Risiken.



