BodyGuard - Das IB-Gesundheitsprogramm für Jugendliche
- Nachhaltigkeit
- Partizipation
- Abstimmung mit relevanten Strukturen und Systemen
- Evaluation
- Anwenderfreundlichkeit
Guter Praxisbereich „Nachhaltigkeit“
Wie beschrieben ist das Gesundheitsprogramm BodyGuard bisher überwiegend in die Arbeit der Berufsbildungszentren des IB integriert und wird weitgehend von den pädagogischen Teammitgliedern der Einrichtungen getragen. Die Modelllaufzeit des Programms war auf drei Jahre begrenzt; hingegen ist für die weiterführende Umsetzung kein Ende geplant.
Zur Umsetzung des Programms BodyGuard werden vorhandene Ressourcen der Einrichtungen eingesetzt und zum Beispiel vorhandene hauswirtschaftliche Qualifikationen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter genutzt. Dabei wird zugleich dazu angeregt, diese entsprechend auszubauen. Eine Voraussetzung stellt der Besuch einer Fortbildung zum Thema Gesundheitsförderung mindestens eines Teammitgliedes der Einrichtung dar. Hierzu wurde ein trägereigenes Fortbildungsprogramm auf den Weg gebracht, welches voraussichtlich 2010 erstmals und von dort an jährlich angeboten wird. Auch die Basisschulung des Programm-Kooperationspartners „Gut Drauf“ wird als Fortbildung anerkannt. Zur Finanzierung der Umsetzung regt das Programm BodyGuard zur Sponsorensuche an und unterstützt dies im Rahmen der Arbeitshilfe (vgl. auch guter Praxisbereich „Anwenderfreundlichkeit“) mit einem Kapitel zum Fundraising. Als übergreifende Ressource des IB steht ein Referent als Ansprechpartner zum Thema Fundraising zur Verfügung.
Das Rahmenkonzept des Programms sieht vor, dass die umsetzende Einrichtung mindestens eine Kooperation vor Ort eingeht. Auch hier gibt die Arbeitshilfe Hinweise auf mögliche Kooperationspartner und beschreibt exemplarisch gelungene Kooperationen aus der Modellphase. Die Nachhaltigkeit des Programms wird ferner durch die Überführung der Programmstandards von BodyGuard in das Qualitätsmanagementsystem des Trägers gesichert. Diese Überprüfung erfolgt alle zwei Jahre durch eine Auditorin oder einen Auditor. Auch trägt der Standard, dass vor Ort eine für die Umsetzung verantwortliche Person benannt sein muss, zur Nachhaltigkeit des Programms bei. Eine zentrale Ansprechperson für das Programm ist im IB angesiedelt, wobei hierfür keine eigene Stelle zur Verfügung steht. Die Homepage des Programms (www.ib-bodyguard.de), Materialien zur Öffentlichkeitsarbeit, eine jährliche Fachtagung sowie eine Austauschplattform im Intranet des Trägers sind Elemente, die zum langfristigen Fortbestand und der Ausweitung des Programms beitragen.
Gesundheitsfördernde Veränderung der Einrichtungen in Bezug auf Verpflegungsangebote oder Räumlichkeiten sind angestrebte Ziele. In Bezug auf nachhaltige Veränderungen bei der Zielgruppe ist wahrscheinlich, dass die Erfahrungen gemeinsam mit der Bezugsgruppe und in vertrauter Umgebung die nachhaltige Integration gesundheitsfördernder Verhaltensweisen in den Alltag begünstigen.
Guter Praxisbereich „Partizipation“
Bei BodyGuard wird insbesondere Wert auf die Partizipation der Jugendlichen sowie der umsetzenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gelegt.
Die besondere Stärke des Programms liegt darin, dass Ansätze und Vorgehensweisen in einem standortbezogenem Konzept selbst bestimmt werden, womit die Umsetzungsebene und in diesem Zuge auch die Zielgruppe über große Gestaltungsmöglichkeiten verfügen. Dabei muss mindestens eine Methode vorgesehen sein, wie die Jugendlichen an der Ausgestaltung von Bodyguard beteiligt werden, etwa durch Umfragen oder Gruppengespräche. Die Arbeitshilfe zum Programm verweist auf den Methodenkoffer der Internetseite www.partizipative-qualitätsentwicklung.de sowie auf die Stufen der Partizipation als theoretische Grundlage.
Bereits in der Entwicklungsphase des Programms standen partizipative Ansätze im Vordergrund. Beispielsweise wurde die Wortbildung „BodyGuard“ gemeinsam mit Jugendlichen entwickelt. Auch war die Modellphase flexibel angelegt, um Bedarfe und Bedürfnisse im Rahmen der Programmgestaltung berücksichtigen zu können. Gesammelte Erfahrungen der Modellstandorte und Evaluationsergebnisse dienten der Weiterentwicklung und sind in die Programmstandards eingeflossen. Im Rahmen der externen Evaluation stand die Perspektive der Nutzerinnen und Nutzer im Vordergrund, wodurch die Stimmen der Jugendlichen ein Gewicht bei der Weiterentwicklung von BodyGuard erhielten. Auch die Partizipation der Programmumsetzenden wurde in der Modellphase gewährleistet. So fand ein regelmäßiger Austausch der Steuerungsgruppe (Programmkoordination, wissenschaftliche Begleitung, Trägerleitung) sowie im Rahmen von Arbeitstreffen der Programmkoordination mit den Modellstandorten statt. Eine Erkenntnis im Verlauf der Modellphase war beispielsweise, dass verpflichtende Angebote bei den Jugendlichen nicht gut ankommen. Auch im Rahmen der Ergebnisse der Zwischenevaluation wurde empfohlen, dass sich die gesundheitsfördernden Angebote von den Maßnahmen der beruflichen Bildung stärker abheben sollten, wozu unter anderem die Freiwilligkeit gehört. Auf Grundlage dieser Erfahrungen kommt der Freiwilligkeit im Rahmen der Angebote des Programms ein besonders hoher Stellenwert zu.
Im Gegensatz zum stark vorstrukturierten Ausbildungsalltag bietet das Programm BodyGuard den Jugendlichen die Möglichkeit zu mehr Selbstbestimmung. Es gibt Auswahlmöglichkeiten und die Gelegenheit zur Bildung von selbst gewählten Gruppen.
Wie die Evaluationsergebnisse zeigen konnten, führt die Teilnahme an Angeboten des Programms zur sozialen Anerkennung und trägt so zur Stärkung des Selbstbewusstseins der Jugendlichen bei.
Guter Praxisbereich „Abstimmung mit relevanten Strukturen und Systemen“
Die Entwicklungsphase des Programms war durch Abstimmungsprozesse mit der umsetzenden Praxis, der trägereigenen Leitung und dem Kooperationspartner „Gut drauf“ gekennzeichnet. Auch zielt man im Rahmen des Programms auf den Aufbau weiterer übergreifender Kooperationen z.B. mit Krankenkassen. Eine Zusammenarbeit gelang vor allem an einzelnen Standorten, z.B. Einrichtung eines Gesundheitszirkels mit der AOK, Ausleihe von Sportgeräten, Anerkennung von Kursen im Rahmen eines Bonuspunkteprogramms der AOK. Diese und weitere Kooperationsbeispiele sind in der Arbeitshilfe geschildert und stellen damit eine anschauliche Grundlage für die Umsetzungsebene dar, die eine Erfüllung des Standards zum Aufbau einer Kooperation erleichtern kann. Eine einmal jährlich stattfindende Tagung trägt dazu bei, dass der übergreifende Austausch über Inhalte des Programms bestehen bleibt.
Die hohe Relevanz von Kooperationen wird auch der Programmebene „vorgelebt“. So wurden beispielsweise im Rahmen der Kooperationsvereinbarung mit „Gut drauf“ den Teammitgliedern der Standorte kostenlose Basisschulungen zur Gesundheitsförderung angeboten. Diese Möglichkeit wurde von sieben der zehn Modellstandorte genutzt. Das Programm BodyGuard und „Gut drauf“ ergänzen sich gegenseitig. So richtet sich „Gut drauf“ bisher nicht spezifisch an sozial Benachteiligte, strebt jedoch an, die Erfahrungen von BodyGuard in die Weiterentwicklung der eigenen Standards einfließen zu lassen - und damit sein Programm stärker auf den Bedarf und die Bedürfnisse sozial Benachteiligter auszurichten.
Guter Programmbereich „Evaluation“
Seit April 2007 bis zum Ende der Modelllaufzeit im März 2009 wurde das Programm BodyGuard von der Technischen Universität Dresden/Fakultät Erziehungswissenschaften extern wissenschaftlich begleitet. Zusätzlich zur externen Evaluation wurden im Rahmen einer internen Evaluation die Aktivitäten an den Standorten fortlaufend dokumentiert und zentral ausgewertet. Die Auswertungsergebnisse wurden in den Entwicklungsprozess einbezogen.
Die externe Evaluation
In die externe Evaluation waren ausschließlich die ersten fünf Modellstandorte einbezogen. Die qualitativ ausgerichtete Evaluations- und Begleitforschung hatte das Ziel, die innerhalb der BodyGuard-Angebote gesammelten Erfahrungen aus der Perspektive der Jugendlichen zu beschreiben. Übergeordnete Fragestellungen waren dabei:
- In welcher Weise werden die gesundheitsfördernden Angebote von den Jugendlichen aufgegriffen?
- Wie müssen die Angebote gestaltet sein, damit sie von den Jugendlichen genutzt und umgesetzt werden können?
- In welcher Weise können durch das Projekt Veränderungen von Einstellungen, Wissen, Verhaltensweisen und Lebensstil angeregt werden?
In einer ersten Befragungswelle im Jahr 2007 wurden insgesamt 54 Jugendliche in ungefähr einstündigen Gruppengesprächen interviewt. Diese Interviews wurden aufgezeichnet, transkribiert und die entstandenen Texte als Datengrundlage zur Auswertung herangezogen. Außerdem wurden Experteninterviews mit den umsetzenden Pädagoginnen und Pädagogen vor Ort durchgeführt.
2008 erfolgte eine zweite Befragungswelle, in der 19 biografische Interviews mit einzelnen Jugendlichen geführt wurden; die Gespräche dauerten zwischen 20 Minuten und einer Stunde.
Die wissenschaftliche Begleitung war in die Modellphase durch einen Sitz in der Steuerungsgruppe eng eingebunden. Die Ergebnisse der Evaluation wurden dem Modellprojekt zur Verfügung gestellt und bei Arbeitstreffen des Steuerungskreises und Fachtagungen vorgestellt und diskutiert. Die Ergebnisse und Empfehlungen der externen Evaluation wurden in die weitere Konzeptentwicklung und die Formulierung von Standards am Ende der Modellphase mit einbezogen.
Ein Ergebnis der Evaluation war, dass sich die erwünschte nachhaltige Veränderung des Gesundheitsverhaltens nach einem Zeitraum von zwei Jahren (noch) nicht zeigte. Auf der Ressourcenebene konnte eine Steigerung des Gemeinschafts- und Selbstwertgefühls festgestellt werden. Eine wesentliche Erkenntnis aus der Evaluation für die Programmplanung war somit, dass ein weit gefasster Gesundheitsbegriff in der Zielsetzung des Programms zugrunde gelegt werden sollte und der alleinige Blick auf nachweisliche Veränderungen des Gesundheitsstatus sich als zu eng erweisen kann. Auch wurde deutlich, dass die Partizipation in Form von aktiver Gestaltung des eigenen sozialen Lebens im Rahmen des Programms einen hohen Stellenwert einnimmt. Die bewegungs-, entspannungs- und ernährungsbezogenen Angebote von BodyGuard bieten Gelegenheiten zur Vergemeinschaftung, sozialen Praxis und Selbstverortung der Jugendlichen.
Die Empfehlungen der Zwischenevaluation (2007) lauteten: 1. Soziale Verbindlichkeit herstellen, 2. „Wir-Gruppen“ bilden und stärken, 3. Geschlechtergrenzen überschreiten, erproben, stärken, 4. Erlebnischarakter herstellen, 5. Auswahl- und Mitgestaltungsmöglichkeiten ausloten.
Der Endbericht einschließlich der zweiten Befragungswelle spricht folgende Empfehlungen aus: 1. Bedeutsame Einladungen aussprechen (Einladung über für Jugendliche bedeutsame Gatekeeper’), 2. Verbindlichkeiten herstellen und soziale Platzierung ermöglichen, 3. Aktivitätsräume als sozial bedeutsame Orte gestalten, 4. Selbstbestimmung und Partizipation fördern, 5. persönliche Bezüge und Nutzwerte erkennen und aufgreifen, 6. Ausstiege und Abbrüche ernst nehmen und die Betroffenen stützen.
Die hier stichwortartig ausgeführten Handlungsempfehlungen sind in der Kurzfassung des Zwischenberichts sowie dem Endbericht der Evaluation ausführlich erläutert. Diese stehen auf der Website www.ib-bodyguard.de zum Download bereit.
Die interne Evaluation
Auf der Ebene der Standorte wurden die Erfahrungen regelmäßig in den begleitenden Arbeitsgruppen vor Ort reflektiert. Wenn notwendig, erfolgten Anpassungen und es wurden spezifische kleine lokale Evaluationen durchgeführt (z.B. Evaluation zum Angebot des gesunden Frühstücks einer Einrichtung). Alle zehn Modellstandorte dokumentierten ihre Arbeit fortlaufend nach zentralen Vorgaben. Diese wurden standortübergreifend ausgewertet. Erfasst wurden hier für den Bereich Verhaltensprävention die Art des Angebotes, die Teilnehmerzahl und -struktur und die Häufigkeit des Angebots. Weiter wurde dokumentiert, welche verhältnisbezogenen Aktivitäten durchgeführt wurden, welche Partnerschaften mit welchen Ergebnissen angebahnt wurden und wie oft und mit welchen Themen die Arbeitsgruppen vor Ort tagten. Außerdem wurden an den fünf Standorten der ersten Runde einmal jährlich die durchgeführten Module und Unterrichtseinheiten zur Gesundheitsförderung nach Vorgabe beschrieben und einer Selbstbewertung unterzogen. Auch diese Berichte wurden zentral ausgewertet. Probleme und sich bewährende Vorgehensweisen wurden dadurch sichtbar und konnten standortübergreifend diskutiert werden. So wurden durch die Evaluationsergebnisse Überlegungen und Optimierungen der Angebote im Handlungsfeld Ernährung angestoßen, da deutlich wurde, dass diese die Jugendlichen oft nicht nachhaltig erreichten. Dieses Vorgehen ermöglichte den Erfahrungstransfer zwischen den Standorten und diente der Weiterentwicklung des Programms.
Guter Praxisbereich „Anwenderfreundlichkeit“
Am Ende der Modellphase wurden die gesammelten Ergebnisse und Erfahrungen in einer Arbeitshilfe gebündelt. In diesem sind die Standards formuliert und bewährte Praxisangebote beschrieben. Sie ist als PDF-Datei verfügbar unter http://www.ib-aupair.de/fileadmin/user_upload/veroeffentlichungen/2009/IB_Arbeitshilfen_BodyGuard.pdf.
Ergänzt werden diese Beschreibungen durch weitere Artikel zur gesundheitsfördernden Arbeit mit Jugendlichen, Hintergrundmaterial und weiterführende Hinweise, z.B. zu den Kriterien guter Praxis in der Gesundheitsförderung bei sozial Benachteiligten und den Stufen der Partizipation. Beiträge zum Thema Fundraising, zur Jugendaktion „Gut drauf“ und ein Blick auf das Programm aus der Sicht der wissenschaftlichen Begleitforschung sind ebenfalls eingebunden.
Die leichte Zugänglichkeit des Programms zeichnet sich weiterhin durch die Austauschmöglichkeiten und direkte Ansprechbarkeit umsetzender Standorte aus. Zum einen ist diese über die Adressenliste in der Arbeitshilfe gewährleistet, zudem stellt die jährliche Tagung, die Mitarbeiter-Zeitschrift des IB, das Intranet des Trägers sowie eine dort eingerichtete Austauschplattform den Austausch sicher.
So ist eine angestrebte Übertragung von BodyGuard auf weitere berufsbildende Einrichtungen und auch auf andere Settings wie Jugendhäuser oder Erziehungshilfeeinrichtungen möglich, in denen der Internationale Bund für Jugendliche aktiv ist.



