Kapitel 3 - Gesund aufwachsen
Für ein gesundes Aufwachsen brauchen Kinder ein Umfeld, das ihnen Zuwendung und Sicherheit, aber auch Anreize und Möglichkeiten für eigene Entdeckungen gibt. Belastungen, unter denen die Familien leiden, und eingeschränkte Entwicklungsmöglichkeiten des Kindes, können zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen und die Gesundheitschancen auch im Erwachsenenalter negativ beeinflussen.
Um die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen zu verbessern, bedarf es der Förderung gesunder Lebensstile sowohl in den Familien als auch im Umfeld, Stärkung der elterlichen Kompetenzen, gesunder Verpflegung in Kindertagesstätten und Schulen sowie zusätzlicher Bewegungsangebote in der unmittelbaren Umgebung der Kinder (RKI/BZgA 2008, S. 169). Gesunde Ernährung und Bewegung verbessern die Gesundheitschancen von Kindern und Jugendlichen. Für gute Gesundheitschancen müssen Jungen und Mädchen aber auch gute Voraussetzungen zur Bewältigung ihrer allgemeinen Entwicklung haben.
Kinder und Jugendliche aus schwierigen sozialen Verhältnissen bedürfen besonderer Unterstützung. Der Kooperationsverbund für Gesundheitsförderung bei sozial Benachteiligten hat Handlungsempfehlungen zur Stärkung von Kindern und Jugendlichen in belasteten Lebenslagen entwickelt. Die Handlungsempfehlungen werden in Kürze im Fachheft „Gesundes Aufwachsen für alle! Anregungen und Handlungshinweise für die Gesundheitsförderung bei sozial benachteiligten Kindern, Jugendlichen und ihren Familien“ der BZgA veröffentlicht.
Weitere Informationen unter
www.gesundheitliche-chancengleichheit.de/gesundheitsfoerderung-bei-kindern-und-jugendlichen/handlungsempfehlungen
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Um Interventionen so früh wie möglich zu beginnen und eine Begleitung, falls erforderlich, fortzusetzen, bedarf es in der Kommune eines abgestimmten Vorgehens. Eine gute Zusammenarbeit verschiedener Ressorts wie der Jugendhilfe, des Bildungs- und Gesundheitsbereichs, Familien unterstützender Angebote, lokaler Akteure und sozialer Netzwerke ist Voraussetzung, um Familien mit besonderem Unterstützungsbedarf zu erreichen und die Chancen für eine gute Entwicklung des Kindes zu erhöhen. Dadurch kann im günstigsten Fall eine Bündelung von Ressourcen der Verwaltung ermöglicht werden.
In der folgenden Tabelle werden gesundheitsrelevante Entwicklungsthemen dargestellt. Die Zuordnung der Entwicklungsthemen zu den verschiedenen Altersgruppen bedeutet dabei nicht, dass dies exklusive Themen für die jeweilige Altersgruppe sind. Das Thema „Beziehungen gestalten“ stellt beispielsweise eine Herausforderung im Vorschulalter dar, ist aber auch ein zentrales Thema der späteren Altersphasen. In der jeweils genannten Altersphase sind die aufgeführten Themen jedoch von besonders hoher gesundheitlicher Relevanz (13. Kinder- und Jugendbericht, 2009).
„Dabei geht es nicht nur darum, wie gesund Kinder und Jugendliche aktuell sind … Wichtiger noch als die aktuelle Lage ist die Frage nach dem Fundament für die Gesundheit im Lebensverlauf, das in der Kindheit gelegt wird, …, welche inneren und äußeren Ressourcen sie mitbringen, um das vor ihnen liegende Leben zu bewältigen“ (Rosenbrock, 2008).
Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG)
§ 4 Zusammenarbeit der öffentlichen Jugendhilfe mit der freien Jugendhilfe (1) Die öffentliche Jugendhilfe soll mit der freien Jugendhilfe zum Wohl junger Menschen und ihrer Familien partnerschaftlich zusammenarbeiten.
(1) Die öffentliche Jugendhilfe soll mit der freien Jugendhilfe zum Wohl junger Menschen und ihrer Familien partnerschaftlich zusammenarbeiten.
Tabelle 3: Gesundheitsrelevanten Entwicklungsthemen
Alters- | Entwicklungs- | Beispiele für die Wirkung sozialer | Unterstützung für eine erfolgreiche |
unter 3-Jährige | Bindung und Autonomie | Soziale Belastungen der Eltern können verhindern, dass einfühlsam auf die Signale des Kindes eingegangen wird. Das Kind erlebt nicht, dass auf seine Signale positiv reagiert wird. Es entsteht keine vertrauensbildende Bindung. | Niedrigschwellige Angebote zur Stärkung der Elternkompetenz; unterstützende Netzwerke, die Eltern helfen und sie befähigen. |
3- bis unter 6-Jährige | Sprechen, Bewegen und | Ein verkehrsreiches Umfeld, wenig oder belasteter öffentlicher Raum schränken den Bewegungsdrang des Kindes ein; Sprachlosigkeit der Eltern; hoher TV-Konsum; fehlender Kontakt zu Gleichaltrigen | Früher Kindergartenbesuch; zugewandte Erzieherinnen und Erzieher fördern die Jungen und Mädchen und ermöglichen ihnen, eigene Bedürfnisse und Empfindungen zu erkennen, zu formulieren und sich auf die Bedürfnisse anderer einzulassen. |
6- bis unter 12-Jährige | Aneignen und Gestalten, Beziehungen eingehen und sich bewähren | Kinder erleben in der Schule Misserfolge und fühlen sich den Leistungserwartungen nicht gewachsen; es besteht kein familiärer Zusammenhalt; Eltern | Jungen und Mädchen werden in der Schule individuell gefördert und haben die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten zu entdecken und zu erproben. |
12- bis unter 18-Jährige | Körper spüren, Grenzen suchen, Identität finden | Keine ausreichende Unterstützung, um eine positive Lebens- und Berufsperspektive zu entwickeln; Es fehlen Freiräume und Angebote, in denen sich Jungen und Mädchen ausprobieren und ihre Grenzen und Fähigkeiten testen können. | Jungen und Mädchen erhalten Orientierung und haben Ansprechpersonen, die ihnen helfen, eigene Vorstellungen und Zukunftsperspektiven zu entwickeln. |
(nach 13. KJHB, 2009)
Wichtige Lebenswelten für Jungen und Mädchen sind vor allem Familie, Kindertagesstätte, Schule und Stadtteil. Eine gesundheitsförderliche Gestaltung dieser Lebenswelten erfordert, dass
- die gesundheitsbezogenen Fähigkeiten, Kenntnisse und Lebensstile der Kinder, Jugendlichen, Eltern, des pädagogischen Personals und weiterer Beschäftigter unterstützt werden
- die Rahmenbedingungen im Setting so gestaltet werden, dass gesunde Lebensstile und gesundheitsförderliche Aktivitäten im Alltag gefördert werden
- Jungen und Mädchen, Eltern und die Beschäftigten aktiv an dem Prozess der gesundheitsförderlichen Entwicklung des Settings beteiligt werden.
In der Gesundheitsförderung wurde für die Gestaltung gesundheitsförderlicher Lebenswelten der Lebenswelt-Ansatz entwickelt. Dieses Konzept wird in Heft 1 der Arbeitshilfen, Kapitel 5 „Gesundheitsförderung, die ankommt“ erläutert.
In gesundheitsförderlichen Lebenswelten erleben Kinder ihre Eltern und andere Erwachsene (z.B. Erzieherinnen und Erzieher) als Personen, die „mit großer Achtsamkeit und ohne Diskriminierung nach sozialer Zuordnung, Religion, ethnischer Herkunft oder Behinderung die Bedürfnisse von Kindern nach emotionaler Zuwendung, Bewegung und Erforschung der Umwelt, genussreicher und gesunder Ernährung sowie Kommunikation und Austausch wahrnehmen. Auf dieser Grundlage und mit guten erwachsenen Vorbildern wird es Kindern möglich, achtsames Verhalten gegenüber sich selbst und anderen zu entwickeln und aktiv an der Ausgestaltung gesunder Lebensverhältnisse teilzunehmen (Partizipation)“ (13. KJHB, 2009).
Mo.Ki - Monheim für Kinder
Das Berliner Viertel in Monheim, eine Hochhaussiedlung, ist ein Soziale Stadt-Quartier. Die Stadt Monheim setzt seit 2002 ein integriertes Handlungskonzept um, um negativen Folgen familiärer Armut entgegen zu wirken und die Lebensbedingungen im Quartier insgesamt zu verbessern. Das Projekt Mo.Ki leistet durch intensive Vernetzung gezielte Präventionsarbeit. Die Zusammenarbeit verschiedener Akteure, u.a. Jugend-, Sozial- und Gesundheitsamt, Erziehungsberatung, Familienbildungsstätten, Kindertagesstätten, Schulen und Jugendhilfe wird von einer Regiestelle geleitet. Die Stelle ist in einer Kita angesiedelt, Ansprechpartnerin ist eine Jugendamtsmitarbeiterin. Das Kreisgesundheitsamt hat für die Kooperationspartner einen wichtigen Stellenwert, da es viele Angebote für Kinder und Eltern direkt in Kindertagesstätten und Schulen einbringen kann. Weitere Kooperationspartner sind Ärztinnen und Ärzte, Hebammen und Entbindungspfleger, Kinderkrankenschwestern und Kinderkrankenpfleger sowie Sportvereine.
Die Partner organisieren gemeinsam ein Begleit- und Unterstützungsangebot für Eltern ab der Schwangerschaft. Später werden z.B. einrichtungsübergreifend Elternabende zu Themen wie Sprachförderung, Taschengeld oder Gesundheitsfragen von jeweils zwei Kitas organisiert. Die Elternabende sind zum größten Teil zweisprachig angelegt und stehen allen interessierten Eltern im Viertel offen.
Die fünf in unterschiedlicher Trägerschaft befindlichen Kitas des Stadtteils sind gemeinsam als Familienzentrum zusammengefasst und zertifiziert. Sie bieten ein breit angelegtes Angebot für Familien an. Der Übergang zur Grundschule wird von den Einrichtungen so gestaltet, dass Mädchen und Jungen wirkungsvolle Unterstützung erhalten. Gemeinsam mit den Grundschulen werden Maßnahmen wie Sprachförderung, Bewegungsprojekte, Kontakt- und Vernetzungsprojekte, interkulturelle Informationstreffen und die Zusammenarbeit mit einer Mitarbeiterin des Jugendamtes angeboten und entwickelt, die die Eltern und Kinder bereits vor Schulbeginn mit der neuen Institution bekannt machen.
Die Grundschulen haben in diesem Prozess ihre innere Organisation verändert und einen Ganztagsbetrieb entwickelt, verbunden mit neuer Rhythmisierung des Unterrichts sowie besonderen kulturellen und sportlichen (Förder-)Angeboten. Sozial benachteiligte Kinder werden jetzt mit diesen Angeboten gut erreicht. Bestandteil des schulischen Regelangebots ist auch Elternarbeit und -bildung.
Die Lebenslage der Kinder im KiTa-Alter hat sich durch diese Maßnahmen verbessert, so sind gesundheitliche Gefährdungen (z.B. Übergewicht) oder Bildungshemmnisse (z.B. Sprachprobleme) gesunken. Alle 4-Jährigen besuchen mittlerweile eine Kindertagesstätte; nächstes Ziel der Kommune ist es, alle 3-Jährigen für den Kitabesuch zu gewinnen.
Weitere Informationen zum Good Practice-Projekt Mo.Ki in der Datenbank
www.gesundheitliche-chancengleichheit.de/good-practice/mo-ki
und unter www.monheim.de/moki
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In der Praxis zeigt sich, dass eine Zusammenarbeit zwischen den Institutionen organisiert werden muss. Zielgruppenorientiert und situationsbedingt ist zu entscheiden, welche Partner in Maßnahmen der Gesundheitsförderung einzubinden sind. Kooperationspartner vor Ort können u.a. sein:
- Gesundheits-, Jugend- und Sozialämter
- Bau- und Umweltamt
- freie Träger der Wohlfahrt, Einrichtungen der Jugendhilfe und der Jugend- und Sozialarbeit
- Praxen und Kliniken
- Krankenkassen
- Einrichtungen religiöser Gemeinschaften
- Stadtteil-, Gemeinde-, Jugend- und Familienzentren
- Quartiersmanagement
- Anbieter von Bildungs- und Weiterbildungsmaßnahmen, Arbeitsämter und Berufsvermittlungs- und Informationszentren,
- Sportvereine
- Kindertagesstätten und Schulen
- Polizei
- Betriebe und Unternehmen
Diese Liste kann beliebig erweitert werden. Die Partner vor Ort müssen in jedem Fall individuell entsprechend der geplanten Maßnahmen, des Projektziels und ihrer Kompetenzen ausgewählt werden. Multiplikatoren und Schlüsselpersonen vor Ort können hier bei der Auswahl und Vermittlung möglicher Projektpartner eine gute Unterstützung sein. Bereits vorhandene Strukturen vor Ort sollten genutzt und eingebunden werden.
Tabelle 4: Für die Gesundheitsförderung bei Kindern und Jugendlichen relevante Organisationen auf kommunaler, Landes- und Bundesebene und rechtliche Grundlagen ihrer Arbeit
Organisationsebene | Organisation | Aufgaben | |
kommunal | Jugendamt | Soziale Dienste | Beratung und Unterstützung von Kindern, Jugendlichen und Familien sowie Entscheidung über Gewährung von Sozialleistungen nach dem SGB VIII, z.B. allgemeine Förderung der Erziehung, Hilfen zur Erziehung (Erziehungsberatung, sozialpädagogische Familienhilfe etc.), Mutter/Vater-Kind-Einrichtungen |
Förderung in Kindertage- | Erziehung, Bildung, Betreuung im Bereich soziale, emotionale, körperliche und geistige Entwicklung | ||
Aufgabe der Beistandschaft | Beratung und Unterstützung, insbesondere Geltendmachung von Unterhaltsansprüchen, auch schon vorgeburtlich | ||
Jugendhilfeausschuss | verantwortlich für die Planung eines bedarfsgerechten Angebots an Leistungen für junge Menschen und ihre Familien | ||
(über-)regional | Freie Träger | Vereine, Gesellschaften (können auch freie Träger der Jugendhilfe sein) | individuelle Angebote zur Unterstützung von Kindern und Jugendlichen mit eigenem Leitbild und Konzept; z.B. soziale Gruppenarbeit und Tagesgruppen (§ 29, § 32 SGB VIII) |
Landesebene | Landesjugendamt | Förderung der Zusammenarbeit der Träger, Entwicklung von Empfehlungen, Beratung und Unterstützung der Jugendhilfepraxis, Aufsicht über Einrichtungen | |
Schulen | Gesundheitsförderung als Verpflichtung der Schulen, unterstützt durch: regionalen Sozialdienst, Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienst, Erziehungs- und Familienberatung | ||
Landes- und Bundesebene | Verbände der freien Wohlfahrtspflege | unterstützen die in ihnen organisierten Träger | |
Bundesebene | Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend | zuständig für Gesetzgebung, fördert überregionale, bundes- und europaweite Kinder und Jugendhilfe, z.B. das Nationale Zentrum Frühe Hilfen | |
Bundesministerium für Gesundheit | Zuständig für Gesetzgebung SGB V, hierunter Vorschriften zur Primärprävention (§ 20) und zu Kinderuntersuchungen (§ 26) | ||
(nach Dr. Thomas Meysen, Deutsches Institut für Jugendhilfe und Familienrecht DIJuF e.V.)
§ 7 ÖGDG
(Gesetz über den öffentlichen Gesundheitsdienst) - Landesrecht Baden-Württemberg Gesundheitliche Prävention und Gesundheitsförderung
(3) Die Gesundheitsämter beraten und unterstützen andere Stellen, die mit der Prävention und Gesundheitsförderung befasst sind; sie regen geeignete Maßnahmen an. Die Gesundheitsämter koordinieren die Angebote und Maßnahmen und wirken auf enge Zusammenarbeit hin.
Kindertagesstätte Regenbogen Wilhelmshaven
Die Kita Regenbogen liegt im benachteiligten Stadtteil Fedderwardergroden in Wilhelmshaven. Um die Defizite der dort lebenden und oft sozial schwachen Familien und Kinder auszugleichen und Ressourcen zu fördern, verfolgt die Kindertagesstätte ein ganzheitliches, integriertes Konzept zur Gesundheitsförderung. Dabei werden Alltagsroutinen mit Aspekten der Gesundheitsförderung verknüpft. So werden in den Bereichen Ernährung, Bewegung und Sprachförderung kontinuierlich Maßnahmen durchgeführt, die sich neben den Kindern auch an ihre Familien und die Erzieherinnen und Erzieher richten.
Hierzu ist die Einrichtung umfassend mit zahlreichen öffentlichen Institutionen wie dem Gesundheitsamt, dem Jugendamt, der Jugendzahnpflege, Arztpraxen, Jugendhilfeeinrichtungen, Kirchengemeinden u.a. vernetzt. Durch den guten Kontakt zu Jugend- und Gesundheitsamt und einem ausgeprägten Vertrauensverhältnis zwischen Eltern und Erzieherinnen und Erziehern können Kinder und ihre Familien mit wenig formalem Aufwand frühzeitig Hilfen erfahren.
Die Kindertagesstätte Regenbogen kooperiert außerdem träger- und konfessionsübergreifend mit weiteren Wilhelmshavener Kindertagesstätten und den Grund- und Förderschulen des Stadtteils. Innerhalb gemeinsamer Konferenzen werden Maßnahmen und Projekte für einen fließenden Übergang zwischen Kindergarten und Schule entwickelt. Regelmäßig stattfindende Treffen der Leitungspersonen aller evangelischen Kitas dienen der kollegialen Unterstützung und machen gemeinsame Zielfindungsprozesse der Kitas möglich. Problemlagen und Handlungsbedarf werden in fachübergreifenden Arbeitskreisen herausgestellt und Interventionsmaßnahmen entwickelt.
Nach außen wird dieser Zusammenschluss durch die gemeinsame Internetplattform www.kirche-am-meer.de repräsentiert.
Weitere Informationen zum Good Practice-Projekt Kita Regenbogen in der Datenbank
unter www.gesundheitliche-chancengleichheit.de/good-practice/kindertagesstaette-regenbogen
Gesundheit ist ein wichtiges Thema im Arbeitsalltag der Kindertagesstätten. Zur Förderung der Bewegungs- und Sportangebote sind teils auf regionaler Ebene (z.B. Sportbund-Bielefeld, Kitas und Familienzentren), teils auf Länderebene (z.B. Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur und dem Landessportbund Thüringen e.V.) Vereinbarungen zwischen Sportvereinen und Kindertagesstätten, mitunter auch Schulen, getroffen worden. Krankenkassen unterstützen solche Kooperationen z.B. durch Preisgelder für ausgeschriebene Wettbewerbe (Techniker Krankenkasse, Hessen). Aber auch für die Handlungsfelder Ernährung, Stressabbau und Bildung werden weitere Partner einbezogen. Hinsichtlich der Wirksamkeit sollten Konzept-, Planungs- und Durchführungsqualität für Präventions- und Gesundheitsförderungsaktivitäten verbessert werden (Kliche et al, 2008). Der Leitfaden „Gesunde Kita für alle!“ (Richter-Kornweitz & Altgeld, 2010) gibt hier eine wichtige Hilfestellung.
Die Krankenkassen setzen nach § 20 Abs. 1 SGB V Maßnahmen der Primärprävention um. Sie beteiligen sich „partnerschaftlich an gesundheitsfördernden Projekten zur integrierten Förderung von Bildung und Gesundheit“ in Kitas mit verhaltens- und verhältnispräventiver Ausrichtung (GKV Spitzenverband, 2010). Umgesetzt werden Gemeinschaftsprojekte mit mehreren Partnern wie z.B. Kita-Trägern, Unfallversicherungen und Krankenkassen unter Einbindung von Eltern und Mitarbeitern. Auch für die Settings Schule und Stadtteil werden Zusammenarbeit zwischen Kassen, Kommunen, freien Trägern und die Einbindung ins Gesunde StädteNetzwerk sowie das Programm Soziale Stadt befürwortet und unterstützt (ebd.). Die Kindertagesstätte bzw. das Familienzentrum kann für die Kinder und ihre Familien zu einem Bestandteil und einer Stärkung ihres sozialen Netzwerkes werden. Sie kann Zugang zu Informationen und Kontakten eröffnen und die soziale Integration von Kindern und Eltern fördern. Für die Kindertagesstätte ergeben sich aus der Öffnung in den Stadtteil Möglichkeiten zu neuen Partnerschaften.
Lernen durch Genießen - Gesunde Ernährung aus Sehpferdchens Küche
Die Hamburger Kindertagesstätte in Heimfeld-Nord vermittelt mit dem Projekt „Lernen durch Genießen“ sowohl Kindern als auch Eltern Wissen und praktische Erfahrungen zum Thema gesunde Ernährung. Neben der gesunden Ernährung stehen die Befähigung und Kompetenzerweiterung der Beteiligten im Mittelpunkt der Maßnahmen.
Die Mitarbeit im Arbeitskreis „Gesundes Heimfeld“ ermöglicht der Kita die Zusammenarbeit mit familienbezogenen Einrichtungen. Dadurch kann sie mit ihren Angeboten auf die aktuellen Lebenslagen der Eltern im Stadtteil eingehen. Mit ihrer Küche ist die Kita eine zentrale Institution im Stadtteil und wird von anderen Einrichtungen genutzt und wertgeschätzt. Gesunde Ernährung ist als übergreifendes Konzept in der Kita verankert, dient aber auch als Medium, um die Kompetenzen der Kinder in den Bereichen Sprache, Sozial- und Konfliktverhalten zu fördern sowie die Eigenverantwortung der Eltern zu unterstützen.
Weitere Informationen zum Good Practice-Projekt sind in der
Projektdatenbank verfügbar unter www.gesundheitliche-chancengleichheit.de/good-practice/lernen-durch-geniessen
Die kindliche Entwicklung verläuft umso erfolgreicher, je besser die altersspezifischen Anforderungen bewältigt werden. Für die Kinder stellen dabei die Übergänge, z.B. aus der Familie in die Kindertagesstätte oder von der Kindertagesstätte in die Schule, besondere Herausforderungen dar. Der Wechsel ist oftmals mit neuen Aufgaben verbunden. Je weniger die Entwicklungsaufgaben der zurückliegenden Phase von den Kindern bewältigt wurden, umso schwieriger stellt sich ihnen der neue Lebensabschnitt dar. Kinder, die unter schwierigen sozialen Bedingungen aufwachsen, haben bei fehlender Unterstützung in diesen Übergängen ein höheres Risiko zu scheitern, wodurch zusätzliche Hürden für eine gesunde Entwicklung entstehen. Ein Scheitern in dieser Phase kann das Selbstwertgefühl mindern und soziale Anerkennung und Integration beeinträchtigen.
Durch intersektorale Zusammenarbeit und Vernetzung können diese Übergänge erfolgreich gestaltet werden. Lehrkräfte der Grundschule können schon vor Schulbeginn den Kontakt zu Kindern und ihren Eltern suchen. So kann beispielsweise zwischen einer Kindertagesstätte und der Grundschule ein Verfahren vereinbart werden, in dem der Unterstützungs- und Förderbedarf einzelner Kinder ermittelt und als individueller Förderplan des Kindes fortgeführt wird. In diese professionsübergreifende Zusammenarbeit sollten auch die Eltern einbezogen werden.
Kita & Co Herford
Das Bildungsprojekt Kita & Co wird im Auftrag des Kreises Herford und der Carina Stiftung durchgeführt. Ziel ist es, die Chancen der frühkindlichen Erziehung und Bildung bestmöglich zu nutzen und einen fließenden Übergang vom Kindergarten in die Grundschule zu ermöglichen. Dies wird in der Region Herford durch gezielte Qualifizierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in beiden Institutionen und den Ausbau und die Professionalisierung der Kooperation untereinander geschaffen.
Das Projektmanagement liegt beim Kreis Herford. Hier werden vernetzende und verbindliche Strukturen zwischen den beteiligten Bildungseinrichtungen vor Ort, in den Städten, den Gemeinden des Kreises und auch im Gesamtzusammenhang des Projektes geschaffen. Das Modellprojekt ist systemübergreifend zwischen Kindertagesstätten und Grundschulen und trägerübergreifend zwischen verschiedenen Einrichtungen vernetzt. Ein Kooperationsvertrag zwischen den beteiligten Grundschulen und Kitas, den Kommunen, dem Schulamt des Kreises Herford, den Projektträgern sowie den Trägern der Kitas belegt die Verbindlichkeit der Zusammenarbeit. Wissenschaftlich begleitet wurde das Projekt in der ersten Phase durch die Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Universität Bielefeld.
Mehr Informationen zu Kita & Co unter
www.kreis-herford.de/index.phtml?NavID=393.624
Die Schule ist ein Ort, an dem Kinder und Jugendliche einen großen Teil ihrer Freizeit verbringen und ihre Freunde treffen. Die gesundheitsförderliche Schule nimmt die Jungen und Mädchen mit ihren Bedürfnissen ernst und beteiligt sie an der Gestaltung des Schulalltags. Partner vor Ort können Unterstützung liefern.
Für gute Kitas und gute Schulen wird Gesundheitsförderung zu einem Qualitätsmerkmal der Einrichtung. Um langfristig die Bildungsund Gesundheitsqualität zu verbessern, ist eine intersektorale Zusammenarbeit von gesetzlichen Krankenkassen und den Landesarbeitsgemeinschaften für Gesundheit förderlich. Mit Unterstützung dieser verschiedenen Partner kann ein gesundheitsförderlicher Organisationsentwicklungsprozess initiiert werden, von dem alle Beteiligten, Kinder, Beschäftigte und Eltern profitieren. Die Qualität der Erziehungs- und Bildungsarbeit wird in diesem Prozess positiv beeinflusst.
Regionale Schule Marnitz
Die Schule im ländlichen Raum Mecklenburg-Vorpommern ist weit mehr als ein Lernort. Der Leitgedanke der Schule ist: „Schule ein zweites Zuhause - Ergebnis gemeinsamen Miteinanders“. Neben der Teilnahme an zahlreichen Projekten und Maßnahmen - wie dem Modellvorhaben „Selbständige Schule“, dem Projekt „Demokratie leben lernen“ oder dem von der TK organisierten Projekt „Gesunde Schule“ - bemüht sich die Schule einerseits stets, die Schülerinnen und Schüler aktiv in die Gestaltung der Projekte einzubeziehen und darüber hinaus auch um eine Öffnung nach außen, indem sie mit möglichst vielen Betrieben und Institutionen aus der Region zusammenarbeitet und Patenschaften aufbaut. So arbeiten die Schülerinnen und Schüler im Rahmen des Wahlpflichtunterrichts in ihren Gemeinden (Grünflächen pflegen, bei Gemeindefesten helfen u.a.) oder besuchen die Betriebe der Region. Eine enge Zusammenarbeit besteht mit der Parchimer Suchtberatung, deren Suchtberater zu Präventionsveranstaltungen der Schule kommen, und der Diakonie Dobbertin, mit deren Unterstützung eine psychologische Beratung für Schülerinnen und Schüler sowie Eltern angeboten werden kann. Bei Erziehungsproblemen arbeitet die Schule ebenfalls eng mit den zuständigen Stellen zusammen, z.B. mit Bürgerämtern, Kontaktbeamten oder dem Jugendamt, die auch zu Erziehungskonferenzen in die Schule eingeladen werden.
Die Regionale Schule Marnitz ist Gewinner des Deutschen Präventionspreises 2010.
Weitere Informationen zur Schule unter
www.bzga.de -> Deutscher Präventionspreis 2010 und www.schulemarnitz.de
Gesund leben lernen - Hannover
Das Programm wird vom niedersächsischen Bildungsministerium, den niedersächsischen Krankenkassen, der Landesunfallkasse und der Landesvereinigung für Gesundheit getragen und von der Hochschule Hannover evaluiert. Die Schulen sollen zu einer gesunden Lebenswelt für Schülerinnen und Schüler sowie alle in ihr Arbeitenden und Lernenden entwickelt werden. Dafür werden in den Schulen, vorrangig in sozialen Brennpunkten, gesundheits- und persönlichkeitsfördernde Arbeits- und Lebensbedingungen geschaffen. Hierzu werden Arbeitsabläufe, Kommunikation und Zusammenarbeit verbessert, Angebote zu gesunder Ernährung, Stressbewältigung und Bewegungsförderung initiiert, eine Verbesserung des Schulklimas angestrebt und Lärmreduktion und Suchtprävention umgesetzt. Auch regionale Partner sind in die Projektarbeit eingebunden und tragen im Rahmen ihrer Möglichkeiten zum Erfolg der Maßnahmen bei.
Die Arbeit in den einzelnen Schulen wird auf Landesebene durch ein Beratungsteam unterstützt. Die Schulen, die an diesem Programm teilnehmen, betonen, dass für sie diese Unterstützung von außen sehr wichtig ist. Die externe Moderation stellt sicher, dass der Prozess nicht in der täglichen Arbeit untergeht, die Treffen zuverlässig einberufen werden und die Gruppe immer wieder motiviert wird.
Die zuständige Referentin des niedersächsischen Kultusministeriums unterstützt das Programm. Sie erklärt, „eine Schule, die jungen Menschen möglichst viele Grundlagen für die Gestaltung ihrer Zukunft vermitteln will, muss heute auf vielen verschiedenen Gebieten qualitätsvolle Arbeit leisten. Insofern gehen die schulischen Erziehungs- und Bildungsaufgaben deutlich über die Vermittlung reinen Fachwissens hinaus“ (Liesel Westermann-Krieg, zitiert nach AOK Bundesverband, 2008).
Weitere Informationen zum Good Practice-Projekt „gesund leben lernen“ finden Sie unter www.gesundheitliche-chancengleichheit.de/goodpractice/gesund-leben-lernen
Die Situation von Jugendlichen in den Quartieren sollte auch im Hinblick auf die Gesundheitsförderung noch stärker thematisiert werden. Dabei ist diese Altersphase der Adoleszenz für Jungen und Mädchen mit großen Herausforderungen verbunden und bringt damit auch viele Risiken mit sich. Jungen und Mädchen erleben in dieser Zeit tiefgreifende körperliche Veränderungen. Sie nehmen sich und ihren Körper neu wahr und suchen nach eigener Identität. Die Auseinandersetzung mit Männlichkeits- und Weiblichkeitsbildern ist ein wichtiger Teil dieser Entwicklung. Hier ihre eigene Identität zu finden ist für Jungen und Mädchen ein Teil ihrer gesundheitsrelevanten Entwicklungsaufgabe. Gesundheitsbezogene Verhaltensweisen bilden sich in diesem Alter heraus oder verfestigen sich. Es kann sich aber auch für Jugendliche eine „zweite Chance“ eröffnen, indem z.B. frühe Erfahrungen aus der Kindheit durch neue soziale Unterstützung modifiziert werden.
Das Projekt „komm auf Tour - meine Stärken, meine Zukunft“
Eine handlungsorientierte Initiative zur geschlechtersensiblen Stärkenentdeckung, Berufsorientierung und Lebensplanung für Schülerinnen und Schüler
Das in seiner Form bundesweit einzigartige Angebot „komm auf Tour - meine Stärken, meine Zukunft“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) unterstützt Jugendliche mit schlechteren Startchancen frühzeitig, ihre Lebensplanung geschlechtersensibel zu gestalten, persönliche Stärken und Interessen zu erkunden und die mit ihnen verbundenen beruflichen Wahlmöglichkeiten bewusst wahrzunehmen.
Berufsorientierung und Lebensplanung verbinden sich dabei über einen konsequent stärkeorientierten Kompetenzansatz.
Im Mittelpunkt des innovativen Angebotes für die Schülerinnen und Schüler steht ein stärkenorientierter Erlebnisparcours mit einem neuartigen methodischen Konzept. Begleitveranstaltungen binden die Eltern und Lehrkräfte ein. Die Projektumsetzung, nachhaltige Einbettung in die regionalen Maßnahmen und die angestrebte perspektivische Projektverstetigung werden über Kooperationstreffen mit den örtlichen Institutionen der Berufsorientierung und der Lebensplanung auf der kommunalen Ebene im Rahmen einer „regionalen Maßnahme“ vereinbart.
Weitere Informationen zum Projekt „komm auf Tour“ unter www.komm-auf-tour.de
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Auch das Wohnen und das Wohnumfeld haben für Kinder und Jugendliche eine große Bedeutung. Für Kinder und Jugendliche sind Städte und Quartiere Orte, die ihrem Tatendrang mehr oder weniger Raum bieten und idealer Weise neue Einsichten ermöglichen. Im Quartier entdecken und interpretieren Heranwachsende „ihre“ Welt, lernen Möglichkeiten, Grenzen und die Anderen kennen. Dabei haben gleichaltrige Bezugsgruppen, so genannte Peergroups, einen hohen Stellenwert. Die soziale Unterstützung durch die Gruppe, erfahrene Nähe und Akzeptanz stellt für Jungen und Mädchen eine wichtige gesundheitsförderliche Ressource dar, die ihr Selbstwertgefühl stärkt und soziale Kompetenzen erhöht.
Informeller Jugendtreff ehemalige Panzerhalle’
In der Tübinger Südstadt wurde eine ehemalige Panzerhalle nach Erwerb durch die Stadt und in Zusammenarbeit mit einem Architekturbüro zu einem großen Pavillon umfunktioniert, der nun generationenübergreifend von den Anwohnerinnen und Anwohnern vielfältig genutzt wird.
Eine Platzanlage mit Brunnen, ein überdachter Spiel- und Festplatz, eine Fläche zum BouleSpielen, Bäume und transportable Sitzgelegenheiten sorgen für eine gute Aufenthaltsqualität für alle Bewohnerinnen und Bewohner des Stadtteils (Steffen et al, 2004).
Morgens üben Schulkinder mit der örtlichen Polizei Verkehrsregeln, nachmittags wird Basketball oder Fußball gespielt, am Abend wird die Halle zum Treffpunkt für Ältere. Durch die zentrale Lage im Viertel, die Nähe zur Bushaltestelle, der Ladenzeile und dem EckBistro ist die ehemalige Panzerhalle zu einem belebten Ort im Quartier geworden, wird vielseitig und generationenübergreifend genutzt.
Weitere Informationen zum Jugendtreff „ehemalige Panzerhalle“ unter www.tuebingen.de
ExWoSt - Experimenteller Wohnungs und Städtebau - Stadtquartiere für Jung und Alt
Die Ergebnisse der zwölf Modellvorhaben innovativer Quartiersentwicklung in sieben europäischen Ländern weisen darauf hin, dass Erneuerungsansätze „sich nur interdisziplinär und ressort- und durch akteursübergreifende Kooperation umsetzen“ lassen. Die Partizipation der Bürger ist unumgänglich. (BMVBS, 2009). Beispielhaft hierfür steht das Schul- und Quartiersprojekt „Brede School Nesselande“ NL. Die Entwicklung einer Schule als Quartierszentrum stärkt soziale Bindungen und unterstützt Kinder in ihrer Entwicklung. Umfassende Betreuungs- und Ausbildungsangebote werden für Kinder und Jugendliche bereitgestellt, wodurch die Eltern entlastet werden. Die Kooperationspartner sind eine multikonfessionelle Grundschule, eine Wohnungsbaugesellschaft, die Kommune, Stiftungen, Träger von Behinderteneinrichtungen und Kinderhort sowie Ärzte, Hebammen, Physiotherapeuten, Kirchen und Sportvereine. Der Erfolg des Konzepts wird durch eine „enge, ressortübergreifende Zusammenarbeit der verschiedenen Träger schon während der Planungs- und Bauphase, ein überdurchschnittliches Engagement der Akteure sowie ein intelligentes, flexibles Raumkonzept des zu nutzenden Gebäudes“ begründet (ebd. S. 43).
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Positive Erfahrungen mit Gleichaltrigen ergänzen, aber ersetzen nicht die Unterstützung, die Eltern oder andere erwachsene Bezugspersonen für die Jugendlichen bieten können. Oft ist es den Eltern nicht bewusst, wie wichtig ihre Meinung und Hilfe für die Jugendlichen und ihre weitere Entwicklung ist. Das gilt auch für die Unterstützung in Bezug auf Schule und Berufswahl. Einige Eltern benötigen Unterstützung, um diese Rolle wahrzunehmen.
Nordstadtschule Pforzheim
Viele der Kinder der Nordstadtschule kommen aus schwierigen Familienverhältnissen. Eine Schulsozialarbeiterin und zwei Sozialpädagogen stehen ihnen als verlässliche Ansprechpersonen beratend zur Seite. Die Lehrkräfte machen Hausbesuche und nehmen gemeinsam mit den Eltern Termine bei Einrichtungen und Ämtern wahr. Als integrative Maßnahme hat die Schule erfolgreich eine Deutsch-Klasse für ausländische Mütter ins Leben gerufen. Um die Kinder und Jugendlichen so gut wie möglich auf ihren weiteren Lebensweg vorzubereiten, gibt es kontinuierliche, jahrgangsspezifische Berufsbegleitungsmaßnahmen: Sozialtrainings, Informationsveranstaltungen und Berufspraktika unterstützen das Finden von Berufsinteressen.
Die Schule hat ein enges Netzwerk aufgebaut (Sportkreis, Stadtjugendring, Bürgerverein Nordstadt, Arbeitsagentur, Polizei) und kooperiert mit zahlreichen Beratungsstellen. Mit Hilfe dieser Kooperationspartner kann ein verlässliches, individuell abgestimmtes Fördernetz geknüpft werden. Durch die externen Ansprechpartner fühlen sich die Eltern in ihrer täglichen Erziehungsarbeit unterstützt.
Ein Beispiel für gelungene Zusammenarbeit ist das tägliche Schülerfrühstück in Kooperation mit Kollegium, Elternbeirat und Bürgerverein Nordstadt e.V. für Schülerinnen und Schüler der Klassen 1-9 sowie regelmäßige Bewegungsangebote und Aktionen rund um „das gesunde Frühstück“. Das Frühstück wird über Spenden-, Projekt- und Wettbewerbsgelder subventioniert.
Die Nordstadtschule Pforzheim ist Gewinner des Deutschen Präventionspreises 2010. Weitere Informationen zur Schule unter www.bzga.de -> Deutscher Präventionspreis 2010 und www.nordstadtschule.de
Die Schritte hin zum Erwachsenenstatus sind nicht klar bestimmt. Gab es früher noch starke Muster für die Lebensführung und Vorgaben der Arbeitswelt, die der eigenen Orientierung dienen konnten, lösen sich diese Entwürfe in einer zunehmend unterschiedlicher werdenden Gesellschaft auf. Für sozial benachteiligte Jugendliche ist es besonders schwierig, die damit verbundenen komplexen Anforderungen und Bedürfnisse, seien es eigene oder die des Umfelds, gut zu bewältigen. Sie brauchen Unterstützung, um sich erfolgreich einen Weg zu bahnen und bestehende Optionen für sich zu erschließen.
Pro Beruf - Jugendsozialarbeit im Übergang Schule - Beruf
Pro Beruf ist ein Projekt, das aus Mitteln der Bundesagentur für Arbeit (nach AFG/SGB III) und der Kinder- und Jugendhilfe nach KJHG (SGB VIII) finanziert wird. In Hannover-Nord wird das Angebot in Kooperation mit zwei Hauptschulen, zwei Schulen für Lernhilfe, einer integrierten Gesamtschule, dem Arbeitsamt und dem Amt für Jugend und Familie durchgeführt. Ziel ist es, Schülerinnen und Schüler zu erreichen, die voraussichtlich einen schwachen oder keinen Abschluss der Sekundarstufe I bekommen werden. Die Jungen und Mädchen haben häufig einen Migrationshintergrund. Die Elternhäuser sind geprägt von Arbeitslosigkeit und deren Auswirkungen, von Sprachproblemen, Sozialisation in anderen Werte- und Wirtschaftssystemen und dadurch bedingter mangelnder Kenntnis des deutschen Ausbildungsund Berufssystems. Die Jugendlichen bekommen von dieser Seite wenig oder gar keine Unterstützung. Der besondere Unterstützungsbedarf der Jugendlichen ergibt sich außerdem z.B. aus dem Vorhandensein von Sprachschwierigkeiten, Rechtschreibproblemen, Schulmüdigkeit, Verhaltensauffälligkeiten oder Lernbenachteiligungen.
Pro Beruf sieht sich als Bindeglied und Lotse im unstrukturierten Terrain zwischen Schule, Betrieben und Berufsberatung mit Jugendlichen. Die Zielgruppe, an die sich Pro Beruf richtet, droht oftmals in der Routinearbeit von Schule, Berufsberatung und Ausbildungsbetrieb unterzugehen. In den Pro Beruf-Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern finden die Jugendlichen feste Ansprechpersonen, die sie im Übergang von der Schule in den Beruf begleiten und ihnen Verlässlichkeit, Stabilität und Kontinuität bieten. Wesentlich für das Gelingen des Projektes ist die feste Integration in bereits bestehende berufsorientierende und berufsberatende Angebote der kooperierenden Schulen, der Berufsberatung und der Betriebe.
Weitere Informationen in der Praxisdatenbank
unter www.sozialestadt.de
Tabelle 5: Weitere Beispiele für eine gelungene Zusammenarbeit verschiedener Partner und Bereiche
Das Programm fördert die Elternkompetenz, gegenseitige Wertschätzung und den Kontakt mit familienorientierten Hilfen im Stadtteil. Hierzu arbeitet ein multiprofessionelles Team aus Kita und Schule, Familienberatung und Jugendamt eng vernetzt zusammen. | |
Ich geh zur´U! Und Du? | Die von der BZgA entwickelte Aktion zielt auf die Erhöhung der Inanspruchnahme der Früherkennungsuntersuchungen von Kindern, vor allem in sozialen Brennpunkten. Hierzu bietet die BZgA auf ihrer Internetseite verschiedene Leitfäden und Materialen an, die anschaulich von der Planung bis zur Umsetzung im Stadtteil führen. |
Das Projekt „Bewegte Kinder“ der Sportjugend Mecklenburg-Vorpommern | Das Kooperationsprojekt integriert Sport niedrigschwellig in den Alltag von Kindergartenkindern und fördert den Zugang zu Sportvereinen. Dazu werden Kooperationen zwischen regionalen Sportvereinen und Kitas abgeschlossen. |
Die lokalen Bündnisse für Bewegungsförderung wurden im Rahmen des Nationalen Aktionsplans IN FORM entwickelt. Unter dem gemeinsamen Leitbild Bewegtes Leben im Quartier’ wurden Bündnisse von Kitas, Familienzentren und anderen Partnern im Quartier geschlossen und Bewegungsangebote und Treffpunkte für und mit Kindern und ihren Familien gestaltet. | |
Im Marburger Gesundheitsnetzwerk für Kinder „mittendrin“ haben sich 49 Netzwerkpartner aus Kitas, der sozialen Arbeit, Verwaltung, Gesundheitsakteure, Medien und Wissenschaft zu einem interdisziplinären Netzwerk zusammengeschlossen. Ziel ist, u.a. Kräfte für eine bewegungsorientierte Gestaltung des Stadtteils zu bündeln und den Kindern Gelegenheit zu geben, neue Bewegungs- und Grenzerfahrungen zu machen. | |
Schulprogramm Fridtjof-Nansen-Schule | Neben der gesundheitsförderlichen Gestaltung des Schulalltags öffnet sich die Schule auch zum Stadtteil und arbeitet mit Institutionen aus dem sozialen Umfeld zusammen. Die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen aus dem Stadtteil, zum Beispiel Beratungsstellen, Krankenkassen, Stadtteilforen etc., eröffnet für schulische Aktivitäten zusätzliche Unterstützung und fachliche Kenntnisse. |
GUT DRAUF, die Aktion der BZgA, bringt verschiedene Partner zusammen, um die gesundheitliche Situation von Kindern und Jugendlichen im Alter von 5 bis 18 Jahren nachhaltig zu verbessern. Hierbei besteht ein Schwerpunkt in Projekten für Schulen, die sozial Benachteiligte erreichen (z.B. Berufskollegs zum Nachholen des Hauptschulabschlusses) und Einrichtungen der Jugendhilfe. Die Aktion beinhaltet ein integratives Konzept zu Ernährung, Bewegung und Stressbewältigung. Einrichtungen, die die GUT DRAUF- Standards erfüllen, können sich zertifizieren lassen. | |
Bewegung und Gesundheit - mehr Migrantinnen in den Sport’ | Das Netzwerkprojekt des Deutschen Olympischen Sportbundes bietet nicht nur Angebote, um junge Mädchen mit Migrationshintergrund für den Sport zu gewinnen, sondern verbindet diese auch mit Qualifizierungsangeboten wie Sprachkurse, Ernährungsberatung oder Hausaufgabenhilfe. |
Sofern nicht anders angegeben, finden Sie Informationen zu den Projekten in der Datenbank
www.gesundheitliche-chancengleichheit.de/praxisdatenbank
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