Kapitel 5 - Die Gesundheit älterer Menschen fördern - gemeinsam Planen und Handeln in der Kommune
In diesem Kapitel wird am Beispiel des kommunalen Projektes „Neues Altern in der Stadt“ (NAIS) in Bruchsal die erfolgreiche Gestaltung eines sektorenübergreifenden kommunalen Planungsprozesses dargestellt. Die Entwicklung und Umsetzung orientiert sich am Bedarf und den Bedürfnissen der älteren Menschen. Gemeinsam mit Betroffenen und Partnern aus unterschiedlichen Bereichen und Verwaltungen werden dabei alle Planungs- und Umsetzungsphasen angegangen. „Neues Altern in der Stadt“ ist ein Pilotprojekt der Bertelsmann Stiftung und Bruchsal ist eine der insgesamt sechs Pilotkommunen, in denen im Rahmen der Analyse- und Aktionsphase 2005-2007 das Konzept entwickelt und umgesetzt wurde. Die hier erläuterten Methoden sind auch für andere Bereiche gemeinsamer Planung und Umsetzung gesundheitsförderlichen Handelns in der Kommune und im Quartier gut anwendbar.
Knapp 50 Prozent aller Städte und Gemeinden in Deutschland bewerten Gesundheitsförderung und Prävention für ältere Menschen als wichtig (BZgA, 2007, Fachheft Band 33). Gesundheitsförderung setzt mit dem Lebenswelt-Ansatz (vgl. Heft 1 Kapitel 5 „Gesundheitsförderung, die ankommt“) nicht auf vorgefertigte Programme, sondern auf partizipative Prozesse, bei denen Zielgruppe und Akteure gemeinsam die gesundheitsförderlichen Veränderungen gestalten. Für die Realisierung solcher Planungsvorhaben gibt es ein gut funktionierendes Prozessschema. Die Umsetzungsschritte beinhalten die Sensibilisierung für gesundheitliche Fragestellungen und den Aufbau von Strukturen, die die Gestaltung des Prozesses übernehmen. Zunächst werden die vorhandenen Aktivitäten in Form einer Bestandsaufnahme ermittelt, Handlungsbedarfe identifiziert und Ursachen für fehlende Angebote oder Belastungen gemeinsam mit den Zielgruppen analysiert. Auf diese Analysephase folgt die Entwicklung von Lösungen und Maßnahmen, die dann priorisiert und umgesetzt werden müssen. In der letzten Phase werden die Effekte der ergriffenen Maßnahmen eingeschätzt und bei Bedarf eine neue Prozessrunde eingeleitet.
Dieses Prozessschema ermöglicht es, auf konkrete Situationen und Bedürfnisse vor Ort flexibel zu reagieren. Unterschiedliche Partner können sich in diesem Prozess auf gemeinsame Ziele verständigen und ihren Beitrag zur Umsetzung der Maßnahmen einbringen. Am Beispiel der Umsetzung des Programms „NAIS - Neues Altern in der Stadt“ in Bruchsal werden Erfahrungen der Partner aus den einzelnen Prozessphasen dargestellt. Weitere Beispiele für den erfolgreichen Einbezug älterer Menschen in Projekte der Gesundheitsförderung werden in diesen Arbeitshilfen in Heft 6, Kapitel 2 vorgestellt.
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Entscheidend für das Gelingen gemeinsamer Planungsprozesse sind eine hohe Transparenz und eine konsequente, frühzeitige Informationsstrategie, die bereits im Vorfeld der Aktivitäten erfolgt. Innerhalb des Prozessschemas zur Gestaltung gesundheitsförderlicher Lebenswelten wird dies die „Sensibilisierungsphase“ genannt. In dieser Phase müssen wichtige Partner aus Verwaltungen, Wohlfahrtsverbänden, der Wirtschaft und anderen Institutionen (Sport, Kirchen etc.) sowie Bürgerinnen und Bürger für die Beteiligung am Prozess gewonnen werden.
Zu Projektbeginn von NAIS in Bruchsal herrscht bei einigen Partnern Skepsis, ob sich ihr Engagement in diesem Prozess überhaupt lohnt. Sie zweifelten, inwieweit nachhaltige Veränderungen überhaupt gelingen werden. Der politische Rückhalt, den das Vorhaben durch den Bürgermeister, sowie parteiübergreifend durch den Gemeinderat erhielt und die Beteiligung aller wichtigen Fachreferate waren wesentliche Aspekte, um diese Vorbehalte zu überwinden. In der Kommune Bruchsal war der Bürgermeister in alle Projektphasen intensiv eingebunden. Die Fachabteilungen, das Amt für Familie, Schulen und Sport, das Stadtplanungsamt, die Bürgerreferentin, die Statistikstelle und die Volkshochschule brachten sich von Beginn an engagiert ein.
Um ältere Menschen für den Prozess zu gewinnen, wurden dann auch jenseits der gängigen Strukturen in der Altenhilfe und dem Gesundheitsbereich Zugangswege zu Zielgruppen mit hohem Gesundheitsförderungsbedarf gesucht. In Bruchsal wurde in Zusammenarbeit mit den Quartiersmanagern und weiteren Projektträgern festgestellt, welche Bevölkerungsgruppen mit welchen sozialen Hintergründen im Quartier leben und wie diese am erfolgreichsten angesprochen werden können.
Weitere Informationen zum Good Practice-Projekt „Neues Altern in der Stadt“ in Bruchsal in der Datenbank
www.gesundheitliche-chancengleichheit.de/goodpractice/nais
und unter www.neues-altern.de
Steuerungsgruppe zur Planung und Lenkung des Umsetzungsprozesses
Gesundheitsförderungsprozesse verlaufen erfolgreich, wenn eine transparente Steuerung erfolgt. Für die erfolgreiche Arbeit sollten außerdem Verantwortlichkeiten festgelegt werden. Solche Verantwortlichkeiten können auch im Rahmen einer „Steuerungsgruppe“ verteilt werden. In ihr sollten die wichtigsten Akteure, Partner aus der Kommunalverwaltung und Zielgruppenvertreterinnen und -vertreter beteiligt sein. Zu den Aufgaben einer Steuerungsgruppe gehören die Bestandsaufnahme, Maßnahmenentwicklung und -umsetzung sowie Möglichkeiten der Ergebnissicherung und, falls erforderlich, die Neuausrichtung der Zielstellung zu koordinieren. Sollte es im Stadtteil funktionierende Gremien geben, in denen wichtige Partner bereits zusammenarbeiten, z.B. eine Stadtteilkonferenz oder einen Quartiersrat, können diese für gesundheitsbezogene Prozesse erweitert und genutzt werden. Die Anzahl der Teilnehmenden am Steuerungskreis hängt von der Größe der Kommunen ab. In jedem Fall sollte das Gremium noch arbeitsfähig sein. Wichtig ist außerdem, einen klaren Arbeitsauftrag zu formulieren und Arbeitsschritte, Zeitplanung und Ergebnissicherung zu vereinbaren. Dabei sollte bereits eingeplant werden, wann die Ergebnisse in der Öffentlichkeit bzw. der Kommunalpolitik präsentiert werden.
Die Gemeinde Bruchsal stellt personelle Ressourcen für den Aufbau des Netzwerks, die Konzeptentwicklung und die erforderliche Öffentlichkeitsarbeit zur Verfügung. Für die Vorbereitung kommunaler Projektaktivitäten und die Koordinierung und Umsetzung des Projektes wurde eine Koordinierungsstelle gebildet, die aus einer Verwaltungskraft und einem Ehrenamtlichen bestand. Diese „Tandembesetzung“ unterstützt eine Projektkoordination, die jenseits der üblichen Verwaltungshierarchien arbeitete.
Bestandsaufnahme: Ermittlung des Handlungsbedarfs
Eine Bestandsaufnahme vorhandener Aktivitäten und Strukturen ist notwendig, um nicht aus einer ersten Themen- oder Planungseuphorie heraus einer unübersichtlichen Angebotsstruktur eine weitere Facette hinzuzufügen. Gemeinsame Planung heißt auch, sich einen Überblick über vorhandene Strukturen, Initiativen und Projekte im Stadtteil zu verschaffen und deren Nutzung bzw. Nicht-Nutzung kritisch zu hinterfragen. Häufig existiert kein genauer Überblick, welcher Träger welche Angebote macht und welche Zielgruppen erreicht bzw. nicht erreicht werden. Eine systematische Bestandsaufnahme schafft Transparenz und macht Handlungsbedarfe klar. Weitere Informationen zu diesen Themen finden Sie in Heft 2 Kapitel 1 „Gesundheitsprobleme erkennen - Daten nutzen“ und in Heft 6 Kapitel 3 „Probleme und Ressourcen für ältere Menschen im Quartier erkennen“.
Neben Bestandsaufnahmen können Handlungsbedarfe auch über die Befragungen der Zielgruppe und weiterer Fachleute ermittelt werden. Entsprechende Methoden sind in Heft 2 Kapitel 2 „Wie steht es um die Gesundheit im Quartier?“ beschrieben.
Das erste Projektjahr in Bruchsal begann mit einer Analysephase, in der unter breiter Beteiligung der Öffentlichkeit und mit Unterstützung externer Expertinnen und Experten der Handlungsbedarf ermittelt wurde. Dabei wurden Zugangswege zu den älteren Menschen in Bruchsal gesucht und deren räumliche Verteilung, ihre sozialen Hintergründe und spezifischen Bedarfe ermittelt. Die Leitfragen, die es zu beantworten galt, waren:
- Welche gesundheitsrelevanten Angebote gibt es bereits?
- Welche Zielgruppen werden erreicht und welche nicht?
- Welche Präventionspotentiale und -bedarfe bestehen?
- Wer muss innerhalb und außerhalb der Kommunalverwaltung einbezogen werden?
- Wie ist der Einbezug der Zielgruppe sichergestellt?
- Was sind geeignete Startmaßnahmen?
In Bruchsal wurden für die Bestandsaufnahme sowohl Datenquellen aus der Kommune genutzt als auch Abfragen bei Einrichtungen vor Ort vorgenommen, um so einen Überblick über vorhandene Angebote zu erhalten.
Zwei offene Bürgerabende zum Thema „Demografischer Wandel: Neues Altern in der Stadt“ wurden durchgeführt und waren gut besucht. Die Veranstaltungen wurden intensiv über das Internet, die Presse und Flyer, vor allem aber über die persönliche Ansprache in Netzwerken, wie Seniorenvertretungen, Sportvereinen, Wohlfahrtsverbänden oder Kirchen, beworben. Unter professioneller Anleitung wurden Szenarien des demografischen Wandels in Bruchsal entwickelt, Probleme und Handlungsbedarfe dargestellt, diskutiert und nach Lösungsmöglichkeiten gesucht. Durch das Worst-Case-Szenario konnten Akteure für die künftigen Herausforderungen sensibilisiert und gleichzeitig durch das Best-Case-Szenario motiviert werden.
Aus den beiden Bürgerabenden entwickelte sich ein Initiativkreis, an dem sich ca. 30 Personen beteiligten. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Initiativkreises waren zum Teil bereits engagierte Akteure aus der Seniorenpolitik oder gehörten der Stadtverwaltung, Wohlfahrtsverbänden, Sportvereinen, Kirchen, Krankenkassen und anderen Einrichtungen an (Abb. 3). Darüber hinaus gelang es aber auch, interessierte Bürgerinnen und Bürger für die Mitarbeit zu gewinnen. Migranten konnten für den Initiativkreis noch nicht gewonnen werden.
* Stadtplanungsamt; Bürgerreferentin; Amt für Familie, Schulen und Sport; Volkshochschule; Stadtbibliothek; Sozialdezernent
** Evangelisches Altenzentrum; Arbeitsgemeinschaft für Sport; Kirchen; Sportvereine; Krankenkassen; Ärzte
Die Aufgabe des Initiativkreises bestand darin, Fragestellungen in Hinblick auf eine Vision für das „Neue Altern in Bruchsal“ im Jahr 2020 zu entwickeln. Auf der Grundlage einer breiten kommunalen Datenlage wurden potentielle Problemfelder identifiziert sowie Leitlinien und Zielvorstellungen:
Tabelle 6: Problemfelder und Zielvorstellungen für NAIS
Problemfeld | Zielvorstellung |
Fehlende seniorengerechte | Seniorengerechte Infrastruktur statt Barrieren |
Gefahr von Isolation | Integration statt Isolation |
Mangelnde Wertschätzung älterer Menschen | Gegenseitige Wertschätzung statt Missachtung |
Altersarmut | Wohlstand und Wohlfühlen statt materieller Not |
Ursachenanalyse und Maßnahmenentwicklung
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Nach der Bestandsaufnahme und der Bedarfsanalyse, die mit der Zielgruppe und Fachleuten vorgenommen wurden, liegen häufig verschiedene Vorschläge darüber vor, welche Problemstellungen vorrangig bearbeitet werden sollen. Die Steuerungsgruppe muss hier Prioritäten setzen und dafür sorgen, dass klare Zielgruppen und Ziele vereinbart werden.
Nähere Informationen zum Thema „Wie werden Projektziele vereinbart?“ finden Sie in Heft 3, Kapitel 2. Heft 5 können Hinweise zur Qualitätssicherung und Evaluation von Maßnahmen entnommen werden. Auch die Maßnahmenvorschläge sollten von Betroffenen und Akteuren selbst erarbeitet werden, weil sie die Handlungsbedarfe und erfolgversprechende Lösungen am besten kennen.
Entsprechend dieser Zielvorstellungen wurden in Bruchsal durch den Initiativkreis erste Projektideen entwickelt, von der Errichtung eines Mehrgenerationenhauses, über Projekte zur Bewegungsförderung und Bewältigung von Pflegebedürftigkeit bis hin zu einem Seniorenwegweiser für die Gemeinde. Das übergreifende Thema „Gesundheitsförderung und Prävention“ wurde als Schwerpunkt für weitere Maßnahmen ausgewählt.
Im zweiten Projektjahr begann die Aktionsphase in der die Zielvorstellungen und Projektideen konkretisiert werden sollten. Es wurden fünf Arbeitsgruppen gebildet, die sich mit den Themen „Bewegung und Ernährung“, „Pflege“, „Geistig fit und aktiv“, „Präventive Hausbesuche“ und „Seniorenwegweiser“ befassten.
In den Arbeitsgruppen wurden im Laufe des Jahres Projektideen erarbeitet, die der Gemeinde zur Umsetzung empfohlen wurden. Durch die Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern sowie Akteuren aus verschiedenen fachlichen und professionellen Kontexten konnten unterschiedliche Perspektiven auf die Themen entwickelt und fundierte umsetzbare Vorschläge vorgelegt werden. Eine frühe und konstante Einbeziehung von Entscheidungsträgern und kurze Wege zwischen Fachbereichen und Einrichtungen sind hilfreiche Rahmenbedingungen für eine effiziente und erfolgreiche Umsetzung.
Dieses Potential ist gerade in relativ kleinen Gemeinden vorhanden, da Entscheidungsträger oft mehrere Funktionen in ihrer Person vereinigen und Absprachen auch über persönliche Kontakte erfolgen. Gleichzeitig haben sich aber häufig auch eingefahrene Strukturen etabliert, die Blockaden bei der Entwicklung neuer Projekte bilden können. Eine externe Moderation von Versammlungen oder ein Coaching durch außenstehende Expert/innen, wie es in Bruchsal durchgeführt wurde, bieten in diesem Fall Unterstützung und unter Umständen auch ein Krisenmanagement von außen. Zentral für eine nachhaltige Projektentwicklung ist allerdings, dass Entscheidungen in der Gemeinde selbst erfolgen und langfristig durch die Gemeinschaft im Ganzen getragen werden.
Umsetzung der Maßnahmen
Im Rahmen von NAIS und auch über die eigentliche Projektphase hinaus wurden zahlreiche Angebote und Aktivitäten initiiert und implementiert. Eine intensive Öffentlichkeitsarbeit und Veranstaltungen, wie die „Mach Mit Meile“ begleiteten das Programm und sorgten für die Aufmerksamkeit der Bürgerinnen und Bürger.
- Die Arbeitsgruppe „Bewegung und Ernährung“ setzte sich das Ziel, die Vernetzung und die niedrigschwellige Bewerbung (z.B. über Anzeigen in Zeitungen, Flyer und Internetplattformen) vorhandener Angebote, Regeltermine und Aktivitäten in den Bereichen Bewegung, Sport, Tanz und Ernährung zu verbessern. Hierzu wurde die Vernetzung mit vorhandenen Strukturen optimiert und Kooperationen mit der AOK, dem Ernährungsamt des Landkreises, der AG Sport und Ärzten geschlossen. Neue Angebote wie z.B. für Hochbetagte werden initiiert.
- Die Arbeitsgruppe „Pflege ist mehr“ klärt über die zahlreichen Aspekte von Pflege und Pflegebedürftigkeit auf und fördert die Zusammenarbeit der Pflegeeinrichtungen vor Ort. Ein großer Erfolg für die Arbeitsgruppe war die Gewinnung der Wohlfahrtsverbände als Kooperationspartner. Veranstaltungen für pflegende Angehörige werden regelmäßig angeboten.
- Die Arbeitsgruppe „Geistig fit und aktiv“ zielt darauf ab, über Vernetzung eine Angebotsoptimierung zu erreichen. Erste Erfolge konnte die Arbeitsgruppe bereits verbuchen: Vorträge, Computerkurse, Lesestunden, ein Theater- und ein Kinoprojekt sowie ein Internetcafé in der Seniorenfreizeitstätte dienen der Fortbildung und der Förderung der Teilhabe älterer Menschen.
- Die Arbeitsgruppe „Präventive Hausbesuche“ hat ein Konzept erarbeitet, das unter Beteiligung des Netzwerkes Soziale Stadt Projekte unter städtischer Projektleitung umgesetzt werden und Barrieren zu vorhandenen Angeboten, insbesondere für Menschen mit Migrationshintergrund, abbauen soll.
- Die Arbeitsgruppe „Wegweiser“ hat den „Wegweiser - Nicht nur für Senioren“ für Bruchsal konzipiert. Der Wegweiser präsentiert Themen und Angebote in Bruchsal und kann aus dem Internet heruntergeladen werden. Schließlich wurde in Kooperation mit Unternehmen und Einrichtungen sowie Wohlfahrtsverbänden das Bruchsaler Forum „Gesundheit und Arbeit“ gegründet, das unter Beteiligung der Krankenkassen, der Wirtschaftsförderung, engagierten Bürgern und der AG Sport gegründet, um den Standort gemeinsam zu stärken.
Weitere Informationen unter www.bruchsalerforum.de
Evaluation
In der Abschluss- und Transferphase wurden die Projektergebnisse durch das Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik (ISG) ausgewertet, in einem Handbuch zusammengefasst und veröffentlicht. So sind sie auch für andere Kommunen verfügbar, dienen als Anregung und für die Akteure als abschließende Reflektion und Erfolgskontrolle. Im Rahmen der projektbezogenen Evaluation wurden die konkreten Zielbestimmungen für Bruchsal bei der Bearbeitung des ausgewählten Themenfeldes daraufhin überprüft, wie weit und mit welchem Erfolg sie umgesetzt wurden. Auf diesen Ebenen wurden Strukturen, Prozesse und Ergebnisse ausgewertet. Um Konzeption, Ausgestaltung, Umsetzung und Wirkung des Projektes NAIS zu analysieren und zu bewerten, kamen Sekundäranalysen, schriftliche Befragungen, telefonisch-mündliche Interviews und teilnehmende Beobachtungen zur Anwendung.
Das gesamte Projekt NAIS und die einzelnen Teilprojekte wurden von Beginn an mit großer Bürgerbeteiligung durchgeführt. Dazu gehörte neben den Bürgerversammlungen und Zukunftswerkstätten auch die kontinuierliche Evaluation durch Feedback-Befragungen der Angebotsnutzerinnen und -nutzer. Die Bertelsmann Stiftung und die Landesvereinigung für Gesundheit Niedersachsen e.V. betreuten und berieten das Projekt während der zweijährigen, offiziellen Laufzeit. Dadurch wurden einerseits die Qualität auf hohem Niveau gesichert und andererseits die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Fortsetzung der Projekte nach Ablauf der Projektphase geschaffen.
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Im Projekt NAIS ist es gelungen, für verschiedene Arbeitsebenen, wie die qualitative Aufwertung der kommunalen Seniorenpolitik und der Rahmenbedingungen in der Kommune, die Schaffung von Anreizen für bürgerschaftliches Engagement und eine gemeinsame Werteorientierung, Bürgerinnen und Bürger zu gewinnen und Anbieter vor Ort einzubeziehen. Das Thema gesund Altern konnte in der Kommunalpolitik und bei den Unternehmen vor Ort verankert werden. Im Prozessverlauf konnte eine verbesserte Vernetzung der Akteure und eine Verknüpfung von unterschiedlichen Handlungssträngen der Bereiche Ernährung und Bewegung, Pflege, geistige Aktivität und präventive Hausbesuche erreicht werden.
Checkliste:
Die Umsetzung des Programms NAIS in Bruchsal enthält verschiedene
Bausteine, die für eine erfolgreiche Prozesssteuerung
gemeinsamer Zusammenarbeit unentbehrlich sind:
- von Beginn an einen soliden politischen und parteiübergreifenden Rückhalt
- Unterstützung und Förderung durch Entscheidungsträger und die Verwaltung
- Beteiligung der Bürgerschaft an der Konzeption der Projekte
- Bereitschaft zu sektorenübergreifender Zusammenarbeit. Den Projektbeteiligten muss es möglich sein, Ideen nicht nur zu entwickeln, sondern auch umzusetzen. Der Mehrwert ihrer Projektbeteiligung muss deutlich und ihr Engagement muss wertgeschätzt werden.
- Kommunikation auf Augenhöhe
- breite Öffentlichkeitsarbeit
- Verfügbarkeit von finanziellen und zeitlichen Ressourcen
- Eine feste Projektkoordination, die engagiert, motiviert, anerkannt und sozial integriert ist
Tipps zum Weiterlesen
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