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Kapitel 4 - Prävention lohnt sich in jedem Alter

3D-Würfel

Prävention und Gesundheitsförderung sind auch bei schon vorhandenen Einschränkungen enorm wichtig. Das Ringen um jeden zu erreichenden Fortschritt ist lohnend und von großem Wert. So können Mobilität erhalten, Selbständigkeit und Teilhabe im Alltag unterstützt und die Entstehung von Pflegebedürftigkeit hinausgezögert werden.

Alte Menschen leiden häufig an mehreren Krankheiten gleichzeitig und sind altersbedingten physischen und psychischen Einschränkungen ausgesetzt. Gesundheitliche Probleme verstärken sich gegenseitig, z.B. können Seheinschränkungen oder Kreislaufprobleme zu Stürzen führen und eine eingeschränkte Mobilität nach einem Sturz kann wiederum Depressivität oder Isolation erzeugen. Das Ziel von Prävention im Alter ist nicht die völlige Vermeidung von Erkrankungen, vielmehr besteht es darin, krankheitsbedingte Auswirkungen zu lindern, den Ausbruch neuer Erkrankungen zu vermeiden und ein Leben mit Krankheiten zu erlernen.

Die Ziele von Prävention bei älteren und alten Menschen sind daher:

  • altersbedingte Einschränkungen und Erkrankungen vorbeugen bzw. ihren Eintritt verzögern
  • krankheitsbedingte Belastungen verringern
  • der Verschlechterung des Allgemeinzustandes, bzw. der gegenseitigen Verstärkung von Krankheiten vorbeugen

Präventionsmaßnahmen können an verschiedenen Aspekten der körperlichen, psychischen und sozialen Gesundheit ansetzen. Die Gesundheit von Körper, Geist und Seele sind eng miteinander verbunden und stehen in Wechselwirkung zueinander. Das psychische Befinden wirkt sich auf die körperliche Gesundheit aus und erhöht die Bereitschaft zu Aktivitäten und Bewegung. Eine gesunde Ernährung und ausreichende Bewegung haben wiederum einen positiven Einfluss auf das psychische Wohlbefinden. Mehr zu den Wechselwirkungen zwischen Ernährung, Bewegung und Stress findet sich in Heft 4 der Arbeitshilfen Kapitel 4 „Gesundheitsrisiken durch Stress“.

Für Menschen ab 65 Jahren ist nachgewiesen, dass körperliche Aktivitäten, insbesondere Ausdauersport, den Abbau altersbedingter, kognitiver und sensomotorischer (= Körperkontrolle) Fähigkeiten abmildern (Huxhold, 2009).

Bei der Planung und für die Durchführung von präventiven Maßnahmen hat sich ein Vorgehen nach dem Public Health-Aktionszyklus bewährt, der gleichzeitig eine Überprüfung der Maßnahmeneffekte beinhaltet und kontinuierliche Verbesserung der Maßnahmen erlaubt (vgl. Arbeitshilfen Heft 5 Kapitel 2).

Die Förderung der Gesundheit älterer Menschen umfasst eine ganze Reihe konkreter Themenbereiche, das reicht von der Suizidprävention, über gesunde Ernährung und Bewegungsförderung bis hin zu Suchtprävention. Nachfolgend sollen nur einige Bereiche beispielhaft vorgestellt werden. Wichtig ist jedoch für alle vorgestellten Bereiche, die Maßnahmenplanung mit einer konkreten Bedarfsabschätzung unter Beteiligung möglicher Zielgruppen zu beginnen, wie es der erste Schritt des Public Health Action Cycle vorsieht.

Nahezu alle epidemiologisch wichtigen Erkrankungen im Alter weisen präventive Potenziale auf. … Die Vielzahl von Ansätzen und Handlungsfeldern, die für Gesundheitsförderung und Krankheitsverhütung bei älteren Menschen bestehen, werden bislang in der Öffentlichkeit, in den ärztlichen und pflegerischen Berufen wie auch in der Politik unterschätzt“

(Saß; Wurm; Ziese, 2009 a, S. 153).

Links zum Thema Prävention bei älteren Menschen

[ Links zum Thema finden Sie hier ]

Der Sachverständigenrat empfiehlt, „Prävention von Pflegebedürftigkeit zu einem herausgehobenen Gesundheitsziel der altersgewandelten Gesellschaft zu erklären“

(Sachverständigenrat, 2009, S. 649).

Psychische Gesundheit

Seelische Belastungen, wie Verlusterlebnisse (z.B. des Ehepartners oder der Ehepartnerin), Isolation und Angst vor der Zukunft und dem Sterben können psychische Erkrankungen wie Depressionen erzeugen oder verstärken. Einsamkeit und Rollenverluste gefährden die psychische Gesundheit und stellen eine besondere Herausforderung für die Gesundheitsförderung im Alter dar. Es wird geschätzt, dass ein Viertel der über 65-Jährigen an psychischen Störungen leidet (Saß, Wurm, Ziese, 2009 b, S. 31).

„Neben psychischen Ressourcen haben auch die Einbindung in ein soziales Netzwerk, die Möglichkeit, in sozialen Rollen aktiv zu sein sowie die soziale Unterstützung durch andere Menschen in der Regel einen positiven Einfluss auf den Gesundheitsstatus älter werdender Menschen.“ (Tesch-Römer; Wurm, 2009, S. 16). Eine aktive Förderung der Nachbarschaft und ein hartnäckiges Zugehen auch auf zurückgezogen lebende ältere Menschen bilden zentrale Bestandteile einer Gesundheitsförderung im Quartier und ermöglichen zugleich die Aktivierung für weitere, präventive Angebote.

Abbildung 6: Aktionszyklus zur Initiative und Koordination von Projekten (Quelle: Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz Hamburg, 2009)

Abbildung 6: Aktionszyklus zur Initiative und Koordination von Projekten (Quelle: Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz Hamburg, 2009)

Ein wichtiges Element der Gesundheitsförderung im Alter bildet das Gefühl der Selbstwirksamkeit. „Selbst­wirksamkeits­erwartungen stellen eine (…) bis ins hohe Alter bedeutsame psychische Ressource dar. Diese Erwartungen umfassen die Überzeugung, neue oder schwierige Anforderungen aufgrund eigener Kompetenz bewältigen zu können.“ (Tesch-Römer; Wurm, 2009, S.16). Die Überzeugung von der eigenen Selbstwirksamkeit muss trainiert werden. Die Erfahrung zeigt, dass Isolation und Untätigkeit dazu führen, die Welt und ihre Anforderungen als nicht bewältigbar wahrzunehmen. Das Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten schwindet, wenn diese nicht genutzt werden. Deshalb ist es im Rahmen der Gesundheitsförderung unverzichtbar, die soziale Teilhabe von älteren Menschen zu stärken und zu fördern. Zahlreiche Beispiele der Teilhabe und Aktivierung älterer Menschen finden Sie in diesem Heft.

Demenz

ältere Frau mit kleinem Mädchen auf der Rutschbahn

© fotolia.com, somenski

Demenz stellt für die Erkrankten, ihr persönliches Umfeld und besonders ihre Angehörigen eine große Belastung dar. „Demenzen gehören zu den häufigsten und folgenreichsten psychiatrischen Erkrankungen im höheren Alter. In Deutschland leiden derzeit - bezogen auf die 65-Jährigen und Älteren - nahezu eine Million Menschen an einer Demenz. Die Anzahl der Neuerkrankungen beträgt im Laufe eines Jahres fast 200.000“ (Weyerer 2005). Die fortschreitende Erkrankung des Gehirns führt zu Funktionsbeeinträchtigungen von „Gedächtnis, Denken, Orientierung, Lernfähigkeit, Sprache und Urteilsvermögen.“ Damit gehen Veränderungen der emotionalen Kontrolle, des Sozialverhaltens oder der Motivation einher (Weyerer 2005). Gerade die psychosozialen Beeinträchtigungen stellen für die Betreuenden eine große Belastung dar. Im späteren Krankheitsverlauf werden zunehmend selbst alltägliche Aktivitäten wie Essen, Anziehen und Hygiene beeinträchtigt.

Zu den Risikofaktoren, welche die Entstehung einer demenziellen Erkrankung begünstigen, gehören Alter, Bluthochdruck, Rauchen, Alkoholmissbrauch und fettreiche Ernährung. Vorbeugend wirken körperliche Aktivität, gesunde Ernährung, geistige Aktivität, soziale Kontakte und die Behandlung von Risikofaktoren.

Das Bundesministerium für Gesundheit hat im Rahmen der Initiative IN FORM einen Ratgeber zur Prävention der Demenz veröffentlicht, der sich an Männer und Frauen ab dem mittleren Erwachsenenalter richtet. Er informiert über Maßnahmen zur Prävention der Demenzerkrankungen und soll zu einer gesünderen Lebensweise motivieren. Erarbeitet wurde er von Herrn Prof. Dr. Maier und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Bonn. Online zu finden unter: www.bmg.bund.de/publikationen.

Insgesamt gibt es nur begrenzte Therapiemöglichkeiten. Das Wissen auf diesem Gebiet hat in den vergangenen Jahren aber stark zugenommen. Dazu zählen neben medikamentösen Behandlungen auch psychologische Therapiemethoden und soziale Maßnahmen (z.B. Raumgestaltungen, die den Erkrankten die Orientierung erleichtern). Demenzfreundliche Kommunen haben sich zum Ziel gesetzt, geeignete Strategien zu entwickeln und Maßnahmen durchzuführen, um den Betroffenen und ihren Angehörigen die größtmögliche Hilfe zugänglich zu machen.

Café für Demenzerkrankte und Angehörige

Unterstützung und Hilfe im Krankheits- und Pflegefall bietet das Café für Demenzerkrankte und Angehörige in Regensburg. Um etwas Abwechslung in den Alltag pflegender Angehöriger zu bringen und ihnen die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch zu geben, betreibt der Treffpunkt Seniorenbüro ein regelmäßiges Café. Das Angebot richtet sich an Familienmitglieder Demenzkranker und soll dazu beitragen, dass die Betroffenen sich nicht alleine fühlen, sondern ein Gefühl von Gemeinschaftlichkeit entwickeln.

Weitere Informationen hierzu in „Selbstorganisation älterer Menschen: Beispiele guter Praxis“ S. 21 www.bmfsfj.de

Projekt Demenz Arnsberg

Arnsberg ist eine Kommune mit 76.000 Einwohnerinnen und Einwohnern in NordrheinWestfalen. Seit dem 1. Januar 2008 wird in einem von der Robert-Bosch-Stiftung geförderten kommunalen Modellprojekt das Ziel verfolgt, die Lebenssituation von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen zu verbessern. Professionelle Hilfs- und Unterstützungsangebote (Arztpraxen, Kliniken, Beratungsstellen u.a.) sollen mit bürgerschaftlichem Engagement auf Augenhöhe zusammenarbeiten.

Dazu sollen

  • Informationswege und die Vermittlung von Hilfen verbessert werden
  • Vernetzung und Kooperation von Anbietern im Stadtgebiet unterstützt werden
  • bürgerschaftliche Tätigkeiten und intensive Auseinandersetzung in der Öffentlichkeit gefördert werden

Weitere Informationen hierzu: www.projekt-demenz-arnsberg.de
Informationen zu demenzfreundlichen Kommunen: www.aktion-demenz.de

Depression im Alter

Von besonderer Bedeutung sind Depressionen, also „Störungen der Gemütslage, die mit Traurigkeit, Niedergeschlagenheit, Interessenverlust sowie Energie- und Antriebslosigkeit einhergehen“ (Saß, Wurm, Ziese 2009). Die Häufigkeit schwerer Depressionen nimmt im Alter nicht zu. Es gibt allerdings Gruppen, z.B. Heimbewohnerinnen und -bewohner, die ein erhöhtes Risiko tragen, an Depression zu erkranken. Problematisch ist zudem, dass leichte Formen depressiver Erkrankungen oft nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, sondern als normale Erscheinungen des Alters angesehen werden.

Das Risiko einer depressiven Erkrankung kann sich durch Partnerverlust, subjektiv erlebte Einsamkeit, Mangel an sozialen Kontakten und sozialer Integration sowie (neu auftretende) körperliche Erkrankungen und Behinderungen erhöhen. Wichtige präventive Wirkung haben daher die Stärkung des Selbstkonzepts der Betroffenen, die Überzeugung, Kontrolle über die eigenen Geschicke zu haben, die frühzeitige Entwicklung von Bewältigungsstrategien, Erweiterung eigener Aktivitäten (z.B. Hobbys), soziale Kontakte und unterstützende Netzwerke (Saß, Wurm, Ziese 2009).

Bewegungsförderung, Sturzprävention und Mobilität

Körperliche und geistige Beweglichkeit sind wichtige Vorraussetzungen für eine aktive Teilhabe am öffentlichen Leben. Körperliche Aktivität, vor allem an der frischen Luft, stärkt das Immunsystem und die seelische Gesundheit. Darüber hinaus wirkt ausreichende Bewegung präventiv z.B. bei Osteoporose, Diabetes, Bluthochdruck, Herz- KreislaufErkrankungen sowie gegen biologische Alterungsprozesse, z.B. Verlust an Muskelkraft oder Lungenvolumen.

Ausrufezeichen

Es werden unterschiedliche Spaziergangsgruppen gebraucht. Einige mit eher sportlichem Charakter und andere, bei denen man z.B. mit dem Rollator gemeinsam noch bis zum nächsten Geschäft geht.

Schließlich stärkt ausreichende Bewegung nicht nur die körperliche Verfassung sondern auch das Zutrauen in die eigenen körperlichen Fähigkeiten. Die Förderung der Alltagsbewegung erweist sich gerade bei älteren Menschen, die wenig Sport in ihrem Leben betrieben haben als nahe liegender Ansatz. Um in diesem Bereich stärkere Aktivitäten zu entfalten, wurden aus Mitteln des nationalen Aktionsplans IN FORM des Bundesministeriums für Gesundheit und des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz auf Landesebene Zentren für Bewegungsförderung eingerichtet, die verschiedene Ansätze zur Stärkung der Alltagsbewegung entwickeln und für Kommunen zur Verfügung stellen. Spazierengehen ist eine der wichtigsten Freizeitaktivitäten älterer Menschen. Attraktive öffentliche Räume und Grünanlagen im direkten Wohnumfeld verbessern daher Lebensqualität und regen ältere Menschen zum Spaziergang, d.h. zur Mobilität und zur Teilhabe am öffentlichen Leben, an. Fast 70% aller Städte und Gemeinden in Deutschland stufen Sport und Bewegungsförderung als wichtiges Handlungsfeld ein. Wichtigster Akteur für die Kommunen sind die Sportvereine (BZgA und DifU, 2007, Seniorenbezogene Gesundheitsförderung und Prävention auf kommunaler Ebene - Eine Bestandsaufnahme).

Link zum Thema Depression

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Gesundheitsförderungsangebote des DRK-Landesverbandes

Der Landesverband des Deutschen Roten Kreuzes in Baden-Württemberg organisiert in Zusammenarbeit mit vielen Partnern ein breites Bewegungs- und Gesundheitsförderungsangebot für sozial benachteiligte ältere Menschen, welches wöchentlich ca. 30.000 Menschen erreicht. Es werden verschiedene Kurse (Tanzen, Gymnastik, Gedächtnistraining etc.) angeboten. Um Migrantinnen und Migranten besser ansprechen zu können, wurden 150 von ihnen zu Kursleitungen ausgebildet.

Weitere Informationen hierzu unter www.gesundheitliche-chancengleichheit.de/:datenbank

Zentrum für Bewegungsförderung

Das Berliner Zentrum hat mit sechzig älteren Bewohnerinnnen und Bewohnern sowie Menschen aus verschiedenen Einrichtungen des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg ein World Café zur Initiierung von Spaziergangsgruppen durchgeführt. Bei dieser Methode werden zu den unterschiedlichen Themen Tische vorbereitet, an denen die Teilnehmenden im Verlauf der Veranstaltung reihum Platz nehmen und sich zu den einzelnen Themen austauschen. Beraten wurde z.B., was gute Treffpunkte sind, wer erreicht werden soll und wie die Schulung der Spaziergangspaten organisiert werden kann.

Weitere Informationen: Überblick über alle Zentren für Bewegungsförderung in Deutschland: www.in-form.de/bewegungsfoerderung

Das IN FORM- Projekt „Bewegt leben - mehr vom Leben“

Im Rahmen des Modellprojektes „Gesund im Alter“ des nationalen Aktionsplans IN FORM geht die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit im Rhein-Sieg-Kreis der Frage nach, wie im kommunalen Bereich nachhaltige gesundheitsförderliche Strukturen für ältere Menschen aufgebaut werden können. Die Erfahrungen sollen über die ebenfalls im Rahmen des nationalen Aktionsplans IN FORM eingerichteten Zentren für Bewegungsförderung auf weitere Regionen übertragen werden.

Zu Beginn des Modellprojektes wurden bereits bestehende Angebote für ältere Menschen zusammengetragen. In einer Umfrage, an der etwa 1000 Menschen über 60 Jahre teilnahmen, wurden sportliche Aktivitäten, das Ernährungsverhalten, Angebotswünsche und Hindernisse einer Teilnahme erfragt. Dadurch sollten fehlende Bekanntheit und mögliche Teilnahmehindernisse erarbeitet und reduziert werden. Angebote sollen so auf die Zielgruppe der älteren Menschen unter Einbezug dieser angepasst werden. Aus diesen Erfahrungen sollen Handlungshilfen und Arbeitsleitlinien erarbeitet werden, die auch in anderen Kommunen Anwendung finden können.

Weitere Informationen unter www.in-form.de und www.bewegtleben.net

SportaktivitätFrauenMänner
Radfahren30 %36 %
Schwimmen20 %19 %
Gymnastik28 %4 %
Wandern/ Spazieren17 %22 %
Joggen/ Laufen8 %15 %
Fitness9 %10 %
Tennis5 %7 %
(Nordic) Walking7 %5 %

Abbildung 7: Die beliebtesten Sportaktivitäten älterer Menschen ab 55 Jahren (nach Prof. Dr. Hartmann-Tews, Deutsche Sport Hochschule, BZgA Oktober 2009)

Die Entwicklung zielgruppenspezifischer Sportangebote für ältere Menschen wird von Sportvereinen vorangetrieben. Denn rund die Hälfte der Älteren über 65 Jahre gibt an, sportlich nicht mehr aktiv zu sein (Quelle: RKI, 2005, S. 9).

Schätzungen gehen davon aus, dass 30 Prozent der in Deutschland lebenden Personen über 65 Jahre mindestens einmal pro Jahr stürzen (BKK, 2006, S. 76). Ein besonders hohes Risiko haben Pflegeheimbewohnerinnen und -bewohner. Hier wird geschätzt, dass der Anteil bei 50 Prozent liegt. In Folge der Stürze können sich Hüftfrakturen einstellen, in besonders schweren Fällen mit der Folge von Pflegebedürftigkeit. Die unmittelbaren medizinischen Behandlungskosten werden auf über eine Milliarde Euro geschätzt (BKK, 2006).

Nur ca. ein Drittel der alten Menschen, die sich nach einem Sturz eine Oberschenkelhalsfraktur zuzogen, erreicht die ursprüngliche Alltagskompetenz für grundlegende Tätigkeiten (Essen, Körperpflege) wieder, sogar nur ca. ein Fünftel der Betroffenen ist weiter in der Lage, die nötigen Verrichtungen für ein selbstständiges Leben durchzuführen, wie Einkaufen oder Hausarbeit. Ein wesentlicher Grund ist psychisch bedingt: die Angst vor einem erneuten Sturz. Regelmäßiges Bewegungstraining verhilft dem Körper zu mehr Beweglichkeit und Geschicklichkeit und beugt dadurch nicht nur Stürzen vor, sondern unterstützt auch den Genesungsprozess nach einem Sturz.

Abbildung 8: Medienset „Mehr Gesundheit im Alter!“ (Quelle: Behörde für Soziales, Familie und Verbraucherschutz, 2009)

Abbildung 8: Medienset „Mehr Gesundheit im Alter!“ (Quelle: Behörde für Soziales, Familie und Verbraucherschutz, 2009)

Medienset zur Sturzprävention des Hamburger Arbeitskreises Sturzprävention

Im Rahmen eines Kooperationsprojektes des Gesunde Städte-Netzwerkes und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) wurde von der Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz der Stadt Hamburg ein Medienset zur Sturzprävention entwickelt, das Kommunen des gesunden StädteNetzwerks zur Planung und Durchführung kommunaler Projekte verschickt und zur Nachahmung empfohlen wurde:

  • Arbeitshilfen „Mehr Gesundheit im Alter“ zur Bewegungsförderung und Sturzprävention Exemplarisch wird an den Aktivitäten des Hamburger Arbeitskreises Sturzprävention ein strukturiertes Vorgehen dargestellt, um ein lokales Konzept zur Gesundheitsförderung für ältere Menschen zu planen, umzusetzen und zu evaluieren. Die Vernetzung lokaler Organisationen und Akteure findet dabei besondere Berücksichtigung. Die Arbeitshilfen liegen als CD-Rom vor. Der modulare Aufbau ermöglicht es, von einem Basismodul aus über entsprechende Verweise (Hyperlinks) Vertiefungsmodule mit weiterführenden Informationen, Praxisbeispielen, Anhängen, einem Glossar und einer Linksammlung direkt anzusteuern.
  • Der Ratgeber „Sicher gehen - weiter sehen: Bausteine für Ihre Mobilität“ wendet sich an die Zielgruppe der Seniorinnen und Senioren selbst, kann aber auch im Kontext individualisierter Beratung von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren eingesetzt werden (z.B. Arztpraxen, Apotheken, Senioreneinrichtungen).

Download der Broschüre ist möglich unter: www.hamburg.de/ contentblob/895024/data/ sicher-gehen-broschuere-2008.pdf

  • Darüber hinaus wurden eine Plakatserie und ein Flyer „Bewegung lohnt sich“ mit Anleitungen für fünf einfach durchzuführende Bewegungsübungen für die Zielgruppe „Ältere Menschen“ entwickelt. Sie sind für einen Einsatz auf kommunaler Ebene zur Unterstützung von Aktionen und Veranstaltungen zur Thematik Mobilitäts- und Bewegungsförderung im Alter gedacht. Die Vorlagen können interessierten Kommunen - unter Berücksichtung von Copyright-Aspekten - zur Verfügung gestellt werden.

Weitere Informationen und download unter: www.gesundheit.hamburg.de -> Prävention und Gesundheitsförderung

Links zum Thema Bewegungsförderung und Sturzprävention

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Ernährung und Mundgesundheit im Alter


Ernährung

Mann beim joggen

© fotolia.com, Bernd Leitner

Eine ausgewogene und dem Lebensstil angepasste Ernährung wirkt gerade im Alter vorbeugend und gesundheitsfördernd. Nach einer Umfrage von 2003 waren in der Altersgruppe der 60- bis 69-Jährigen 85 Prozent der befragten Männer und 79 Prozent der befragten Frauen übergewichtig oder adipös. In der Altersgruppe 70+ waren es noch 81 Prozent der Männer bzw. 78 Prozent der Frauen (Saß; Wurm; Ziese, 2009 b, S. 40).

Neben der Bewegungsförderung beeinflusst eine mäßige, kalorien- und fettarme Ernährung das Körpergewicht. Ab 50 Jahren sinkt der Energiebedarf eines Menschen, bei gleich bleibendem Nährstoffbedarf. Die Zusammensetzung der Mahlzeiten ist daher sehr wichtig, z.B. wirkt eine ausreichende Versorgung mit Kalzium und Vitamin D präventiv gegen Osteoporose.

Eine wirkungsvolle Ernährungsberatung sollte über eine individuell angepasste, ausgewogene Ernährung informieren und darüber hinaus die richtigen Techniken des Einkaufens, der Vorratshaltung und der Zubereitung vermitteln. Dabei sollten bestimmte Zielgruppen besonders beachtet werden, zum Beispiel alleinstehende ältere Männer.

Rahmenbedingungen im Quartier für eine ausgewogene und gesunde Ernährung:

  • frische und vielfältige Lebensmittel müssen im Wohnumfeld erhältlich sein
  • die Zubereitung und Aufbewahrung von Speisen durch Mittagstische und Bringdienste sollten qualitativ hochwertig im Sinne einer gesunden Ernährung sein (z.B. kein stundenlanges Warmhalten der Speisen)

Mundgesundheit
Zahnverlust und schlecht sitzende Prothesen können bei älteren Menschen Gründe für Rückzug und Isolation sein. Sie können außerdem eine Ursache für Kaubeschwerden werden. Etwa 20 Prozent der alten Menschen sind davon betroffen. Das Kauen ist für die Zerkleinerung und Aufnahme der Nahrung wichtig, hat aber auch appetitanregende Funktionen. Erst beim Kauen werden Geschmacks- und Geruchsstoffe der Nahrung freigesetzt. Mit dem Alter nimmt zudem die Speichelbildung ab. Dadurch kann es vermehrt zu Mundtrockenheit und entzündlichen Infektionen im Mundraum kommen.

Die Ursachen für Kaustörungen müssen erkannt und behoben werden, z.B. durch Sanierung des Zahnapparates, verstärkte Mundhygiene und Anregen des Speichelflusses (bei Mundtrockenheit) z.B. durch ausreichendes Trinken.

Kochkurs für ältere Männer

Das Angebot wurde in Siedlungen mit älteren Bewohnern erprobt, die eine industriell geprägte Erwerbsbiographie hatten. Aufgrund der zumindest früher üblichen innerfamiliären Arbeitsteilung fehlte es an notwendigem Wissen und Erfahrungen zu einer ausgewogenen Ernährung sowie an Kraft und Motivation, das eigene Ernährungsverhalten nachhaltig zu ändern. Bestandteile des Kurses:

  • Organisation eines regelmäßigen, gemeinsamen gesunden Frühstücks
  • Kochkurs unter dem Motto: schnell, einfach, preiswert, lecker und gesund
  • Einkaufen im Viertel: Gemeinsame Einkaufstour mit fachlicher Beratung
  • „Von uns - für uns“ - „festliche“ Abendessen, bei denen die Teilnehmer für den Rest der Gruppe Gerichte aus ihrer Jugend bzw. aus ihrer Heimat kochen.

Akteure im Rahmen des Angebotes waren örtliche Gewerkschaftsbüros, Krankenkassen, Rentenberatungsstellen, Ärzte, Apotheken, Seniorentreffs und Ämter.

Das Angebot wurde mit Unterstützung von Ernährungsberatung, Köchen und Köchinnen, Verbraucherberatung, Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen von Seniorentreffs und Altentagesstätten sowie dem Hausfrauenbund organisiert.

Orte: Räume in Krankenkassen, Tagesstätten, Stadtwerken (Kochkurs)
Materialien: Lebensmittel, Rezeptsammlung, Broschüren

Aus: BKK Bundesverband. 2009, S. 21 f.

Bis(s) ins hohe Alter

Der Rhein-Kreis Neuss hat mit zahlreichen Partnern das Projekt „Bis(s) ins hohe Alter“ initiiert. Ziel ist die Verbesserung der Mundgesundheit pflegebedürftiger Menschen. Dazu kooperieren die Partner mit fünf Einrichtungen der Altenpflege. Im Mittelpunkt des Projekts stehen Schulungen des Pflegepersonals in der Speziellen Mundpflege durch ehrenamtlich tätige Zahnärzte - so genannte Patenzahnärzte. Diese führen ferner halbjährlich eine zahnärztliche Untersuchung durch und bei Bedarf können sie mit einer mobilen Behandlungseinheit direkt vor Ort kleinere zahnmedizinische Behandlungen durchführen. Dies ist insbesondere für nicht mobile Bewohner eine erhebliche Erleichterung. In regelmäßigen Abständen werden darüber hinaus individuelle Vorsorgemaßnahmen wie professionelle Zahn- und Prothesenreinigung durchgeführt.

Das Pflegepersonal kann die gewonnenen Kenntnisse in den Pflegealltag einbringen, wodurch sich in vielen Fällen die defizitäre Mundhygiene der Heimbewohner verbessert. Hierdurch kann eine Steigerung der Lebensqualität der Bewohnerinnen und Bewohner in den Einrichtungen erreicht werden.

Weitere Informationen hierzu: www.rhein-kreis-neuss.de -> Themen -> Gesundheit -> Seniorengesundheit

Link zum Thema Ernährung und Mundgesundheit

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Pflegende Angehörige
Die Zahl der zu pflegenden Personen wird, wie in Kapitel 1. bereits erläutert wurde, weiter zunehmen. Diese Entwicklung veranschaulicht die folgende Grafik. Der Hochrechnung des Status Quo, also den heutigen Zahlen Pflegebedürftiger, wird der günstige Fall, also dass Präventionsmaßnahmen wirken und zukünftig der Eintritt chronischer Erkrankungen und damit die Zahl der Pflegebedürftigen verringert werden kann (sog. Kompressionsthese), gegenüber gestellt. Selbst wenn chronischen Erkrankungen vorgebeugt und nachfolgende Generationen gesünder in die hohen Lebensjahre kommen, steigt die Zahl der hilfsbedürftigen Personen auf etwa 3,5 Millionen im Jahre 2050 an.

Abbildung 9: Entwicklung der Pflegebedürftigen im Vergleich, (Quelle: Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen, 2009, S. 511)

Abbildung 9: Entwicklung der Pflegebedürftigen im Vergleich, (Quelle: Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen, 2009, S. 511)

Ausrufezeichen

Broschüre „Pflegefall in der Familie - Was nun?“ des Kölner Bündnisses für Familie

Das Kölner Bündnis für Familie hat 2008 eine Informationsbroschüre für pflegende Angehörige herausgebracht. Diese Broschüre „Pflegefall in der Familie - Was nun?“ gibt nützliche Informationen und Tipps zu Pflegestufen, Leistungen des Sozialamtes und rechtlichen Fragen der Betreuung sowie zur Vereinbarkeit von Familie und Pflege. Außerdem bietet sie Kontaktadressen zu Beratungs- und Fortbildungsangeboten und enthält eine Checkliste, welche die Auswahl eines geeigneten ambulanten Pflegedienstes erleichtern soll.

Soziale Netzwerke und die Unterstützung durch Angehörige, Freunde und Nachbarn, werden damit zu wichtigen Faktoren, um vorübergehend zu unterstützen und stationäre Pflege möglichst lange hinaus zu zögern. Dazu bedarf es jedoch auch tragfähiger Entlastungs- und Unterstützungsangebote für pflegende Angehörige. Denn die Belastung der Pflegetätigkeit beeinträchtigt die Gesundheit der meist selbst bereits älteren pflegenden Angehörigen und kann zu eigenen schweren Erkrankungen führen.

Das Wissen um Unterstützungsmöglichkeiten und der Kontakt zu anderen Betroffenen können Belastungen verringern. Eine frühzeitige Suche nach externer Unterstützung kann Notlagen vorbeugen oder verbessern und stellt eine wichtige präventive Hilfe für pflegende Angehörige dar.

Für den Erfolg von Unterstützungsangeboten ist es allerdings notwendig, dass diese sehr niedrigschwellig im Quartier verankert sind und die Inanspruchnahme von Hilfe als Selbstverständlichkeit gilt. Oft bestehen Vorbehalte gegenüber der Suche nach Unterstützung, da Hilfebedürftigkeit häufig mit individuellem Versagen gleichgesetzt wird. Diesem Image gilt es ebenso sensibel wie hartnäckig entgegen zu wirken, wenn Unterstützung präventiv, d.h. frühzeitig wirken soll.

Ausrufezeichen

Regelmäßige Augen­unter­suchungen dienen auch der Sturz­prävention; Hörtests sichern die Kommu­nikation und haben damit auch präventive Wirkung gegen Depressionen.

Die Teilnahme älterer Menschen an Früherkennungsuntersuchungen der gesetzlichen Krankenkassen sowie an Therapien oder Rehabilitationsmaßnahmen sind wichtige Bausteine für den Erhalt der Gesundheit. Eine frühzeitige Teilnahme an diesen Angeboten hilft, Erkrankungen früh erkennen und im Anfangsstadium behandeln zu können, Gesundheitsrisiken rechtzeitig zu identifizieren und individuell abgestimmte Behandlungen zu entwickeln.

Voraussetzung für die Inanspruchnahme der medizinischen Versorgung ist die Bereitschaft, an Früherkennungsuntersuchungen auch ohne akute gesundheitliche Probleme teilzunehmen. Empfohlene oder notwendige Konsequenzen der Untersuchung wie Präventionskurse oder Therapien und RehaMaßnahmen müssen konsequent befolgt werden. Hierfür müssen präventive und gesundheitsförderliche Angebote kostengünstig und niedrigschwellig im Quartier vorhanden und bekannt sein. Eine Vernetzung der einzelnen Anbieter zu lokalen Gesundheitsnetzen ist im Sinne der ganzheitlichen Prävention bei älteren Menschen eine wichtige Zielvorgabe. Das Wissen und Bewusstsein um die Wirksamkeit von Prävention und Gesundheitsförderung im Alter muss auch bei der Ärzteschaft erweitert und verstärkt werden.

Links zum Thema Früherkennungsuntersuchungen

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Arzneimittel im Alter

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen hat sich in seinem Sondergutachten 2009 ausführlich mit den Problemen der Arzneimittelverordnung bei alten Menschen mit mehrfachen Erkrankungen befasst. So wird an Hand einer imaginären 79-jährigen Patientin mit zahlreichen Erkrankungen wie Osteoporose (Knochenschwund), Osteoarthritis (entzündliche Erkrankung von Knochen und Gelenken), Diabetes mellitus Typ 2 (Zuckerkrankheit), Hypertonie (Bluthochdruck) und chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (dauerhaft entzündete und verengte Atemwege) dargestellt, dass diese Patientin täglich zwölf Medikamente in 19 Einzeldosen, zu fünf verschiedenen Zeitpunkten, zwischen 7 Uhr und 23 Uhr einnehmen müsste (Sachverständigenrat, 2009, S. 458 f.). Ältere Menschen erhalten auf Grund von mehrfachen Erkrankungen (Multimorbidität) meist viele unterschiedliche Arzneimittel­verordnungen und haben dadurch auch eine erhöhte Gefahr, an unerwünschten Arzneimittel­nebenwirkungen und -wechselwirkungen zu leiden (Sachverständigenrat, 2009, S. 471), wie die folgende Grafik zeigt.

Abbildung 10: Arzneimittelverbrauch in definierten Tagesdosen (DDD) je Versichertem in der GKV 2007. (Quelle: Sachverständigenrat, 2009, S.466)

Abbildung 10: Arzneimittelverbrauch in definierten Tagesdosen (DDD) je Versichertem in der GKV 2007. (Quelle: Sachverständigenrat, 2009, S.466)

Neben Anforderungen an die pharmazeutische Forschung werden vor allem Verbesserungen in der Versorgung älterer Menschen gefordert.

„Reserven für die Gesunderhaltung und die Hinauszögerung einer Pflegeabhängigkeit sind aber nicht nur im Verhalten der alten Frauen und Männer zu suchen. Ebenso liegen diese in den Verhältnissen des Gesundheitssystems. So werden insbesondere weibliche biografische Stationen im Alter im Rahmen der medizinischen Versorgung als Krankheit umdefiniert: Zeiten von Lebensveränderungen, wie die Empty NestPhase [die Kinder sind „ausgeflogen“] nach dem Auszug der Kinder oder die Meno- und Postmenopause sind heute anfällig für medizinische Interventionen. Ein verändertes Verordnungsverhalten der Ärzte zum Beispiel könnte Frauen im Alter helfen, ihre Gesundheit positiv zu beeinflussen. Der hohe Medikamentenverbrauch vieler Frauen, insbesondere der Verbrauch von Beruhigungsmitteln und Psychopharmaka, hat letztendlich auch mit den geschlechtsspezifischen Zuschreibungen vieler Ärzte zu tun. Sie neigen bei Frauen eher dazu, Symptome wie „psychische Überforderung” oder „(Klimakteriums-) Depressionen” zu diagnostizieren. Studien konnten zeigen, dass die häufigeren Medikamentenverordnungen für Frauen mit deren häufigeren Arztbesuchen zusammenhängen. An diesem Punkt schließt sich ein Kreislauf: Frauen äußern mehr Beeinträchtigungen des seelischen und körperlichen Befindens. Frauen gehen häufiger zum Arzt, Frauen bekommen häufiger Medikamente verschrieben, besonders solche, die im psycho-vegetativen Bereich wirken“ (Sachverständigenrat, 2009, S. 619).

Älterwerden und Gesundheit - die Patientinnenschulung

Das Feministische Frauengesundheitszentrum Berlin hat eine Patientinnenschulung entwickelt, die ältere Frauen zu gesundheitlichen Themen informiert, um Erkrankungen vorzubeugen und ihr Selbsthilfepotenzial für den Umgang mit Beschwerden, gesundheitlichen Einschränkungen oder Erkrankungen zu verbessern. Das Projekt richtet sich besonders an sozial benachteiligte Frauen. Durch die Sprach- und Kulturmittlung werden auch ältere Migrantinnen gut erreicht.

Weitere Informationen hierzu www.gesundheitliche-chancengleichheit.de/:datenbank

Tipps zum Weiterlesen

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Links zum Thema „Prävention im Alter“

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Der Kooperationsverbund wurde 2003 auf Initiative der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) gegründet
und wird maßgeblich durch die BZgA getragen. Ihm gehören aktuell 55 Partnerorganisationen an.
BZgA / Ostmerheimer Str. 220 / 51109 Köln / Tel +49 221 8992-0 / Fax +49 221 8992-300
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