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Sportvereine als Partner der Gesundheitsförderung

3D-Würfel

Um die gesundheitliche Chancengleichheit in Deutschland zu verbessern, bedarf es der Anstrengung vieler Akteure. Mit rund 90.000 Sportvereinen bundesweit sowie Verbandsstrukturen auf allen föderalen Ebenen, bietet der organisierte Sport für dieses gesamtgesellschaftliche Vorhaben viel Potenzial. Ein Blick auf die Good Practice-Projekte der Datenbank www.gesundheitliche-chancengleichheit.de verrät, dass die Vereine bereits in jedem vierten Projekt als Netzwerkpartner eingebunden sind.

In diesem Kapitel, erstellt in Kooperation mit dem Deutschen Olympischen Sportbund, wollen wir Ihnen zeigen, wie alle Beteiligten von den vielfältigen Partnerschaften zwischen organisiertem Sport und kommunalen, gesundheitsbezogenen und zivilgesellschaftlichen Akteuren profitieren können. Der gesellschaftliche Wandel stellt Kommunen, Schulen, Kitas und Vereine gleichermaßen vor Herausforderungen. Neben der gesundheitlichen Ungleichheit und der fehlenden sozialen Integration von ressourcenschwachen Bevölkerungsgruppen ist die Alterung der Gesellschaft ein wichtiges Thema, die kulturelle Vielfalt ein anderes. Kinder- und Jugendsportberichte, der Sportentwicklungsbericht, der Kinder- und Jugendgesundheitssurvey KiGGs sowie kommunale Bewegungsberichte liefern wichtige Daten, um maßgeschneiderte Projekte und Programme auf den Weg zu bringen und problematischen Entwicklungen entgegenzutreten.

Das Spektrum vielversprechender Praxisansätze umfasst:

  • offene Angebote und Zugehen auf „neue“ Zielgruppen an Schulen, in Nachbarschaftstreffs oder Bolzplätzen im Stadtteil,
  • mehrsprachige und kultursensible Werbung der Vereinsangebote für zugewanderte Bevölkerungsgruppen,
  • Aktionsbündnisse und Vernetzung in der Kommune oder im Stadtteil,
  • Teilnahme an Aktionsprogrammen, wie „Integration durch Sport“, „Aktionsbündnisse“ oder „Sport gegen Gewalt“ und Nutzung zusätzlicher Finanzierungsmöglichkeiten für kostengünstige oder kostenfreie Sportprojekte.

Checkliste für Vereine, um neue Zielgruppen in ihrer Umgebung anzusprechen:

  • Gibt es in unserer Stadt Gruppen, die für unseren Verein als neue Mitglieder interessant wären?
  • Haben wir bereits Mitglieder, mit denen wir „neue“ Zielgruppen ansprechen können?
  • Was wissen wir über potenzielle Mitglieder, über deren Interessen, Treffpunkte, Möglichkeiten, Beiträge zu zahlen, verfügbare Freizeit?
  • Kann unser Verein offene Angebote für (noch-)Nicht-Mitglieder machen? Gibt es Sportstätten vor Ort? Können wir dafür - ggf. mit kommunaler Unterstützung - Mitgliedsbeiträge senken oder erlassen?
  • Welche Partnerinnen und Partner haben wir, die diese Angebote unterstützen könnten (Übernahme von Mitgliedsbeiträgen, Bereitstellen von Räumlichkeiten, Vermittlung von Teilnehmenden)?
  • Gibt es Ganztagsschulen, Kindergärten, Familientreffs, Wohnungsbaugesellschaften, ein regionales Bewegungszentrum, die Sportvereine als Partner suchen?
  • Welche guten Erfahrungen gibt es? Gibt es in unserer Region oder unserer Sportart „Vorreiter“,die wir ansprechen können? Was bieten die Sportverbände auf Kreis oder Landesebene zur Unterstützung an?

Wie beeinflusst der soziale Status eine Mitgliedschaft im Sport? Wer bewegt sich wo am liebsten? Welchen Sport treiben Jungen, welchen Mädchen? Antworten auf diese Fragen sowie Informationen zu den Sporttreibenden und -vereinen finden sich in den Deutschen Kinder- und Jugendsportberichten sowie im Sportentwicklungsbericht (s. Tipps zum Weiterlesen). Im ersten Kinder- und Jugendsportbericht von 2003 wurden stadtteilspezifische Besonderheiten deutlich: 24 Prozent der Jungen und 16 Prozent der Mädchen aus einem sozialen Brennpunkt gaben den Sportverein als Ort an, an dem sie Sport treiben. In einem gutbürgerlichen Stadtteil waren es im Vergleich deutlich mehr: 72 Prozent der Jungen und 52 Prozent der Mädchen (vgl. Pilz 2009, S. 110). Der zweite Deutsche Kinder- und Jugendsportbericht (2009) greift eine Reihe von Forschungsergebnissen zur Sozialen Ungleichheit auf. Diese Zahlen belegen weiterhin, dass es auch bei den Vereinsmitgliedschaften ein soziales Gefälle und deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede gibt. Potenzial und Herausforderung zeigt der Vergleich von türkischen Jungen und Mädchen. Die Jungen sind die am stärksten vertretene Gruppe, während die Mädchen am stärksten unterrepräsentiert sind.

Integration durch Sport

Ausrufezeichen

Tipp zur Terminplanung mit Ehrenamtlichen
Sportvereine haben aufgrund ihrer überwiegend von Ehrenamtlichen getragenen Struktur eher geringe Möglichkeiten, Vertreterinnen und Vertreter zu Versammlungen und Besprechungen im Stadtteil zu entsenden. Kommunale Netzwerke, die die Vereine einbeziehen wollen, sollten dies in ihrer Terminplanung berücksichtigen.

Etwa 500 so genannte Stützpunktvereine wirken im Programm „Integration durch Sport“ des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) deutschlandweit mit. Die Integration von Personen mit Migrationshintergrund in den (vereinsorganisierten) Sport und die Integration durch den Sport in die Gesellschaft sind zentrale Ziele. Über 1.200 Übungsleitende betreuen knapp 2.000 integrative Sportgruppen. Das Programm ist breit angelegt und umfasst verschiedenartige Programmelemente: Neben der Integrationsarbeit der erwähnten Stützpunktvereine sind sogenannte Starthelferinnen und Starthelfer unterwegs, um neue integrativer Sportgruppen zu initiieren, finden ein- oder mehrtägige Integrationsmaßnahmen (z. B. Ferienlager oder Sportevents) statt, wird mit Sportmobilen für das IdS-Programm geworben, werden die Funktionsträgerinnen und Funktionsträger in der sportbezogenen Integrationsarbeit weiterqualifiziert. Das Projekt ist auch finanziell groß dimensioniert. Neben Eigenmitteln des Sports fließen jährlich 5,4 Millionen Euro an Bundesmitteln in das Programm.
www.integration-durch-sport.de

Sportvereine binden inzwischen mehr Menschen mit Migrationshintergrund als jede andere vergleichbare Organisation in Deutschland. Dennoch sind über alle Altersgruppen gesehen Migrantinnen und Migranten im organisierten Sport unterrepräsentiert. Der Sportentwicklungsbericht 2007/2008 (Breuer 2009) gibt Handlungsempfehlungen für Staat und Politik, für Sportbünde und -verbände sowie für das Vereinsmanagement, um beispielsweise dem sportpolitischen Ziel der verstärkten Integration von Migrantinnen und Migranten Rechnung zu tragen.

Sondermaßnahmen zur Integration, die Kooperation mit öffentlichen Institutionen sowie die Einstellung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit Migrationshintergrund haben sich bewährt.

Sport in der Datenbank Gesundheitsprojekte

eine Gruppe von jungen Fußballern auf dem Spielfeld

© sxc.hu, William Wilhelms

Ein Blick in die Datenbank www.gesundheitliche-chancengleichheit.de zeigt deutlich, welchen hohen Stellenwert Sport für die Gesundheitsförderung bei sozial Benachteiligten hat: In der Hälfte der 100 ausgewiesenen Projekte „Guter Praxis“ ist das Stichwort „Sport“ genannt! Immerhin in jedem Vierten der Gute Praxis-Projekte sind Sportvereine beteiligt, fast alle davon (21 Projekte) nennen zudem einen Stadtteilbezug. Die Beispiele zeigen, …

  • wie die Vernetzung mit anderen Engagierten vor Ort gelingt und welchen Nutzen die Beteiligten daraus ziehen.
  • wie Programme zur interkulturellen Arbeit genutzt werden können oder erfolgreiche Initiativen einen Schneeballeffekt auslösen
  • wie die gezielte fachliche Unterstützung zur Prävention von Gewalt und Fremdenfeindlichkeit gelingen kann.

„SG Friedrich der Große“ (Herne) belebt durch das Engagement muslimischer Frauen

1995 fing es mit einer Gymnastikgruppe für muslimische Frauen an. Heute sind viele muslimische Familien Mitglieder der Sportgruppen. Sie prägen und organisieren das Vereinsleben. Vor allem die Schwimmangebote waren ein guter „Türöffner“ für Familien. Seit 2003 ist die SG auch Stützpunktverein des Programms „Integration durch Sport“ und erhält Unterstützung bei Integrationsmaßnahmen sowie Zuschüsse für Starthelfer und Infrastruktur.

Ausgezeichnetes Good Practice-Projekt „Sport gegen Gewalt“

Über 30 Projektmitarbeitende haben in allen Kreisen Schleswig-Holsteins über 80 regelmäßige, offene Sportangebote für Kinder und Jugendliche aufgebaut. Hip Hop und Break dance, Fußball für Jungs und Mädchen, Selbstverteidigung und Judo oder „Wald-Strand-WasserAktivitäten“ sind im Angebot. Die lokalen Vereine und Verbände können durch „Sport gegen Gewalt“ bei gezielten Maßnahmen und Projekten, bei integrativen Ferienfreizeiten und Jugendmaßnahmen und bei der Beteiligung an gewaltpräventiven Maßnahmen in Zusammenarbeit mit anderen Trägern der Kinder- und Jugendarbeit unterstützt werden. Interessierte Vereine aus Schleswig-Holstein können weiterhin aufgenommen werden. In der Good Practice-Würdigung des Kooperationsverbundes wurde vor allem die „niedrigschwellige Arbeitsweise, das integrierte Handlungskonzept und die Evaluation der Wirksamkeit“ hervorgehoben.

Weitere Informationen unter: www.lsv-sh.de

Leherheide in Bewegung - Bremerhavener Aktionsbündnis und Gemeinschaftsinitiative

Viele Partnerinnen und Partner können gemeinsam vor Ort eine neue Qualität von Bewegungsangeboten und Gesundheitsförderung schaffen. Dies war das Ziel des Aktionsbündnisses „Leben in Bewegung“ in Bremen und Bremerhaven. Im Bremerhavener Stadtteil Leherheide konnten 2009 bei einer gemeinsamen Veranstaltungsaktion diese neue Qualität erlebt werden: Street-Soccer, „Spiele ohne Grenzen“, ElternKind-Turnen, Tischtennis, Tanzen, Mädchenfußball sowie Infos zu gesunden Getränken und gesunder Ernährung sowie „fair play“ und vieles mehr wurden von über 15 Partnerinnen und Partnern an zwei Tagen auf die Beine gestellt. Der Erfolg hat alle motiviert, im nächsten Jahr wieder eine solche Gemeinschaftsaktion zu organisieren.

Der Regionale Knoten Bremen koordinierte das Bündnis, das jetzt als Stadtteilgruppe weiter besteht. Es versteht sich als Schmelztiegel, um die Ideen der Partnerinnen und Partner zusammenzuführen. Das Bremerhavener Gesundheitsamt, der Deutsche Kinderschutzbund Ortsverband Bremerhaven, das Gartenbauamt Bremerhaven, der Kulturladen Wulsdorf, der Kreissportbund Bremerhaven, der Sportverein Sport und Freizeit Leherheide (SFL), der Freizeittreff Leherheide, die Elternschule und die AOK Bremen/ Bermerhaven beteiligen sich an der Stadtteilgruppe. Die Größe und Verschiedenartigkeit der Beteiligten hat eine wertschätzende und offene Arbeitsatmosphäre befördert.

Erfolgsfaktoren sind:

  • Offenheit miteinander und die Lust am Ausprobieren
  • Gegenseitige Annerkennung muss sein. Eine Konkurrenz um Positionen oder Ressourcen darf nicht entstehen
  • Der „benefit“ der Zusammenarbeit muss immer wieder herausgearbeitet werden.
  • Die Mitarbeit von Ehrenamtlichen muss bei den Terminfestlegungen berücksichtigt werden.

„Sport plus X: Auch soziale und berufliche Kompetenzen stärken“

Die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund ist eine der wichtigsten gesellschaftlichen Aufgaben und Herausforderungen unserer Zeit. Der organisierte Sport kann mit seinen vielfältigen Bewegungsangeboten im sozialen Kontext die gleichberechtigte Teilhabe und die individuellen wie kollektiven Entfaltungsmöglichkeiten von Migrantinnen und Migranten fördern und tut dies bereits mit sehr unterschiedlichen Angeboten und Projekten.

Wissenschaftliche Untersuchungen und auch die Vereinswirklichkeit zeigen, dass die Beteiligung von Mädchen und Frauen im Sport überaus gering ausfällt. Dem entgegen steht jedoch der Wunsch dieser Frauen nach einem stärkeren sportlichen Engagement und besseren sozialen Kontakten. Mit seinem Netzwerkprojekt legt der DOSB im „Jahr der Frauen im Sport“ einen speziellen Schwerpunkt auf die aktive Einbindung und Förderung von zugewanderten Mädchen und Frauen. Wir wollen ihre Wünsche nach mehr Bewegung und Sport aufgreifen und bedürfnisorientiert über den Sport Möglichkeiten eröffnen, die eigenen Potenziale zu erkennen und sie weiter zu entwickeln. Dazu zählt, dass sie ihre sozialen und beruflichen Kompetenzen stärken und erweitern. Praktisch geschieht das durch die Kombination von Sportkursen mit Zusatzangeboten, die die Gesundheit und Persönlichkeit fördern und stärken: „Sport + ‚X’“. X steht dabei für Zusatzangebote, die über andere Partner gewährleistet werden, mit denen der Sport bestehende oder neue Netzwerke mit zumeist kommunalen Partnern unterhält bzw. aufbaut. Die Projektvorstellung soll Impulse geben für ähnliche Projekte und Ideen. Bereits in der ersten Umsetzungsphase zeigt sich, dass kombinierte Angebote von Migrantinnen überaus gern angenommen werden, das Bewusstsein für Bewegung und Gesundheit geschärft wird und die Frauen in ihrer Entwicklung und Selbstbestimmung stärken. Der sportlichen soll die soziale Einbindung in die Vereinsarbeit folgen. Sie sollen zu Vorbildern für andere Frauen mit Zuwanderungsgeschichte werden und zeigen, wie gesellschaftliche und soziale Ausgrenzung überwunden werden kann.

Weitere Informationen unter www.dosb.de

Tipps zum Weiterlesen

[ Tipps zum Weiterlesen finden Sie hier ]

Links zum Thema Sportvereine als Partner der Gesundheitsförderung

[ Links zum Thema finden Sie hier ]


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Der Kooperationsverbund wurde 2003 auf Initiative der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) gegründet
und wird maßgeblich durch die BZgA getragen. Ihm gehören aktuell 55 Partnerorganisationen an.
BZgA / Ostmerheimer Str. 220 / 51109 Köln / Tel +49 221 8992-0 / Fax +49 221 8992-300
Die BZgA ist eine Fachbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit.